Sieben auf einen Streich – „Mond über Manhattan“ von Paul Auster

Made with Repix (http://repix.it)

Von Paul Auster habe ich erstmals im Radio gehört, das muss so Anfang der 1990er gewesen sein. Es war dabei die Rede von Zufällen, die das Leben schreibt, schicksalhaften Verbindungen und den absurden, phantastischen Momenten. Meine Leidenschaft für derartige Literatur war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich ausgeprägt und in der Folge stürzte ich mich auf seine Werke. Der erste Roman, den ich in die Finger bekam, war „Musik des Zufalls“ und ist durchaus bezeichnend für seinen Stil. Der Held ist meist eher in sich zerrissen, aber nicht erstarrt. Er durchlebt ganz reale Abgründe, auch und vor allem die eigenen. Und nicht zuletzt befindet er sich in der einen oder anderen Art immer auf Reisen, was oft auch mit tatsächlich physischen Ortswechseln einhergeht. Der Weg der Selbstfindung in allen Variationen.

Noch heute zählt Paul Auster zu meinen Lieblingsautoren und als sein letztes Buch „4 3 2 1“ erschien, konnte ich einfach nicht auf die Taschenbuchausgabe warten, ja noch nicht einmal auf die deutsche Ausgabe. Und auch darin geht es um die Zufälle, die den Lebensweg so oder so bestimmen und beeinflussen und die Frage, was wäre, wenn. Kopfkino auf hohem literarischem Niveau.

Wenn ich nun eines seiner Bücher herausgreifen soll, dann fällt meine Wahl auf „Mond über Manhattan“. Der Held, Marco Stanley Fogg, verliert im Laufe der Geschichte jeglichen Halt und sieht in allem Zeichen schicksalhafter Verstrickungen, die ihn immer weiter abdriften lassen und schließlich zu sich selbst und seiner eigenen Geschichte führen. Dabei er- und durchlebt er Unmengen bizarrer Situationen, immer im Zeichen des Mondes: „‘Sie sind ein Träumer, Junge‘, sagte er. ‘Sie weilen mit Ihren Gedanken auf dem Mond, und daran wird sich, wie es aussieht, auch nichts ändern. Sie haben keinen Ehrgeiz, Geld ist Ihnen völlig unwichtig, und Sie sind viel zu sehr Philosoph, um ein Gefühl für Kunst zu haben. Was soll ich nur mit Ihnen machen? […]‘ ‘Vorigen Winter habe ich mich […] um einen Studienplatz für Bibliothekswissenschaften beworben […]‘ ‘Als Bibliothekar kann ich Sie mir nur schwer vorstellen, Fogg.‘ ‘Es ist abwegig, das gebe ich zu, aber ich denke, ich könnte mich dafür eignen. Bibliotheken befinden sich schließlich außerhalb der realen Welt. Es sind abschieden Orte, Zufluchtsstätten des reinen Denkens. Auf diese Weise kann ich den Rest meines Lebens auf dem Mond weiterleben.‘“

Das Subtile ist bei Paul Auster Programm und trotz der oftmals schier unwahrscheinlichen Zusammenhänge bleibt immer auch das Gefühl von das-hätte-mir-auch-passieren-können.

Also dann, bis morgen.