Der zufällige und alltägliche Zauber

Es gibt ja Zufälle, die gehören sozusagen zum alltäglichen Handwerk. Zum Beispiel wurde ich vor ein paar Tagen von dem jugendlichen Mitbewohner in eine endlos ausufernde Gesprächsrunde, das Wort „Diskussion“ hat er sich verbeten, über Aktien und Wertpapiere, Broker und die Börse im Allgemeinen verwickelt. Klar, ist ja total normal, dass jugendliche Mitbewohner sich für solch hochkomplexe Mechanismen interessieren. Quasi aus dem Nichts heraus.

Nach gut zwei Stunden war ich so weit, dass ich den Joker „Ich bin eine Mutter, holt mich hier raus“ gezogen habe. Leider bin ich nur bis zum Schlafzimmer gekommen. Was den Nachwuchs nicht von seinem Redeschwall abgelenkt hat. Gut, irgendwann boten meine Gesprächsrundenbeiträge („Keine Ahnung.“ „Ich weiß es nicht.“ „Kann ich Dir nicht sagen.“) nicht mehr die nötige Grundlage für weiteren Redebedarf und der jugendliche Mitbewohner hat von mir abgelassen.

So weit, so gut. Und nun zu dem Punkt, an dem der Zufall ins Spiel kommt. Ich greife zu meiner Lektüre, die ich just an dem Abend aus dem Stapel ungelesener Bücher gezogen habe und fange an zu lesen: „Die ganze Welt ist aus dem Lot, auch wenn es die meisten Leute noch nicht bemerkt haben. Bis jetzt wirkt alles normal, aber Serge spürt ihn beim Atmen, den schwachen Hauch des Irrsinns in der Luft. Es ist acht Uhr morgens am Montag, dem 1. September 2008, die Londoner Börse hat gerade geöffnet, und um ihn herum rotieren die Trader längst.“ Genau, das meine ich mit Zufällen, die irgendwie zum alltäglichen Handwerk gehören. Kennen wir alle.

Was ist aber mit den Zufällen, bei denen dann doch höhere Zauberei mit im Spiel zu sein scheint? Wie hoch ist zum Beispiel die Wahrscheinlichkeit, dass ich aus zweimal dreizehn Zetteln die zwei herausziehe, die vom Grundgedanken her identisch sind? Von was ich rede? Kurz und knapp: Von den Rauhnächten. Dazu ein kurzer Einschub, was es mit den Wünschen auf sich hat.

Also, zu Beginn der Rauhnächte schreibt man dreizehn Wünsche auf kleine Zettel, faltet diese zusammen, zieht in jeder Rauhnacht einen und verbrennt diesen bzw. übergibt ihn damit an die guten Geister zur weiteren Bearbeitung – sprich Wunscherfüllung. Nach zwölf Rauhnächten bleibt ein Zettel übrig und das ist der Wunsch, um den man sich das kommende Jahr über selbst kümmern muss.

Der eine oder andere erinnert sich. 2017 ist der Wunsch „Draußen die Natur genießen“ übriggeblieben (siehe Loslassen und Neuanfang). Für 2018 hatte ich wieder dreizehn Wünsche in die Waagschale geworfen und wollte schon fast den gleichen wieder aufschreiben, weil er und seine Verwirklichung so schön waren. Doch dann habe ich ein bisschen variiert. Es wurde wieder geräuchert und gezündelt und mit jedem Tag stieg die Spannung, welche Aufgabe die Geister für mich übriglassen würden. Tja und was soll ich sagen?

Wunschzettel

Eben, ganz genau, ich weiß, dass kann doch jetzt wirklich kein Zufall mehr sein. Also, keiner der zum alltäglichen Handwerk gehört. Ich habe mir lange Zeit den Kopf darüber zerbrochen, wie das wohl sein kann und bin zu folgendem Schluss gekommen: Die Geister wissen, welchen Wunsch sie guten Gewissens in der Schale lassen und einem auferlegen können. Andersrum könnte man auch sagen: Nach zwölf Rauhnächten und ständigem Geistertreiben, haben die Geister einfach keine große Lust mehr auf draußen und aktiv sein.

Wie heißt es bei Theodor Fontane so treffend: „Der Zauber steckt immer in Detail.“ Womit wir wieder beim alltäglichen Handwerk der Zufälle wären, denn dieser Spruch steckte am Boden meiner Wunschkerze, die ich während der Rauhnächte entzündet habe. Wer hätte das gedacht.

