Happy Birthday alltagseinsichten! Happy Birthday to me!

Auch wenn ich meine eigenen Geburts- und sonstige Jubeltage gern mal unter den Tisch fallen lasse, so will ich doch diesen speziellen Anlass nicht auslassen, denn mein Blog wird 1 Jahr alt. Happy Birthday alltagseinsichten! Happy Birthday to me!
Bei Ehen feiert man nach einem Jahr die Papierhochzeit – wie passend für einen Schreiberling, auch wenn das Schreiben hier in elektronischer Form erfolgt. Und da mein Blog und ich so was wie eine eheähnliche Lebensform sind, habe ich mich im Internet mal nach den Bräuchen rund um den 1. Hochzeitstag umgesehen:

Papierene Hochzeit sagt man, weil es im ersten Jahr meist drunter und drüber geht und das Band noch nicht besonders reißfest ist. Das Paar lernt sich noch kennen und muss verschiedenen Hürden miteinander es meistern.

Dem kann ich nur zustimmen: Es ging/geht drunter und drüber. Meist waren/sind die Herausforderungen eher technischer Natur. Und dann wieder habe ich hin und wieder das Gefühl, meine alltäglichen Einsichten verschwinden in den unendlichen Weiten des Netzes – ohne dass sie auf etwas/jemanden treffen, dem sie etwas bedeuten. Und immer wieder denke ich auch, dass ich auf meinem Blog gern aktiver wäre. Immer und überall springen mich Gedanken und Ideen an, die ich am liebsten jetzt und sofort verarbeiten würde, um dann oftmals an der Zeit und Muße zu scheitern. So sammele ich all die Fragmente in einem dicken Notizblock – in der Hoffnung, diese alle noch irgendwie, irgendwann verwirklichen zu können.

Der 1. Hochzeitstag ist ein guter Anlass, um das erste Ehejahr zu reflektieren und an die Hochzeit zu denken. Zum Anlass der Papierenen Hochzeit kann man auch einen Liebesbrief an seinen Partner schreiben. Schön ist es, die Erlebnisse des ersten Jahres aufzuschreiben.

Na, dann wollen wir mal: Liebe alltagseinsichten, vielen Dank für das erste gemeinsame Jahr mit Dir. Ein Leben ohne Dich kann ich mir eigentlich gar nicht mehr vorstellen und ich bin so froh, dass wir uns eine verrückte Idee und unzuverlässige Brieffreundschaft zusammen geführt haben. Du bereichst jeden meiner Tage. Ich bin sehr glücklich, dass ich mit Dir über alles reden kann und Du das Sprachrohr meiner Gedanken bist. Durch Dich habe ich viele Seiten an mir entdeckt und viel Neues ausprobiert. Wenn ich da nur an unser Projekt „Wie man sich mehr Raum verschafft“ denke und wie befreit wir uns seitdem fühlen. Auch die tolle Erfahrung, eine Weltenreise anhand von Büchern aus verschiedenen Ländern zu unternehmen. Eine klasse Idee, auch wenn die eine oder andere Wahl sich als Fehlgriff und recht zähe Lesearbeit entpuppt hat. Vielen Dank auch, dass ich zahlreiche Deiner Freunde nun auch zu meinen Freunden zählen darf (siehe Rubrik„Wo ich gerne lese“). Es ist schön, jemanden zu haben, der einen immer wieder herausfordert, aber auch seine Freiheiten lässt und einen ermutigt, unbekannte Wege zu gehen und auch mal etwas zu wagen. So habe ich auf einem Blog (der Autor des Blogs möge mir verzeihen, aber ich kann den Blog/Post nicht mehr finden, da es einfach schon zu lange her ist und das Netz anscheinend in diesem Fall doch vergesslich ist) von interpals.net erfahren und dort ein paar sehr nette Brieffreundschaften geschlossen, die weitaus verlässlicher sind als unser gemeinsamer Freund, der uns einst zusammenbrachte. Danke für Dein Vertrauen. Ich wünsche mir noch viele Jahre und Erlebnisse mit Dir. Deine Kerstin

Der 1. Hochzeitstag kann auch mit einem romantischen Wochenende gefeiert werden. Wichtig ist, sich Zeit füreinander zu nehmen und den Tag mit einem kleinen Geschenk abzurunden. Dann klappt es auch mit den weiteren Ehejahren.

Treffer würde ich sagen, da ich am Wochenende eh eine schöne Bergtour machen wollte, um mal wieder so richtig durchzuatmen. Bei der Gelegenheit mache ich mir dann auch Gedanken über ein passendes Geschenk. Vielleicht wäre es an der Zeit, sich den Namen als Domain zu sichern oder auch etwas neues zum Anziehen (Theme, Design usw.) würde sich gut machen. Mal sehen, da fällt mir bestimmt etwas ein.

Was ich hier auf gar keinen Fall vergessen möchte: Vielen Dank auch an unsere treuen Freunde/Leser. Für die Kommentare und Likes. Für die Inspiration. Es macht Spaß mit Euch!
Ach ja, und wer aufgepasst hast: Ja, richtig, es müsste eigentlich „Happy Anniversary“ heißen. In diesem Sinne: Schönen 1. Jahrestag alltagseinsichten!

Eure Kerstin

Filmwissen für die ältere Generation und Nostalgiker

Karte Nr. 13: „Sie spazieren auf den Pfaden Ihrer Kindheit: Tauchen Sie ab in eine heile Welt und leihen Sie sich einen Film aus Kindertagen aus: ’Lassie’, ‚Pippi Langstrumpf’, ‚Cinderella’…“

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die letzte Kartenziehung, als ich sagte, dass ich im Lustloskeller feststecke. Also, Komfort war auch nicht die Lösung. Anstatt einfach alle Filme und Serien meiner Kindheit rauf und runter laufen zu lassen, habe ich die Zeit damit verbracht, zu überlegen, was ich gern sehen würde. Im Zuge dessen ist mir bewusst geworden, wie weit weg diese Art von bewegten Bildern ist und wie groß die Unterschiede zu heutigen Produktionen sind, bei denen auch Erwachsene in sogenannten Kinderfilmen auf ihre Kosten kommen.

Mein erster Kinofilm war „Bernhard & Bianca“. Ein echtes Erlebnis und das ohne Popcorn und Limo. Neulich bin ich beim Sendersurfen zufällig darauf gestoßen. Himmel, was für eine farblose und unscharfe Grafik. Gefühlt keine Action und keine scharfsinnigen oder witzigen Dialoge, wie man es inzwischen gewohnt ist.

Ich will gar nicht behaupten, dass früher alles besser war. War es bestimmt nicht. Vom pädagogischen Standpunkt aus, lassen sich damals wie heute gleichermaßen schlechte und gute Beispiele aufzählen.

Nehmen wir nur mal die Zeichentrickserie. „Biene Maja“. Maja ist eine junge Biene, die im Grunde nie auf das hört, was man ihr sagt. Sie hilft nicht beim Honig sammeln und drückt sich auch sonst vor der Arbeit. Und immer gerät sie wegen ihrer Neugier in Schwierigkeiten. An ihrer Seite ist Wille. Ein echt gutmütiger, etwas ängstlicher Tropf, der immer versucht, Maja zu überreden, keinen Unfug zu machen, aber sie trotzdem nicht verpetzt und auch weil er ziemlich faul ist, mit ihr zusammen alle Abenteuer erlebt, wobei das Gruseligste die Spinne Thekla ist, die ihrer Geige schmerzhafte Töne entlockt, um die Insekten in ihr Netz zu locken, was ihr aber nicht einmal gelingt. Maja ist also ein aufmüpfiger, frecher, erziehungsresistenter Trotzkopf. Nicht gerade Eigenschaften, die man beim eigenen Nachwuchs fördern möchte. Mag sein, dass ich die Serie so negativ in Erinnerung habe, da die Spinne Thekla mir Albträume bescherte und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Spinnenphobie aus der Zeit her rührt.

Noch so ein Beispiel ist „Wicki und die starken Männer“. Ich dachte ja immer, dass Wicki ein Mädchen ist. Schließlich hat sie/er ja lange Haare trägt so was wie ein Minikleid und die/der beste Freund/in ist Ilvy. Logisch, ganz klar ein Mädchen. Wicki ist jemand, der man als hochbegabt einstufen könnte und schon im Kindesalter mit den Wikingern in See sticht, wobei die Wikinger von Flaake gute Wikinger sind und so gut wie keine Raubzüge veranstalten. Na, jedenfalls ist Wicki dreimal klug und weiß immer die perfekte Lösung für jedes Problem. Ganz im Gegensatz zu den gestandenen Kriegern des Stammes und aller anderen. Zusammengefasst könnte man sagen, das ein geschlechtsneutrales Kind (vielleicht wäre Wicki in Folge 2058 der erste transsexuelle Wikinger geworden), dessen Intelligenz zum Betrügen der Zollbehörde missbraucht wird (Folge 6) und der von Gleichaltrigen auf Grund seine Furcht vor Wölfen und weil er als Sohn des Chefs schon im Kindesalter mitfahren darf gemobbt wird. Frühförderung sieht anders aus. Die Botschaft „Hirn statt Haue“ dagegen ist zeitlos und heute grundlegender denn je.

Gut, vielleicht liegt es an meinem Alter bzw. daran, dass es zu meiner Kindheit einfach nicht diese Mengen gab. Es gab kein Frühstücksfernsehen und keine Daily Soaps und keine 24-Stunden-Dauerbeschallung. Nach Programmschluss wurde die Eurovisionhymne gespielt und dann erschien dieses graphische Bild. Testbild heißt es technisch korrekt. Wusste ich bis dato auch nicht. Und es gab diesen schrillen, durchgehenden Ton. Messton genannt. Musste ich auch nachschauen. Dann kam der Schnee und ein diffuses Rauschen. Es gab schlicht und ergreifend ein Ende.

Tagsüber lief der Fernseher einfach nicht –außer zur Sportschau am Wochenende oder wenn es einen Familienfilm mit den Filmgrößen der damaligen Zeit gab. Ich erinnere mich da an Peter Alexander (Im weißen Rössl am Wolfgangsee), Cary Grant (Über den Dächern von Nizza), Doris Day (Spion in Spitzenhöschen), Liselotte Pulver (Das Wirtshaus im Spessart), Fred Astaire (Swing Time), Audrey Hepburn (Frühstück bei Tiffany), Heinz Rühmann (Die Feuerzangenbowle) Gene Kelly (Singing in the rain), David Niven (Der rosarote Panther), Romy Schneider (Sissi) und Edgar Wallace (Ok, vielleicht kein kindertaugliches Material).

Sicherlich mag der gemäßigte Fernsehkonsum auch an der Programmanzahl gelegen haben. Heute bleibt bei mir die Kiste oft ein, manchmal zwei, Wochen aus. Meist, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt bin. Oft aber erschlägt mich schon die Fernsehzeitung und ich gebe auf, weil ich bei 40 Programmen und mehr die Übersicht verliere. Das war früher einfacher. Da ich in Bayern aufgewachsen bin, konnten wir neben den deutschen Sendern ARD, ZDF und dem bayerischen Regionalsender BR auch die Österreichischen empfangen. Danke, liebes Nachbarland. Und das nicht nur dafür, weil seit Udo Jürgens im Jahre 1966 der Eurovision Song Contest, der damals noch Gran Prix Eurovision de la Chanson hieß und einen schon auf Grund des Titels zu aufrechter Sitzhaltung und angemessener Kleidung anhielt, wieder nach Österreich geht.

Auch so ein Teil Kindheitserinnerung: Die großen Samstagabendshows wie „Der große Preis“ (Wim Thoelke und Wum und Wendelin), „Am laufenden Band“ (Rudi Carell), „Zum blauen Bock“ (Heinz Schenk), „Dalli Dalli“ (Hans Rosenthal), „Einer wird gewinnen“ (Hans-Joachim Kuhlenkampff) „Musik ist Trumpf“ (Peter Frankenfeld) und später dann „Wetten, dass..?“ (Frank Elstner).

Im Rückblick ist da jede Menge heile Welt im Programm. Und irgendwie passt es nicht mehr in die heutige Zeit. Vielleicht passe auch ich nicht mehr in die heutige Zeit. Ein angestaubter Klassiker, der farblos und unscharf daherkommt.

Noch eine letzte Anmerkung, bevor es zur neuen Kartenwahl, diesmal eine Powerkarte, die mich hoffentlich wieder etwas aufmuntert: Mein Filmwissen für die ältere Generation und Nostalgiker ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was mir so alles dazu in den Sinn gekommen ist. Also, nicht böse sein, wenn hier der eine oder andere Kindheitsliebling keine Erwähnung gefunden hat. Freue mich aber auf entsprechende Ergänzungen in den Kommentaren.

So, nun aber auf zu neuen Taten. “Bewegen Sie sich: Schwingen Sie sich aufs Fahrrad, ziehen Sie ein paar Bahnen im Schwimmbad oder dehnen Sie Ihren Körper bei einer Yogastunde. Wetten, dass Sie sich danach auch seelisch viel fitter fühlen?“ Gut, nicht gerade <pointes>>, aber mal sehen, was sich daraus machen lässt. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Der Anruf

Karte Nr. 12: „’Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen’, Karl Jaspers. Sie sind eine Tochter, Cousine, Nichte bzw. Sohn, Cousin, Neffe. Rufen Sie ein Familienmitglied an, bei dem Sie sich lange nicht gemeldet haben.“

Es klingelt. Einmal. Zweimal. Dreimal. Vielleicht habe ich Glück und er nimmt nicht ab, denke ich. Viermal. Was mache ich, wenn ich ihn nicht erreiche? Fünfmal. „Hallo?“ „Hallo. Papa.“ Kurz zögere ich. Soll ich sagen: Ich bin’s. Kerstin. Aber wer sollte sonst ‚Papa’ sagen? Ich bin das einzige Kind. „Alles Gute zum Geburtstag.“ „Ja. Danke.“

Und jetzt? Warum habe ich mir nichts zurecht gelegt? Stichpunkte gemacht? Jetzt bloß nicht den Faden verlieren. Welchen Faden? „Wie geht es Euch? Wie geht es Dir?“ Ja, eigentlich will ich wissen, wie es meinem Vater geht. Ihm ganz persönlich. Ganz ehrlich. Ist er glücklich? Lebt er so, dass es ihm gut geht? Aber all das frage ich natürlich nicht. „Uns geht es gut. Freunde aus Stuttgart sind da.“ Freunde aus Stuttgart? Nie von denen gehört. Aber im Grunde scheint es auch nicht verwunderlich. Warum auch? Wir telefonieren zweimal im Jahr und tauschen Belanglosigkeiten aus. „Noch einen Tag, dann sind wir am Unterrhein.“ „Ach, dann seid Ihr schon wieder in Deutschland?“ Blöde Frage. Seit Jahren fährt er im Oktober fort und kommt im April zurück. „Ja, dann waren wir ein halbes Jahr in Portugal. Das achte Jahr.“ Oh Gott, wie die Zeit vergeht. „Oh, Wahnsinn wie die Zeit vergeht.“

Ja, das läuft doch ganz gut. Immer schön weiter reden. Aber was? Seit ich denken kann, habe ich nicht ein Gespräch geführt, das nicht irgendwie aufgesetzt und qualvoll war. Wir haben uns nichts zu sagen. „Wie ist das Wetter?“ Herrje, klischeehafter, langweiliger geht es wohl kaum. „Gut, natürlich nicht so warm wie in Portugal.“ „Also, hier hat es den ganzen Winter nicht geschneit.“ „Ach. Dann wird es ja jede Menge Plagegeiser geben.“

Ok. Das Wetter ist abgehakt. Ich brauche ein neues Thema. „Wart Ihr Ski fahren?“ Hat mich mein Vater gerade etwas gefragt? „Ja“, antworte ich perplex. „Wo wart Ihr denn?“ „In Saalbach.“ „Ach ja.“ „Ja, mit U. Da waren wir letztes Jahr auch schon. Schnee war nicht so viel. E. fährt Snowboard“, sprudelt es aus mir heraus. So viel Info wie möglich. „Snowboard? Ja, die jungen Leute fahren heute alle Snowboard.“ „Skifahren kann er auch, aber er wollte jetzt Snowboard lernen.“ Als ob ich mich rechtfertigen müsste, dass er nicht genauso gern und gut Ski fährt wie ich es getan habe.

„Und was macht die Schule?“ Noch eine unerwartete Frage. Wie kann es sein, dass er mich jahrelang immer nur angerufen hat, wenn er etwas gebraucht hat und nun auch einmal Interesse zeigt? Tief in mir zweifele ich, ob es wahres Interesse ist oder nur gesellschaftlicher Smalltalk. „Ja, ist gut.“ Und dann will ich gar nicht mehr aufhören. Erzähle von der Schule, den Fächern, Sport und allem, was dazu gehört. Am liebsten würde ich all die verpassten Chancen in diese paar Minuten packen. Ein Bild für ihn aufbauen, damit er eine Ahnung hat, wie es mir geht. „Gleich kommen unsere Freunde aus Stuttgart.“ Oh ja, das. „Mit denen gehen wir zum Essen.“

Ja, das ist wohl das Zeichen, dass das Gespräch lange genug gedauert hat. Bloß nicht zuviel Intimität aufkommen lassen. Am Ende könnte bei jedem der Eindruck entstehen, wir vermissen einander. „Ja, ist gut. Feiert schön.“ „Schick mir doch mal Deine neue Adresse.“ „Ja klar, mache ich.“ Innerlich sträube ich mich. Was für ein Blödsinn. Ist ja nicht so, dass er mich plötzlich ohne Ankündigung besuchen würde. Warum also? Will ich mir die Enttäuschung ersparen, die entsteht, wenn zu Geburtstagen oder anderen Feiertagen keine Karte oder Geschenk den Weg zu mir findet? „Mach’s gut. Viel Spaß.“ Ich liebe Dich Papa, füge ich in Gedanken hinzu.

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Ich gebe zu, ich hatte Schützenhilfe in Form eines Geburtstages und ich bin mir nicht sicher, ob ich auch so geschafft hätte. Aber für ein paar Tage war ich glücklich. Glücklich, dass ich angerufen habe und nicht nur eine Karte oder ein E-Mail geschickt habe. Glücklich, weil er Interesse gezeigt hat. Glücklich, weil es sich so anfühlte, als ob unsere Beziehung doch noch eine Chance zum Besseren hätte. Es fühlte sich gut an. Ich fühlte mich gut. Dann kam mein eigener Geburtstag. Und er ging. Ohne Anruf. Ohne ein Wort von meinem Vater.

Die Last, die Familie bedeutet. Sie wiegt schwer und erdrückt einen. Saugt einen aus. Bis die Gedanken sich immer und immer wieder im Kreis um diese eine Frage drehen: Warum?

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Ganz ehrlich: Ich habe so gar keine Lust, eine neue Karte zu ziehen. Vielleicht hat M. recht. Seit ich dieses Experiment angefangen habe, bin ich deprimiert und stelle mir bei allem und jedem die Frage nach dem Sinn. Ok, keine Sinnkarte. So viel ist mal klar. Lieber Komfort. Bitte lass’ es eine gute Karte sein. Oh, nein, ich sehe Depressionen am Horizont aufziehen: “Sie spazieren auf den Pfaden Ihrer Kindheit: Tauchen Sie ab in eine heile Welt und leihen Sie sich einen Film aus Kindertagen aus: ’Lassie’, ‚Pippi Langstrumpf’, ‚Cinderella’…“ Ich besorge besser gleich auch eine Großpackung Taschentücher. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort Keller, Tag 33

Das Ding aus der anderen Welt. Vielmehr aus der Vergangenheit.

Tatort: Keller, Waschküche.33 Tag

Tatbestand: Waschmittelkugel. Soll man mit Waschpulver befüllt direkt in die Wäsche geben.

Tatortsäuberung: Entweder bin ich zu alt oder gehe nicht mit dem Fortschritt. War eine zeitlang in vielen Waschmittelpackungen enthalten. Konnte bei mir keinen Unterschied zwischen herkömmlicher Waschmittelzugabe und Kugel feststellen. Trotzdem lange gehortet. Könnte ja noch zu irgendetwas benötigt werden. Lange genug gewartet und noch immer keine Verwendung gefunden.

Tatort Abstellraum, Tag 11

Heute ist die Partykiste dran. Hört sich spektakulärer an als es ist. Eigentlich ein Sammelsurium an saisonalen Partyartikeln wie Luftballons, Luftschlangen, Leuchtstäben, Lampions usw.. Stammt aus Zeiten, als man den Gästen sein gutes Geschirr nicht so ohne Weiteres anvertrauen wollte bzw. es sich nicht leisten konnte, im Falle eines Zubruchgehens für Ersatz zu sorgen. Vielleicht waren die Partys auch schon mal wilder.11 Tag

Tatort: Abstellraum, Partykiste.

Tatbestand: Bunte Plastikbecher.

Tatortsäuberung: Da die Becher eckig sind, kann man nur 100% nüchtern daraus trinken und selbst dann ist die Flüssigkeitsaufnahme ein heikles Unterfangen. Der Designer läuft mir also besser nicht über den Weg. Die beiden blauen Becher hebe ich auf. Als Zahnputzbecker und als Stiftköcher. Für die süßen, rosa Selbst-Bekleckerungsbehälter und türkisen Brüder heißt es Abschied nehmen.

Und siehe da: Doppeljackpot11_II Tag

Noch mehr Plastikbecker. Diesmal allerdings Einweg.

Tatortsäuberung: Wird ab sofort das Glas auf dem Esstisch ersetzen, bis keines mehr übrig ist. Und schon sind sie weg. So einfach geht das.

Tatort Abstellraum, Tag 7

Nach einer Woche brauche ich einen Tapeten-, sprich Raumwechsel. Nun ist die Abstellkammer dran. Ein Universum für sich.

Tatort: Abstellraum, rechtes Regal, 2. Boden.07 Tag

Tatbestand: Ein besonderer Fund aus dem vorigen Jahrhundert, wie es scheint. Leider ohne jeglichen antiquarischen Wert. Wem Kassetten noch etwas sagen, der kennt vielleicht auch einen Kassettenkoffer. Genau so ein Köfferchen ist das. Mit schicken 70er Design und irgendwann später elegant zweckentfremdet als Zauberutensilienkasten.

Tatortsäuberung: Kein Kassettenrecorder mehr in Gebrauch, keine Kassetten mehr im Haus, ergo ist der Kassettenkoffer leer und arbeitslos. Damit hat dieser seine Schuldigkeit getan und wandert in den Müll.