Spurensuche – Zweiklang

Die ersten Erinnerungen. Kindheit, die nicht auf Celluloid gebannt ist.

Die Freude, durch den Aufprall abrupt und jäh beendet, eine Platzwunde nach sich ziehend, eine verblassende Narbe hinterlassend.

Die Wut, die sich Luft machen will und mit dem Tritt in die im Klee sitzende Biene in Lächerlichkeit auf der Zuschauerseite umschlägt.

Der Übermut, der eine Brandwunde am Oberschenkel verursacht, effekt- und mitleidhaschend mit einem Schal verbunden, der durch sein Kratzen mehr quält als die Ursache.

Der Ehrgeiz, durch einen Sturz gestoppt, der mit einer Spritze entlohnt wird, die aufgeschürften Knie voller Dreck und Rollsplit als Trophäe.

Der Versuch, Blindsein zu erfahren, scheitert und endet mit einem deutlichen Muster auf der Stirn, der Scham im Gedächtnis.

Die Ohnmacht, nach dem Fall, von der alkoholgetränkten Gesellschaft im Nachbarzimmer verspottet und hinweggewischt.

Die Begeisterung, beim Klettern mit sprinklernassen Füßen, die keinen Halt finden und im Absturz in der Gartenharke landen, welche eine sommerlange Entzündung beschert.

Die Träumerei, dabei vom Weg abkommend und über Weidenzweige stolpernd, die blutige Wunden, getränkt in Salzwasser, verursacht.

Erinnerungen, die sich nur in dieser Form wiederfinden. Ein Abdruck, der bleibt. Doch dann gibt es noch die Erinnerungen, die die Seele berühren, ihr zusetzen. Narben, die weitaus nachhallender, nachhaltiger, tiefer sind und sich nicht in Einklang mit der Erinnerung bringen lassen.

Die Neugier, gleichgültig ausgebremst und unterdrückt.

Das Vertrauen, achtlos angenommen und ausgenutzt.

Die Liebe, missbraucht und sorgfältig eingeschlossen.

Zweiklang.

Vertrauen ist der Anfang von allem

Das inzwischen geflügelte Wort, mir in einem im Nachgang perfekt gewählten und wohlüberlegten Moment derart zugespielt, damit ich mir meine Bedenken und Vorbehalte klar vor Augen führe, um diese doch bitte nach und nach, am liebsten aber sofort über Bord zu werfen, ist nicht nur der Anfang, sondern auch die Basis und Intensität von allem.

Den Anfang einer Beziehung, einer jeden wohlgemerkt, festzulegen, zu beziffern, ist in den meisten Fällen gar nicht so einfach. Wodurch definiert sich der Anfang? Der erste Kontakt? Oder lässt sich der Anfang sogar schon im unbewussten Bereich unserer Gedanken und Gefühle ausmachen? Der Wunsch nach einem Beginn an sich? Oder ist es das ganz typisch Konkrete? Der erste Kuss, der Handschlag, das erste gemeinsame Projekt, das erste Essen usw. Die Liste ließe sich wohl bis ins Unendliche ausweiten, was nur zeigt, dass der Anfang oftmals aus mehreren Komponenten besteht und nicht so eindeutig ist, wie wir uns das im Nachhinein vielleicht wünschen.

Das Ende hingegen schon. Das lässt sich ziemlich klar definieren, auch wenn der Weg dahin schleichend verlaufen mag. Am Ende ist immer ein Punkt.

Vielleicht machen Anfänge aus diesem Grunde auch mehr Spaß und sind gleichzeitig auch viel schwieriger und mitunter vielschichtiger und verunsichernder. Vertrauen hin oder her.

Doch bei einer Reise ist der Anfang, zumindest der physische recht eindeutig definiert und hinterlässt bei allen Beteiligten Spuren. Aufregung, Spannung, Freude beim Reisenden. Aufregung, Spannung, Melancholie bei dem, der zurückbleibt. Egal wie tief und groß das Vertauen ist.

Und so schicke ich dem Reisenden und einfachen Mann auf diesem und für alle Wege Grüße hinterher. Piratengrüße. So lange es eben dauert, denn wenn das Vertrauen den Anfang macht und diesem den Weg ebnet, dann kennt die Liebe keine Grenzen.

Manche Menschen wissen nicht…

Manche Menschen wissen nicht, wie viel sie anderen bedeuten. Zu diesen gehört meine Tante, die gern mal sentimentalen Gefühlsduseleien recht nüchtern Einhalt gebietet. So geschehen, als ich ihr einmal sagte, dass ich sehr traurig wäre, wenn sie denn dereinst nicht mehr wäre. „Brauchst Du nicht, ich hatte ein schönes Leben“, waren ihre Worte. Gut, eventuell war ihre Antwort auch eine Reaktion auf meinen recht unsentimentalen Gefühlsausbruch, mit dem ich doch im Grunde nur sagen wollte, wie viel sie mir bedeutet.

Manche Menschen wissen nicht, dass sie einen Unterschied machen. Wie meine Tante, die trotz ihrer über achtzig Jahren sich um Bedürftige in Altenheimen, in der Dorfgemeinde und um Asylsuchende kümmert. Vor kurzem erst hatte sie einer Mutter mit Kind, der der Kindsvater mit Kindesentführung drohte und nachstellte, Unterschlupf gewährt und kurz darauf einem Asylbewerber, der unbedingt eine Wohnung brauchte. Wer von uns könnte diese Nächstenliebe, gepaart mit dem nötigen Vertrauen in den Anderen, den Fremden, für sich in Anspruch nehmen?

Manche Menschen wissen nicht, wie sehr sie Vorbild sind. Wie meine Tante, die ihr Leben so gestaltet, wie es sie glücklich macht. Mit Zielstrebigkeit und Neugierde arbeitet sie an der Verwirklichung Ihrer Wünsche. Egal ob auf der Karriereleiter oder als Hausherrin. Und erst recht bei ihren Reisen, die sie in die ganze Welt geführt haben. Sogar der jugendliche Mitbewohner konnte sich der Hochachtung nicht entziehen, als ich auf seine Frage, warum sie sich in Usbekistan Mosaike anschaue, entgegnete: „Tja, wenn man schon alles gesehen hat, dass schaut man sich eben so etwas an.“

Und manche Menschen wissen nicht, wie sie die unmittelbare Sorge um andere ertragen sollen, wenn ihnen deren Leid bewusst wird. Zu denen, die sich sofort und allumfassend um alles und jeden sorgen und dann gedanklich in einer Tretmühle stecken, gehöre ich. Doch was ich eigentlich sagen will, ist: „Liebe Tante, komm schnell wieder auf die Beine und werde gesund. Ich liebe Dich. Deine Nichte.“

Tante

Was von der fünften Rauhnacht (29. Dezember) übrigbleibt – Mai 2017

Um den eigenen Weg zu finden, braucht es Planung und Strategie. Es heißt, den Überblick zu gewinnen. Und genau das habe ich im Mai durchwegs gemacht. Am 29. Dezember übrigens auch. Es ging dabei darum, für alle Bereiche des Lebens einmal den Überblick zu bekommen und dann strategisch zu verfolgen, oder eine Strategie für die Zukunft festzulegen, oder zumindest an ihr zu arbeiten. Fünf Strategiepunkte für den fünften Monat:

  1. Der Schuljahresendspurt für den jugendlichen Mitbewohner und die Strategie, das Schuljahr noch für sich zu entscheiden.
  2. Für den Sommer Urlaubspläne schmieden, auch wenn die Umsetzung sich in den Juni hinziehen wird.
  3. Budget durchrechnen, welche Anschaffungen (Fahrrad) beziehungsweise Pläne (Wohnung streichen vs. Garten neu gestalten) realisiert werden können.
  4. Projekt „Verzicht kostet – Review“ in der Theorie ausarbeiten (wird im Juni in die Tat umgesetzt – versprochen).
  5. Szenarien für die Zukunft durchspielen, um die räumliche Distanz zweier Wohnungen in ein Zuhause zu verwandeln.

Daneben bin ich, ganz klar, so viel wie möglich draußen gewesen. Um den Blick schweifen zu lassen, neue Ein- und Ausblicke zu bekommen.

  

04 Wolken

Blick nach oben

 

05 Maiglöckchen

Blick nach unten

 

06 Wettersteingebirge

Blick nach vorn

Ach ja, ich hatte am 29. Dezember wie der Zufall es so will, „Die Herrscherin“, die dritte Karte im Tarot, gezogen. Wie passend, ist doch die Zahl drei die Vereinigung der Gegensätze, die ausgleichende, erste reale Zahl, welche die neue Ebene und gleichzeitig Ausgangsbasis für den nächsten Schritt bildet. Es geht um Urvertrauen, Wachstum, Sehnsucht und Vielfalt.

Im Juni muss also so einiges in die Tat umgesetzt werden. Da bin ich auf die Ergebnisse gespannt.

Eure Kerstin