abgespeist und angebissen – die Lebensmittelfrage

In meiner Bilanz vom letzten Jahr lagen die Kosten nach der Umstellung auf regionale, saisonale Bioprodukte pro Monat ja bei knappen €500,00 und ich hatte damals auch schon gesagt, dass dies nicht 100% Lebensmittelkosten, sondern vielmehr Lebenshaltungskosten sind. Nach einem Jahr sind diese leicht angestiegen und summieren sich mittlerweile auf €540,00 pro Monat. Das mag an diversen Preissteigerungen und der nicht ganz astreinen Buchhaltung liegen. Haupttreiber sind, und das ist nicht gehässig oder so gemeint, wohl aber eher die beiden männlichen Mitesser. Für beide gilt: Fleisch ist mein Gemüse. Für mich: Ein Kampf gegen Windmühlen.

Der jugendliche Mitbewohner hat zudem so etwas wie Appetit entwickelt und kann mitunter auch schon mal eine ganze Packung Eis und/oder ein halbes Toastbrot wegputzen. Vor allem seit er seinen Körper stählt und auf irgendwas zwischen Zac Efron und Arnold Schwarzenegger hinarbeitet. Was irgendwie mit dem Konsum von Fertigprodukten nicht so ganz konform geht. Hoffe nur, dass für den Geist bei der Diät noch genug Brennstoff abfällt. Jedenfalls ist das Wachstum in beiden Segmenten gerade in vollem Gange und zumindest die Körpergröße übersteigt inzwischen die der Ernährerin. Der erforderliche Futternachschub macht eine Budgeterhöhung unausweichlich, was für mich absolut okay ist, das Kind soll ja kein Zwerg bleiben – weder körperlich noch geistig. Nur an der Einstellung – Hunger, essen, jetzt – müssen wir noch arbeiten, da dabei allzu oft der Griff zu Pizza und Konsorten erfolgt.

Beim Einkauf orientiere ich mich zusehends um: Der wöchentliche Großeinkauf wird schon mal auf mehrere Tage und Märkte verteilt. Zunehmend auch auf Wochenmärkte. Zu sehr stört mich, dass so viele Obst- und Gemüsewaren fernab von Europa nach Deutschland importiert werden. Einfach, weil vielleicht die Produktion von Kartoffeln in Peru und Zwiebeln aus Ägypten billiger ist als im heimischen Grund und Boden. Hinzu kommt, dass die meisten Bioprodukte dann auch noch aufwendig verpackt beziehungsweise gar nicht im offenen Verkauf verfügbar sind. Zum Beispiel Fleisch, Wurst und Käse. Also ist die logische Folge der Gang zum Wochenmarkt oder auf die umliegenden Hofverkaufsstellen.

Eine Überlegung wert wäre es noch, jeden Tag einzukaufen. Und zwar immer nur den Tagesbedarf, also was man an dem Tag isst. So wird man nicht verleitet, Großpackungen einzuladen und mehr als man verbrauchen kann, also dann letzten Endes unter Umständen wegschmeißt. So gesehen in einem Beitrag über Minimalismus, der gerade im Fernsehen lief. In wie weit das praktikabel ist, sei dahingestellt. Mir fehlt da ein bisschen die Spontanität, wenn beispielsweise der jugendliche Mitbewohner plötzlich noch einen Freund mitbringt oder man auf einmal Lust auf Gemüse anstatt Brotzeit hat. Der Zeitbedarf ist natürlich auch nicht ganz ohne. Aber so ganz verwerfen möchte ich den Ansatz nicht. Vielleicht mal im Urlaub ausprobieren.

Das Problem der Reste ist mittlerweile so gut wie perfektioniert und es passiert äußerst selten, dass ich tatsächlich etwas wegschmeißen muss. Den schwarzen Peter bekommt, leider, der jugendliche Mitbewohner, der oftmals nach dem Motto „haben-will“ sich Sachen wünscht, die er dann doch nicht mag und ich schon von Haus aus nicht. Oder weil der Rest Steak vom letzten Grillabend nach 24 Stunden im Kinderzimmer wieder Anzeichen von Leben zeigt. Aber das mit der Größe, vor allem der geistigen, hatten wir ja schon.

