Das Sechszehntagetagebuch – Teil 2

Teil 1 gibt es hier und die Vorgeschichte hier.

Sonntag, Tag acht
Heute weiß ich eigentlich gar nicht, was das Beste war, denn der ganze Tag war einer voller Highlights. Vor ein paar Wochen bin ich auf dem Wendelstein gewesen und habe mit einem Freund „Wer bin ich gespielt“, wobei er auf die Zugspitze tippte. Tja, und irgendwie ist das hängen geblieben. Warum eigentlich nicht auf die Zugspitze? Tja, und eigentlich macht man so eine Tour ja nicht unbedingt im Winter, außer man ist eben so wie ich. Tja, und dann kam noch der perfekte Sonnentag hinzu.
Hier die Rangliste der Top drei:
Platz 3: Auf dem Weg rund um die Ehrwalder Alm waren unzählige Schneekanonen im Einsatz. Das war absolut surreal und ich kam mir vor wie in einem Science Fiktion Film als ich durch diese Landschaft aus künstlichen Schneefall und sich auftürmenden Schneebergen gelaufen bin.
Platz 2: Die perfekte Stille, der strahlendblaue und klare Himmel, der gleißende Sonnenschein auf der Schneedecke, keine einzige Menschenseele. Ganze 7,5 Stunden lang.
Platz 1 (Szene an der Bergstation): „Eine Talfahrt bitte.“ Leicht ungläubiger Blick: „Wie san Sie jetzt da rauf kemma?“ Lächeln: „Zu Fuß.“ Verdutzter Blick und Musterung von oben bis unten: „Ja, sauba.“ Priceless!

Zugspitze

Montag, Tag neun
Offene Fenster haben auch was Gutes. Man kann seine Sorgen und seinen Ärger einfach abstreifen und vor sich auf einen großen Haufen abschütteln. Dann öffnet man ein Fenster und wirft den gesamten Ballast einfach raus. „Was würdest Du tun, wenn Du keine Ängste hättest?“ Eine sehr gute Frage meiner Yogalehrerin. Wobei das Wort Angst ein Überbegriff für alles ist, was nicht Liebe ist. Wut, Trauer, Hass, Ärger, Sorgen, Verzweiflung. Von was und welchen Zwängen werden wir geleitet und lassen und einengen? Und warum lassen wir es zu? Das Beste war das Fallenlassen und von den „Guten Mächten“ aufgefangen zu werden.

Dienstag, Tag zehn
Die Ruhe, die irgendwann am Abend im Haus einkehrt, war das Beste. Wenn der eine Nachbar seinen Hobbykeller verlässt, die Haushaltsgerätschaften der anderen Nachbarn still sind und der eigene Nachwuchs endlich aufhört, sich stundenlang mit seinen Freunden über die besten Strategien beim Computerspiel lautstark zu unterhalten. Dazu ein Buch und heißen Tee. Eigentlich ist es gar nicht so schwierig, Entspannung zu finden und diese zu genießen.

Mittwoch, Tag elf
Das Beste heute: Der Sex. Eigentlich die Frauengespräche über Sex bzw. Männer an sich. Das Gekichere, das Gelächter, das Gegackere. So albern wie mit 14, dafür aber so unverblümt wie mit 44+.

Donnerstag, Tag zwölf
Das Beste wäre gewesen, wenn ich eine Schulter zum Anlehnen gehabt hätte. Ein schrecklicher Tag, an dem ich mal wieder diejenige war, bei der alles abgeladen wird. Mir kann man ja sämtliche Sorgen und Ärgernisse zumuten. Ich weiß immer zu helfen und immer einen Weg und immer einen guten Rat. Und so schaue ich aus dem Fenster und betrachte das Glitzern der Sonnenstrahlen auf dem Reif, der sich über die Landschaft legt. Augen schließen und sich ganz weit weg träumen.

Freitag, Tag dreizehn
In Erinnerungen schwelgen. „Maybe, there’s a world where we don’t have to run..“

Samstag, Tag vierzehn
Das Beste waren die Donuts, die auf dem Rückweg aus der Stadt mitgenommen habe. Nach einem leicht anstrengenden Tag in der Münchner Innenstadt genau das richtige Seelenessen.

Donuts

Unmengen an Menschenmassen, voller Hetze und ohne Achtsamkeit und Rücksicht. Paare, die sich nichts zu sagen haben, welch Elend. Ich frage mich immer gern, warum es so kommt. Das ist doch meist so. Schweigen können lässt sich nur bei jemandem, dem man vertraut. Aber diese offensichtlich fehlende Anteilnahme hat doch mit Vertrauen nichts zu tun.

Sonntag, Tag fünfzehn

Noch knappe zwei Wochen bis Weihnachten. Insofern ist wohl das Beste heute, dass ich mittlerweile alle Geschenke habe. Im Groben weiß ich auch schon, was es zu Essen geben wird. Am liebsten wäre es mir, es wäre einfach der zweite oder dritte Januar und gut ist. Weihnachten und das ganze Drumherum trägt mittlerweile nur dazu bei, meine ohnehin angespannten Nerven nur noch weiter zu ruinieren.
Aber eigentlich war das Beste, dass die private Krise bei meiner Freundin anscheinend endlich eine Wendung zum Besseren nimmt. Endlich einmal gute Nachrichten. Seit Monaten belastet mich ihr Unglück, weil ich nicht weiß, wie ich ihr helfen soll. Mittlerweile so sehr, dass ich ihr meine Sorgen und Nöte gar nicht mehr aufhalsen will. Als Folge schnürt sich mir die Kehle zu. Ich habe ständig das Gefühl, nicht genug Luft zum Atmen zu haben und der Appetit ist mir grundlegend vergangen. Keine gute Kombination. Mal sehen, ob Weihnachten wenigstes zum Zunehmen taugt.

Montag, Tag sechszehn
Das Beste ist, dass diese elendigen sechszehn Tage vorbei sind. Nicht mehr darüber nachdenken müssen, was an dem Tag gut war. Von daher funktioniert diese Art von Therapie überhaupt nicht. Und das werde ich dem jungen Mann und Auftraggeber teuer bezahlen lassen. Der wird sich hüten, nochmals so eine Bestellung aufzugeben.

Ende
Eure Kerstin

Urzeitmensch und Menschsein

Wenn man es so recht bedenkt: Allzu weit sind von unserem Dasein als Urzeitmensch noch immer nicht entfernt. Kaum wird es herbstlich, verschwinden wir in unsere Behausungen und legen uns Vorräte an. Manch einer verfällt sogar in eine Art Winterschlafvorbereitung und „frisst“ sich ein paar Pfund mehr an. Davon nehme ich mich nicht aus. Erst gerade musste ich zähneknirschend feststellen, dass eine meiner Hosen nicht mehr so recht sitzt, um nicht zu sagen, sie zwickt und spannt. Meinem Heißhunger auf zucker- und stärkehaltige Nahrung hat das zugegebenermaßen keinen großen Abbruch getan.

Gut, ich denke das Thema wird in sämtlichen Medien zur Genüge dargestellt und ich baue einfach darauf, dass es im Frühjahr – nach meinem Winterschlaf – einfach weggeschmolzen ist. Verbrannt sozusagen. Dazu benötigt man bekanntlich Wärme. Feuer um genau zu sein. Das wussten auch schon unsere Vorfahren. Allerdings sind wir heutzutage keine wirklichen Höhlenbewohner mehr und die wenigsten Menschen sind noch auf ein Feuer im urzeitlichen Sinne angewiesen, um ihre Existenz zu sichern. Heute verbinden wir mit einem prasselnden Feuer eher romantische Vorstellungen von Strandlagerfeuern mit Gitarrenmusik und Kaminabenden auf dem Bärenfell. Vielleicht noch die männliche Sichtweise von wegen Holzhacken mit freiem Oberkörper bei Minusgraden und meterhohem Schnee.

Ich schweife ab. Wahrscheinlich ist mein Zuckerhaushalt gestört oder mein Gehirn bekommt aufgrund des Kaminfeuers zu wenig Sauerstoff. Oder beides. Wo war ich? Ach ja, Feuer machen. Richtig: Man benötigt Holz. Je nach Wintervorhersage und Wohlfühlbedürfnis viel Holz. Literaturfrey war schon vor einem Monat mit den Vorbereitungen fertig. Danke nochmals für den Wink mit dem Holzbalken, dass ich Holz bestellen muss. Letzte Woche war es soweit: Zwei Ster wurden geliefert, buchstäblich vor meiner Hütte abgeladen. Eigentlich mehr geschüttet.

HolzbergDann hieß es: Stapeln, Aufhäufen, Schichten. Türmen trifft es eher. Der Berg schien nur unwesentlich kleiner zu werden. Wohingegen mein Lager bis unters Dach bereits nach kurzer Zeit vollgestopft war. Nun lagert der Wintervorrat auch auf der Terrasse und allen möglichen Ecken. Eben wie bei der Vorratssammlung habe ich überall Lager angelegt. Nach zwei Stunden ein Bild der Ordnung. Nun kann der Winter wirklich kommen. Menschsein ist einfach schön.

HolzstapelEure Kerstin

Tatort des Monats Oktober

Ja, es gibt ihn noch, den Tatort. Ich war auch die letzten Monate ganz fleißig, trotz 30°C und Sommerlaune, aber irgendwie habe ich es nie geschafft, die Tatorte zu dokumentieren.

Nun: Hier ist er wieder.2015_10 I

Tatort: Schreibtisch.

Tatbestand: Glückskarten.

 

Tatortsäuberung: Nachdem der Selbstversuch „Vom Suchen und Finden des Glücks“ erst mal abgeschlossen ist, lag die Tatsache nahe, dass ich dieses Projekt auch voll und ganz abschließen wollte. Einfach im Altpapier entsorgen kam mir allerdings zu profan und nicht angemessen genug vor. Daher kam der Wintereinbruch (vor 2 Tagen hat es bei uns geschneit – ok, mehr Schneeregen, aber es ist wirklich schon rechtschaffen kalt draußen) gerade recht, den Kamin einzuheizen. Und siehe da: Auch ein Feuer kann einem zum Glück verhelfen.

2015_10 II

Tatort Garten, Tag 15 – Notfalleinsatz

Unerwarteter Notfalleinsatz beim Abdecken der Blumen und Sträucher.15

Tatort: Garten

Tatbestand: Aloe Vera. Erfroren, das arme Ding. Leider kamen jegliche lebensrettende und -erhaltende Maßnahmen zu spät.

Tatortsäuberung: Sehr schade. Habe vergessen, die Pflanze rechtzeitig winterfest zu machen. Wirklich sehr schade.

P.S.: Liebe I.: Wenn Du das hier lesen solltest: Auch wenn ich Dein Geschenk schmerzlich vernachlässigt habe, dürfte ich bitte, bitte einen neuen Ableger von Dir bekommen. Gelobe Besserung.