Das Schicksal auf vier Rädern

Es gibt Tage, die laufen einfach nicht rund. Und es gibt Orte, die bringen einfach kein Glück. Dann spricht man gern von zur-falschen-Zeit-am-falschen-Ort. Und dann gibt es eine Tag-Ort-Vorhaben-Kombination, die hat auf alle Fälle etwas mit kleinen, grünen Männchen zu tun. Da bin ich ganz sicher. Die suchen mich nämlich immer dann heim, wenn ich mit dem Auto zum oder am oder vom Flughafen unterwegs bin. Da scheine ich mich irgendwie in einer ganz schlechten, galaktischen Störung zu bewegen. 

grünes Männchen?

grünes Männchen?

Angefangen hat das vor ca. sieben Jahren. Damals haben der damalige Drei-Käse-Hoch, also jetzige jugendliche Mitbewohner und ich seinen Erzeuger zum Flughafen gebracht. Auf der Rückfahrt ist dann so bei Tempo 180 (ja, ich bin gern zügig unterwegs) ein wirklich großer Pechvogel (ob vielleicht sogar UFO oder Drache ließ sich dann leider nicht mehr feststellen) vor die Scheibe geknallt. Leider hat er das nicht überlebt. Die Scheibe auch nicht. Der Aufprall was sogar so heftig, dass die Scheibe mehr oder weniger auf der kompletten Fahrerseite gesprungen war, eingedrückt wurde und ich noch Stunden später winzige Glassplitter von meinem Dekolletee und Hals gepickt habe. Der Typ von der Autoreparatur wollte mir gar nicht glauben, dass es ein Vogel war (mit meiner Vermutung, dass es ein UFO war, konnte ich ja schlecht kommen). Erst die Lackkratzer auf der Motorhaube haben ihn dann an meine Geschichte glauben lassen. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe inkl. Rahmen und erhöhte Aufmerksamkeit bei unbekannten Flugobjekten in Sichtweite.

Dann, der Nachwuchs ist zum Vier-Käse-Hoch heran gewachsen und soll in Richtung Oma fliegen. Nun kann man, auch als bekennende Rabenmutter, diesen nicht einfach in der Haltezone aussteigen lassen und einen guten Flug wünschen, sondern muss parken, ausladen, einchecken und so weiter. Wer schon mal in einem Großstadtflughafenparkhaus seinen fahrbaren Untersatz abgestellt hat, weiß, dass diese mitunter recht weitläufig sind, wenn sie sich nicht sogar während der eignen Abwesenheit verändern und alles dann bei der Rückkehr völlig anders aussieht. Aber gut, an solche Phänomene glaube selbst ich nicht. Jedenfalls merke ich mir immer ganz genau, wo das Auto parkt, weil mein Vater seines schon mal zwei Stunden lang gesucht hat. Für sowas fehlt mir die Zeit. Nerven noch mehr. Nun gut, ich also nach erfolgreicher Paketübergabe (Sohn an Flugbegleiter) wieder zu meinem Parkplatz. Da treffe ich auf zwei Typen, die ihr Auto suchen und schon recht verzweifelt sind. Leider kann ich ihnen nicht wirklich helfen. Beim Einsteigen und Ausparken denke ich noch: Puh, was hast Du für ein Glück, dass Dir das noch nie passiert ist. Auf einmal kracht und scheppert es und mein rechter Außenspiegel macht Bekanntschaft mit der Säule. Leider überlebt er das nicht. Die Säule schon. Ich war kurz geneigt, doch an die Theorie des Glitches in der Matrix zu glauben, denn die Säule war definitiv vorher nicht da. Letztendlich habe ich schließlich beschlossen, dass ich statistisch einfach fällig war. Kann ja mal passieren. Also, neuer Spiegel inkl. Türverkleidung und €800 weniger auf dem Konto.

Dann, diesmal auf der Fahrt zum Flughafen, um den vorpubertären Mitbewohner wieder Meilen sammeln zu lassen: Peng! Und von dem vor mir fahrenden LKW knallt ein Stein auf die Windschutzscheibe. Ob der Stein überlebt hat, kann ich nicht sagen, die Scheibe jedenfalls nicht. Denn natürlich war ein Loch im Glas und natürlich war dieses im Sichtbereich. Da ist selbst Carglass machtlos. Nun ja, kann ja mal passieren. Also, neue Scheibe und ab sofort mehr Abstand von allem, was vor mir fliegt, steht und rollt.

Und nun dies: Der jugendliche Mitbewohner nimmt mal wieder meine Fahrdienste in Anspruch, nachdem er bei der Oma shoppen war, der Koffer also ungeheuer schwer ist, und er nun unmöglich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause fahren kann. Was tut man nicht alles. Während der Fahrt in Richtung Zuhause – ich halte nach Fluggeschossen aller Art Ausschau nachdem ich in der Garage schon im Zeitlupentempo ein- und ausgeparkt habe – schaue ich in den Rückspiegel, als plötzlich eine Radkappe neben dem Wagen hinter mir her rollt, um dann wirklich elegant im Straßengraben zu verschwinden. Würde mich echt ärgern, wenn mir das passieren würde, denke ich noch.

Ja, genau, mittlerweile kann ich auch lachen. Aber ganz ehrlich, das stimmt doch was nicht. Entweder liegt es am Auto. Montagsauto? Oder an Straße/Parkhaus. Wasserader? Oder an mir. Karma? Oder eine Kombi aus allem. Jedenfalls normal ist das nicht. Meine Nachbarin sagt, ihr Therapeut meint, das liege an einer erhöhten Unfallbereitschaft. Auf gut Deutsch, man ist gedanklich nicht bei der Sache und deswegen passieren solche Unfälle. Schicksal auf vier Rädern nenne ich es jetzt erst mal, bis ich die Sache mit dem Eigenleben der Dinge und den Besuchern anderer Sterne geklärt habe.

