aufgetankt und losgelassen – die Freizeitfrage

Neben Büchern mein Nummer eins Luxusgut. Denn die Zeit, die wir haben, kommt nicht mehr zurück. Es gibt immer nur das Hier und Jetzt. Doppeltes Glück, da ich einen Partner an meiner Seite habe, der dahingehend genauso tickt.

Dass Erlebnisse auf der Glücksskala ganz weit oben stehen, ist sicherlich jedem klar. Und das absolut Fantastische an ihnen ist, dass es ist im Rückblick auch völlig egal ist, ob diese im Moment des Geschehens positiv oder sogar so richtig mies negativ sind. Irgendwann wird aus dem Campingtrip, bei dem das Zelt erst von Krabbeltieren befallen und dann unter Wasser stand, eine Geschichte, über die man lacht und die man gerne weitererzählt. Mehrmals im Laufe seines Lebens. Mit ein paar Schuhen, die ein absoluter Fehlkauf waren, passiert so etwas nicht.

Jedes Erleben bereichert und prägt, während der Besitz materieller Dinge die Freiheit raubt, uns einengt und sogar zu vermehrtem Stress führen kann. Nachzulesen bei James Wallmann „Stuffocation“. Darin schreibt er so treffend: „Erinnerungen leben länger als Träume.“ Ganz besonders gilt das bei Träumen nach materiellen Dingen. Und Robert Wringham („Ich bin raus“) ergänzt diese Aussage noch: „Der Mensch ist nicht die Summe der Dinge, die er besitzt.“

2017 hat Freizeit im Sinne von draußen sein für mich einen ungleich höheren Stellenwert als die Jahre zuvor, denn in meinem Rauhnächteorakel war und ist genau das meine Aufgabe für dieses Jahr – die Natur draußen genießen. Wer meine Reihe „Was von den Rauhnächten übrigbleibt“ mitverfolgt, der mag den Eindruck haben, dass ich immerzu wie wild von einem Gipfel zum anderen stürme. Es gibt aber auch die wirklichen Naherholungsoasen. Wie ein Spaziergang durch die Stadt. Oder mit einer Decke zur nächsten Wiese ziehen und die Hasen am Waldrand beobachten. Oder eine Matratze in den Garten legen und den Wolken einen Namen geben. Wobei der Garten, gilt für Terrasse und Balkon gleichermaßen, an sich ja schon die Auszeit garantiert.

Es sind also meist die kleinen Dinge, die glücklich machen. Das spontane Kaffeetrinken mit der Freundin genauso wie Spieleabend mit dem Nachwuchs, wenn ich mal wieder eine Glückssträhne habe und der Gegenspieler es nicht glauben kann. Herrlich, natürlich auch, wenn das Blatt sich gegen mich wendet. Wie heißt es doch so schön: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Gerade, wenn die Gedanken an morgen und die Zukunft von Verunsicherung geprägt sind, ist es wichtig, sich auf den Moment zu besinnen. Die Seele baumeln lassen, runterkommen und ankommen. Das klappt gegenüber letztem Jahr schon viel besser und viel öfter. Auch wenn ich mir das auf die Fahne beziehungsweise den Rauhnächtewunschzettel schreiben musste, damit es regelmäßig an die Gedankenoberfläche gespült wird.

Insofern ist für mich jeder ausgegebene Cent bare Münze und es reut mich kein bisschen, dass die Kosten für meine freie Zeit, die mir gehört, seit Januar (inkl. Urlaub) um beinahe fünfzig Prozent gestiegen sind. Sie liegen damit in etwa auf einer Höhe mit den Lebenshaltungskosten an dritter Stelle meiner Ausgaben.

Schon mal von dem Buch/Film „Brewster’s Millions“ gehört? Darin muss der Held (das Buch stammt im Übrigen aus dem Jahre 1902!)) eine Millionen Dollar binnen eines Jahres ausgehen, um das ihm vermachte Vermögen zu erben. Und zwar so, dass er am Ende physisch nichts vorzuweisen hat. Na, klingelst? Yep, genau. Ich habe natürlich keine Millionen und das mit dem Erben habe ich gründlich vermasselt – anderes Thema. Aber, wenn mich das Leben genauso viel kostet wie das Erleben, dann würde ich sagen, alles richtig gemacht und der Jackpot gehört mir.

Was sich in dem einen Jahr noch so getan hat, darum geht es beim nächsten Mal. Also, dann action!

Eure Kerstin

P.S.: Noch ein Wort zu oben erwähnten Buch „Brewster’s Millions“: Interessanterweise wurden in den 1920ern in den USA wesentlich mehr Güter produziert als verkauft. Der Markt war gesättigt. Dies führte zu der Diskussion, weniger produzieren und dafür mehr Freizeit, oder den Verbrauch sprich Verkauf ankurbeln. Das Ergebnis kennen wir alle. Die Hand dafür ins Feuer legen, dass heute die Entscheidung eine andere wäre, würde ich allerdings nicht. 

Was von der vierten Rauhnacht (28. Dezember) übrigbleibt – April 2017

Die Neugierde auf den April war dieses Jahr besonders groß. Von Haus ein spezieller Monat für mich, da mein Geburtsmonat. Daneben fällt zumeist Ostern mit in den April und damit das Ende der Fastenzeit. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch, dass hierzu der Entschluss, auf Süßigkeiten zu verzichten, gefasst wurde. Auch eine Form der Neugierde, nämlich der, ob man es schafft, der Versuchung zu widerstehen. Zu meinem Leidwesen muss ich sagen, dass ein knappes halbes Dutzend Mal schwach geworden bin, dann aber nur minimal, wenn das irgendwie als mildernde Umstände geltend gemacht werden kann.

Neugierde ist auch das Thema der vierten Rauhnacht. Es heißt, „wenn wir neugierig auf uns selbst und andere sind, öffnen wir uns auch für neue Gedankenwelten.“ Dem kann ich nur beipflichten und die Tarotkarte, die ich am 28. Dezember dazu gezogen hatte, war der Narr. Wie passend, denn (fast) niemand ist neugieriger auf die Welt und das Leben als das Kind in uns, wenn wir es denn lassen. Also dann…
Gleich zu Beginn ging es hoch hinauf, mit herrlichem Blick vom Fockenstein auf den Tegernsee. 

Wasseraffin blieb es auch beim Ausflug an den Spitzingsee, auch wenn diese bildlich nicht festgehalten wurde.

 

Ganz besonders große Neugier hat der erste gemeinsame Urlaub mit dem Mann an meiner Seite geweckt. Dazu möchte ich noch ein Zitat von Erasmus von Rotterdam anfügen: „Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“ Und genau das trifft es hundertprozentig. Und wer nun neugierig ist, dem sei gesagt, es war ganz wunderbar verrückt, trotz Wetterkapriolen, wie die Bilder aus der Sächsischen Schweiz vom Malerweg auch beweisen.

Brandaussicht

Schrammsteine

Elbsandstingebirge

Tja, und der April wäre nicht der April, wenn er keinen Eindruck hinterlassen würde. Diesmal mit Schnee und tagelangem Kälteeinbruch.  

Neugierig und verrückt geht es weiter, da bin ich ganz sicher. Also, neugierig bleiben! Immer!

Eure Kerstin

Tatort des Monats März

Der März ist ja der Monat des Aufbruchs. Und jede „gute“ Hausfee weiß, dass der Frühjahrsputz unmittelbar damit verbunden ist. Und auch der letzte Mensch auf dieser Welt weiß, dass die meisten Unfälle im Haushalt passieren. Da bilde ich keine Ausnahme.

Tatort: Regal über dem Schreibtisch.Tonwek

Tatbestand: Mallorquinisches Tonwerk.

Tatortsäuberung: Das klingt jetzt vielleicht etwas drastisch, aber das handwerkliche Stück wurde tatsächlich entsorgt und nicht repariert. Erstens, weil ich es ursprünglich mal als Geschenk mitgebracht hatte und es nach dem Tod der Beschenkten wieder in meinen Besitz übergegangen ist, also so gesehen, gar nicht meins war/ist. Zweitens, weil ich mich erst um die Reparatur des Tisches, auf den das Andenken geknallt ist, kümmern muss (siehe Dellen auf dem Foto). Und drittens, weil ich ein weiteres, wenn auch nicht identisches Exemplar mit der gleichen Vorgeschichte besitze, welches nun besonders behutsam beim Abstauben behandelt werden wird.

Die 16-Tage-Challenge

Einer meiner Freunde hat mich gebeten, während seines Urlaubes jeden Tag das Beste, was an diesem passiert ist, aufzuschreiben. Sechszehn Tage lang.

16-Tage-Tagebuch

Hauptsächlich, weil er sich Sorgen macht: Frauen mittleren Alters – sprich in der Mid-Life-Crisis und den Wechseljahren – neigen ja hin und wieder zu Übersprunghandlungen. Ich rede dann gern von offenen Fenstern und der schönen Aussicht aus solchen. Also hat er mir diese Bitte abgerungen. Wohlweislich und in vollen Bewusstsein, dass er mich damit an meiner wunden Stelle, dem Schreiben, trifft. Nun verlangt es quasi die Ehre, dass ich dem nachkomme. Eine Herausforderung, der ich nur schwerlich widerstehen kann. Sechszehn Tage lang.

Irgendwie erinnert mich das an jemanden, der mal ein Dankbarkeitsfototagebuch über ein Jahr hinweg geführt hat. Glaube, es gab da einen Blog, auf dem dann jeden Tag ein Foto war. So in etwa komme ich mir nun vor.  Nur, dass der Freund sich in der Dominikanischen Republik die Sonne auf den Wanst scheinen lässt, während ich hier bei miesem Wetter und in der Hektik der Vorweihnachtszeit mir nun das Hirn zermartern darf. Und dabei wollte ich nicht schon wieder so ein Projekt anfangen, bei dem ich jeden Tag geistige Höchstleistungen vollbringen muss.

Aber, der junge Mann wusste wohl ziemlich genau, was er tat. Wer mit Denken beschäftigt ist, kann nicht nach Fenstern und anderen Fluchtmöglichkeiten Ausschau halten. Und gleichzeitig zwingt er mich dazu, dass ich jeden Tag an ihn denke. Ein ganz schlauer Schachzug war das. Hätte ich ihm gar nicht zugetraut.

 

Eure Kerstin

P.S.: Auch, wenn es sich sicherlich hervorragend für meinen Blog eignet, habe ich mich entschlossen, die Tagebucheinträge hier nicht zu posten. Nur falls jemand darauf spekuliert.

Jede Reise hat einen Grund

Wo ich schon einmal mit dem Thema Reisen angefangen habe, liegt es nahe, dort anzuschließen. So der Plan.

Hütte des Glücks

Reisen ist ja wirklich toll und macht unendlich Spaß. Und „Zuhause ist es nicht immer am schönsten“, so zumindest das Motto einer Hotelkette. Die Deutschen sind ja bekanntlich Reiseweltmeister, aber ich glaube, dass das irgendwie mit unserem urzeitlichen Nomadentum zusammenhängt. Allerdings, so der heutige Anspruch, wenn wir schon unsere Komfortzone verlassen, dann bitte soll die auch genau so und 1:1 an unserem Reiseziel sein. Schließlich nehmen wir ja schon die beschwerlichen Reisestrapazen auf uns. Mehr kann man wirklich nicht von uns verlangen. Ja, wir sind nicht nur Weltmeister im Reisen, sondern auch im schlecht reden/machen und beschweren.

Leider fehlt mir dafür die geeignete Erklärung, woran das liegen könnte. Irgendwie kann ich es auch nicht nachvollziehen. Irgendetwas Positives lässt sich doch im Grunde jeder Situation abgewinnen, oder? Perfekt finde ich mitunter ziemlich langweilig. Ich meine, mein ganzer Alltag ist so gesehen durchgetaktet und perfektioniert, da sollte ich doch in meiner Freizeit froh um jedes unerwartete Ereignis sein. Endlich kann ich mal unter Beweis stellen, dass ich zu Recht die Krone der Schöpfung trage. Also die Spezies Mensch, nicht ich allein, falls jemand das falsch auffasst. Das können die Deutschen ja auch bisweilen recht gut.

Beim Reisen fällt mir Verzicht am schwersten, dafür macht es einfach so viel Spaß. Also, damit ich meine ich nicht den Komfort auf Reisen, sondern das Weltenbummeln an sich. Wobei. Letztes Jahr fand der Sommerurlaub direkt vor der Haus- bzw. Terrassentür statt, denn nachdem der jugendliche Mitbewohner mal wieder so eine Null-Bock-Einstellung hatte, sind wir einfach da geblieben, wo wir hingehören, obwohl ich den Verweigerer gern mal dahin schicken würde, wo der Pfeffer wächst, aber das ist eine andere Geschichte.

Alles frei nach dem Motto der ortsansässigen Wellness-Oase: „Warum denn in die Ferne schweifen, das Gute liegt Sauna“. Wir Deutschen haben schon einen komischen Humor, findet Ihr nicht?

Daheim

Am Ende fanden wir beide, es war eine gute Entscheidung. Während der Nachwuchs surfen war an der Costa del Web, habe ich einen Kreativkurs gemacht (die Wohnzimmerwand gestrichen, Entspannungsmalen/Mandalas), am Fitnessprogramm teilgenommen (Schwimmen im Badeweiher und Freibad, Radausflug in die Stadt und über Land, Rundlauf auf dem Trimm-Dich-Pfad) und mich gebildet (Lektüre und Telekolleg).

Und all-inclusive war es auch, denn das „gesparte“ Geld wurde dazu genutzt, um jeden Tag in einer anderen Restauration des örtlichen und umliegenden Gastronomieangebotes zu speisen. Das waren nahezu perfekte 2 ½ Wochen, denn die Zeit gehörte mir. Gut, nun war das Wetter natürlich ebenso perfekt. Jeden Tag Sonne von morgens bis abends. Bei Dauerregen hätte ich unter Umständen vielleicht doch noch die Koffer gepackt und wäre in ferne Gefilde geflüchtet.

Das gute, entschleunigte Leben hängt also nicht von Freizeit und Urlaub ab. Sondern davon, ob ich Herr über meine eigene Zeit bin und Dinge mache, die mir wichtig sind. Klar, wenn sich beides kombinieren lässt, um so besser. Von daher sind mir die Urlaube am liebsten, bei denen ich mit jedem Schritt mehr bei mir bin und das im sprichwörtlichen Sinne, denn „zu Fuß hält die Seele Schritt“ (im Übrigen ein ganz wunderbares Lesebuch für alle, die gern auf Schusters Rappen unterwegs sind oder davon träumen).

Reisen

Das war nicht immer so und wird mit Sicherheit auch nicht immer das Non-Plus-Ultra sein. Jede Reise hat einen Grund. Wichtig ist nur, diesen zu kennen. Für Leute, die ihr Gehalt als Schmerzensgeld empfinden ist jede Anschaffung ein Trostpflaster und somit eine Ersatzbefriedigung. Das kann keine noch so exotische und kostspielige Reise leisten.

Manche Reisen – oftmals die spannendsten – finden im Kopf statt. Daher geht es im nächsten Beitrag um Bücher.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Von Pferdestärken und anderen Forbewegungsmittlen

Ich will Spaß, ich geb‘ Gas“ – das war mal ein Hit. Im Film, Funk und Fernsehen. Und nicht nur wegen der Frisuren und Kleider ein sehenswertes Video. Ich sage nur Schlagzeug. Gut, Schluss mit Lustig.

Fragt man den einen oder anderen Erdbewohner, was ihm zu Deutschland einfällt, dann sind unsere Autobahnen ganz vorne mit dabei. Und die Tatsache, dass man hierzulande noch so richtig Gas geben darf. Vom Können will ich hier man nicht sprechen, denn entweder sind die Strecken ohne Geschwindigkeitsbegrenzung von linksfahrenden Hutträgern zugeparkt, oder es finden die berüchtigten Elefantenrennen statt, oder Ferienanfang/-ende fallen mit kilometerlangen Baustellenarbeiten zusammen. Also, freie Fahrt ist jedenfalls was anderes.

Ja, ich fahre gerne schnell. Macht Spaß, da hatte der Sänger recht. Zum Glück fährt mein Auto nicht so schnell wie der besungene Maserati es kann, beziehungsweise ich es hin und wieder gern möchte (s.o.). Und es ist auch recht uncool. Deutsche Mittelklasse. Fünftürer. Diesel. Nur gehegt und gepflegt wird es nicht. Jedenfalls nicht so. Ist ja auch ein Auto und soll mich von A nach B bringen. Mehr nicht. Insofern hält sich der Spaß in Grenzen, aber der Sänger hatte ja auch im Film eine Vespa und keine Seifenkiste mit 170 Pferden unter der Haube.

Auto

Wirklich bewegt wird es auch nicht, mein Gefährt. Der Kundenberater aus dem Autohaus meint bei jedem saisonalen Reifenwechsel, meine Bremsbeläge seien verrostet. Nun gut, dafür sind die Reifen nicht abgefahren und mehr als 6000 Kilometer pro Jahr kommen auch nicht auf den Zähler. Soviel fährt mein Chef locker in zwei Monaten. Aber der wohnt auch nicht nur knappe drei Kilometer von seinem Schreibtisch entfernt. Ok, er muss natürlich auch noch den einen oder anderen Termin anfahren. Dafür werde ich immer mal wieder auf meinen Drahtesel angesprochen, mit dem ich jeden Tag zur Arbeit fahre. Bei Wind und Wetter. Nur bei geschlossener Schneedecke nehme ich mal den Bus, wobei ich das auch schon gelaufen bin. Spart CO2 und kostet Kalorien.

Bilanz von 10 Arbeitstagen

Bilanz von 10 Arbeitstagen

Mein fahrbarer Untersatz wird also so gesehen nur einmal in der Woche bewegt. Zum wöchentlichen Samstagseinkauf. Gas geben ist da natürlich nicht drin. Das geht nur bei Urlaubsfahrten, die nicht per Flieger beziehungsweise Bahn angesteuert werden. Wobei, das mit dem Gas geben hatten wir ja oben schon geklärt.

Das Flugzeug kommt immer seltener als Transportmittel zum Zuge. Anfang des Jahres war ich auf der Reisemesse eines Outdoorspezialisten, die bei uns stattfand und ein Sitznachbar bei einem Vortrag erzählte, dass er seinen Sommerurlaub bereits gebucht habe. Wandern in Kenia. Oder war es Kuba? Im Grunde auch egal. Nach meiner Antwort, dass man auch in der Nähe sein Fernweh auskurieren könne und die Alpen ja schließlich direkt vor der Haustür liegen würden, schien er ganz erstaunt und wollte wissen, was ich denn so alles empfehlen könne und schon gemacht hätte. Gut, war eventuell auch eine Masche und die Einladung zum Kaffee habe ich dann abgelehnt, was mich nun doch etwas wurmt. Aber das ist ein anderes Thema.

Nur mal so für die Aktennotiz: Ein Flug nach New York schlägt mit 4 Tonnen CO2 zu Buche. Statistisch gesehen stehen jedem von uns aber nur 2,7 Tonnen zur Verfügung. Um also meine Bilanz meines bisherigen Lebens auszugleichen, dürfte ich wohl bis an mein Lebensende kein Stahlvogel mehr betreten. Wäre bestimmt machbar, wenn ich da an das Buch „Fliegen ohne Flügel“ denke, aber ob das so der Weisheit letzter Schluss ist? Wohl werde ich aber beim nächsten Flug die freiwillige Umweltabgabe berappen. Das löst selbstverständlich nicht das Problem, aber vielleicht bringt es doch was. Das muss ich nochmals genauer unter die Lupe nehmen.

Zugfahren hingegen finde ich klasse. Man kann rumlaufen, hat echte Beinfreiheit und es gibt eine ganz ordentliche Speisekarte und kein Einheitsessen. Und ich kann wirklich stundenlang raus schauen. Unschlagbar ist allerdings das Unterhaltungsprogramm.

Spaß

Unlängst waren der jugendliche Mitbewohner und ich auf einer Fahrt auf der Nord-Süd-Achse der Republik unterwegs und kurz nachdem wir die schöne Elbmetropole verlassen hatten, stoppte der Zug. Mitten auf der Strecke. Da stand er nun. Nach vielleicht fünf Minuten fiel das sogar dem Nachwuchs auf. Teenager brauchen ja manchmal etwas länger. Ich meinte dann, dass die Kuhherde erst noch über die Gleise getrieben werden müsse. „Echt???“ Das sollte eigentlich ein Scherz sein. War es aber nicht, denn nach Wiederaufnahme der Fahrt im Schneckentempo meinte der Schaffner/Zugbegleiter – also der mit der Mikrofonhoheit – dass sich Tiere auf den Schienen befänden und man die Fahrt erst mal nur langsam fortsetzen könne. „Sag‘ ich doch“, war meine Reaktion und fand den geernteten Blick zum Wiehern komisch.

Irgendwann kam der mit der Zange, um die Fahrscheine abzuknipsen. Der Herr schräg hinter mir durchwühlte alle Taschen, konnte aber nur Platzreservierung und Quittung finden. Zwei Damen und ich konnten nicht umhin, kostenlose und hilfreiche Tipps beizusteuern. Der nette Herr mit der Zange meinte, es käme nochmals wieder, dann könne man ja in Ruhe suchen. Genau da tauchte natürlich das Ticket auf, was der Fahrgast zu bedauern schien: „Hätte mich jetzt interessiert, was passiert wäre, wenn ich den nicht gefunden hätte. Ob ich dann wohl aus dem Zug geworfen worden wäre?“, sinnierte er. Die Damen und ich mussten grinsen. Kopfkino.

Doch damit nicht genug. Kurz darauf wieder eine Durchsage: „Im Wagen vier befindet sich ein schwarzer Koffer, der immer hin und her rollt. Der Besitzer wird gebeten, sich zu melden. Ansonsten wird der Koffer am nächsten Bahnhof aus dem Zug befördert.“ Leicht nervöses Kopfrecken bei den Mitreisenden. Und dann konnten wir uns vor Lachen kaum halten, als ich sagte, dass wir nun doch noch einen Zugrauswurf erleben würden. Leider folgte die Entwarnung auf dem Fuße. Schade, das Räumkommando hätte ich gern miterlebt.

Ja, wenn einer eine Reise tut kann ich da nur sagen. So was passiert einem im Flieger nicht. Da wird eisern um Armlehnen gekämpft und die unter Entzugserscheinung leidenden Lungen (Raucher) und Finger (Smobies = Smartphone-Zombies) mit Tomatensaft beruhigt. An Gespräche unter Mitreisenden ist da bei aller Liebe nicht zu denken.

Das Glück liegt beim Reisemittel also nicht nur auf dem Rücken der Pferde, sondern hat auch mit selbstbestimmtem Handeln zu tun. Wenn dann noch Spaß, ein gewisser Reiz und so etwas wie Bedeutung für uns hinzu kommt, dann sind wir bei uns selbst. So einfach ist das.

Mal sehen, womit man noch so alles seinen Spaß haben kann.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tag 30: Fünf-Wochen-(Urlaubs)plan

Tag 30Kaum zu glauben, es ist tatsächlich vollbracht. Also, heute noch. Dann ist das Projekt 30 Tage Schreiben fertig. Fühlt sich komisch an. Aber komisch gut. Und hier mein Fünf-Wochen-Plan:

Woche 1:
Essen (Gans, Ente, Fondue, Plätzchen, Stollen – alles, was Weihnachten so hergibt) und nichts tun (geht mit dem vollgefressen Wanst ja dann auch gar nicht). Vor allem kein Internet. Ich muss dringend meinen häuslichen Pflichten nachkommen, die sich während der letzten dreißig Tage in katastrophale Zustände verwandelt haben.

Woche 2:
Essen (Raclette, Fondue, Schmalzgebäck- alles, was Silvester so hergibt) und nichts tun (geht mit dem noch vollgefresseneren Wanst auch gar nicht). Vor allem kein Internet. Allerdings muss ich mein Tatortaktivitäten wieder aufnehmen, da auch diese während der letzten dreißig Tage sträflich vernachlässigt wurden. Ansonsten lautet der feste Vorsatz, mir keine guten Vorsätze vorzunehmen. Vor allem keine Schreibprojekte, die eine tägliche Abgabefrist haben.

Woche 3:
Ab sofort ist Schluss mit Essen und dem Nichtstun. Bleibt mir auch gar nichts anderes übrig, da Kühlschrank leer und Waage am Anschlag. Wobei: Eine weitere Woche ohne Internet und Schreiben kann nicht schaden. Mal sehen, ob ich noch immer unter Nachwehen in Bezug auf das aktuelle Projekt leide.

Woche 4:
Ich glaube, ich lege eine Überraschungswoche ein, lasse einfach alles auf mich zukommen und sehe, was passiert.

Woche 5
Nicht verzweifeln, dass schon wieder der erste Monat des neuen Jahres vorbei ist. Nicht grämen, dass nach Abzug aller Versicherungsprämien Ebbe auf dem Konto herrscht. Nicht künstlich aufregen, wenn das bevorstehende Zwischenzeugnis des jugendlichen Mitbewohners mal wieder viel Nachsicht und Wohlwollen verlangt. Statt dessen einfach freuen – da werde ich schon was finden, hoffentlich – und einen Tag Erholung einplanen. Sauna. Massage. Oder einfach raus in die Natur. Der Frühling fühlt sich schon ganz nah an.

Klingt schon fast wie Urlaub. Schön. Ich freu mich drauf.

 

Na, dann bis irgendwann, Kerstin