Tatort des Monats April

Im Universum gibt es ja bekanntlich keinen Pol ohne Gegenpol. Ergo ist es also irgendwie nur natürlich, dass auf Socken (siehe Tatort März) Schuhe folgen. Wobei zum einen der Tatbestand Schuhe diskutierbar wäre und zum anderen, ob diese Art Schuhe überhaupt Socken benötigt, was im Hinblick sowohl auf Funktion als auch Ästhetik zu betrachten wäre. Wie gesagt, das Universum verlangt immer nach einem Ausgleich der Kräfte.

Tatort: Schuhschrank20180423_155536.jpg

Tatbestand: Allroundschlappen

Tatortsäuberung: Tja, da lässt sich nichts mehr retten. Nach zwölf Jahren bleiben nur die schönen Erinnerungen unzähliger Hüttenwanderungen zurück, bei denen Sie als Hüttenschuhe und an Ruhetagen zum Einsatz kamen. Doch letztendlich war es die Gartenarbeit, die den Tretern den Gar ausgemacht hat. Schade, dabei hatte ich sie schon für meine nächste Wanderung eingeplant. Nun muss Ersatz her. Nicht zuletzt, um auch einen Ausgleich bei der anstehenden Schuhinventur zu schaffen. Bleibt nur die Frage: In welchen Wertstoffkreislauf muss ich die Schuhe entsorgen, um im Universum keine Kettenreaktion aufgrund einer Unausgeglichenheit zu sorgen?

Tatort des Monats Mai

Der Sommer kommt mit großen Schritten, da muss noch so einiges für die Bikinifigur getan werden. Vor allem Sport.  Dazu braucht es ein paar ordentliche Sportschuhe.2017_05

 

Tatort: Schuhschrank

 

Tatbestand: Joggingschuhe

 

Tatortsäuberung: Ich habe das mal ganz grob überschlagen. Die schnellen Treter haben so in etwa 1800 Kilometer auf den Sohlen und sind damit mit Sicherheit als voll leistungstaugliche Trainingspartner disqualifiziert. Außerdem löst sich das Innenleben so langsam auf. Glücklicherweise muss ich keinen Neukauf starten, da ich noch zwei Paar (Sommer/Winter bzw. leicht/fest) besitze. Wie schön, wieder ein Teil weniger unter meinem Dach.

Kindergeburtstag

Geburtstage sind was ganz Besonderes. Das kann jeder einmal im Jahr an sich selbst testen. Eltern sogar zwei- oder mehrmals, denn der Geburtstag des Nachwuchses ist fast noch aufregender als der eigene. Das fängt schon mit dem Dekorieren des Geburtstagstisches, dem Backen des Geburtstagskuchens und dem Aufstellen der Kerzen an. So ab dreißig Lichtern wird es mit dem Tablett und Anzünden schwierig und unter Umständen auch langsam nicht mehr erwünscht sein, aber dann sollte der Nachwuchs ja auch schon längst ausgezogen sein. Morgens schleicht man sich dann ins Kinderzimmer und singt das Geburtstagsständchen, denn das Glückskind liegt meist schon vor lauter Aufregung seit Stunden wach im Bett. Es folgen Liebkosungen und leuchtende Augen beim Geschenkeauspacken und zum Frühstück gibt es Kuchen.

Wird aus dem Kind ein Teenager, dann läuft das in etwa so ab: Beim Versuch, die inzwischen stattliche Anzahl an Kerzen auf dem Tablett zu platzieren und anzuzünden, ruft das Geburtskind: „Kann ich aufstehen? Ich muss mal.“ Gut, das war jetzt irgendwie anders geplant, aber morgendlichen Blasendruck kennt man ja aus eigener Erfahrung. Nicht schön. Nun gut, dann muss es also schnell gehen. Kerzen an, Tablett jonglieren und singen. Ein leichtes Grinsen huscht über das Gesicht des übernächtigten Geburtstagskindes – man muss schließlich um Mitternacht die gechatteten Glückwünsche der Freunde checken – bevor es ins Bad entschlüpft. Ewigkeiten vergehen.

Den Kuchen zum Frühstück gibt es natürlich trotzdem. Dekoriert mit Glückskeksen statt buntem Naschwerk. Doch davon später. Das Geschenkeauspacken ist dann auch eher nüchtern, da es diesmal nichts zum Auspacken gab. Nicht, weil wunschlos glücklich (ha, selten so gelacht), sondern weil das mit dem Alter ein immer schwierigerer Entscheidungsprozess zu werden scheint, der sich zunehmend in die Länge zieht. Auf ein zartes Nachfragen ca. vier Wochen vor dem Freudentag, was denn so auf der Wunschliste stehe, kommt erst mal gar nichts und dann folgen alle zwei Tage andere Wünsche, die mal größer, mal teurer, mal bei-Dir-piepst-wohl sind.

Der diesjährige Wunsch ließ schon im Vorfeld extrem lange auf sich warten, so dass ich dann doch etwas nervös wurde. So ganz ohne Geschenk will man ja als Eltern auch nicht da stehen. Und mit einem Kuchen und vielen Kerzen kann man bei der Jugend keinen Staat machen. Das kommt auf den Posts in den sozialen Netzwerken gar nicht gut und ist völlig uncool. Zum Glück konnte der jugendliche Mitbewohner seine Gedanken und Wünsche doch noch bündeln und dann einen fast vollständigen Satz formulieren: „Shoppen.“ „Ja, und hast Du Dir schon mal so überlegt, was Du alles einkaufen möchtest?“ „Schuhe. Klamotten halt.“ „Und welche Geschäfte hast Du Dir da so vorgestellt?“ „Weiß nicht.“ Wie gesagt, man darf den Bogen nicht überspannen. Die gedankliche Arbeit im Vorfeld ist mit Sicherheit sehr anstrengend und Details sind auch nicht so wichtig, wie man als Erwachsener manchmal denkt.

Statt Party diesmal also der Trip in die Stadt, der dann schon fast an eine Schnitzeljagd erinnert: Neun Geschäfte in guten zweiten Stunden. Aber was tut man nicht alles für das eine Paar Schuhe. Und die Unterhosen, deren großflächige Werbung zu meiner Zeit noch für Aufsehen sorgte. Und Klamotten, mit denen man auch ungewaschen und unausgeschlafen hip rüber kommt. „Shopping Queen“ ist nichts dagegen. Und, es war trotz knappem Zeitplan noch ein Kaffee für die gestresste Begleitung drin. Aber auch nur deswegen, weil die nämlich unter akuter Blasenschwäche litt und dringend mal wohin musste.

Gut, so ein Geburtstag ist ja schließlich kein Kindergeburtstag. Das verlangt allen Beteiligten einiges ab – einschließlich der Kreditkarte. Ich glaube, da steht ein Besuch bei dem Bankberater meines Vertrauens bevor. Andererseits hatten wir so viel Spaß, dass es jeden Cent wert war, das Budget so maßlos zu überziehen.

Und zu den Glückskeksen wäre noch ergänzend zu sagen: Drei wurden am Morgen nebst Kuchen verspeist. „Es erwartet Sie eine Reise.“ – Check. „ Freuen Sie sich auf schöne Stunden.“ – Check. „Absolute Höchstform. Sie können Berge versetzen.“ – Check. Alles richtig gemacht. Happy Birthday, Lieblingskind! Und bleib wie Du bist.

 

Eure Kerstin (Mami)

Wenn das Leben drückt

Vor ein paar Tagen waren der jugendliche Mitbewohner und ich beim Schuhkauf. Im Gegensatz zu meinen Füßen wachsen die des Nachwuchses nämlich noch. Nicht zu knapp. Und daher gehört der Schuhkauf eher zu den regelmäßig sich wiederholenden, notwendigen Übeln als den Genussmomenten im Tagesablauf. Vor allem wenn es um Sportschuhe für den Schulsportunterricht geht und nicht um trendige Sneaker, mit denen man vor den Freunden Staat machen kann. Auch deshalb, weil die Geldgeberin nicht bereit ist, für Schuhe, die einmal pro Woche für 1,5 Stunden getragen werden, den Rest des Monats bei trocken Brot und Wasser zu darben.

Also wurde, als wir vor den schier endlosen Regalen mit Modellen in allen nur erdenklichen Farben und Ausführungen standen, die Ansage getätigt: „Denk dran, die sind nur für den Sportunterricht, also bitte nicht mehr als €100.“ Der jugendliche Mitbewohner lässt seinen Blick schweifen und bleibt an einem Modell hängen, das er schon mehrmals in verschiedenen Größen getragen und für gut befunden hat. Die wären gut. Prima, denke ich, das ging ja schnell. Einverstanden. Seine Größe ist zwar nicht da, aber der freundliche Verkäufer hat das Damenmodell passend da. Perfekt und man kann beim besten Willen den Unterschied zwischen der weiblichen und männlichen Variante nicht erkennen, wenn es denn überhaupt eine gibt.

Tja, leider kommt man zu dem Schluss, dass der Schuh nicht steif genug ist und eher ein richtiger Hallenschuh benötigt wird. Schade, da geht der schnelle und problemlose Einkauf dahin. Also gut, gehen wir auf die andere Seite des Regals. Schließlich sind wir extra in das erste Sportgeschäft am Platze gegangen, um nicht nur zwischen Streifen und Raubtieren entscheiden zu müssen.

Die Marke der Handballer hat es ihm angetan, wobei gleichzeitig betont wird, dass die Füße eigentlich dafür zu schmal seien. „Ja, dann macht es ja keinen Sinn“. Doch mein Einwand wird entweder nicht gehört oder einfach ignoriert, denn ich muss ihn noch dreimal wiederholen, bevor man sich anderen Optionen zuwenden kann. Der Verkäufer und ich preisen verschiedene Paare an. Einmal ist es die falsche, sprich uncoole, Marke, dann nicht die richtige Farbe (zu viel weiß/grün/blau etc.) oder: „Nein, mit denen habe ich mir meine Fersen kaputt gemacht.“ Ach wirklich? Davon höre ich heute zum ersten Mal. Und so geht es weiter. Der noch immer freundliche Verkäufer und ich tauschen vielsagende Blicke aus.

Irgendwann kommt der Vorschlag der Generation Minecraft, dass wir ja welche im Internet kaufen könnten. „Also, ich bestelle jetzt nicht 10 Paare, um am Ende dann vielleicht zufällig ein passendes zu finden“, entgegne ich und denke: Nur über meine Leiche. Wer holt und bringt denn die Pakete von/zur Post, die nur zu arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten geöffnet ist?

Der eine oder andere ahnt es schon. Nichts passte zu den Füßen und den Anforderungen ständiger pubertierender Stimmungsschwankungen. Sichtlich genervt von der Woche als Mutter, kam dann abends beim Sport die Erleuchtung als die Yogalehrerin das Thema der Stunde wie folgt erklärte: „In letzter Zeit sprechen mich viele an, dass ihr Leben irgendwie nicht passt.“

Stolperstein

Da wurde es mir schlagartig klar: Das Leben drückt. Immer mal wieder. Wie ein Schuh. Die Druckstellen tun weh und lassen einen missmutig werden und schlechte Laune entwickeln. Jeder Schritt schmerzt, wenn der Schuh zu klein ist. Ebenso wie das Leben, wenn es zu eng ist. Und ebenso wie mein Leben oft und an vielen Stellen blaue Flecken hinterlässt, so passt auch das sich wandelnde Leben des jugendlichen Mitbewohners nicht mehr in die Hülle des Kindes und noch nicht in die des Erwachsenen. Auf der Suche nach dem Platz im Leben, muss man viele Schuhe probieren, bis das eine Paar dabei ist, mit dem man durch das Leben oder auch nur durch den Sportunterricht laufen kann, ohne ständig ins Stolpern zu geraten.

Eure Kerstin

Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh

In meinem Post „Aller Anfang ist schwer“ hatte ich ja schon angekündigt, dass ich Schuhen einen extra Platz einräumen wollte.

Nun, Schuhe, vor allem für Frauen, sind ja oft ein sensibles Thema. Wobei, mein Ex zum Beispiel hatte neben mehr Schuhen auch mehr Kleidungsstücke als ich. Männer können also auch bei Schuhen schwach werden. Aber gut, das gehört nicht hierher. Das mit dem Ex. Das mit den Schuhen schon.

Wusstet Ihr schon, dass man/frau bereits nach wenigen Sekunden eine Beziehung zu Dingen aufbaut und diese einem sogleich vertrauter als etwas Neues sind. So waren Versuchspersonen in Experimenten zum Beispiel nicht bereit, einen Gegenstand, den sie erhalten hatten gegen einen gleichwertigen einzutauschen. Ich glaube, auf Schuhe trifft das ganz besonders zu.

Die Herausforderung bei Schuhen ist, dass sie nicht nur besonders schön sind, sondern es auch so, so viele davon gibt. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass eine Reduzierung der Fußschmeichler je nach Lebenswandel (Beruf/Freizeit) mitunter nicht so ganz einfach ist. Turnschuhe können Menschen mit Anzugträgerjobs eben (fast) nur solche Persönlichkeiten wie Joschka Fischer mit seinen weißen Leisetretern überzeugend präsentieren.

Ich gehöre, wie schon mal in meinem Beitrag „These boots are made for walking“ erwähnt, zu den Wesen, die gern unterschiedliche Fußschmeichler ihr eigen nennen. Hinzu kommt, dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit nur mit einer Auswahl an Flachtretern und Sneakers nicht weit komme. Also symbolisch gesprochen. Zudem ist es auch viel gesunder, jeden Tag andere Schmuckstücke zu tragen – sagt man. Und ich weiß das auch.
Für Schuhe gibt es bei mir daher folgende Kategorien:

  1. Rock- bzw. Kleider
  2. Anzug
  3. Jeans/Shorts
  4. Sport

Ich denke, das muss nicht groß erklärt werden, denn Business Hosen verlangen andere Fußbekleidung als Jeans. Und zum Rock gehört eigentlich immer was mit Absatz. So in etwa zumindest. Pro Kategorie kommen dann wieder die unterschiedlichen Jahreszeiten hinzu, wobei es bei Schuhen auch so etwas wie Übergangsüberzieher gibt – kalkulieren wir also mal mit drei.

Und zum Schluss natürlich die verschiedenen Farben. Zu einer blauen Hose kann man keine schwarzen Schuhe anziehen. Allenfalls und in der Not vielleicht grau, aber dann ist Schluss. Und zu einem weißen Rock müssen auch helle oder bunte (je nach Saison) Heels oder Stiefel her. Neben den Basisfarben schwarz, braun und blau braucht es also noch mindestens weiß und rot. Macht grob überschlagen fünf Farben mal drei Jahreszeiten mal drei (Sport lassen wir hier mal weg) Kategorien. Summa summarum: 45 Paare! Gut, das ist jetzt wieder so ein bisschen eine Milchmädchenrechnung, aber es geht ja nur um die grobe Darstellung. Ihr seht, da kommt ganz schön was zusammen.

Was also tun? Schuhe müssen in erster Linie passen. Und zwar so richtig und nicht nur so na-ja-geht-schon-irgendwie. Sowohl von der Passform als auch vom Stil her. Die schönsten Pumps werden im Schrank stehen bleiben, wenn frau damit nicht laufen kann, weil diese an Zehen und Fersen drücken. Ruhig im Geschäft längere Zeit Probe laufen. Im Zweifelsfall nicht kaufen. Zurückgeben von getragenen Schuhen ist in den seltensten Fällen möglich. Schade um das Geld und die Schuhe. Und auch die Füße, wenn man krampfhaft versucht, doch noch miteinander warm zu werden.

Der zweite Punkt ist Qualität. Da freuen sich Eure Füße und auf lange Sicht auch Euer Geldbeutel. Ich würde immer ein „richtiges“ Schuhgeschäft wählen. Ich halte in dem Fall weder etwas von Internetshopping noch von Discountern oder gar schlimmer. Schuhverkäufer sind nicht alle so wie Al Bundy. Also lohnt es sich, sofern man noch keines hat, ein Stammgeschäft zu suchen. Das Verkaufspersonal kennt einen irgendwann – je nach Größe des Geschäftes – und weiß, was man mag und berät kompetent.

Stichwort Geld: Ja, Qualität kostet. Zahlt sich aber auch aus. Die Schuhe halten nämlich länger. Sowohl die Passform als auch das Material sind deutlich widerstandsfähiger. Bestimmt hat jeder schon mal Billigsandalen aus dem Discounter mitgenommen und nach gefühlten zwei Mal Tragen hat sich die Sohle still und leise gelöst. Genau. Schade um das Geld und die Schuhe. Für die Füße ist die Chemie, die in solchen Massenwaren verarbeitet wird, sicherlich auch nicht ganz ohne. Also: Lieber etwas mehr ausgeben und sich lange freuen.

Aufgrund des Nachhaltigkeitsmonats bin ich meinem Fundus durchgegangen, um zu sehen, wie so die Haltbarkeitsdaten sind. Mein ältestes Paar ist mittlerweile 17 Jahre alt und mit der Zeitspanne bis zu zehn Jahren besitze ich 16 weitere. Pflege, dazu gehört auch Schuhe putzen, zahlt sich also aus.

