Tatort des Monats Mai

Nein, ich betreibe keinen nicht genehmigten Flughafen für kleine, grüne Männchen oder andere Hobbybastlerutopien, auch wenn der fotografisch festgehaltene Gegenstand dies vermuten lassen könnte.

Tatort: AbstellkammerFusselrasierer

Tatbestand: Extraterrestriales Flugobjekt…äh Fusselrasierer

Tatortsäuberung: Dass heutzutage jedes (technischen) Produkt einer geplanten Obsoleszenz unterliegt ist mir klar, dass diese aber auch bei Nicht-Nutzung greift, war mir neu. Es ist zum Verzweifeln, kaum liegt der durchaus praktische Fusselrasierer zwei Jahre in seiner Originalverpackung, schon funktioniert er nicht mehr. Denke, reparieren ist kontraproduktiv. Stattdessen greife ich ab sofort wieder zu Schere und Rasierklinge, um mich unerwünschter Fussel zu entledigen. Falls aber da draußen jemand sich findet, der eine zündende Idee hat, immer her damit.

Das Schicksal auf vier Rädern

Es gibt Tage, die laufen einfach nicht rund. Und es gibt Orte, die bringen einfach kein Glück. Dann spricht man gern von zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort. Und dann gibt es eine Tag-Ort-Vorhaben-Kombination, die hat auf alle Fälle etwas mit kleinen, grünen Männchen zu tun. Da bin ich ganz sicher. Die suchen mich nämlich immer dann heim, wenn ich mit dem Auto zum oder am oder vom Flughafen unterwegs bin. Da scheine ich mich irgendwie in einer ganz schlechten, galaktischen Störung zu bewegen. 

grünes Männchen?

grünes Männchen?

Angefangen hat das vor ca. sieben Jahren. Damals haben der damalige Drei-Käse-Hoch, also jetzige jugendliche Mitbewohner und ich seinen Erzeuger zum Flughafen gebracht. Auf der Rückfahrt ist dann so bei Tempo 180 (ja, ich bin gern zügig unterwegs) ein wirklich großer Pechvogel (ob vielleicht sogar UFO oder Drache ließ sich dann leider nicht mehr feststellen) vor die Scheibe geknallt. Leider hat er das nicht überlebt. Die Scheibe auch nicht. Der Aufprall was sogar so heftig, dass die Scheibe mehr oder weniger auf der kompletten Fahrerseite gesprungen war, eingedrückt wurde und ich noch Stunden später winzige Glassplitter von meinem Dekolletee und Hals gepickt habe. Der Typ von der Autoreparatur wollte mir gar nicht glauben, dass es ein Vogel war (mit meiner Vermutung, dass es ein UFO war, konnte ich ja schlecht kommen). Erst die Lackkratzer auf der Motorhaube haben ihn dann an meine Geschichte glauben lassen. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe inkl. Rahmen und erhöhte Aufmerksamkeit bei unbekannten Flugobjekten in Sichtweite.

Dann, der Nachwuchs ist zum Vier-Käse-Hoch heran gewachsen und soll in Richtung Oma fliegen. Nun kann man, auch als bekennende Rabenmutter, diesen nicht einfach in der Haltezone aussteigen lassen und einen guten Flug wünschen, sondern muss parken, ausladen, einchecken und so weiter. Wer schon mal in einem Großstadtflughafenparkhaus seinen fahrbaren Untersatz abgestellt hat, weiß, dass diese mitunter recht weitläufig sind, wenn sie sich nicht sogar während der eignen Abwesenheit verändern und alles dann bei der Rückkehr völlig anders aussieht. Aber gut, an solche Phänomene glaube selbst ich nicht. Jedenfalls merke ich mir immer ganz genau, wo das Auto parkt, weil mein Vater seines schon mal zwei Stunden lang gesucht hat. Für sowas fehlt mir die Zeit. Nerven noch mehr. Nun gut, ich also nach erfolgreicher Paketübergabe (Sohn an Flugbegleiter) wieder zu meinem Parkplatz. Da treffe ich auf zwei Typen, die ihr Auto suchen und schon recht verzweifelt sind. Leider kann ich ihnen nicht wirklich helfen. Beim Einsteigen und Ausparken denke ich noch: Puh, was hast Du für ein Glück, dass Dir das noch nie passiert ist. Auf einmal kracht und scheppert es und mein rechter Außenspiegel macht Bekanntschaft mit der Säule. Leider überlebt er das nicht. Die Säule schon. Ich war kurz geneigt, doch an die Theorie des Glitches in der Matrix zu glauben, denn die Säule war definitiv vorher nicht da. Letztendlich habe ich schließlich beschlossen, dass ich statistisch einfach fällig war. Kann ja mal passieren. Also, neuer Spiegel inkl. Türverkleidung und €800 weniger auf dem Konto.

Dann, diesmal auf der Fahrt zum Flughafen, um den vorpubertären Mitbewohner wieder Meilen sammeln zu lassen: Peng! Und von dem vor mir fahrenden LKW knallt ein Stein auf die Windschutzscheibe. Ob der Stein überlebt hat, kann ich nicht sagen, die Scheibe jedenfalls nicht. Denn natürlich war ein Loch im Glas und natürlich war dieses im Sichtbereich. Da ist selbst Carglass machtlos. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe und ab sofort mehr Abstand von allem, was vor mir fliegt, steht und rollt.

Und nun dies: Der jugendliche Mitbewohner nimmt mal wieder meine Fahrdienste in Anspruch, nachdem er bei der Oma shoppen war, der Koffer also ungeheuer schwer ist, und er nun unmöglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren kann. Was tut man nicht alles. Während der Fahrt in Richtung Zuhause – ich halte nach Fluggeschossen aller Art Ausschau nachdem ich in der Garage schon im Zeitlupentempo ein- und ausgeparkt habe – schaue ich in den Rückspiegel, als plötzlich eine Radkappe neben dem Wagen hinter mir her rollt, um dann wirklich elegant im Straßengraben zu verschwinden. Würde mich echt ärgern, wenn mir das passieren würde, denke ich noch.

Ja, genau, mittlerweile kann ich auch lachen. Aber ganz ehrlich, das stimmt doch was nicht. Entweder liegt es am Auto. Montagsauto? Oder an Straße/Parkhaus. Wasserader? Oder an mir. Karma? Oder eine Kombi aus allem. Jedenfalls normal ist das nicht. Meine Nachbarin sagt, ihr Therapeut meint, das liege an einer erhöhten Unfallbereitschaft. Auf gut Deutsch, man ist gedanklich nicht bei der Sache und deswegen passieren solche Unfälle. Schicksal auf vier Rädern nenne ich es jetzt erst mal, bis ich die Sache mit dem Eigenleben der Dinge und den Besuchern anderer Sterne geklärt habe.

 Eure Kerstin

P.S.: Komme mir bitte keiner mit der Theorie „Frau am Steuer“. Das wäre echt langweilig und ist bar jeder wissenschaftlichen Grundlage