Nein, keine Angst, ich werde die nächsten zwölf Monate nicht wieder eine Zusammenfassung im Rückblick auf die Rauhnächte machen. Ich muss aber zugeben, dass die vergangenen zwölf Monate durch die Rauhnächte reichhaltiger waren und ich vieles bewusster registriert habe, mich öfter mal aus dem Alltag herausgenommen und nach innen geblickt habe. Insofern werde ich mich an dem Ritual der Rauhnächte noch hoffentlich viele Jahre erfreuen. Und wer weiß, über was für zauberhafte Zufälle ich dabei noch so schmunzeln werde, während mir der schwache Hauch des Irrsinns entgegenweht, wenn wieder einmal eine dieser total normalen Gesprächsrunden eröffnet wird.

 

Eure Kerstin

Das Schicksal auf vier Rädern

Es gibt Tage, die laufen einfach nicht rund. Und es gibt Orte, die bringen einfach kein Glück. Dann spricht man gern von zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort. Und dann gibt es eine Tag-Ort-Vorhaben-Kombination, die hat auf alle Fälle etwas mit kleinen, grünen Männchen zu tun. Da bin ich ganz sicher. Die suchen mich nämlich immer dann heim, wenn ich mit dem Auto zum oder am oder vom Flughafen unterwegs bin. Da scheine ich mich irgendwie in einer ganz schlechten, galaktischen Störung zu bewegen. 

grünes Männchen?

grünes Männchen?

Angefangen hat das vor ca. sieben Jahren. Damals haben der damalige Drei-Käse-Hoch, also jetzige jugendliche Mitbewohner und ich seinen Erzeuger zum Flughafen gebracht. Auf der Rückfahrt ist dann so bei Tempo 180 (ja, ich bin gern zügig unterwegs) ein wirklich großer Pechvogel (ob vielleicht sogar UFO oder Drache ließ sich dann leider nicht mehr feststellen) vor die Scheibe geknallt. Leider hat er das nicht überlebt. Die Scheibe auch nicht. Der Aufprall was sogar so heftig, dass die Scheibe mehr oder weniger auf der kompletten Fahrerseite gesprungen war, eingedrückt wurde und ich noch Stunden später winzige Glassplitter von meinem Dekolletee und Hals gepickt habe. Der Typ von der Autoreparatur wollte mir gar nicht glauben, dass es ein Vogel war (mit meiner Vermutung, dass es ein UFO war, konnte ich ja schlecht kommen). Erst die Lackkratzer auf der Motorhaube haben ihn dann an meine Geschichte glauben lassen. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe inkl. Rahmen und erhöhte Aufmerksamkeit bei unbekannten Flugobjekten in Sichtweite.

Dann, der Nachwuchs ist zum Vier-Käse-Hoch heran gewachsen und soll in Richtung Oma fliegen. Nun kann man, auch als bekennende Rabenmutter, diesen nicht einfach in der Haltezone aussteigen lassen und einen guten Flug wünschen, sondern muss parken, ausladen, einchecken und so weiter. Wer schon mal in einem Großstadtflughafenparkhaus seinen fahrbaren Untersatz abgestellt hat, weiß, dass diese mitunter recht weitläufig sind, wenn sie sich nicht sogar während der eignen Abwesenheit verändern und alles dann bei der Rückkehr völlig anders aussieht. Aber gut, an solche Phänomene glaube selbst ich nicht. Jedenfalls merke ich mir immer ganz genau, wo das Auto parkt, weil mein Vater seines schon mal zwei Stunden lang gesucht hat. Für sowas fehlt mir die Zeit. Nerven noch mehr. Nun gut, ich also nach erfolgreicher Paketübergabe (Sohn an Flugbegleiter) wieder zu meinem Parkplatz. Da treffe ich auf zwei Typen, die ihr Auto suchen und schon recht verzweifelt sind. Leider kann ich ihnen nicht wirklich helfen. Beim Einsteigen und Ausparken denke ich noch: Puh, was hast Du für ein Glück, dass Dir das noch nie passiert ist. Auf einmal kracht und scheppert es und mein rechter Außenspiegel macht Bekanntschaft mit der Säule. Leider überlebt er das nicht. Die Säule schon. Ich war kurz geneigt, doch an die Theorie des Glitches in der Matrix zu glauben, denn die Säule war definitiv vorher nicht da. Letztendlich habe ich schließlich beschlossen, dass ich statistisch einfach fällig war. Kann ja mal passieren. Also, neuer Spiegel inkl. Türverkleidung und €800 weniger auf dem Konto.