Zum Abschluss nochmals ein paar Fakten aus dem Buch „Glücklich ohne Geld“ von Raphael Fellner zum Nachdenken:

1.      50% der produzierten Lebensmittel werden weggeschmissen bzw. gar nicht erst geerntet, weil sie nicht der Norm entsprechen. Hochgerechnet würden die produzierten Lebensmittel 14 Milliarden Menschen ernähren.

2.      1/3 aller produzierten Kalorien werden in der Tierindustrie verbraucht. 2011 wurden 98% der Sojaproduktion, 50% der Getreideernte und 40% des Fischfangs zu Tierfutter verarbeitet.

Das macht einen – mich – sehr nachdenklich. Und das ist noch human ausgedrückt. Die Antwort auf Punkt 1 kann nur sein: Regional und direkt vom Erzeuger einkaufen. Alternativ gibt es eine Website „Etepetete“, die sich genau diesem Problem annimmt. Bei Punkt zwei kann die Lösung nur der Verzicht sein. Und das muss definitiv nochmals beim nächsten Grillabend auf den Tisch gebracht werden, Männer!

Lebensmittel

Es gibt also gerade im Bereich Lebensmittel so viele Möglichkeiten. Genau deswegen macht es mir besonders Spaß, immer wieder nach anderen und neuen Wegen Ausschau zu halten und zu experimentieren, so dass sich hier noch so einiges tun wird.

Weiter geht es mit dem lieben Haushalt. Also dann, action!

Eure Kerstin

Das Stromfresserchen

Vor ein paar Jahren waren meine Freundin und ich mit Familie zusammen im Urlaub. Das an sich ist jetzt nicht so bemerkenswert. Damals haben wir uns aber eine Ferienwohnung geteilt und wie es so meine Art ist, habe ich jedes Mal das Licht ausgemacht, wenn ich ein Zimmer verlassen habe. Das führte damals zu manch heiterer Bemerkung. Nun, zuhause verfahre ich auch nach dem Motto im-Dunkeln-ist-gut-Munkeln und schalte immer und überall alles aus, selbst der Standbybetrieb wird unterbunden und die Geräte soweit möglich immer vom Stromnachschub abgeschnitten. Der Fernseher ist eh nur ungefähr einmal die Woche an und die Zahnbürstenladestation hatte ich ja schon mal im Beitrag „Damit Sie morgen noch kraftvoll zubeißen können“ erwähnt.

Daneben gibt es so manche Angewohnheit, man könnte auch Marotte dazu sagen, die ich mittlerweile pflege: „Wie, Du schaltest die WLAN-Box ab?“, fragte mich neulich ein Bekannter. Ja klar, nach 22.30 Uhr ist bei uns keiner mehr surfen und vor 6 Uhr auch nicht, da wird eben kurzerhand der Saft abgedreht. Handy schalte ich meist noch früher aus. Feierabend für uns beide sozusagen. Und wenn ich mal nicht da bin, wird einfach alles ausgeschaltet bzw. komplett vom Strom genommen.

Der Hang zum Sparen scheint irgendwo in meiner Familie genetisch bedingt zu sein, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Ist so mein Verdacht. Als ich mal zu Besuch bei meinem Cousin war und das benutze Geschirr in die Maschine einräumen wollte, meinte ich, ob ich diese mal anstelle solle, weil irgendwie kein Platz mehr war. „Da geht schon noch was rein“, war die Antwort. Leichte Verwunderung meinerseits, denn Platz sah in meinen Augen anders aus. Doch tatsächlich, da passte sogar noch eine weitere Mahlzeit rein. Ob ein übervoller Geschirrspüler nun letzten Endes wirtschaftlicher ist, kann ich allerdings nicht sagen. Bei mir bleibt, wenn ich wirklich bis Oberkante Unterlippe alles vollstopfe und stapele, so mancher Essensrest erhalten.

Neben einem Hang zum Ausreizen des maximalen Füllgrades der Geschirrspülmaschine führt die Verwandtschaft auch ein Waschmaschinentagebuch, in dem vermerkt wird, welche Art von Waschladung wie oft dran ist. Gut, ich warte einfach bis die Maschine voll ist, was schon mal drei Wochen dauern kann. Zum Leidwesen des Nachwuchses lassen dann leider Lieblingsteile manchmal auf sich warten. Mein Alternativvorschlag, es dann mal mit einer Handwäsche zu probieren, wird selbstverständlich verächtlich abgewunken. Tja, die Jugend von heute lässt machen. Dass der Verzicht aufgrund Umweltgedanken erfolgt, scheint mir fraglich.

