Von Weißkitteln und anderen Dingen, die nicht von dieser Welt sind

Es wirken mit:Mystik

  • Nackte und nüchterne Tatsachen
  • Die Freundin und die Liebe
  • Eine Banane und ein Bounty
  • Weißkittel und andere überlebensgroße Gestalten

Unlängst durfte ich vier Tage im Krankenhaus zubringen. Also, nicht auf einmal, sondern schön verteilt auf kleine Häppchen. Das hatte mehrere Vorteile: Ich konnte jeweils nicht lange nachdenken, sondern wurde direkt und unmittelbar mit allem konfrontiert. Und ich habe nahezu zwei Bücher in dieser Zeit gelesen. „Der raffinierte Mr. Scratch“ (444 Seiten) und „Die Bücherdiebin“ (586 Seiten). Von daher weiß Ich nun, dass es einen Unterschied zwischen dem Tod und dem Teufel gibt und dass beide sehr, sehr menschlich sind und ein großes Herz haben. Vielleicht nicht die beste Lektüre, wenn man sich an Orten rumtreibt, an denen Dinge sich mitunter zwischen Leben und Tod bewegen. Andererseits wäre das selbst für mich doch ein bisschen zu mystisch gewesen.

Bis zu jenen schicksalhaften vier Tagen, war ich in bisherigen meinem Leben nur dreimal in Folge von Verletzungen im Krankenhaus und einmal zur eigenen Geburt und der des Nachwuchses. An das das erste Mal erinnere ich mich nicht mehr. Da muss ich so vier oder fünf gewesen sein und mein schon damals ausgeprägter Sturkopf schloss unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Türstock, der als Sieger hervorging und mir eine Platzwunde bescherte, die genäht wurde. Tja, ob es daran lag, dass ich mich gern erinnern oder die Sturheit meines Schädels zu einem späteren Zeitpunkt nochmals testen wollte, kann ich nicht so genau sagen, aber jedenfalls wurde das Experiment in ähnlicher Konstellation wiederholt. Doch leider zog mein Kopf auch beim zweiten Mal den Kürzeren, so dass ich heute zwei Narben als Trophäen auf der Stirn trage. Beim dritten Mal durfte ich mir eine Tetanusspritze in den Allerwertesten jagen lassen, die dafür sorgte, dass ich mein aufgeschürftes Knie völlig vergaß, weil ich so damit beschäftigt war, eine schmerzfreie Sitzposition zu finden, die erträglich war.

Und nun also das: Vier Aufenthalte in zehn Tagen. Als sich bei Nummer drei der erste Schock über die Tatsache, dass ich neben meiner ersten OP auch noch gleich die Premiere einer Vollnarkose erleben beziehungsweise verschlafen darf, gelegt hatte, fragte ich mich insgeheim schon, ob ich dafür den „richtigen“ Tag ausgesucht hatte. Schließlich war es der Todestag meiner Mutter. Aber das wäre dann selbst für mich etwas zu mystisch gewesen.

Auf dem Monitor kann ich meinen Herzschlag sehen, der wie ein aufgeschreckter Schmetterling wild in meiner Brust flattern und den ich verzweifelt mit sanften Bildern und Atemübungen versuche, zu beruhigen. Selbst die Schwester blickt ein paar Mal sorgenvoll in meine schreckgeweihteten Augen. Der diensthabende Anästhesist versichert mir, dass sie „ein ganz tolles Schlafmittel“ haben und sie „gut auf mich aufpassen“ werden. Wenn man mit einem rasenden Puls und völlig nackt und seit fast zwanzig Stunden nüchtern, also fast am Verhungern, auf einem Gitterbett liegt und mit zig Dioden und Schläuchen verkabelt ist, wirkt das nicht gerade vertrauenserweckend. Der Schmetterling in meiner Brust sorgt dafür, dass ich das Rauschen meines Blutes bis in die Haarwurzeln fühlen kann. Und dann sehe ich mich auf einer Bank vor meiner Hütte in den Bergen Hand in Hand mit dem Mann an meiner Seite sitzen, während die letzten Sonnenstrahlen durch das Tal vor uns ziehen. Und dann ruft jemand unsanft meinen Namen. Und noch mal. Tja, so brutal kann die Wirklichkeit sein und so schnell sind zwei Stunden vorbei. Der beste Schlaf, den ich seit Ewigkeiten hatte. Alles andere wäre selbst für mich etwas zu mystisch gewesen.

Noch etwas wacklig auf den Beinen, vor allem aber leicht benebelt im Kopf, holt mich meine Freundin später ab. Keine drei Stunden nach dem Eingriff. Ein Segen und zugleich Fluch der modernen Medizin: Ambulant versorgt und zuhause auskurieren. Für mich heißt das auch, die Mutterrolle in gewohnter Weise ausfüllen. Doch später dann, als es ganz still um mich herum ist, sitze ich auf der Küchenbank, genieße ich die Banane, die mir meine Freundin fürsorglich eingepackt hat und das Bounty, welches ich mir immer bei besonderen Bergtouren und dann als Gipfelbelohnung gönne. Ein bisschen Mystik tut manchmal eben ganz gut.

Eure Kerstin

 

P.S.: Das Buch „Mystik an der Leine des Alltäglichen“ kann ich nur jedem empfehlen. Auch ohne Krankenhaus. Die beiden im Text genannten Lektüren natürlich auch.