 Eure Kerstin

P.S.: Komme mir bitte keiner mit der Theorie „Frau am Steuer“. Das wäre echt langweilig und ist bar jeder wissenschaftlichen Grundlage

Tatort des Monats März

Spieglein, Spieglein… Nach Umstellung der Winter- auf Sommerzeit brauche ich nun morgens im Bad kurzzeitig wieder Licht. Und mit dem Licht wurde die Staubschicht auf meinem Spiegel sichtbar. Und da die Spiegelablage vor dem Polieren abgeräumt werden musste, bot sich die Gelegenheit, Ordnung zu schaffen.

Tatort: Badezimmer.2015_03

Tatbestand: Make-up Pinsel.

Tatortsäuberung:

Ich könnte jetzt sagen, dass ich aus dem Alter raus bin, um mich stundenlang vor dem Spiegel aufzuhübschen. Aber dann kriege ich wieder Ärger (nicht wahr, liebe Tante). Ich könnte auch sagen, dass ich es lieber natürlich mag und dem ganzen Schönheitswahn ab sofort nicht mehr hinterher renne. Aber das wäre nicht wahr. Zumindest nicht zu hundert Prozent. Fakt ist ganz einfach. Ich bin oft zu faul und zu ungeduldig, um lange Zeit vor dem Spiegel zu verbringen und was hier sicherlich das Tatmotiv war: Ich besitze schlichtweg genug Pinsel. Also, weg damit, da sie sich als Maler-/Putzwerkzeug nicht einer neuen Bestimmung zuführen lassen. Und das Bad ist nun auch wieder schön staubfrei.

Spieglein, Spieglein…

Leseecke„Wenn ich in den Spiegel schaue, dann…“

Ich glaube, Frauen und Frauen in meinem Alter im Besonderen, tendieren dazu, diesen Satz negativ zu beenden: Falten, graue Haare, fahle Haut, Pickel, mattes Haar, Augenringe, um nur mal ein paar Dinge zu nennen. Also, ein schwieriges Thema. Schon bei Schneewittchen war der Spiegel der Grund allen Übels. Immer gibt es ein Bild, das schöner/besser ist als wir: Die neue Mitarbeiterin im Team, die Schauspielerin aus dem letzten Film, die Frau uns gegenüber im Bus, die Werbeikone. Doch welches Bild habe ich von mir? Bin ich am Ende selbst die böse Stiefmutter, die ständig ihre Schönheit hinterfragt und ihrer Jugend hinterher trauert?

Es heißt ja immer, Frauen verbringen viel Zeit vor dem Spiegel. Dieses Vorurteil kann ich guten Gewissen so erst mal nicht bestätigen. Klar schaue ich morgens und abends in den Spiegel, aber wirklich sehen tue ich mich nicht. Der Blick zielt meist immer nur Details: Schminke auflegen, Haare frisieren, Zahnseide benutzen, Outfit kontrollieren. Fertig. Selten, dass ich meine Aufmerksamkeit dem Ganzen widme. Oder einen zweiten Blick riskiere. Riskieren ist das richtige Stichwort. Warum ist das eigentlich so? Versuchen wir durch das Nicht-im-Spiegel-Betrachten unser Bild von uns zu konservieren? Ähnlich einem Dorian Grey, der sich verzweifelt an seine jugendliche Schönheit klammert, während sein wahres Ich immer mehr zu einer Fratze wird? Sind wir so von äußeren Einflüssen manipuliert, dass wir an unserem Äußeren nichts Gutes mehr entdecken können?  Schon mal versucht, das eigene Spiegelbild anzulächeln? Ich will nicht behaupten, es ist unmöglich, aber in den meisten Fällen wirkt es doch recht unnatürlich, eigentlich schon gezwungen. Viel einfacher scheint es tatsächlich Grimassen zu ziehen. Würde also auch bedeuten, dass wir uns leichter tun, eine Kunstfigur von uns zu erschaffen, als ohne Maske aufzutreten. Trete wir also mit der Fratze auf, während wir unser wahres Ich verbergen?

Man sagt ja auch, die Augen seien die Spiegel zur Seele. Was bedeutet es also, wenn ich mir schon selbst nicht mehr so richtig in die Augen schaue? Und was sagt dies über meine Beziehung zu anderen aus? Kann ich dann überhaupt noch anderen Menschen in die Auge schauen und sie in meine? Oder ist meine Seele am Ende so verkommen, dass es mir vor meinem eigenen Anblick graut? Was ist aus mir geworden? Der eine oder andere kennt vielleicht folgende Liedzeile: „Now the face that I see in the mirror, more and more is a stranger to me, more and more I can see there’s danger, in becoming what I’ve never thought I’d be.” Werden wir uns vielleicht mit der Zeit immer fremder? Hin und wieder ertappe ich mich dabei, dass ich mein Spiegelbild sehe und mir dann meine Mutter entgegenschaut. Als Kind habe diese Ähnlichkeit nicht wahrgenommen, ja sogar bisweilen ansatzweise verleugnet. Nie konnte ich ihre Züge erkennen. Und nun sind sie da. Unverkennbar. Ob es mir Angst macht? Nein, im Grunde empfinde ich es als beruhigend, zu wissen, dass man sein Erbe mich sich trägt und am Ende vielleicht auch weitergibt.

Und so spiegelt sich in meinem Bild ein ganzes Leben. Zu jedem „Makel“ gibt es eine Geschichte, voll mit Gefühlen und Erlebnissen. Und wenn ich neben all den Fragen genau hinschaue, dann kann ich sagen: Ja, das bin ich und ich bin gut so wie ich bin?

Eure Kerstin