Ich hingegen nehme die Sache gern mal in die Hand. Nicht bei der Wäsche, aber durchaus in der Küche. Anstatt Mixer greife ich ganz gern mal zum Rührbesen. Spart Energie und das Fitnessstudio. Im Übrigen gilt das auch für Treppen, den Handrasenmäher, den Rechen, den Kehrbesen und noch ganz viele andere moderne Technologien, die einem die Handarbeit im wahrsten Sinne des Wortes rauben, wobei diese doch ganz wunderbar und kostenlos auf das Konto der körperlichen Gesundheit einzahlen. Und wer sich mal so richtig verausgabt, wird feststellen, dass man plötzlich sogar noch mehr Energie hat. Ein toller Effekt.

Strom

 

Eine ganz andere Wirkung hat der sogenannte Rebound-Effekt, bei dem wir trotz energiesparender Gebrauchsgegenstände stetig immer mehr Energie verbrauchen. Denn obwohl die Geräte heutzutage immer weniger Energie benötigen, verschlingt unser Energiehaushalt immer mehr, weil wir immer größere Geräte in immer größere Anzahl und immer schneller ersetzen.

Ich selbst habe mir Anfang des Jahres einen neuen Laptop geleistet – nach acht Jahren. Dabei wäre der alte Rechner es durchaus noch ausreichend gewesen. Der Akku war zwar schrottreif, die Lüftung hätte einer Harley Konkurrenz machen können und beim Thema Schnelligkeit, nun ja, dabei ließ sich so manche Tasse Kaffee oder Tee brühen. Aber so gesehen alles kein wirklich kritischer Grund, um eine Trennung anzustreben, wenn da nicht die fürsorgliche Programmmanufaktur wäre, die einfach kein update mehr für mein Gerät liefern kann/will und mich damit der Welt des Internets schutzlos auslieferte. „Sie gehen mit dem Ding wohl hoffentlich nicht mehr ins Internet!“, meinte der Verkäufer, als ich nach einer externen Festplatte zur Datensicherung gefragt habe. Manchmal wird man eben zu seinem Glück gezwungen, wobei Glück ja immer auch eine Betrachtungsweise von einem Standpunkt aus ist.

Damit die Energiesklaven mir am Ende nicht die Haare vom Kopf fressen, werden sie also an kurzer Leine gehalten und zum Beispiel nur geladen, wenn der Akku wirklich leer ist. Oder eben das Licht abgedreht. Festbeleuchtung herrscht nur zu Weihnachten. Kleinvieh macht auch Mist. In beide Richtungen. Das Ergebnis ist, dass meine Stromrechnung trotz zunehmendem Bedarf im Zimmer des jugendlichen Mitbewohners, nach wie vor unter dem eines Ein-Personen-Haushaltes liegt. Inzwischen beziehe ich auch Ökostrom aus der Region, das macht aufs Jahr gesehen gerade mal €20,00 mehr aus. Dafür sitze ich ganz gern mal bei Kerzenlicht am Küchentisch und schaue in die beleuchteten Wohnungen der Nachbarn.

Für mich definitiv kein Alibi, meinen Verbrauch zu steigern. Schließlich sind solche Verhaltensweisen kontraproduktiv, wenn ich beispielsweise dann einfach alles ständig laufen lassen oder am Ende noch zusätzliche Geräte anschaffe und mein Gewissen damit beruhige, dass ich ja ökologisch produzierten Strom beziehe. Ähnlich wäre es auch, wenn ich beispielsweise ein Elektroauto hätte, dafür aber dann keinen Schritt mehr zu Fuß gehe.

Und beim Thema Auto wären wir wohl auch schon im Bereich Luxus, oder was meint Ihr? Eine Zusammenfassung lasse ich jetzt mal ausfallen und es geht dann nahtlos weiter mit den schönen Dingen des Lebens.

 Also dann, action!
Eure Kerstin

Lebensmittel – Mittel zum Leben

Mit dem Kapitel Lebensmittel kommen wir sicherlich zu dem schwierigsten Thema. Zum einen, weil wir heute zu den Lebensmitteln keinen unmittelbaren Bezug mehr haben und zum anderen, weil wir die Sorglosigkeit, mit der wir Lebensmittel konsumieren, nicht wirklich spüren.

Mahlzeit

In Deutschland sind nur noch 2,3% der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig. Anfang des 20. Jahrhunderts traf das noch auf die Hälfte der Bevölkerung zu. Das Szenario, dass bald niemand mehr weiß, woraus Brot besteht und wo die Milch herkommt, ist also gar nicht so utopisch. Wir entfremden uns von der Herstellung und der damit verbundenen Wertschätzung.

Dies trifft insbesondere auf die Produktion von Wurst- und Fleischwaren sowie die Milcherzeugnisse zu. Wir kennen alle die Bilder aus der Massentierhaltung, die es uns erlaubt, 1l Milch für unter 0,50Cent und ganze Hähnchen für 1,99€ zu erwerben. Die Frage ist eigentlich nur, wie viel Zeit wir noch haben, bevor die Nebenkostenabrechnung fällig ist.

Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 15.000 Menschen an Infektionen, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht sind. Doch nur der massive Einsatz von Antibiotika garantiert eine schnelle und billige Aufzucht. Monokulturen können nur mit Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln maximalen Ertrag liefern. Lange Haltbarkeit und frisches Aussehen werden mit Aroma- und Zusatzstoffen erzeugt, so dass im Grunde ein Beipackzettel nötig wäre, so künstlich sind unsere Lebensmittel inzwischen.

Und da es uns keine Mühe kostet, da wir alles portioniert und abgepackt im Supermarkt zu Spottpreisen kaufen können, schmerzt es auch nicht sonderlich, wenn es wie gekauft in den Müll wandert. 11 Tonnen Nahrungsmittel werfen wir im Jahr weg. Pro Kopf macht das 82kg, wovon 2/3 noch genießbar gewesen wären. 2013 belief sich die Summe auf 21,6 Milliarden Euro!

Lebensmittel sind so billig wie nie zuvor in der Geschichte. 15% des Einkommens werden in Deutschland dafür aufgewendet. 1970 waren es noch 30%. Was früher Luxus war, ist heute alltäglich. Für 10 Eier musste man 1960 noch 50 Minuten arbeiten, 2011 waren es gerade mal 8 Minuten. 500gr Kaffee konnte man sich 1960 nach 3,5 Stunden leisten, 2011 reichten bereits 21 Minuten. 1l Milch schlug 1960 mit 11 Minuten zu Buche, 2011 waren es nur noch 3 Minuten. Einzig der Fischpreis ist gestiegen, was einmal mehr ein Zeichen der Überfischung ist. (http://www.wirtschaftundschule.de/)

Wenn man im Gegenzug den sogenannten virtuellen Wasserfußabdruck dagegen rechnet, wird das Ausmaß vielleicht noch etwas deutlicher: Für ein Ei werden 3.300l Wasser benötigt, 1kg Kaffee belaufen sich auf 21.000l Wasserverbrauch (macht 140l pro Tasse) und für 1l Milch muss man 1.000l Wasser aufwenden. Beim Fleisch stellt es sich dann folgendermaßen dar: 1kg Rind = 15.455l Wasser, 1kg Schwein = 4.800l Wasser und 1kg Geflügel = 3.900l Wasser. Man stelle sich nur mal die Badewannen vor. Zum virtuellen Wasserfußabdruck gibt es eine schöne Seite http://www.virtuelles-wasser.de/virtuelles_wasser.html, die jede Menge Futter fürs Hirn bietet.

Die Bezeichnung Lebensmittel hat also irgendwo seine Bedeutung verloren. Wir leben nicht mehr mit der Nahrung, sie ist für uns zum reinen Mittel zum Zweck geworden. Mit unserem Bedarf leben wir über unsere Verhältnisse, die weder auf unseren eigenen körperlichen Fähigkeiten, noch auf den lokalen/regionalen Ressourcen basieren.

Was tun? Ist Bio die Antwort? Wie sieht es aus? Besser, oder nur teurer? Morgen geht es weiter.

Also dann, action!
Eure Kerstin