Dann, diesmal auf der Fahrt zum Flughafen, um den vorpubertären Mitbewohner wieder Meilen sammeln zu lassen: Peng! Und von dem vor mir fahrenden LKW knallt ein Stein auf die Windschutzscheibe. Ob der Stein überlebt hat, kann ich nicht sagen, die Scheibe jedenfalls nicht. Denn natürlich war ein Loch im Glas und natürlich war dieses im Sichtbereich. Da ist selbst Carglass machtlos. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe und ab sofort mehr Abstand von allem, was vor mir fliegt, steht und rollt.

Und nun dies: Der jugendliche Mitbewohner nimmt mal wieder meine Fahrdienste in Anspruch, nachdem er bei der Oma shoppen war, der Koffer also ungeheuer schwer ist, und er nun unmöglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren kann. Was tut man nicht alles. Während der Fahrt in Richtung Zuhause – ich halte nach Fluggeschossen aller Art Ausschau nachdem ich in der Garage schon im Zeitlupentempo ein- und ausgeparkt habe – schaue ich in den Rückspiegel, als plötzlich eine Radkappe neben dem Wagen hinter mir her rollt, um dann wirklich elegant im Straßengraben zu verschwinden. Würde mich echt ärgern, wenn mir das passieren würde, denke ich noch.

Ja, genau, mittlerweile kann ich auch lachen. Aber ganz ehrlich, das stimmt doch was nicht. Entweder liegt es am Auto. Montagsauto? Oder an Straße/Parkhaus. Wasserader? Oder an mir. Karma? Oder eine Kombi aus allem. Jedenfalls normal ist das nicht. Meine Nachbarin sagt, ihr Therapeut meint, das liege an einer erhöhten Unfallbereitschaft. Auf gut Deutsch, man ist gedanklich nicht bei der Sache und deswegen passieren solche Unfälle. Schicksal auf vier Rädern nenne ich es jetzt erst mal, bis ich die Sache mit dem Eigenleben der Dinge und den Besuchern anderer Sterne geklärt habe.

 Eure Kerstin

P.S.: Komme mir bitte keiner mit der Theorie „Frau am Steuer“. Das wäre echt langweilig und ist bar jeder wissenschaftlichen Grundlage

Die Merkmale von Tee

Am Ostersonntag war ich auswärts speisen. An sich ist das ja nichts Ungewöhnliches und kommt hin und wieder vor. Dafür wurde eine Lokalität an einem schönen, bayerischen See, allerdings mit ohne Blick auf den See von der Verwandtschaft ausgesucht.

Das Ambiente war leider nicht so schön, was aber auch daran lag, dass wir nicht in der Gaststube untergekommen sind, sondern im kühlen, etwas zugigen Festsaal Platz nehmen mussten. Nun, kann passieren, wenn man wie ein Großteil der Familien an solchen Feiertagen in über die Dorfgrenzen bekannte Gaststätten einkehrt.

Hingegen das Essen war ausgezeichnet. Beim Blick in die Speisekarte stellte sich auch heraus, dass der Wirt tatsächlich selbst schlachtet und man insgesamt viel Wert auf die Qualität der Zutaten legt. Auch bei den Heißgetränken bin ich gleich über eine örtliche Kaffeerösterei gestolpert, von der ich auch gerade einen Kaffee teste. Insgesamt ein schönes Konzept und auch preislich war es absolut in Ordnung.

Irgendwann ist natürlich auch das geselligste Essen mal vorbei und alle machen sich zum Aufbruch bereit. Und hier fängt im Grunde die Geschichte erst an.

Die Zeit beim obligatorischen Warten im Vorraum des Restaurants, weil alle noch mal schnell wohin mussten, nutze ich immer gern, um dort ausliegende Prospekte und Werbebroschüren zu studieren. Man weiß ja nie. Schätz findet man überall. Dabei bin ich auf einen Handzettel der Chiemgauer Tee Manufaktur Bioteaque gestoßen. Tee aus dem Chiemgau? Regional und Bio? Geht das?

Zuhause bin ich dann gleich über die Website hergefallen. Gut, Bio ist soweit alles. Regional zumindest die Kräuter, denn noch ist der Klimawandel nicht soweit vorgeschritten, als dass man in den bayerischen Voralpen tatsächlich Tee anbauen kann. Obwohl ich gerade erst von einem Winzer gelesen habe, der an der Mosel (glaube ich) schon seit einiger Zeit versucht, grünen Tee anzusiedeln. Von daher ist vielleicht alles nur eine Frage der Technik und Geduld.

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Obwohl für die Gastronomie/Hotellerie konzipiert, kann auch Otto Normalverbraucher in den Genuss dieser tollen Idee kommen. Online-Shopping macht es möglich. Und da ich in Bezug auf die Teesorten ja schon seit langem auf bestimmte Mischungen aus „meinem“ Teegeschäft vor Ort vertraue, war ich bei der Auswahl etwas unsicher. Ganz nach dem Motto: Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Also wurde eine bunte Mischung an Probierpackungen geordert. Eine ökologische Katastrophe, ich weiß. Großer Karton, mit vielen kleinen Packungen. Klar, ich hätte auch die guten zwei Stunden Autofahrt zum Lagerverkauf mit einem Ausflug oder dergleichen verbinden können, aber der Kosten-Nutzen-Effekt erschien mir so herum eine bessere Bilanz aufzuweisen.

TeepaketNun ist die Wunderkiste also da. Wie schön. Sogar ein persönlicher Gruß von Karin ist drin. Sie hat meine Lieferung zusammengestellt und/oder verpackt. Vor lauter Glück weiß ich bald nicht, welchen Tee ich zuerst trinken soll und entscheide mich für was Exotisches: „Weinblatttee Früchtemischung Rosso“. Und danach für die „stolze Babsi“ – ein Melisse-Zitronen-Kräutertee. So lecker.

ProbierstundeDie beiden Gründer haben recht: Tee kann sexy sein. Und bio und auch regional. Und lecker sowieso. Folglich werde ich demnächst wohl doch einen Ausflug ins das schöne Chiemgau machen. Dann kann ich mich auch bei Karin bedanken.

Eure Kerstin

Laufbahn einer Dorfhexe

Manchmal passieren ja Dinge, von denen man denkt: Das kann kein Zufall sein. Und nachdem nach dem letzten Beitrag nun auch noch eine liebe Freundin mit dem Buch „Tiroler Zahlenrad – über die Geheimnisse der Geburtszahlen“, angekommen ist, musste ich einfach nochmals etwas über Magie schreiben.

Erinnert mich der Titel doch stark an die unglückliche Begegnung mit Thomas, dem Heiler, der damals ohne meine Geburtsdaten zu kennen, gleich sagte: „Du bist eine 33-6.“. Ich bin tatsächlich eine 33-6. Allerdings fand ich die Dinge, der er sagte, nicht so schön. Gut, meist will man ja unschöne Sachen über sich selbst nicht so genau wissen, aber ich war von seinem fehlenden Einfühlungsvermögen doch recht vor den Kopf gestoßen. Und auf dem sitzen bekanntlich ja zwei Hörner, die mitunter auch recht bockig sein können. Leider bin ich damals mit der Suche zu der ganzen Zahlendreherei nicht so recht weiter gekommen. Jetzt also das Buch. Nachdem ich die Geschichte mit dem Horoskop gepostet habe. Wie gesagt, das kann kein Zufall sein.

Ich sage ja immer gern, dass man mich im Mittelalter sicherlich als Hexe verbrannt hätte, wenn die Sprache auf Religion und Glauben und so kommt. Und da ist mit Sicherheit was dran. Wann das mit der Hexenkarriere genau anfing, kann ich nicht mehr mit Sicherheit sagen, aber hier ist meine Geschichte:

Erinnert sich der eine oder andere noch an den James Bond Film „Leben und Sterben lassen“? Ich kriege die Stories ja oft nicht so auf die Reihe, vor allem, warum 007 den Bösewicht letztendlich zur Strecke bringt und auch die ganze Geschichte dahinter ist mit oft ein Rätsel. Bei besagtem Bond erinnere ich mich vor allem an Solitaire. Sie war das jungfräuliche Orakel des Schurken. Bis James daher kam, da war es dann mit beiden Tugenden vorbei. So war das eben in den 70er Jahren und auch noch später.

Jedenfalls konnte Solitaire die Zukunft anhand ihrer Tarotkarten vorher sagen. Einfach faszinierend. Das muss in irgendeiner Form ziemlichen Eindruck auf mich als Hexennachwuchs gemacht haben. Soweit, dass ich für eine Veranstaltung unter dem Motto „Zauberhafter Jahreswechsel“, die wir für Gäste zu Silvester geplant hatten, wochenlang die Bedeutung der einzelnen Karten gebüffelt habe.

Ich durfte nämlich Solitaire sein. Also, so mystisch und romantisch wie im Film war es natürlich nicht. Die Gäste hätten eher die Großeltern von Bond sein können und so hübsch und jungfräulich wie Solitaire war ich damals leider auch nicht (mehr). Spaß gemacht hat es trotzdem und ich habe mich wacker geschlagen. Ob allerdings meine „Visionen“ alle so richtig waren, konnte ich leider nicht erfahren. Verklagt hat mich auf alle Fälle keiner der Ratsuchenden.

Ein paar Jahre später verliebte ich mich unsterblich in einen unserer Gäste. Ok, bevor jetzt hier die wilden Spekulationen los gehen: Erstens war das ganz woanders und zweitens kam der Auserkorene dem Abbild von James Bond in puncto Alter und Statur schon sehr viel näher. Und da drittens die Tarotkarten nicht mehr in meinem Besitz waren, bin ich auch nicht mehr Solitaire gewesen. Das mit dem hübsch und jungfräulich hatten wir ja schon geklärt.

Diesmal bin ich auch etwas gezielter vorgegangen. Schließlich wollte ich den Helden für mich gewinnen. Für immer und nicht nur für die Länge eines Kinoabends. Wie der Zufall es so wollte, bin ich beim Stöbern in einem Buchladen kurze Zeit später über das Buch „Hokuspokus für Frauen“ gestolpert.

HexenbuchNeben verschiedenen, „kleinen Zaubern“ und Hilfsmitteln habe ich damals einen Glücksbringer gehext, der das Band zwischen uns stärken sollte. Am Ende war der Bund so stark, dass ich den Betörten nur schwer wieder los geworden bin und mich der ehemalige Traumprinz noch immer mal wieder in Gedanken verfolgt.

Gut, manche lernen aus ihren Fehlern. Dorfhexen wie ich offensichtlich nicht. Und so wurde vor einigen Jahren das Hexenzauberbuch nochmals zu Rate gezogen, als ich einen Verehrer zum Geliebten machen wollte. Irgendwie hatte ich nicht alle Zutaten und so wurde dann ein bisschen improvisiert. Am nächsten Tag hat er mir berichtet, dass er abends fast nicht mehr heil nach Hause gekommen wäre, weil in der ganzen Stadt plötzlich und ohne Vorwarnung Blitzeis alles lahmgelegt hätte.

Seitdem setzt die Büchse der Pandora im Regal Staub an. Sicher ist sicher. Bis der nächste Unglücksrabe daher kommt und ich an meiner Laufbahn als Dorfhexe weiter feile.

 

Eure Kerstin

P.S.: Für alle Hexen und solche, die es werden wollen, und hier gerade mitlesen und sich dieses wirklich schöne Zauberbuch auf ihre Wunschliste schreiben wollen: Es ist leider nur noch antiquarisch oder in den entsprechenden Zirkeln haben. Ist vielleicht auch ganz gut so.

Glaubensbekenntnis

Seelenfunkeln hat vor ein paar Tagen meinen Post Lebenslinien kommentiert. Ein recht kurioser Zufall, bin ich doch da bereits mit der Idee zu einem Beitrag in Bezug auf Horoskope schwanger gegangen. Ob man das schon als Zeichen deuten kann?

Ich glaube ja nicht so recht an Wahrsagerei und dieses ganze Zeug. Dies hindert mich allerdings in keinster Weise daran, mein Horoskop zu lesen. Meist Vergesse es dann aber aus obigem Grunde auch gleich wieder. Außerdem ist meine interne Festplatte eh schon am Limit, so dass ich dafür wahrhaftig keinen Speicherplatz opfern möchte.