Schuhe

Apropos lange freuen: Sie sterben zwar aus, aber vereinzelt gibt es sie noch: Schuster. Auch hier meine ich den echten Schuster und nicht den Mister, der im Supermarkt im Untergeschoss Schuhreparatur, Schlüsselservice und sonst was anbietet. Schuster dauert länger, kostet mehr, hält aber dann auch länger. Ergo: Kostet nicht mehr.

Noch ein Wort zum Material: Ich weiß, Leder ist eine menschliche und ökologische Katastrophe. Ich kann es natürlich nicht wirklich überprüfen, ob der billige Schuh nicht von den gleichen (Kinder)-händen gefertigt wurde wie der teure, aber in dem Fall ist Qualität das Schlagwort, wenn man denn nicht ohne kann. Es gibt allerdings inzwischen auch viele Labels, die nachhaltige Schuhherstellung betreiben. Einfach mal online nachschlagen. Und dann lokal kaufen. Vielleicht werdet Ihr fündig und entdeckt Euer neues Lieblingspaar.

Nachdem nun im Schuh- und Kleiderschrank Platz und Ordnung herrscht, geht es an die Kür.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tatort Schuhschrank, Tag 18

Nach der ungemein erfolgreichen Aktion von gestern, ist heute im Anschluss gleich der Schuhschrank dran.

Tatort: Diele, Schuhschrank.18 Tag

Tatbestand: Schwarze Samtpumps mit Fellimitatschleifchen. Die Schuhe musste ich seinerzeit einfach haben, da diese so süß aussahen. Leider passen sie nicht so richtig und ich schluppe hinten ständig raus. Nachdem ich inzwischen bald mehr Geld in die Behebung dieses Makels (Einlagen, Klebepads, usw.) gesteckt habe, als die Schuhe ursprünglich gekostet haben, ist es an der Zeit, einzusehen, dass manchmal schöne Dinge eben einfach nur schön anzuschauen sind, aber im Alltag bisweilen völlig unbrauchbar.

Tatortsäuberung: Mal sehen, ob der Altkleidercontainer noch aufnahmefähig ist.

 

„These boots are made for walking“ – von Märchen und Prinzen

Leseecke“Welches sind Ihre Lieblingsschuhe und wohin sind Sie mit diesen gegangen?“

Um hier gleich ein typisches Vorurteil zu bestätigen: Diese Frage lässt sich nicht einfach so beantworten. Frauen haben nicht nur ein Paar Lieblingsschuhe. Viel mehr ist eher so, dass alle Schuhe Lieblingsstücke sind. Und nie hat frau die passenden Treter zum Outfit. Das ist fast so wie mit Vasen. Egal, wie viele man hat, es ist nie die Richtige dabei. Hinzu zu fügen ist auch, dass die wenigsten Frauenschuhe zum (längeren) Gehen geeignet sind.

Ich erinnere mich da einen Theaterbesuch vor ein paar Jahren, bei dem ich Schuhe anhatte, die sich nur im stehenden und sitzenden Zustand tragen ließen, so dermaßen hoch waren die. Damit ich ohne gebrochene Gliedmaßen den Weg von und nach Hause überstehen würde, hatte mir extra ein zweites Paar Ballerinas eingepackt. Meine Füße schmerzten trotzdem höllisch am Ende des Abends. Da fragt Mann sich zu Recht, warum Frau sich so etwas antut. Zumal ich mir ziemlich sicher bin, dass es nicht wirklich elegant aussah, wie ich mit zusammen gebissenen Zähnen und wie auf Eiern gehend, ein Glas in der Hand balancierend, durch das Foyer tapste. Da hilft es auch nichts, wenn es sich dabei um sündhaft teure, spitzenbespannte Seiden-Peeptoes handelt. Was ich damit sagen will: Frauen – ich – lieben Schuhe auch deswegen, weil es zu jedem Paar eine Geschichte gibt und bei jedem Schuhkauf hat man ein bestimmtes Outfit im Kopf, zu welchem der Fund perfekt passt. Manchmal ist auch der Schuh, der einfach die Stimmung perfekt wiedergibt.

Bei einem gemeinsamen Einkaufsbummel mit meinem späteren Ex zu einer Zeit, als schon nichts mehr zu retten war, standen wir in einem Schuhladen und ich habe dieses etwas schrille Paar Riemchenpumps gesehen. Meine Begleitung schien sichtlich überrascht, dass ich etwas derart Ausgefallenes in Erwägung zog. „So was hätte ich Dir früher gern gekauft.“ Da wusste ich, dass ich nicht ohne aus dem Geschäft gehen konnte. Von daher sind Schuhe auch so etwas wie Lebensabschnittsgefährten, die wir oftmals viel länger pflegen als deren menschliche Namenspaten. Selbst Nancy Sinatra nutzte ihre Stiefel, um den Besungenen für seine Untreue und Lügen zu strafen, und mit eben diesen irgendwann über ihn hinweg zu laufen.