 

 

Glaubensbekenntnis

Seelenfunkeln hat vor ein paar Tagen meinen Post Lebenslinien kommentiert. Ein recht kurioser Zufall, bin ich doch da bereits mit der Idee zu einem Beitrag in Bezug auf Horoskope schwanger gegangen. Ob man das schon als Zeichen deuten kann?

Ich glaube ja nicht so recht an Wahrsagerei und dieses ganze Zeug. Dies hindert mich allerdings in keinster Weise daran, mein Horoskop zu lesen. Meist Vergesse es dann aber aus obigem Grunde auch gleich wieder. Außerdem ist meine interne Festplatte eh schon am Limit, so dass ich dafür wahrhaftig keinen Speicherplatz opfern möchte.

Obendrein bin ich ein Anhänger (hört, hört) der These der selbsterfüllenden Prophezeiung. Im übertragenen Sinne also ein Ödipuskomplex. Aus Angst vor dem Schicksal, versucht man dieses zu verhindern, unternimmt unzählige Irrfahrten – stopp, das war ja Odysseus – nur, damit es sich dann genau so zuträgt. Meine Schulzeit – insbesondere der Deutschunterricht – hat offensichtlich nachhaltig Spuren hinterlassen. Nun ja, vielleicht lässt sich das noch etwas anschaulicher darstellen.

Wir alle kennen aber das Phänomen: Mitmenschen, die steif und fest behaupten, bei Vollmond würden sie schlecht schlafen. Rein wissenschaftlich betrachtet, ist dies völliger Humbug und bar jeder Grundlage. Nun die Frage: Wenn diese Mondsüchtigen nicht wüssten, dass Vollmond ist, würden sie auch dann schlecht schlafen? Oder anders herum: Schlafen sie nur deswegen schlecht, weil sie Angst haben, schlecht zu schlafen? Allen Schlaflosen, zu denen ich mich, trotz Ungläubigkeit, auch zähle, rate ich, ein Schlaftagebuch zu führen. Daraus lassen sich dann schicke Excel-Tabellen basteln, mit denen man schlaflose Vollmondnächte mit schlaflosen Nicht-Vollmondnächten vergleichen kann. Unter Umständen erlebt da der eine oder andere ein echtes Wunder.

Nun ja, wie dem auch sei. Ich schweife mal wieder ab. Horoskope, da waren wir. Wie gesagt, vorausschauend kann ich diesen nicht viel abgewinnen. Ganz anders sieht dies im Rückblick aus. Wenn das Horoskop sozusagen schon fast abgelaufen ist und ich es dann lese. Dann lasse ich die Ereignisse ganz gern mal Revue passieren und lege Forecast und Actual (sehr schön, wie sich harte Geschäftstermini auf so etwas Diffuses wie astrologische Vorhersagen übertragen lassen) übereinander.

So geschehen letzte Woche.Horoskop

Und was soll ich sagen: Nahezu 100% Erfüllungsrate. Davon träumt so mancher Finanzer und/oder Prämienbevollmächtigter. Da spielt es dann auch schon fast eine untergeordnete Rolle, dass der Ausblick ja eher negativer Natur ist. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich wirklich und wahrhaftig so richtig schlechte Laune hatte. Die ganze, schier endlose Woche lang. So schlecht, dass ich grottenschlecht geschlafen haben. Trotz nicht vorhandenem Vollmond. Das soll mir erst mal jemand nachmachen.

Bisweilen bekenne ich mich also dann doch gläubig. Zumindest ansatzweise. Denn Teil zwei ist mir das Horoskop schuldig geblieben. Vor lauter Gemütsverstimmung war ich jedenfalls nicht in der Lage, eine Ablenkung zu finden. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich es schlussendlich nicht verdient habe, denn wie gesagt, die Idee zu dem Post hatte ich bereits vor dem 14. März. Und meine Gedanken waren da schon recht fleißig auf Horoskope und deren Wahrheitsgehalt getrimmt. Da könnte ja dann jemand an höherer Stelle ganz bewusst gegengesteuert haben. Was im weitesten Sinne wieder für die selbsterfüllende Prophezeiung (Horoskope sind Mumpitz) sprechen würde. So von wegen: Auf die Ablenkung bin ich ja mal gespannt. Mal sehen, was noch so passiert. Und vor lauter Warten und Erwartung, passiert natürlich nichts. Vielleicht kam die Ablenkung sogar vorbei und hat Hallo gesagt und ich habe sie weitergeschickt, weil ich ja gewartet habe. So, wie der „Witz“ von dem Ertrinkenden, der zu Gott betet. Wieder so ein kurioser Zufall, dass ich dazu auf der Seite Jakobsweg-Begleiter fündig geworden bin. Die Gläubigen würden jetzt wieder von einem Zeichen sprechen.

Die Wahrheit liegt natürlich mal wieder ganz woanders. Manch einer ahnt es schon: Es kommt nicht nur auf die Hörner an, mit denen man sich dem Schicksal bockig in den Weg stellt, sondern vor allem auf das richtige Sternzeichen.

Eure Kerstin

Tatort Badezimmer, Tag 16

Heute Endspurt im Bad. Dann suche ich mir ein neues Schlachtfeld.

Tatort: Badezimmer, Schrank.16 Tag

Tatbestand: Unbenutztes, aufblasbares Nackenkissen. Ich persönlich finde die Dinger total unbequem und mitunter unangenehm.

Tatortsäuberung: Als Geschenk ungeeignet, da mit Werbeaufdruck. Ab in die Tonne. Vielleicht lasse ich es vorher noch platzen, indem ich beim nächsten Wutanfall einfach drauf springe.