Obendrein bin ich ein Anhänger (hört, hört) der These der selbsterfüllenden Prophezeiung. Im übertragenen Sinne also ein Ödipuskomplex. Aus Angst vor dem Schicksal, versucht man dieses zu verhindern, unternimmt unzählige Irrfahrten – stopp, das war ja Odysseus – nur, damit es sich dann genau so zuträgt. Meine Schulzeit – insbesondere der Deutschunterricht – hat offensichtlich nachhaltig Spuren hinterlassen. Nun ja, vielleicht lässt sich das noch etwas anschaulicher darstellen.

Wir alle kennen aber das Phänomen: Mitmenschen, die steif und fest behaupten, bei Vollmond würden sie schlecht schlafen. Rein wissenschaftlich betrachtet, ist dies völliger Humbug und bar jeder Grundlage. Nun die Frage: Wenn diese Mondsüchtigen nicht wüssten, dass Vollmond ist, würden sie auch dann schlecht schlafen? Oder anders herum: Schlafen sie nur deswegen schlecht, weil sie Angst haben, schlecht zu schlafen? Allen Schlaflosen, zu denen ich mich, trotz Ungläubigkeit, auch zähle, rate ich, ein Schlaftagebuch zu führen. Daraus lassen sich dann schicke Excel-Tabellen basteln, mit denen man schlaflose Vollmondnächte mit schlaflosen Nicht-Vollmondnächten vergleichen kann. Unter Umständen erlebt da der eine oder andere ein echtes Wunder.

Nun ja, wie dem auch sei. Ich schweife mal wieder ab. Horoskope, da waren wir. Wie gesagt, vorausschauend kann ich diesen nicht viel abgewinnen. Ganz anders sieht dies im Rückblick aus. Wenn das Horoskop sozusagen schon fast abgelaufen ist und ich es dann lese. Dann lasse ich die Ereignisse ganz gern mal Revue passieren und lege Forecast und Actual (sehr schön, wie sich harte Geschäftstermini auf so etwas Diffuses wie astrologische Vorhersagen übertragen lassen) übereinander.

So geschehen letzte Woche.Horoskop

Und was soll ich sagen: Nahezu 100% Erfüllungsrate. Davon träumt so mancher Finanzer und/oder Prämienbevollmächtigter. Da spielt es dann auch schon fast eine untergeordnete Rolle, dass der Ausblick ja eher negativer Natur ist. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich wirklich und wahrhaftig so richtig schlechte Laune hatte. Die ganze, schier endlose Woche lang. So schlecht, dass ich grottenschlecht geschlafen haben. Trotz nicht vorhandenem Vollmond. Das soll mir erst mal jemand nachmachen.

Bisweilen bekenne ich mich also dann doch gläubig. Zumindest ansatzweise. Denn Teil zwei ist mir das Horoskop schuldig geblieben. Vor lauter Gemütsverstimmung war ich jedenfalls nicht in der Lage, eine Ablenkung zu finden. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich es schlussendlich nicht verdient habe, denn wie gesagt, die Idee zu dem Post hatte ich bereits vor dem 14. März. Und meine Gedanken waren da schon recht fleißig auf Horoskope und deren Wahrheitsgehalt getrimmt. Da könnte ja dann jemand an höherer Stelle ganz bewusst gegengesteuert haben. Was im weitesten Sinne wieder für die selbsterfüllende Prophezeiung (Horoskope sind Mumpitz) sprechen würde. So von wegen: Auf die Ablenkung bin ich ja mal gespannt. Mal sehen, was noch so passiert. Und vor lauter Warten und Erwartung, passiert natürlich nichts. Vielleicht kam die Ablenkung sogar vorbei und hat Hallo gesagt und ich habe sie weitergeschickt, weil ich ja gewartet habe. So, wie der „Witz“ von dem Ertrinkenden, der zu Gott betet. Wieder so ein kurioser Zufall, dass ich dazu auf der Seite Jakobsweg-Begleiter fündig geworden bin. Die Gläubigen würden jetzt wieder von einem Zeichen sprechen.

Die Wahrheit liegt natürlich mal wieder ganz woanders. Manch einer ahnt es schon: Es kommt nicht nur auf die Hörner an, mit denen man sich dem Schicksal bockig in den Weg stellt, sondern vor allem auf das richtige Sternzeichen.

Eure Kerstin