Ankerplatz

Auftakt: Eine Sechs-Wort-Geschichte:

Ich bin die Hoffnung. Ich lebe.

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Vor Anker gehen. Kein Hafen in Sicht. Angreifbar sein. Ohne den schützenden Rückhalt einer Kaimauer. Ein Hafen hingegen lässt nur eine Option zur Flucht offen.

Vor Anker gehen. Das bedeutet aber auch: Ungetrübter Blick. Nach allen Richtungen offen sein, bereit für Neues, für Unerwartetes und gleichzeitig doch einen festen Halt zu haben, verbunden mit der Erde.

In den Hafen einlaufen. Zurückkehren. Schutz und Rückzugsort. Heimat. Zur Ruhe kommen. Innehalten. Verbundenheit und Vertrautheit, die das Leben unbeschwert machen. Eine andere Art von Freiheit.

Du, der Du der Anker für mein Herz bist. Du, der Du der Hafen für meine Seele bist.

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Schlusswort: Eine Sechs-Wort-Geschichte:

Liebe mich. Ich bin die Hoffnung.

Spurensuche – Vierklang

Geerdet.

Mit beiden Füßen auf festem Grund.

Unsichtbare Wurzeln.

Die Hände als Stütze und Hilfsmittel.

Im Fall werden wir zurück geworfen.

In der Evolution, der eigenen und der der Menschheit.

Die vier als Symbol für alles Irdische.

Die eigenen vier Wände.

Schutzwall. Trutzburg. Zentrum. Heilige Hallen.

Jeder in seiner Box.

Begrenzt. Eingeengt. Verschlossen. Eingeschlossen.

In der Ecke stehen.

Mit dem Kopf durch die Wand.

Trennung von Herz und Verstand.

Die Schnittmenge.

Ecken und Kanten.

Irdisch oder himmlich.

Vierklang.

Das neue Reisen, 9. Etappe: Licht und Schatten

img_0365Die Zimmer eines Heimes füllen wir mit Leben, Keller und Dachboden mit Ballast. Eine Gratwanderung zwischen dem Festhalten und dem Loslassen der Vergangenheit ist unvermeidlich.

Das Fundament auf unerledigten sowie verdrängten Fragmenten, bildet einen Grundstein, der bar jeder Statik ist. Ein Klotz am Bein, der einen am Weiterkommen hindert.

Das Dach über dem Kopf, vollgestellt und vollgestopft und mit den dem Vergessen überlassenen Erinnerungen, wird jeglichen Flugversuchen der Gedanken und Träume immer und immer wieder einen Deckel überstülpen.

Von Zeit zu Zeit sollte man sich also den Dingen widmen. Und gerade das unlängst erzwungene Verweilen in den eigenen vier Wänden hat dahingehend zu wahren Befreiungsschlägen geführt. Die Krise als Trennungskatalysator.

Beim Dachboden erscheint diese Aufgabe leichter. Näher am Himmel, mit dem Blick in die Ferne, über den Horizont hinweg, schweifen wir durch längst vergangene Zeiten. Prismen der Elemente im aufgewirbelten Staub. Lichtspiele durch Luken und Ritzen. Wohlige Wärme, die einen umhüllt.

Der Keller hingegen ist immer ein Ort der Dunkelheit, des Ungewissen, ein Verlies des Schreckens. Behaftet mit Schauergeschichten der Kindheit. Bevölkert von Monstern und unheimlichen Gestalten, die nur darauf warten, einem den Weg aus dem Schattenreich zu verwehren.

Wie froh doch der jugendliche Mitbewohner und ich sind, dass in unserem Keller die Macht auf unserer Seite und mit uns ist, denn im Bodenbeton wacht Yoda, dem wir immer wieder „Beschütze mich“ zuflüstern. Vor allem, wenn die Zeit der Lichtanlage abgelaufen ist und die Finsternis um sich greift.

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Der Exit vom Exit

Wie schon in „Exit“ gesagt, ist es immer gut, einen Plan zu haben. Noch besser und wichtiger ist es, einen Plan B zu haben.

Nachdem nun ab Montag die Maskenpflicht in Geschäften sowie dem öffentlichen Nahverkehr herrscht, ist meine Strategie jetzt der Exit vom Exit, wenn man so will. Bekannte Vorbilder jeglicher Couleur dieser Verhaltensweise gibt es zuhauf und in allen Sparten, also kein Problem.

Nicht, dass ich kein Verständnis habe für all die Maßnahmen und ich möchte auch keine Ausstiegsdiskussionsorgie starten, aber mit Hurra dabei sein muss ich nun auch nicht gerade. Vielleicht bin ich auch einfach nur stur, behauptet zumindest der Nachwuchs, aber ich habe schlicht und ergreifend einfach keine Lust, mit Maske schwitzend und nuschelnd an der Kasse zu stehen. Und, ich fühle mich wirklich unbehaglich, wenn ich all die Leute so sehe. Irgendwie führt mir dies das ganze Grauen dieser Tage noch mehr vor Augen und vermittelt obendrauf ansatzweise eine gewisse Weltuntergangsstimmung. Die Freundin erinnert es an „Schweigen der Lämmer“. Jeder hat halt so seine eigenen Dämonen.

Nun gut, es ist wie es ist. Der Sinn und Zweck des Ganzen sei einfach mal dahingestellt. Daher kommt Plan B zum Tragen: Kein Geschäft mehr betreten. Und das so lange als möglich. Angestrebtes Ziel: Vier Wochen. Mindestens. Ja, ist mir klar, dass wir wohl auch in einem Monat noch nicht über den Berg sind, uns auf dünnem Eis bewegen, erst am Anfang stehen, aber ein bisschen naiv verträumte Hoffnung darf mal ja wohl noch haben.

Zur Erinnerung, der Exit-Plan war Werkstoffhof, Baumarkt, Sommerreifen, Sommerkleid und Friseur oder eine Art von Wellness, in welcher Form auch immer.

Den Baumarktbesuch habe ich nun also doch schon diese Woche kurz vor Ladenschluss getätigt. Da war der Parkplatz angenehm leer und es gab keine Warteschlangen. Dementsprechend rein und einmal einen großen Rundumschlag getan. Erde, Blumen, Kräuter, Gemüsepflanzen, Samen, Töpfe, Rankhilfe, Fliegengitter, Gas für den Grill. Fast hätte ich einen zweiten Wagen gebraucht und beim Ausladen Hilfe. Baumarkt, Haken dran.

Schwieriger ist die Planumsetzung beim Posten Lebenshaltung: Essen, Trinken, Klopapier etc… Der jugendliche Mitbewohner ist ziemlich skeptisch, dass wir das schaffen, so lange ohne Einkaufen, wobei die Hauptsorge dabei nicht den Grundnahrungsmitteln gilt, wohingegen ich mir das ganz gut vorstellen kann, denn alles, was frisch benötigt wird, wie Gemüse, Obst, Wurst, Käse, Eier kaufe ich auf dem Wochenmarkt. Open Air sozusagen. Der Rest lässt sich lagern beziehungsweise einfrieren. Platz im Keller ist noch vorhanden, trotz zwischengelagertem Müll für den Wertstoffhof, der noch warten muss. Man muss eben Prioritäten setzten. Müll oder Essen in dem Fall.

Folglich wurde ein langer, ein sehr langer Einkaufszettel geschrieben. Ich glaube, die Kassiererin dachte, ich kaufe für den ganzen Häuserblock ein, als ich meine 187 Hamster auf das Kassenband gewuchtet habe. Das Plastikgeld an meiner Seite hat zum Glück gehalten, was die Werbung verspricht.

Nun darf es nur nicht in den Keller regnen oder brennen, aber dann haben wir sicherlich ganz andere Probleme, denn bei Freunden oder im Hotel übernachten steht ja nicht zur Debatte. Ein Einbruch wäre auch ungünstig, aber ich vermute mal, dass in dem Fall keine Lebensmittel geklaut werden. Also, noch nicht. Die Kühl-, Gefrierkombi versagt hoffentlich auch nicht den Dienst. Genug der Schwarzmalerei, Haken dran. Und wenn alle Stricke reißen und wir kurz vor dem Hungertod stehen, könnten wir ja mal den Lieferservice des Supermarktes testen. Oder Essen zum Mitnehmen. Oder Lieferservice. Wir leben im Paradies.

Bleiben also noch die Vorhaben Sommerreifen, Sommerkleid und Friseur. Da ich das Auto für den Weg zur Arbeit und zurück benötige, bedarf dieser Punkt noch einer gewissen Klärung, aber einen Termin war erst Ende Mai frei. Bis dahin kann ja noch so das eine oder andere passieren. Heutzutage ändern sich die Dinge augenscheinlich tagtäglich.

Das Sommerkleid vom letzten Jahr tut es auch noch, gönnen wir dem Konto mal eine Pause, bevor es Schnappatmung bekommt. Und der Sommer fällt dieses Jahr sowieso aus, wenn man den Diskussionen Glauben schenken darf. Nix mit Weltmeisterreisen und so.

Den Friseur hatte ich ja beim letzten Mal schon irgendwie zu Gunsten einer Bergtour gestrichen, die ohnehin zwar nicht verboten, aber auch nicht erwünscht, also auf unbestimmte Zeit verschoben ist, wie alles eben. Wie das mit Maske beim Friseur funktionieren soll, ist mir eh ein Rätsel, aber das wird mir dann sicherlich der Nachwuchs berichten, denn der scharrt schon mit den Füßen, was einen Friseurbesuch angeht, da, wie wäre es anders zu erwarten, jegliches Angebot eines kostenlosen Haarschnitts im heimischen Badezimmer, vehement abgelehnt wurde. Also auch ein Haken dran.

Tja und jetzt? Jetzt brauche ich einen Plan, was ich mit all der gewonnen Zeit, die derzeit an den Rändern ziemlich diffus anmutet und auszufransen droht und auch sonst einem anderen Rhythmus zu folgen scheint, anfangen soll. Bis mir da was wirklich Sinnvolles einfällt, nähe ich erst mal Masken für die Freunde der von Psychothrillern.