Was von der achten Rauhnacht (1. Januar) übrigbleibt – August 2017

Der Januar als erster Monat des Jahres, ein Sinnbild für den Neuanfang. Ein neues Jahr, eine Fülle an Möglichkeiten und Chancen. Der August als das Pendant im Rauhnächtekalender, auch dieser steht im Zeichen der Fülle. Und das hat er absolut erfüllt. Eine Fülle an Eindrücken, Erlebnissen und Entdeckungen. So viel, dass ich noch immer den Wind, das Wetter und die Sonne in mir spüre.  

 Und natürlich auf das fast schon obligatorische Gipfelglücksbild.

 zGipfel

Der September und der Herbst sind mittlerweile schon ein ganzes Stück eingezogen, Zeit, ein bisschen in sich reinzuhorchen und inne zu halten. Bin gespannt, welche Weg meine Intuition gehen wird.

 

Eure Kerstin

Heute ist die beste Zeit

Vor ein paar Tagen zeigte das Thermostat morgens nur knapp über 0°C an. So kalt, dass ich mit ziemlich blutleeren Fingern und Füßen, weil ohne Socken, vom Fahrrad gestiegen bin. Es lässt sich nicht leugnen, die Sonne verlässt die nördliche Hemisphäre. Und auch nicht aufhalten. Die Erde verschiebt ihre Achse.
Schon vorbei. Der Sommer. Viel zu schnell. Gerade erst habe ich mich an das wohlig warme Gefühl auf meiner Haut gewöhnt. Und nun soll schon Herbst sein? Ich bin noch nicht so weit.
Die Sonnenbrille und Sandalen gegen Mütze, Handschuhe, geschlossene Schuhe mit Socken austauschen? Statt bunter Kleider Einheitsgrau? Jetzt schon? Nein, ich bin definitiv noch nicht so weit.
Die Nachbarn haben sich bereits mit Holz für die kalte Jahreszeit eingedeckt und ich kann die Heizungsleitungen surren hören. Es ist frostig. Es wird Zeit. Ich aber brauche noch Zeit.

Und so ziehe ich noch vor Sonnenaufgang los und fange den Sommer und das Licht ein. Denn heute ist die beste Zeit. 

Dämmerung

Dämmerungslicht

 

Sonnenaufgang

Sonnenlicht

 

Gegenlicht

Licht und Schatten

Zwielicht

Zwielicht

Südlicht

Fernlicht

Lichstspiel

Lichtspiel

Eure Kerstin

Jede Reise hat einen Grund

Wo ich schon einmal mit dem Thema Reisen angefangen habe, liegt es nahe, dort anzuschließen. So der Plan.

Hütte des Glücks

Reisen ist ja wirklich toll und macht unendlich Spaß. Und „Zuhause ist es nicht immer am schönsten“, so zumindest das Motto einer Hotelkette. Die Deutschen sind ja bekanntlich Reiseweltmeister, aber ich glaube, dass das irgendwie mit unserem urzeitlichen Nomadentum zusammenhängt. Allerdings, so der heutige Anspruch, wenn wir schon unsere Komfortzone verlassen, dann bitte soll die auch genau so und 1:1 an unserem Reiseziel sein. Schließlich nehmen wir ja schon die beschwerlichen Reisestrapazen auf uns. Mehr kann man wirklich nicht von uns verlangen. Ja, wir sind nicht nur Weltmeister im Reisen, sondern auch im schlecht reden/machen und beschweren.

Leider fehlt mir dafür die geeignete Erklärung, woran das liegen könnte. Irgendwie kann ich es auch nicht nachvollziehen. Irgendetwas Positives lässt sich doch im Grunde jeder Situation abgewinnen, oder? Perfekt finde ich mitunter ziemlich langweilig. Ich meine, mein ganzer Alltag ist so gesehen durchgetaktet und perfektioniert, da sollte ich doch in meiner Freizeit froh um jedes unerwartete Ereignis sein. Endlich kann ich mal unter Beweis stellen, dass ich zu Recht die Krone der Schöpfung trage. Also die Spezies Mensch, nicht ich allein, falls jemand das falsch auffasst. Das können die Deutschen ja auch bisweilen recht gut.

Beim Reisen fällt mir Verzicht am schwersten, dafür macht es einfach so viel Spaß. Also, damit ich meine ich nicht den Komfort auf Reisen, sondern das Weltenbummeln an sich. Wobei. Letztes Jahr fand der Sommerurlaub direkt vor der Haus- bzw. Terrassentür statt, denn nachdem der jugendliche Mitbewohner mal wieder so eine Null-Bock-Einstellung hatte, sind wir einfach da geblieben, wo wir hingehören, obwohl ich den Verweigerer gern mal dahin schicken würde, wo der Pfeffer wächst, aber das ist eine andere Geschichte.

Alles frei nach dem Motto der ortsansässigen Wellness-Oase: „Warum denn in die Ferne schweifen, das Gute liegt Sauna“. Wir Deutschen haben schon einen komischen Humor, findet Ihr nicht?

Daheim

Am Ende fanden wir beide, es war eine gute Entscheidung. Während der Nachwuchs surfen war an der Costa del Web, habe ich einen Kreativkurs gemacht (die Wohnzimmerwand gestrichen, Entspannungsmalen/Mandalas), am Fitnessprogramm teilgenommen (Schwimmen im Badeweiher und Freibad, Radausflug in die Stadt und über Land, Rundlauf auf dem Trimm-Dich-Pfad) und mich gebildet (Lektüre und Telekolleg).

Und all-inclusive war es auch, denn das „gesparte“ Geld wurde dazu genutzt, um jeden Tag in einer anderen Restauration des örtlichen und umliegenden Gastronomieangebotes zu speisen. Das waren nahezu perfekte 2 ½ Wochen, denn die Zeit gehörte mir. Gut, nun war das Wetter natürlich ebenso perfekt. Jeden Tag Sonne von morgens bis abends. Bei Dauerregen hätte ich unter Umständen vielleicht doch noch die Koffer gepackt und wäre in ferne Gefilde geflüchtet.

Das gute, entschleunigte Leben hängt also nicht von Freizeit und Urlaub ab. Sondern davon, ob ich Herr über meine eigene Zeit bin und Dinge mache, die mir wichtig sind. Klar, wenn sich beides kombinieren lässt, um so besser. Von daher sind mir die Urlaube am liebsten, bei denen ich mit jedem Schritt mehr bei mir bin und das im sprichwörtlichen Sinne, denn „zu Fuß hält die Seele Schritt“ (im Übrigen ein ganz wunderbares Lesebuch für alle, die gern auf Schusters Rappen unterwegs sind oder davon träumen).

Reisen

Das war nicht immer so und wird mit Sicherheit auch nicht immer das Non-Plus-Ultra sein. Jede Reise hat einen Grund. Wichtig ist nur, diesen zu kennen. Für Leute, die ihr Gehalt als Schmerzensgeld empfinden ist jede Anschaffung ein Trostpflaster und somit eine Ersatzbefriedigung. Das kann keine noch so exotische und kostspielige Reise leisten.

Manche Reisen – oftmals die spannendsten – finden im Kopf statt. Daher geht es im nächsten Beitrag um Bücher.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tatort des Monats November

Nun ist er also wirklich vorbei – der Sommer. Der Herbst, so wie es aussieht auch gleich mit.

Tatort: Kleiderschrank2015_11

Tatbestand: Bikini

Tatortsäuberung: Für den Bikini war dieser Sommer eindeutig zu lang. Er hat sich aufgelöst. Also der Gummi am Unterteil, so dass die Hose nicht mehr schwimmtauglich sitzt. Ist jetzt nicht der allzu große Verlust, da der Bikini seinerzeit ein Notkauf war und von Beginn an nie so richtig gesessen hat. Leider auch nicht für die Altkleidersammlung mehr zu gebrauchen. Etwas für die gute alte Mülltonne.

