Sieben auf einen Streich – Das Resümee

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So, das war’s mit meinen glorreichen Sieben. Natürlich gibt es noch unzählige andere Favoriten in meinem Fundus, die es mir hoffentlich nachsehen, dass sie hier nicht geehrt wurden, dafür aber in meiner hauseigenen Bibliothek einen festen Platz haben.

Folgt noch so etwas wie eine Bestandsaufnahme. Und damit sich der Kreis dann auch wieder irgendwie schließt, kommen die Textpassagen aus Buch Nummer eins „Momo“ von Michael Ende.

Im Rückblick muss ich feststellen, dass es in allen Büchern um die Zeit geht, beziehungsweise um das zur-rechten-Zeit-am-richtigen-Ort-Sein. Heißt das nun für mich, dass ich ebenso auf der Suche nach der Zeit und/oder dem Ort bin? Am Ende noch immer ein Zeitreisender bin?

„‘Dies‘, sagte Meister Hora, ‚ist einen Sternstunden-Uhr. Sie zeigt zuverlässig die seltenen Sternstunden […]‘ ‚Was ist denn eine Sternstunde?‘, fragte Momo. ‚Nun, es gibt manchmal im Lauf der Welt besondere Augenblicke, […] wo es sich ergibt, daß alle Dinge und Wesen, bis zu den fernsten Sternen hinauf, in ganz einmaliger Weise zusammenwirken, so daß etwas geschehen kann, was weder vorher noch nachher je möglich wäre. Leider verstehen die Menschen sich im allgemeinen nicht darauf, sie zu nützen, und so gehen die Sternstunden oft unbemerkt vorüber. Aber wenn es jemand gibt, der sie erkennt, dann geschehen große Dinge auf der Welt.‘“

Auffällig auch, dass (fast) alle Lieblingsbücher älteren Datums sind, obwohl ich mit zunehmendem Alter inzwischen deutlich mehr lese. Heißt das nun wieder, ich lese heute oberflächlicher, so dass weniger Werke einen bleibenden Eindruck hinterlassen? Oder gehen die Geschichten von heute generell weniger unter die Haut?

„‘Und deshalb will ich dir ein Geheimnis anvertrauen: Hier aus dem Nirgend-Haus in der Niemals-Gasse kommt die Zeit aller Menschen.‘ ‚[…] machst du sie selbst?‘ […] ‚Nein, mein Kind, ich bin nur der Verwalter. Meine Pflicht ist es, jedem Menschen die Zeit zuzuteilen, die ihm bestimmt ist.‘ ‚Könntest du es dann nicht ganz einfach so einrichten, […] daß die Zeit-Diebe den Menschen keine Zeit mehr stehlen können?‘ ‚Nein, das kann ich nicht, […] denn was die Menschen mit ihrer Zeit machen, darüber müssen sie selbst bestimmen. Sie müssen sie auch selbst verteidigen.‘“

Im Grunde ist es allerdings aber auch wiederum so, dass Lieblingsbücher immer auch eine Momentaufnahme sind. Und ich habe in vielen Lebensphasen immer wiederholt andere Werke zu meinen Favoriten erklärt. Und hier möchte ich dann noch ein Zitat aus meiner aktuellen Lektüre „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari anbringen:

„Jeder Moment der Geschichte ist ein Scheideweg. Eine einzige Straße führt von der Vergangenheit in die Gegenwart, doch in die Zukunft führt eine unendliche Vielzahl von möglichen Wegen. Einige sind breiter und besser ausgeschildert als anderes, weshalb wir sie mit größerer Wahrscheinlichkeit einschlagen, aber oft nimmt die Geschichte völlig unvorhersehbare Wendungen.“

In diesem Sinne. Vorhang zu für meine Sieben. Und alle auf einen Streich wieder zurück ins Bücherregal.

 

P.S.: Danke nochmals, liebe Ines, für den Staffelstab, den ich gern im Kreis meiner Leser weiterreiche. Vielleicht hat ja Sarah („NurMitMir“)oder Alice von („Make a Choice Alice“), beide, wenn ich das so richtig interpretiere, ebenfalls begeisterte Vielleser, Lust, die nächste Runde einzuläuten. Es dürfen natürlich auch beide oder alle, die Lust und Laune haben, ihre eigene Reihe der Sieben starten.

Tag 21: Helden im Zeitenwandel

Tag 21Ich habe es bis hierher geschafft. Ich finde, das ist doch schon mal was. Und bis auf so manchen Tick und diverse Macken habe ich dies recht unbeschadet überstanden. Ohne, bitte alle dreimal kräftig auf Holz klopfen, irgendwelche Unfälle, größere körperliche Verletzungen und sonstige Katastrophen. Ich stehe in Lohn und Brot und führe so gesehen, ein recht angenehmes Leben. Ein echtes Glückskind. Aber wen wundert das, ich bin vor 1980 geboren. Ich gehöre zu den Helden. Wer den Text nicht kennt, kann ihn bei Wolfgang Gehrer (Kommentare sind auch recht schön zu lesen) oder an anderer Stelle im Internet finden.

Die Tatsache, vor 1980 geboren zu sein, ist natürlich kein wirklicher Erfolg, den man für sich verbuchen kann. Dafür kann man sich eher bei seinen Eltern bedanken, die damals mit der Erziehung ihrer Kinder (mir) mit Sicherheit ebenso zu kämpfen hatten wie die Eltern heute. Nur eben anders. Als Mutter eines Teen kann ich da zumindest ansatzweise mitreden.

Besagter jugendlicher Mitbewohner hat nämlich schon früh sein Talent, mich an den Rand des Wahnsinns zu treiben, eingesetzt. Einmal, da muss das Teen so in etwa acht oder neun gewesen sein, ein Kind also, da ist es nach einem Streit einfach durchs Fenster abgehauen. Damals wohnten wir so, dass das ohne größere sportliche Anstrengung möglich war. Um was es bei dem Streit ging, weiß ich nicht mehr (ist ja meistens so). Jedenfalls ist das Kind wutentbrannt in sein Zimmer und hat die Zimmertür zugeknallt.

Soweit ist das ja nichts außergewöhnliches und auch ich habe zu meiner Zeit die Türen geknallt, wenn meine Mutter mich zur Strafe auf mein Zimmer geschickt hat. Allerdings war mein Trick ein anderer: Ich habe dann immer recht laut gesungen und gespielt und gelacht, während meine Mutter regelmäßig am liebsten in mein Zimmer gestürmt wäre, um dem freudigen Treiben Einhalt zu gebieten. Schließlich hatte sie mich strafen wollen und da hatte mal gefälligst nicht frohgemut sich seines Lebens zu erfreuen.

In dem neuzeitlichen Fall lief es dann jedenfalls wie folgt: Nach dem lauten Türenschlagen war es lange Zeit sehr still. Als ich irgendwann dachte, es sei genug Zeit vergangen und man könne sich wieder vertragen, bin ich in das Kinderzimmer. Nun, da war aber niemand, zum Glück auch kein Einbrecher, denn offene Fenster sind ja nicht unbedingt die beste Art und Weise, sein Heim zu sichern. Ich war schon recht verblüfft über so viel Initiative. Komischerweise hatte ich eher Angst vor der Zukunft (was wird dem Kind erst später alles einfallen?) als davor, zu einem unschönen Beitrag im Fernsehen oder der Tageszeitung zu werden (Verletzung der Aufsichtspflicht, unverantwortlich, Verwahrlosung – man kennt das ja). Irrwitzigerweise habe ich auch nicht sämtliche Freunde abtelefoniert, einen Suchtrupp organisiert und zeitgleich eine Vermisstenanzeige aufgegeben, sondern erst mal gewartet. Es war schon dunkel und irgendwann wird einem ja kalt, so ohne Jacke, wenn die Geschäfte um acht Uhr schließen und es auch noch winterlich kalt draußen ist. Ebenso würden die Mütter der Freunde den Besuch ja irgendwann nach Hause schicken.

Also habe ich die Zimmertür wieder schön geschlossen und gewartet. Tja, und irgendwann war das Kind wieder da. Unbeschadet, aber etwas unsicher, da von meiner Seite keine Reaktion kam. „Oh, Du warst weg. Na dann. War’s schön?“ Ich gebe zu, etwas mulmig war mir schon und vielleicht hätte ein anderes Verhalten meinerseits dazu beigetragen, dass das mit dem Türenzuschlagen ein für allemal ein Ende gehabt hätte. Denn auch heute noch werden Zimmertüren mit Vorliebe zugeknallt, wenn es mal wieder nicht so läuft. Allerdings liegt das Zimmer nun (auch Mütter lernen dazu) im ersten Stock und wahrscheinlich ist der Aufwand einfach zu groß. Oder aber das Teen hat dazu gelernt, dass man mit seinen Aktionen nicht immer die Reaktion erhält, die man sich erhofft. Jedenfalls wird nun die Musik, oder das, was heutige Teens so für Musik halten, aufgedreht.

Wie die Zeiten sich doch wandeln und immer wieder kehren ist schon erstaunlich. Ich allerdings würde als nächsten Schritt einfach die Sicherung raus drehen. Erfolg auf ganzer Linie kann man das natürlich nicht nennen. Aber ein Etappensieg ist es allemal. Denn wenn das Teen heute einfach gehen würde, weiß es, dass die Tür dann abgeschlossen ist und ich schon lange mit meinen Koffern über alle Berge.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin