Zeitreisen in die Gegenwart: Codename Titanic

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, so heißt es bei Jürgen Markus. Und manchmal ist das neue Leben sogar so neu, dass es einen selbst und alles Bisherige gehörig durcheinander würfelt. Viel Unsicherheit und manches Zögern geht damit einher. Beiderseitiges. Kopfmenschen mit hypersensiblen Antennen wie meiner einer wissen, wovon ich rede.

Statt Rückenwind, der einen von einer Wolke sieben zur nächsten trägt, steht man so manches Mal im Auge des Orkans. Unlängst hat mich das zu der Aussage veranlasst, dass ich mir in solchen Zeiten einfach vorstelle, ich wäre die Rose aus „Titanic“ und würde vorn am Bug des Schiffes stehen. Der Geliebte als Halt, Anker und Augenöffner hinter mir.

Die Romantik dieser Szene reicht dann bis zu dem Gedanken an die Zukunft, wenn einem klar wird, dass es statt Happy End zur Katastrophe kommt. Zumindest im Film. Vorerst. Denn noch sind wir eher wie zwei Planeten, die sich umkreisen, gleichzeitig gleichermaßen zu einander hingezogen wie von der eigenen Masse auf der zugehörigen Umlaufbahn fixiert. Und dann versuchen Zweifel wie Gewichte sich an mich zu hängen und ich frage mich, ob ich nicht nur als Wind- und Wellenbrecher an erster Stelle stehe denn als geliebtes Wesen.

Die Angst vor dem Schiffbruch ein ständiger Begleiter und so rufe ich dem Geliebten das Codewort Titanic zu, wann immer der Sturm in mir tobt, damit er weiß, dass ich kurz vor dem Untergang bin.

Das Leben ist ein merkwürdiger Ort

…dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen.

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Und im Grunde fehlen mir seit einiger Zeit auch die Worte und jetzt nur umso mehr. Das Gefühl eines vakuumierten Zustandes lässt sich nicht bestreiten. Und ganz nebenbei wird das gewohnte Leben aus den Angeln gehoben.

Es gehört Mut dazu, sich besonnen zu benehmen, solidarisch zu sein, den eigenen Egoisten in die letzte Bussitzreihe zu verweisen. Es gehört auch Mut dazu, sich tagtäglich mit den Fakten auseinander zu setzen und dem eigenen Instinkt klare Vorgaben zu machen. Sich nicht anstecken zu lassen. Nicht vom Virus. Dem echten und dem der Panikmache.

In Zeiten wie diesen wird einem nur allzu klar, dass die Menschheit evolutionstechnisch noch immer in der Steinzeit lebt und es nur drei Arten gibt, mit der Gefahr des angreifenden Löwens fertig zu werden. Weglaufen, Verstecken oder Kämpfen.

Ich bin mir noch nicht ganz im Klaren, zu welcher Gattung ich gehöre, vielleicht gehören möchte. Noch immer versuche ich, mich, meine Gedanken und Gefühle zu sortieren. Kein guter Ausgangspunkt, um zu überleben. Zumindest was den Löwen anbelangt.

Daran muss es auch liegen, dass ich doch nun tatsächlich zu lila Klopapier greifen musste. Mit Lavendelduft. Wer bitte kauft sowas? Gut, offensichtlich nur Verzweifelte, die nicht rechtzeitig bei der Vorratshaltung aufgepasst haben und nun beim täglichen Gang an ihre eigene Unzulänglichkeit auch noch im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrer Nase drauf gestoßen werden.

Gestern las ich, was auf den Listen andere Nationen so ganz oben steht: Fleisch, Waffen, Wein, Kondome, Medikamente, Zitrusfrüchte, Brot, die fremdländische Variante von Kölnisch Wasser und Marihuana. Im Gegensatz zu Klopapier und Mehl hört sich das bei weitem besser an und vor allem nach Dingen, die einem die eigenen vier Wände nicht ganz so trostlos erscheinen lassen, wenn diese den maximalen Radius der eigenen Bewegungsfreiheit darstellen.

Das Leben ist wahrlich ein merkwürdiger Ort.

 

P.S.: Als Lektüre, sei es in Quarantäne oder aus welchen Gründen man dieser Tage auch daheim ist, sehr zu empfehlen.