Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

…dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen.

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Und im Grunde fehlen mir seit einiger Zeit auch die Worte und jetzt nur umso mehr. Das Gefühl eines vakuumierten Zustandes lässt sich nicht bestreiten. Und ganz nebenbei wird das gewohnte Leben aus den Angeln gehoben.

Es gehört Mut dazu, sich besonnen zu benehmen, solidarisch zu sein, den eigenen Egoisten in die letzte Bussitzreihe zu verweisen. Es gehört auch Mut dazu, sich tagtäglich mit den Fakten auseinander zu setzen und dem eigenen Instinkt klare Vorgaben zu machen. Sich nicht anstecken zu lassen. Nicht vom Virus. Dem echten und dem der Panikmache.

In Zeiten wie diesen wird einem nur allzu klar, dass die Menschheit evolutionstechnisch noch immer in der Steinzeit lebt und es nur drei Arten gibt, mit der Gefahr des angreifenden Löwens fertig zu werden. Weglaufen, Verstecken oder Kämpfen.

Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, zu welcher Gattung ich gehöre, vielleicht gehören möchte. Noch immer versuche ich, mich, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Kein guter Ausgangspunkt, um zu überleben. Zumindest was den Löwen anbelangt.

Daran muss es auch liegen, dass ich doch nun tatsächlich zu lila Klopapier greifen musste. Mit Lavendelduft. Wer bitte kauft sowas? Gut, offensichtlich nur Verzweifelte, die nicht rechtzeitig bei der Vorratshaltung aufgepasst haben und nun beim täglichen Gang an ihre eigene Unzulänglichkeit auch noch im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrer Nase drauf gestoßen werden.

Gestern las ich, was auf den Listen andere Nationen so ganz oben steht: Fleisch, Waffen, Wein, Kondome, Medikamente, Zitrusfrüchte, Brot, die fremdländische Variante von Kölnisch Wasser und Marihuana. Im Gegensatz zu Klopapier und Mehl hört sich das bei weitem besser an und vor allem nach Dingen, die einem die eigenen vier Wände nicht ganz so trostlos erscheinen lassen, wenn diese den maximalen Radius der eigenen Bewegungsfreiheit darstellen.

Das Leben ist wahrlich ein merkwürdiger Ort.

 

P.S.: Als Lektüre, sei es in Quarantäne oder aus welchen Gründen man dieser Tage auch daheim ist, sehr zu empfehlen.

 

Vier plus eins – eine Fortsetzung

Der eine oder andere, der meine Reihe „Bilder eines Sommers“ verfolgt hat, ist eventuell über die vier Elemente gestolpert und hat sich dann gefragt, was wohl mit dem fünften Element ist. Ich nehme mal an, jeder kennt den gleichnamigen Film.

Und irgendwie kam es auch mir so vor, als ob da noch das gewisse Extra fehlen würde. Ein Abschluss, etwas Wesentliches. Und irgendwie sind Bilder ohne Worte doch auch nicht ganz mein Ding. Also habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht.

Die Lehre der vier Elemente besagt, dass alles Sein aus einem Mischverhältnis zwischen Erde, Wasser, Luft und Feuer besteht. Es gibt Darstellungen mit Pfeilen, in Kreisform, sie werden Göttern und Geistern zugeordnet und nicht zuletzt den Aggregatszuständen. Während der Anfänge, die den Philosophen gebühren, gab es immer wieder andere Theorien, welches denn der Urstoff sei. Auf der Suche danach kamen die Philosophen auf den Äther und bezeichneten ihn als Quintessenz. Oder anders rum. Da komme ich an meine Grenzen, was die Philosophie betrifft und in Naturwissenschaften bin ich eh bereits beim kleinen Einmaleins ausgestiegen.

Quintessenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „fünftes Seiendes“ und ist so etwas wie eine ewige Substanz, die jenseits der irdischen Elemente existiert. Zeitlos und unveränderlich. Ein schöner Gedanken in einer Welt, die sich gefühlt im Sekundentakt neu erfindet und wandelt. Da kommt einem dann auch ganz von allein wieder der schon angesprochene Film und die Liebe als fünftes Element in den Sinn. Diese möchte man ja gern auch als etwas Außerirdisches, von immerwährender Dauer wissen. Und das, wissen wir alle, ist eine Wunschvorstellung.

Wenn es nun fünf Elemente sind, dann wird sich nie ein Gleichgewicht einstellen. Im Gegensteil, man ist ständig mit dem Ausbalancieren der Gewichte beschäftigt. Was eigentlich auch ganz gut so ist. Auf diese Weise ist man auch gezwungen, sich immer mal wieder seiner Grenzen bewusst zu werden, sich zu erden, nicht abzuheben, gegen den Strom zu schwimmen und gleichzeitig sich nicht verheizen zu lassen. Und so ganz nebenbei entdeckt man das Wesentliche, das fünfte Element.

Element

Wie heißt es in dem Roman „Mechanik des Herzens“ von Mathias Malzieu so schön: „Jedesmal gibt es diesen absurden und gleichzeitig wunderschönen Moment, in dem ich an das Unmögliche glaube.“

 

Eure Kerstin