Manche Menschen wissen nicht…

Manche Menschen wissen nicht, wie viel sie anderen bedeuten. Zu diesen gehört meine Tante, die gern mal sentimentalen Gefühlsduseleien recht nüchtern Einhalt gebietet. So geschehen, als ich ihr einmal sagte, dass ich sehr traurig wäre, wenn sie denn dereinst nicht mehr wäre. „Brauchst Du nicht, ich hatte ein schönes Leben“, waren ihre Worte. Gut, eventuell war ihre Antwort auch eine Reaktion auf meinen recht unsentimentalen Gefühlsausbruch, mit dem ich doch im Grunde nur sagen wollte, wie viel sie mir bedeutet.

Manche Menschen wissen nicht, dass sie einen Unterschied machen. Wie meine Tante, die trotz ihrer über achtzig Jahren sich um Bedürftige in Altenheimen, in der Dorfgemeinde und um Asylsuchende kümmert. Vor kurzem erst hatte sie einer Mutter mit Kind, der der Kindsvater mit Kindesentführung drohte und nachstellte, Unterschlupf gewährt und kurz darauf einem Asylbewerber, der unbedingt eine Wohnung brauchte. Wer von uns könnte diese Nächstenliebe, gepaart mit dem nötigen Vertrauen in den Anderen, den Fremden, für sich in Anspruch nehmen?

Manche Menschen wissen nicht, wie sehr sie Vorbild sind. Wie meine Tante, die ihr Leben so gestaltet, wie es sie glücklich macht. Mit Zielstrebigkeit und Neugierde arbeitet sie an der Verwirklichung Ihrer Wünsche. Egal ob auf der Karriereleiter oder als Hausherrin. Und erst recht bei ihren Reisen, die sie in die ganze Welt geführt haben. Sogar der jugendliche Mitbewohner konnte sich der Hochachtung nicht entziehen, als ich auf seine Frage, warum sie sich in Usbekistan Mosaike anschaue, entgegnete: „Tja, wenn man schon alles gesehen hat, dass schaut man sich eben so etwas an.“

Und manche Menschen wissen nicht, wie sie die unmittelbare Sorge um andere ertragen sollen, wenn ihnen deren Leid bewusst wird. Zu denen, die sich sofort und allumfassend um alles und jeden sorgen und dann gedanklich in einer Tretmühle stecken, gehöre ich. Doch was ich eigentlich sagen will, ist: „Liebe Tante, komm schnell wieder auf die Beine und werde gesund. Ich liebe Dich. Deine Nichte.“

Tante

Des Widerspenstigen Zähmung

Was essen Kinder/Jugendliche am liebsten? Richtig. Pizza und Pommes und Chips. Das ist natürlich sehr pauschal und mitunter stark von der Erziehung und der Persönlichkeit des Nachwuchses abhängig. Bei ersten habe ich, so wie es aussieht, kläglich versagt. Für das zweite sind, wie immer in solchen Fällen, die Gene des anderen Elternteils verantwortlich.

Klar, die Altersgenossen üben auch einen gewissen Einfluss auf die Essgewohnheiten aus und es ist eben nicht so besonders cool, wenn alle sich eine Pizza in den Ofen schieben während es bei uns irgendwas total Gesundes gibt. Um akzeptiert zu werden, seinen sozialen Status in der Gruppe zu behaupten, reicht es eben nicht, Markenklamotten, ein großes Zimmer und trendige Gerätschaften (Longboard, Roller, Bike) vorweisen zu können. Der Döner mit Coke zum Mittagessen nach der Schule ist zum Statussymbol mutiert.

Rigoroses Verbieten ist da eher kontraproduktiv. Wie gesagt, die Erziehung. Die Folge sind regelmäßige Tischflucht und liebloses Rumgestochere im Essen, begleitet von Nörgelei und schlechter Laune. Da hilft auch kein Aussitzen. Wie gesagt, die Gene. Was also tun mit dem widerspenstigen Geist?

  • Verhandeln. Immer wieder.
    Vor dem großen Wocheneinkauf werden Wünsche abgefragt. Soll es Fisch oder Fleisch geben? Fertigessen zuhause oder Imbissbude zum Mittagessen nach der Schule?
  • Kompromisse finden.
    Bei Chips gibt es Bio-Chips (die selbstgemachten waren nicht so der Hit), Nachos, Mais-Waffeln, Mozzarella, Käsescheiben ebenfalls in Bio-Qualität. Bio-Pizza habe ich ein paar Mal in der „Blindverkostung“ (ohne Karton) versucht. Leider ohne Erfolg. Auch ein entsprechender Testbericht, dass Bio-Pizza zumindest als Primus inter Pares abschneidet, hat nichts geholfen. Der Käse ist „eklig“ und die Salami „widerlich“. Dann eben Standard-Pizza, die dafür gegessen wird. Und dann lieber öfter mal eine in der Pizzeria holen. Bio-Pommes sind auch nicht wirklich angekommen. Liegt aber, wenn ich das mal subjektiv beurteilen soll, daran, dass das jugendliche Auge an der Packung erkennt, dass es Bio, also uncool, ist.
  • Das eigene Verhalten so gut es geht konsequent beibehalten.
    Bei Süßigkeiten werde ich auch schwach und Goldbären sind nun mal lecker. Hingegen wird Milch in verschiedenen Ausführungen gekauft. Tetra für den visuell geprägten Typ und Glas für mich. Letzteres wird verweigert, weil „ääh, wie sieht das denn aus?“. Na ja, ganz unrecht hat das Teen damit nicht. Die Flaschenfarbe ist wirklich etwas unglücklich gewählt.

Milch

  • Zeigen, dass Ausnahmen kein Rückschritt sind.
    Beim Getränkesirup wird zum Beispiel immer abwechselnd Plastik- und Glasflasche gekauft. Das ist doch schon mal ein 50%iger Erfolg. Der Vorschlag kam tatsächlich vom Nachwuchs.
  • Zusammenhänge erklären.
    Die fünf Minuten Aufmerksamkeit, die so ein jugendliches Gehirn aufbringen kann, nutzen, um Fluch und Segen der Wohlstandsgesellschaft möglichst plakativ zu schildern. Oder eine Reportage anschauen, am besten auf Youtube, denn da sind alle „endcool, Alter“.
  • Nicht die Hoffnung aufgeben.
    Keiner hat gesagt, dass es einfach ist. Aber es ist der einzige Weg.

Was ich noch wichtig finde, ist die Einstellung zum Essen. Auch, wenn es meist um die schnelle Nahrungsaufnahme geht, bieten sich hin und wieder doch Gelegenheiten, dem Essen eine gewisse Wertschätzung zukommen zu lassen. Eine selbstgemachte Suppe kann dann auch schon mal zwei Tage hintereinander serviert werden, weil das Suppenhuhnfleisch „voll lecker“ ist und der Braten im Ofen führt auch mal dazu, dass der jugendliche Mitbewohner ungeduldig zwischen Zimmer und Küche hin- und hertigert, weil es so „krass lecker“ duftet.

Morgen geht es um den Genussfaktor Essen, wenn man mal der Routine entfliehen möchte.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin