Zeitreisen in die Vergangenheit: Stromausfall

Im Radio höre ich, dass ein Mensch durch seinen Tod den gesamten Zugverkehr zum Erliegen gebracht hat.
Totaler Stromausfall.

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Ich denke: Gerade bist Du aus dem Haus gegangen. Unsere Probleme lösen sich doch gerade. Nein: ICH denke, dass sie sich lösen. Du, so unbekannt für mich. Wer bin ich? Wer bin ich wirklich? Meine Identität verschwindet in der Flut meiner Gedanken. Ich sitze. Irgendwo. Ich bin allein. Ich flüchte in meine Welt. Das Leben da draußen ist zu schwer für mich. Ich drehe mich im Kreis. Ich öffne meine Augen, um zu sehen. Ich sehe Menschen, die leben. Sie gehen durch meine Welt und leben. War es nicht mal anders? War ICH nicht mal anders?
Stromausfall.
Wir hatten eine Chance. Eine gute und große. Ich habe aufgehört, zu denken. Die Illusion meiner Welt bricht zusammen. Ich bin in der Welt der anderen gefangen. Ich bin allein. Du hast meine Welt mitgenommen und gibst sie weiter an sie. Welches Recht hatte ich nur, diese Chance zu verspielen? Ich sehe uns immer noch. Am Anfang. Ich sehe nur den Anfang. Ich sehe Dich, wie das Glück Dich berührt. Ich habe es festgehalten, dieses Bild. Es steht auf dem Nachttisch.
Stromausfall.
Danach beginnt das Mühen. Ich sehe nichts. Du suchst mich. Die ganze, lange Zeit habe ich die Augen geschlossen. Sinnlos geträumt. Ohne Dich. Das erste Zeichen sehe ich, als unsere Zeit verloren geht. Gefangen in meinen Gedanken dachte ich, die Zeit besiegen zu können. Was bedeutet schon Zeit? Und in Wirklichkeit besiegte ich Dich.
Stromausfall.
Der Weg zu Dir ist nicht mehr da. Wenn ich jetzt in Dein Gesicht blicke, suche ich verzweifelt nach dem Glück. Ich bin aufgewacht. Ich habe meine Grenze gesehen. Der Zugang, den Du in meine Welt gefunden hattest, ist mir versperrt. Ich dachte, wir finden den Anfang, wenn wir einander hätten. ICH habe gedacht. Gedacht: Warst Du nicht schon aus meiner Welt verschwunden, als ich diesen Schritt tat?
Stromausfall.
Schon wieder Scherben. Meine Scherben. Sie schwimmen in meinem Herz. Meine Tränen tragen sie nach draußen. Jeder Schritt auf ihnen tut weh. Ich fühle meinen Körper nicht mehr. Ich spüre nur den Schmerz. Schon lange.
Stromausfall.
Ich quäle mich. Briefe, Gedichte, Fotos, Gedankenfetzen. Gibt es ein Leben danach? Wenn Du es nicht bist, der sein Leben eintauscht gegen die Ruhe des Todes, was ist dann meine Aufgabe? Du sagst, das Leben geht weiter. Alle sagen das. In meiner Welt löscht nichts das Feuer.
Stromausfall.
Hast Du eine Ahnung von meiner Verzweiflung? Hast du eine Ahnung von meinem Schmerz? Wie würdest Du den Schmerz ertragen, wäre ich an Deiner und Du an meiner Stelle? Mein Schmerz ist auch Anklage. Warum hast Du mich nicht vor den Spiegel meiner Seele geführt? Warum hast Du mich so oft allein gelassen? Gefangen. Angekettet. Hilflos. Ohne Dich habe ich keine Energie, meine Welt zu verstehen. Diese Welt ist so klein und eng.
Stromausfall.
Wie hoch sind Deine Ideale? Es wird schwieriger. Ich fange an, um mich zu schlagen. Wer bin ich? Ich wage keinen Schritt. Ich bin allein mit meinen Gedanken, die ausbrechen wollen. Was willst Du? Was willst Du wirklich?
Stromausfall.
Der Tod: Inzwischen bin ich der Ansicht, dass es der einzige Ort ist, an dem absolute Ruhe herrscht. Stille. Alle Gedanken und Gefühle verstummt. Vielleicht ist dies das Glück. Ein Nichts. Kein Raum. Keine Zeit. Keine Endlichkeit. Am Ende ist es im Leben nicht möglich, Frieden zu finden. Ich sehe in Deine Augen. Darin liegt mein Frieden. Wer also bin ich?
Stromausfall.

Tatort des Monats Juli

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. In meinem Fall sind allerdings Schnittwunden gerade an der Tagesordnung, da ich seit einiger Zeit eine leckere Methode gefunden habe, altes Brot zu verwerten. Man schneide es in ganz dünne Scheiben…. Leider hat altes Brot die Angewohnheit, ziemlich hart zu sein und dabei rutsche ich dann unfreiwillig ganz gern mit dem Messer ab. Gibt unschöne Schnitte, die nach einem Pflaster verlangen.

Tatort: Badezimmer.

Tatbestand: Pflaster. Knie-/Ellenbogenpflaster.Pflaster

Tatortsäuberung: Irgendwie wird einem diese Art von Pflaster als essentiell notwendig angepriesen. Benötigt habe ich sie allerdings – glaube ich – nie. Gut, inzwischen sind alle Mitglieder meines Hausstandes aus dem Disney-Alter raus bzw. sind zu cool als dass sie damit in Verbindung damit gebracht werden wollen. Bei den Nachbarn konnte ich damit punkten. Wie schön.

P.S.: Wenn man sich verarztet hat und das Brot fertig geschnitten hat, wird es mit Olivenöl, beträufelt, mit Pfeffer und Salz bestreut und dann im Backofen zu knusprigen Brotchips geröstet. Der Genuss lindert zwar nicht den Schmerz, aber macht trotzdem glücklich. Ganz ohne künstliche Zusatzstoffe.

Tatort des Monats November

Ich möchte ein lieb gewonnene Gewohnheit wieder aufleben lassen. Dass ich unter der Rubrik in den letzten Monaten nichts gepostet habe, heißt nicht, dass ich untätig war. Sagen wir einfach: Ich habe mir selbst etwas mehr Raum verschafft, indem ich weniger vor dem Computer saß. Zumindest was den privaten Gebrauch betrifft.

Tatort: Keller bzw. Wohnzimmer2014_11

Tatbestand: Kaputter Christbaumschmuck. Kugel und diverse Schmuckteile.

Tatortsäuberung: Ich gehöre zu den amerikanisch angehauchten Menschen, die ihren Baum kurz nach Thanksgiving aufstellen. Also bei mir immer am 1. Advent. Dann steht er die ganze Weihnachtszeit und ich freue mich jeden Abend. Dafür ist gleich nach Weihnachten Schluss mit lustig und die ganze Deko verschwindet wieder in Kisten. Tja, das haben wohl ein paar Utensilien nicht überlebt. Schade, die Kugel war besonders schön. Nettes Erinnerungsstück ist eine Schnittwunde, die ich mir beim Griff in die Kiste zugezogen habe. Tut weh und hat höllisch geblutet. Also Pflaster drauf. Und nun setzte ich mich vor den Baum und höre Weihnachtslieder.