Zum Beispiel geht nichts über echte Lederschuhe mit gleicher Sohle. In meinem Besitz befindet sich ein Paar schwarze Loafers, die ich schon diverse Male habe besohlen lassen und unzählige Male neue Absätze verpasst habe. Aber sie sehen immer noch tadellos aus und tragen sich wunderbar. Wahre Galoschen des Glücks. Wobei diese ihren Trägern bekanntlich kein Glück gebracht haben. Was mich zu der Überlegung bringt, ob mir Schuhe schon jemals Glück gebracht haben. So wie bei Aschenputtel, die der Prinz an Hand des verlorenen Schuhs findet. Ok, ich habe noch nie nur einen Schuh verloren. Ist also fraglich, ob es dann mit dem Prinzen klappt. Und ich frage mich auch immer, wenn ich denn mal ein verlassenes Exemplar an zum Teil recht ungewöhnlichen Orten entdecke, wie man nur einen Schuh verlieren kann. Hat vielleicht mit dem gleichen Phänomen wie die Sache von dem einen Socken, der in den Tiefen der Waschmaschine verschwindet, zu tun. Gut, manche Dinge muss man einfach nehmen, wie sie sind.

Bei Schuhen ist das anders. Diese müssen dem Fuß schmeicheln und die Persönlichkeit des Trägers wiederspiegeln. Ich mag Schuhe, die bis zu einem gewissen Grad auffallen. Gern trage ich zu einem schlichten grauen Anzug rote Lackschuhe. Oder silberne Sandalen zum luftigen Sommerkleid. Oder pink-orange Pantoletten zur Jeans. Zum ausgeprägten Schuhtick fehlen mir allerdings das nötige Kleingeld und die richtige Schuhgröße. Bei einer 35 beschränkt sich das Angebot in einem normalen deutschen Schuhladen auf die Kinderabteilung. Bleibt also noch die Designerecke oder der Shoppingtrip in südlichere Länder, in denen Frauen mit dieser Größe offensichtlich zum Durchschnitt gehören. Noch spannender ist es, Schuhe im Internet zu kaufen.

Obwohl. Zu Beginn des Winters 2006 habe ich einmal Stiefel in meiner Größe dort erworben. Bis dato habe ich mich immer damit begnügt, eine 36 zu kaufen und Sohlen einzulegen. Ist im Winter und wenn man so wie ich immer schnell friert, nicht das Schlechteste. Sieht man ja auch nicht, anders als in Sandalen zum Beispiel. Die müssen eben passen. Die besagten Stiefel waren perfekt und sind es noch immer – sechs Winter später. Und demnächst werde ich sie aus ihrem Sommerlager hervor holen und mich daran erinnern, wie ich damals mit nigel-nagel-neuen Stiefeln nach New York zum Christmas Shopping geflogen bin und keine einzige Blase das Vergnügen geschmählert hat.

In die gleiche Kategorie fallen auch meine Wanderschuhe. Wahrhafte Namensvertreter, die ihren Zweck, nämlich Gehen, vollends erfüllen. Echte Siebenmeilenstiefel, gemacht, um die Welt zu erforschen. Vielleicht nicht so schicksalhaft, dafür annähernd so mühelos. Bergauf, bergab. Nur barfuss Laufen ist schöner. Überhaupt geht nichts über das Laufen mit bloßen Füßen. Sommers wie Winters fröne ich diesem, wenn ich zuhause bin. Hier und da gibt es auch Barfusspfade, bei denen die verschiedenen Untergründe ergangen werden können. In Schuhen selbst bin ich auch gerne barfuss. Daher zählen meine Uggs ebenso zum Kreis der Lieblingsschuhe wie Flip Flops. Beides keine Schuhe, die den Füßen wirklich schmeicheln, wenn wir mal ehrlich sind. Es ist also gar nicht so einfach, die perfekten Lieblingsschuhe zu finden. Genauso wie den perfekten Prinzen. Frau muss lange Suche. Von daher komme ich hierfür auf den namensgebenden Song zurück: “Are you ready boots? Start walkin’!”

Eure Kerstin