„Es erschien mir logisch“

Die Ausgangsbeschränkung bringt es ja so mit sich, dass hier und da Zeit ist, die vorher irgendwie anderweitig im Raum-Zeit-Gefüge verschwunden ist. Gleichzeitig steigt der Frustrationslevel, während die Toleranzschwelle absinkt. Logisch, ein Pluspol verlangt immer nach einem Minus. Das eine kann nicht ohne das andere. Neudeutsch Yin und Yang, das wissen sogar die Chinesen, aber die lassen wir lieber mal außen vor.

Als Therapie für mein inneres Gleichgewicht schaue ich nun sporadisch Filme, vorzugsweise Action, so mit ordentlich Krawumms. Quasi als Stellvertreter zum Abreagieren. Wir kennen das ja von Weihnachten, kaum lief „Der kleine Lord“ und „Drei Nüsse für Aschenbrödel“, sind die Geschenke ausgepackt und die Gans verspeist, folgt pünktlich am zweiten Weihnachtsfeiertag „Stirb langsam“ 1-4 und genreähnliche Streifen. Logisch, der Mensch braucht die Gegensätze, um ganz zu sein.

Gerade lief „Star Trek“ in der Flimmerkiste. Im Normalfall würde ich dafür keinen Strom und erst recht keine Zeit aufwenden, aber andere Zeiten erfordern eben andere Maßnahmen. Und, da ich als Kind/Teenager „Raumschiff Enterprise“ gucken durfte, hat es dann ansatzweise gepasst. Fast schon eine logische Schlussfolgerung.

Warum ich da so drauf rum reite? Ja, genau, Mr. Spock. Der spielt ja gleich zweimal mit in dem Kinofilm, also dem so gesehen ersten Teil von „Raumschiff Enterprise“. Einmal als Rookie und dann noch sich selbst. Beide Seiten der Lebensspanne, wenn mal so will, auch eine Ergänzung. Mr. Spock ist ja auch der mit den logischen Argumenten und eigentlich emotionslosen Analysen. „Es erschien mir logisch“, einer seiner Sprüche.

Und nun frage ich mich, was Mr. Spock wohl zu unserer Logik sagen würde:

Sechs Wochen lang im Lockdown und mit Ausgangbeschränkung sind wir alle ohne Mund- und Nasenschutz in den Lebensmittelladen gegangen und nun müssen wir eine Maske zum Einkaufen tragen.
Kinder unter sechs Jahren müssen keinen Mund- und Nasenschutz tragen, sind aber angeblich die Virenschleudern schlechthin und dürfen unter ihresgleichen bis auf weiters nicht in den Kindergarten und auf Spielplätze.
Geschäfte bis 800qm dürfen öffnen, aber der Lebensmittelhandel sowie Bau- und Heimwerkermärkte sind davon nicht betroffen. Gut, das wurde nun von Gerichtswegen gekippt, dafür ist aber jetzt die Anzahl der Kunden auf x/qm begrenzt, was sich anscheinend nur mit der Anzahl der Einkaufwagen zählen lässt, denn Paare müssen zwei Wagen nehmen und haben dann gleich die doppelte Chance, neben den Einkäufen auch noch die Viren und Bakterien, die sich auf den Griffen der Einkaufswagen tummeln, mit nach Hause zu nehmen. Außerdem scheinen manche gleicher als gleich zu sein, denn es gibt auch welche ohne Karren. Vielleicht sind aber auch die Wagen ausgegangen. Wer weiß schon, nach welcher Logik derzeit verfahren wird.

Der arme Mr. Spock. Ob ihm wohl wenigstens ein “Faszinierend“ über die Lippen kommen würde? Aber der lebt ja auch im 23. Jahrhundert, bis dahin ist glücklicherweise noch etwas Zeit, sich mit der Logik anzufreunden, denn im Moment erscheint mir auf Mutter Erde rein gar nichts logisch und am liebsten würde ich mich auf eine grüne Wiese im Nirgendwo hinstellen, mein Motorola RAZR von Anfang des 21. Jahrhunderts zücken, „Beam me up, Scotty“ sagen und dann unter einer Wärmelampe in den unendlichen Weiten des Weltraum im Jahre 2200 landen. Logisch, oder?

Major Tom

Hinweis zum Foto.: Es sage keiner, ich bin im falschen Film, weiß ich selber, dass das Kostüm aus „Star Wars“ ist, bin ja nicht von gestern. Hm, wo ist eigentlich die Maske abgeblieben?