Was von den Rauhnächten übrigbleibt: Oktober

„Du weißt gar nicht, wie sehr ich Dich liebe“, sagt der Geliebte.

Ich denke: Aber natürlich weiß ich das! Doch bei näherer Betrachtung muss ich mir eingestehen, dass ich es wirklich nicht weiß, gar nicht wissen kann. Denn was wissen wir letzten Endes schon wirklich mit absoluter Bestimmtheit und Sicherheit? Vor allem, können wir jemals wissen, wie sich das Lieben des anderen für ihn selbst anfühlt? Wissen wir selbst überhaupt, was das eigene Empfinden mit uns macht und auf welchen Resonanzbogen es beim Gegenüber fällt? Jetzt? In diesem Augenblick? Und was ist mit morgen?

Es gibt dieses durchaus schöne Buch von dem großen und kleinen Hasen, die sich gegenseitig übertreffen, wie sehr sie einander liebhaben. Die Beteuerungen steigern sich bis zu dem Punkt, an dem es heißt „bis zum Mond und wieder zurück“. Das scheint die unübertreffliche Maxime und für die beiden unbeschreiblich unendlich zu sein. Und ja, das klingt nach etwas, was nicht von dieser Welt ist. Doch nüchtern betrachtet sind es gute drei Tage hin und drei zurück.

Liebe ist kein Wettrennen, kein Wettkampf, bei dem es ums Bessersein, ums Gewinnen geht. Sie ist stets eine Überraschung, die unendlich wie die Zeit und ebenso unvorstellbar ist. So kann ich mir zwar die Strecke Erde-Mond und wieder zurück vorstellen, womit es aber schon hapert, ist die Vorstellung, überhaupt grundsätzlich ins Weltall zu fliegen, vom Zustand der Schwerkraft in den der Schwerelosigkeit überzugehen wollen wir gar nicht erst anfangen. Und was ist mit dem Wissen, dass das Leuchten des Sternenhimmels ein Feuerwerk sterbender toter Sonnen ist? Unvorstellbar. Das Universum? Unendlich unvorstellbar.

Da hilft es nur, zu glauben. Aber selbst die Tatsache, dass ich im Outback, fern der Zivilisation im Zelt sitze und mithilfe einer kleinen 280 Gramm schweren Metallbox den Geliebten nicht nur hören, sondern auch sehen kann, grenzt ans schier Unglaubliche. Wie also könnte ich die Frage nach dem Wissen um die Liebe je mit einem Ja beantworten? Nein, das ist unmöglich. Genauso wie Wunder, die nach rationalen Gesichtspunkten ausgeschlossen sind und doch passieren. Genau in dem Moment, in dem man geliebt wird.

Der ökologische Monat

Vor ein paar Jahren, eigentlich muss das sogar schon vor über einem Jahrzehnt gewesen sein, meinte einmal ein Kollege, der zu uns ins Büro kam, er mache gerade einen ökologischen Monat. Also, sich ohne Auto fortbewegen. Ich war tiefbeeindruckt. So viel nachhaltiges Denken hatte ich ihm gar nicht zugetraut und so war ich voll des Lobes für sein vorbildliches Verhalten. Bis er dann erklärte, dass der Verzicht aufs Auto eher der polizeilichen Anordnung denn dem Umweltgedanken geschuldet sei. Nun gut, so kann es gehen, den Ausdruck des ökologischen Monats fand ich trotzdem ziemlich gut.

Apropos, so kann es gehen: Ich selbst durfte das mit dem ökologischen Monat gerade selbst testen. Ebenfalls nicht freiwillig. Die Hergangsumstände sind etwas undurchsichtig und auch nach längerem Grübeln komme ich immer wieder zum Punkt und Schluß, dass es tatsächlich Zeitlöcher im Uninversum geben muss. Anders lässt es sich einfach nicht erklären, dass ich gerade noch an der roten Ampel stand und dann plötzlich mitten auf der Kreuzung. Selbst der Beifahrer kann den Unfallhergang nicht so richtig nachvollziehen.

425bff35-801f-4e12-8b60-3619e16f234dGut, seien wir froh, dass das Zeitloch wenigstens ein gewisses Maß an Mitleid und nur Blechschaden verursacht hat und  mir als Bonus die Chance auf ein Auszeit vom Auto. Immer positiv denken, auch wenn es in manchen Situation nicht so einfach ist.

Bis vor kurzem hätte ich bei Zustellung des Bescheids auch nur müde gelächelt und gefragt, wo da das Problem ist. War der fahrbare Untersatz doch hauptsächlich Dekoration auf dem Stellplatz. Fast zwanzig Jahre bin ich ohne Auto zur Arbeit und sonstwo hingekommen. Lediglich der Wocheneinkauf war ein fixer Tag im Fahrtenbuch. Doch mit dem letzten Arbeitgeberwechsel hat sich dies nun geändert. Gute zehn Kilometer sind zwar keine Entfernung in dem Sinne, aber die Verbindung per öffentlichem Nahverkehr mit zweimal Umsteigen eine zeitliche Katastrophe. Noch dazu gehört Busfahren für mich wirklich mit zu den schlimmsten Arten der motorisierten Fortbewegung. Kommt gleich nach Achterbahn und Kettenkarussell. Bleibt der muskelbetriebene Fahruntersatz. Mit dreißig Minuten deutlich schneller als der Bus, aber doppelt so langsam wie mit dem eigenen Wagen. Das Wetter lassen wir jetzt mal außen vor. Aber, wer es noch nicht wusste, der Wind kommt immer von vorn, egal in welche Richtung man strampelt. Und bei Ankunft ist man eher reif für die Dusche als das Büro. Das Umziehen auf der Toilette ist jetzt auch nicht so der Hit, schneidet aber noch besser ab, als mit Rock, hohen Schuhen und Bluse auf dem Mountainbike unterwegs zu sein.

Es war also, man merkt es schon, kein allzu großes Drama, da auch noch der Jahresurlaub mit hineingerechnet werden konnte. Und da Letzterer aufgrund der An-/Abreise per Flieger einen wahrhaftig übermenschlichen Fußabdruck auf meinem ökologischen Konto hinterlassen hat, konnte ich auf diesem Wege zumindest einen kleinen Teil davon kompensieren. Ich glaube, das mache ich nächstes Jahr nochmal. Also, das mit dem ökologischen Monat. Freiwillig, wenn möglich, liebes Universum.

 

 

Tatort des Monats April

Im Universum gibt es ja bekanntlich keinen Pol ohne Gegenpol. Ergo ist es also irgendwie nur natürlich, dass auf Socken (siehe Tatort März) Schuhe folgen. Wobei zum einen der Tatbestand Schuhe diskutierbar wäre und zum anderen, ob diese Art Schuhe überhaupt Socken benötigt, was im Hinblick sowohl auf Funktion als auch Ästhetik zu betrachten wäre. Wie gesagt, das Universum verlangt immer nach einem Ausgleich der Kräfte.

Tatort: Schuhschrank20180423_155536.jpg

Tatbestand: Allroundschlappen

Tatortsäuberung: Tja, da lässt sich nichts mehr retten. Nach zwölf Jahren bleiben nur die schönen Erinnerungen unzähliger Hüttenwanderungen zurück, bei denen Sie als Hüttenschuhe und an Ruhetagen zum Einsatz kamen. Doch letztendlich war es die Gartenarbeit, die den Tretern den Gar ausgemacht hat. Schade, dabei hatte ich sie schon für meine nächste Wanderung eingeplant. Nun muss Ersatz her. Nicht zuletzt, um auch einen Ausgleich bei der anstehenden Schuhinventur zu schaffen. Bleibt nur die Frage: In welchen Wertstoffkreislauf muss ich die Schuhe entsorgen, um im Universum keine Kettenreaktion aufgrund einer Unausgeglichenheit zu sorgen?