umgedacht und aufgestellt – die Wohnungs- und Haushalts bzw. Lebenswegfrage

Erinnert sich der eine oder andere noch an die Inventurliste aus Armee der Energieslaven?
1 Fernseher, 1 DVD-Player, 2 Radios, 1 Radiowecker, 1 Stereoanlage, 1 Computer, 2 1 Laptops, 1 MP3-Player, 2 Handys, 1 Telefon, 1 Spielkonsole, 1 PSP, 1 Gameboy, 2 Digitalkameras, 1 Staubsauger, 1 Waschmaschine, 1 Trockner, 1 Mikrowelle, 1 Kühlschrank, 1 Kaffeemaschine, 1 Kaffeemühle, 1 Toaster, 1 Wasserkocher, 1 Mixer, 1 Küchenmaschine, 1 Rührstab, 1 Saftpresse, 2 Föns*, 2 1 elektronische Zahnbürsten, 1 Lockenstab, 1 Glätteisen, 1 Set beheizbare Lockenwickler, 1 Nähmaschine, 1 Bügeleisen.

Richtig, die durchgestrichenen Energiesklaven haben die Wohnung verlassen und sind, falls noch nicht veräußert, vorerst in den Keller gezogen, wo sie auf den Flohmarkt/Verkauf warten. Das * bedeutet, dass ein Exemplar in dem derzeit vorhandenen zweiten Haushalt deponiert ist und auf die Zukunft = Verkauf wartet. Die Kaffeemühle hat ein Bleiberecht bis ich einen manuellen Ersatz gefunden habe. Die Energiesklaven in kursiv sind angezählt (bei den Radios/Kameras jeweils 1 Exemplar), heißt, die werden kurzfristig bis mittelfristig das kuschelige Zuhause gegen eine neue Bleibe eintauschen müssen. Anstelle der Kaffeemaschine kommt ein kleiner Italiener zum Einsatz.

Tut mir leid, Moni, aber der Kaffee schmeckt seit einiger Zeit komisch. Keiner sagt jetzt was, bitte. Entkalken und andere Kapseln haben keinen Erfolg gezeigt, wahrscheinlich liegt es also doch an mir. Die Tante führt gegenüber dem jugendlichen Mitbewohner, wenn dieser beim Essen mal wieder etwas verweigert, auch immer an, dass der Geschmack sich ändert, wenn man älter wird. Eventuell besteht in beiden Fällen Hoffnung.

Apropos jugendlicher Mitbewohner: Wie man sieht, hat er ganz schön ausgemistet. Gleichstand, wenn ich es so grob überschlage. Gut gemacht, Großer!
Was hat sich sonst im Haushalt getan?
Geschirr, Besteck und Küchenutensilien sowie Bettwäsche und Handtücher und nicht zu vergessen Möbel und Einrichtungsgegenstände warten so gesehen auf den Auszug des jugendlichen Mitbewohners und darauf, was davon dieser dann für würdig erachtet, in seinen eigenen Hausstand mitzunehmen. Die Sache mit der Aussteuerkiste ist natürlich nach wie vor ein Thema. Bis es denn so weit ist, dauert es ja noch und bis dahin fällt mit Sicherheit (hoffentlich) auch noch das eine oder andere Stück der natürlichen Auslese zum Opfer.

Bei den Staubfängern, die sich als solche den Wohnraum mit mir teilen, handelt es sich ja fast durchgängig um Memorabilien mit sentimentalem Wert. Wer hätte das gedacht? Für jeden anderen also schlichtweg Killefit, Schnickschnack, Krimkrams, Nippes, Tüddelkram, Kokolores – Staubfänger eben. Manchmal bin ich kurz davor, mich von den handfesten Erinnerungen zu trennen, schließlich sind diese ja in meinem Kopf viel lebendiger vorhanden, und dann lasse ich es doch, weil ich keinen Sinn darin sehe, diese zu verbannen, solange sie mich nicht explizit stören, belasten oder sich etwas an der Wohnsituation ändert. Insofern darf sich dieser Ballast damit rühmen, dass er mir so viel bedeutet, dass ich derzeit keine Hand an ihn anlege, sollte sich allerdings auch nicht zu sicher fühlen, denn in Wirklichkeit ist er einfach nur geduldet bis zum Tag X.

Ein paar Worte zum Tag X: Der Lebensweg und damit die Frage nach dem Zuhause, ist, was mich betrifft, noch nicht abgeschlossen. Als Weltenbummler und Zigeunerin in spe, wird dies in einer unbestimmten Zukunft ein ganz anderes Abenteuer. Es gibt mehrere Pläne (A und B und C, vielleicht auch noch weitere Varianten, mal sehen), die derzeit im Raum und zur Diskussion stehen. Und dann wäre ich versucht, ein Experiment zu machen: Alle meine „sieben“ Sachen in Umzugskisten packen und so lassen. Und erst dann, wenn ich etwas brauche, aus der Kiste holen. Ohne Einschränkung. Nach einem Monat steht so ziemlich fest, was man letztendlich benötigt und auch nutzt. Die Herausforderung besteht dann natürlich darin, sich vom Rest ohne Abschiedsschmerz zu trennen.

Andererseits kamen Gedanken dieser Art erst vor einigen Tagen beim Frühstück zur Sprache. Und wenn ich mir jetzt und hier so vorstelle, ich würde meine vier Wände gegen das Vagabundenleben eintauschen, dann kann ich nicht auf Anhieb sagen, welche Dinge tatsächlich weiterhin in meinem Besitz bleiben sollten und ob ich nicht vielleicht sogar in der Lage wäre, mich restlos von allem zu trennen. Andererseits, beschwören kann ich es auch nicht. Es bleibt also abzuwarten, welche Wege das Leben einschlägt.

Ach ja, zwei Neuzugänge in punkto Stromfresser sind auch zu vermelden – leider: Ein iPad und das elektronische Buch. Ja, ich weiß, sagt nichts! Zu meiner Verteidigung kann ich sagen: Es waren Geschenke. Gut gemeint, das ich will einfach mal unterstellen, aber unüberlegt, wenn man mich kennt. Das iPad wird alle paar Tage mal zu Rate gezogen. Und das eher aus Bequemlichkeitsgründen, weil schneller startet als der PC. Das E-Book ist ein anderes Thema.

Aber dazu mehr im nächsten Kapitel.
Also dann, action!

Eure Kerstin

 

Der alltägliche Luxus

Wo hört das Alltägliche auf? Und wo fängt der Luxus an? Kann man da überhaupt eine generelle Trennung vornehmen? Wohl eher nicht, da für einen Heimatlosen sicherlich Dinge wie beispielsweise ein sicheres Zuhause einen ganz anderen Stellenwert haben als für mich. So etwas wie reelle Existenzangst kenne ich nicht. Von daher bin ich immer noch verwundert, dass ich regelmäßig von den Gespenstern einer recht unrealistischen Furcht vor dem sozialen Absturz mit einhergehender Obdachlosigkeit verfolgt werde.

Ich hatte ja in meinem Beitrag „Die Prinzessin auf der Erbse“ bereits erwähnt, dass ich nicht immer in Deutschland zuhause war und nach der Jahrtausendwende waren dies für ein paar Jahre die USA. Ich will hier gar nicht groß auf irgendwelche politischen und/oder kulturellen Gepflogenheiten eingehen, wichtig ist nur die Tatsache, dass es eben als Nicht-Amerikaner recht schwer ist, dort eine Arbeitserlaubnis zu erhalten, wenn man keine Green Card besitzt und nicht von der eigenen Firma dort eingesetzt wird. Dann benötigt man einen Sponsor, der einen einstellt und als alleiniger Arbeitgeber im Arbeitsvisum eingetragen wird. Das hat zur Folge, dass ein Arbeitswechsel so ohne weiteres nicht möglich ist. Ein weiterer an sich sehr positiver Punkt ist, dass man als Ausländer, der man in dem Fall ja ist, keinen Kredit bekommt – noch nicht einmal einen Dispo.

Lange Rede, kurzer Sinn: Nachdem der heutige jugendliche Mitbewohner das Licht der Welt erblickt hatte, verfiel mein Arbeitsvisum logischerweise als ich nicht direkt wieder eingestiegen bin. Ich wurde jedoch geduldet, da der Vater ja noch Arbeit hatte. Nun muss ich noch erwähnen, dass dieser ein Freigeist und Künstler ist und von fester Anstellung nicht viel hält. Was soll ich sagen: Als Freiberufler eine Familie ernähren ist nur etwas für Nervenstarke, zu denen ich mit einem Neugeborenen definitiv nicht gehört habe und als typische Deutsche, wie ich mich sehen würde, wohl auch nie gehören werde. Jeden Monat setzte bei mir also leichte Panik ein, wir könnten am Ende des Monats kein Geld für Essen mehr haben. Völlig absurd. Eigentlich. Vielleicht waren es auch die Hormone oder die ganze recht unruhige Lage im Land oder der Beziehung, aber in Gedanken sah ich mich oft mit einem Baby auf der Straße sitzen.

Tja, geblieben sind das Baby, das sich zum jugendlichen Mitbewohner gemausert hat und der Tick, das Geld könnte nicht reichen. Nun gut, es gibt ja unzählige Möglichkeiten, sein Hirn mit Gespinsten zu beschäftigen, egal, wie weit hergeholt sie auch sein mögen.

Zurück zum alltäglichen Luxus, ein Dach über dem Kopf zu haben, denn selbstverständlich ist das nicht und das Phänomen, dass jeder von uns seine eigenen vier Wände braucht, um sich in seinem Nest wohl zu fühlen, ist ja noch recht neu. Dabei rede ich jetzt nicht von den Höhlenmenschen, die im Clan zusammen gehaust haben, sondern denke da nur zwei bis drei Generationen zurück, als die Familien noch unter einem gemeinsamen Dach gewohnt haben. So gesehen, fröne auch ich ungeniert dem Luxus und übe in keinster Weise Verzicht, denn Familie und Verwandtschaft sind weit gestreut.

Haus

Zudem nenne ich eine vier-Zimmer-Wohnung mein Eigen. Zugeben, so im Nachhinein bin ich damit nicht so glücklich wie ich es mir bei Vertragsabschluss erträumt hatte. Weniger wäre hier mehr gewesen. Weniger Verantwortung, weniger Dinge, die Zeit und Aufmerksamkeit verlangen. Besitztum ist schön, aber für mich letzten Endes nicht befriedigend. Nicht, weil es immer andere gibt, die mehr haben, sondern weil man auch abhängig wird. Von den eigenen Vorstellungen und nicht zuletzt von dem Konstrukt, das man sein Leben nennt.

Es stimmt also, Geld macht nicht glücklich. Nicht ohne eine entsprechende Verbindung zur eigenen Einstellung. Reichtum in jedweder Form lähmt und macht träge, denn unsere Habenziele drehen sich immer um das Gleiche, während hingegen Seinziel einen auf Trab und in Bewegung halten. Vielleicht fühlt sich meine Burg daher auch noch nicht wie mein Zuhause an und ich bin noch immer nicht angekommen.

Für mich wäre insofern der Verzicht in dem Fall ein Gewinn, trotz den Zielen, die einem die kapitalistische Welt gern als erstrebenswert verkauft. Vor einiger Zeit bin ich auf den Tiny House Blog gestoßen – Leben auf klein(st)em Raum und wie ich finde, sehr fortschrittlich. In meinem Herzen bin ich eben doch ein Flachwurzler, wie meine Freundin M. immer sagt. Oder ein Zigeuner, dem man seinen Wohnwagen genommen hat. Wobei ich ein Wohnmobil wählen würde und das bereits als meine Zukunftsvision im häuslichen Ziegelbau kund getan habe. Insofern wäre diese Art von Obdachlosigkeit, wenn man es denn so nennen will, für mich echter Luxus. Nun fiebert der Nachwuchs seiner Volljährigkeit entgegen, damit er meinen derzeitigen fahrbaren Untersatz erben kann, während Muttern auf Hippie macht.

Ja, das Auto, früher Inbegriff von Freiheit. Das wollen wir uns beim nächsten Mal genauer anschauen.

Also dann, action!
Eure Kerstin