Singletasking für die Seele

„Sie sind ganz bei der Sache: Versuchen Sie, dreimal auf Multitasking zu verzichten. Zum Beispiel zu essen, ohne zu lesen, zu telefonieren, ohne E-Mails zu checken, fernzusehen, ohne die Zeitung zu scannen.“

Um der Hektik des Sommers zu entfliehen, fiel meine Kartenwahl auf die Kategorie Komfort.

Erster Tag: Total versagt, auf ganzer Linie. Morgens Frühstück und Brotzeit gemacht, Tee gekocht, Kleid gebügelt, Wohnung gelüftet und das alles gleichzeitig. In der Arbeit habe ich es gleich gar nicht versucht. Das hebe ich mir für den Fall auf, dass ich es ansatzweise überhaupt schaffe. Tja, und nachmittags: Schwimmsachen packen, umziehen, Trinken, Bürotasche ausleeren, noch schnell etwas essen. Klar, Multitasking at its best!

Zweiter Tag: Heute mache ich es besser. Ganz bestimmt. Schließlich ist Wochenende. Aber schon kurz nach dem Aufstehen ist die Ruhe und der gute Vorsatz dahin. Schnell den Garten gießen, damit die Sonne nicht auch noch die letzten grünen Halme verbrennt, nebenbei Wäsche sortiert und Maschine neu gestartet. Dann frühstücken und Einkaufsliste schreiben. Samstagseinkauf, ich komme. Erst gegen Mittag kehrt langsam Ruhe ein, als ich am See entspanne. Allerdings lese, esse, trinke und unterhalte ich mich gleichzeitig. Und den anderen Badegästen und Spaziergängern schaue ich auch noch hinterher.

Dritter Tag: Sonntag, Tag der Ruhe. Von wegen! Bis Mittags schlage ich mich ganz gut. Immer schön der Reihe nach. Joggen, Duschen, Frühstücken, Lesen. Doch dann hole ich das Bügeleisen raus, um ein Kleid für morgen zu bügeln (diesmal mache ich es im Vorfeld, jawohl), stelle dann aber fest, dass der Saum sich stellenweise gelöst hat. Also, Nadel und Faden her. Dann fällt mir ein, dass ich den Rucksack noch ausbessern wollte. Also, Nähmaschine rausholen. Nebenbei wäre Mittagessen angesagt. Ups, schon 14 Uhr. Und ich habe um 14.30 Uhr eine Verabredung. Nun aber hurtig. Schnell packen, schminken und los. Abends dann wieder Entspannung, obwohl: TV an, E-Mails lesen und Haushaltsbuch führen zählt sicherlich als Multitasking.

Eine Woche später: Was soll ich sagen. Ein Reinfall. Bin etwas ratlos, wie ich mit dieser Herausforderung weiter komme. Im Grunde wäre ich ja mit einem Tag ohne Multitasking zufrieden. Bin ich tatsächlich so fremdbestimmt? Wie ein Fähnchen im Wind, oder besser noch Grisu, der Drache. Kennt den überhaupt noch jemand? Grisu wollte immer Feuerwehrmann sein. Ein Widerspruch schon in sich. Ein feuerspeiender Drache, der Feuer löschen will. Und irgendwie war es so auch. Immer wieder muss er seine versehentlich selbst entfachen Feuer löschen und schaffte es nie, Feuerwehrmann zu werden. Fast komme ich mir auch so vor. Als ob ich die „Brände“ selbst lege und dann versuche, alle gleichzeitig zu bekämpfen. Hin und wieder gibt es kurze Momente, bei denen es gelingt. Ok, ich arbeite weiter daran und übe mich im Singletasking.

Nach zwei Wochen: Zumindestens der Vorsatz ist jeden Tag da und immer wieder erinnere ich mich daran, nur auf eine Sache zu machen. Leider ist die Quote nach wie vor im einstelligen Bereich. Mag daran liegen, dass man gerade im Sommer jeden Sonnenstrahl ausnutzt, um sich draußen aufzuhalten. Im Winter ist es da doch eher gemütlicher. Man ist froh, auf der Couch zu sitzen, mit einer Tasse heißem Tee und den Schneeflocken beim Tanzen zu zuschauen. Ja, ich weiß, ich fantasiere. Liegt vielleicht an den Temperaturen, die gerade herrschen. Weiß nicht, was mir mehr zu schaffen macht: Die Hitze oder diese angebliche Komfortkarte.

Vier Wochen später: Nachdem ich die ersten beiden Wochen keine wirklichen Erfolge erzielen konnte, habe ich nun doch die Auflösung für Karte Nummer vier gefunden. Das Rezept lautet: Urlaub. Genauer gesagt: Hüttentrekking. Das mag jetzt erst mal nicht nach Urlaub und Erholung klingen. Aber, was den Verzicht auf Multitasking betrifft ist es das non plus ultra. Man kann gar nicht anders, als immer nur eine Sache zu machen und so setzt man jeden Tag einen Schritt vor den anderen. Möchte man die Aussicht/Landschaft bewundern, bleibt man stehen, da man sich ansonsten im günstigsten Fall aufgeschlagene Knie holt und im Schlechtesten den Berghang hinabfällt. Morgens steht man auf, macht sein Bett und packt seinen Schlafsack ein. Erstaunlich, was man alles nicht braucht, wenn man es erst mal selber tragen muss. Und nach drei Tagen kümmert es einen auch nicht mehr, ob die Frisur sitzt oder man das Shirt doch hätte wechseln sollen. Frühstück dient mehr der tatsächlichen Nahrungsaufnahme denn dem Genuss: Brot mit Marmelade, Käse oder Speck. Dazu Kaffee oder Milch. Das Gleiche wie gestern und das Gleiche wie morgen. Dann ein Blick auf die Karte und los geht es. Gleichmäßig, immer vorwärts. Mittags gibt es Obst, Wurst oder Käse und Brot. Manchmal gönnt man sich eine Suppe. Richtig, wie gestern und wie morgen. Mancher ahnt es schon: Das Abendessen bietet keine großen Überraschungen und variiert zwischen: Kaiserschmarrn, Omelett, Spiegeleiern und Rühreier mit und ohne Speck. Abends schaut man in die Karte und fragt nach dem Wetterbericht. Dann geht es schlafen. Ich bin sicher, das klingt alles mehr als langweilig. Aber es funktioniert. Jedes einzelne Aufgabe ist wichtig und verlangt volle Aufmerksamkeit. Alles hat eine Seele, die Multitasking wie selbstverständlich ausschließt.

Warum sind wir nicht in der Lage, diese Aufmerksamkeit tagtäglich aufzubringen? Sind die Aufgaben und unsere Mitmenschen es nicht wert? Sind wir einfach nicht fähig, immer nur einer Sache/Person 100% Aufmerksamkeit zu widmen? Kein Wunder, dass unsere Welt so damit beschäftigt ist, Aufmerksamkeit mit allem und jeden zu erregen. Und hier komme ich, und versuche der Seele das Multitasking abzugewöhnen.

Was ich noch gelernt habe – mal abgesehen davon, dass ich mehr Urlaub brauche? Man kann immer nur einem Weg folgen, um die nächste Hütte zu erreichen.

Hütte ist ein gutes Stichwort für Karte Nr. 5 (Sinnkarte): „Liebe zur Natur ist die einzige Liebe. die menschliche Hoffnungen nicht entäuscht“ Honoré de Balzac. Erleben Sie bewußt die Schönheit der Natur. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin