Zeitreisen in die Gegenwart: Der Herzschlag-Wecker

Sicher bin ich mir nicht, aber die ersten Augenblicke eines neuen Morgens sind sicherlich etwas sehr Individuelles und Persönliches, ja sogar Intimes. Rituale spielen dabei und im Leben überhaupt eine große Rolle, geben uns Halt, Richtung und sind auch Routinen, die wir nicht immerzu und ständig neu erlernen müssen. So kostet jede Veränderung Energie, Kraft und je nach Dauer und Intensität auch Nerven. Besonders, wenn man selbst wenig bis gar keinen Einfluss auf diese hat.

Und ich weiß, wovon ich rede, denn mein Badezimmer wird renoviert. Und das nun schon seit vier Monaten. Und nein, ich habe kein Dixi-Klo im Vorgarten und wasche mich nicht notgedrungen, weil Badeanstalten und Wellnesstempel (mal wieder) geschlossen sind, an der Spüle. Ich schwelge im Luxus, ein zweites Badezimmer zu besitzen, auch wenn es vom Ursprungsgedanken her das des jugendlichen Mitbewohners ist.

Über was ich allerdings nicht verfüge, ist ein zweites Schlafzimmer. Leider. Meines ist nämlich aufgrund der baulichen Gegebenheiten derart mit dem Badezimmer verbunden, dass es eben während der Umbaumaßnahmen nicht nutzbar ist. Großes Leiden geht damit einher. Allseitiges wohlgemerkt.

Inzwischen betreibe ich so etwas wie Camping in der eigenen Wohnung. Mal schlafe ich auf der Couch, dann im Büro/Gästezimmer auf dem 70cm breiten Futonbett, oder ich nächtige ebenerdig auf einer aus allen Decken, die mein Haushalt so hergibt, konstruierten Bettstatt. Das ist einerseits ganz schön, weil man so immer eine andere und wechselnde Perspektive hat, andererseits aber sich allmorgendlich erst einmal sortieren und fragen muss, wo man gerade ist, wie man dorthin gelangt ist und wann der Spuk endlich vorbei ist. Der Stresslevel ist ergo schon vor dem eigentlichen Morgen auf der Beschleunigungsspur, zumindest bei mir.

Und was diesen dann noch zusätzlich verstärkt, ist die Tatsache, dass ich auf meinen geliebten Radiowecker verzichten muss. Also, eigentlich ist es eher eine Hassliebe, wenn man so will, denn zum einen leuchtet das Display zu nachtschlafender Zeit dermaßen hell, dass ich immer ein Tuch darüberlegen muss, damit auch tatsächlich so etwas wie Dunkelheit herrscht. Dann lässt sich natürlich die Uhrzeit nicht mehr ablesen, aber das ist sowieso so eine Sache, denn, und das wäre der Punkt „zum anderen“, der – Achtung – Funkwecker geht falsch. Also, gehen tut er natürlich nicht, aber die Zeit wird falsch angezeigt. Und zwar mit zunehmendem Alter, also das des Weckers, meines ist ein anderes Thema, gleichermaßen zunehmend. Mittlerweile sind so im Laufe der Jahre fast vierzig Minuten zustande gekommen, die der Wecker seiner Zeit voraus ist. Und, ja, richtig gelesen, es ist ein Funkwecker. Ich weiß, das erscheint unlogisch, unplausibel und total unmöglich, ist aber so. Anfangs habe ich mich noch gewehrt und nach einem Zauberknopf gesucht. Jede Menge hübscher Tasten sind vorhanden, aber eine, um die Uhrzeit einzustellen, ist nicht dabei. Macht ja auch Sinn, es ist ja ein Funkwecker, der sich nach dem Funksignal einstellt bzw. einstellen sollte. Nun, wir haben ja alle unsere Macken, warum also nicht auch ein Funkwecker, der das ihm gesendete Signal einfach ignoriert und nach seiner eigenen Zeit lebt. So gesehen eine schöne Vorstellung, nach der eigenen Zeit zu leben, unabhängig und losgelöst.img_1508

Aber zurück zum Indoor-Camping und der Herausforderung des Aufwachens in einer Wohnung, die mittlerweile mehr Baustellen- und Lagerhauscharakter hat, als my-home-is-my-castle-Eigenschaften, denn miteinhergehend mit dem nächtlichen Wanderlager verzichte ich eben auch auf den hassgeliebten Radiowecker. Ausstöpseln, Einstöpseln. Nein, noch mehr Arbeit kann ich beim besten Willen nicht brauchen. Stattdessen muss, in Ermangelung eines adäquaten Zweitweckers, das Handy herhalten.

Und auch, wenn ich zwischenzeitlich der Technik Herr geworden bin, so hat das Aufwachen mit mobilem Endgerät noch immer eher so etwas wie Feueralarmcharakter. Sanft und liebevoll aus dem Reich der Träume geholt werden, geht anders.

Und auch da weiß ich, wovon ich rede, denn wenn der Wecker an meiner Seite, der mein Herz immer mal wieder aus dem Takt bringt, mich guten-morgen-küsst, dann ist das ein von Routine weit entferntes Ritual und der perfekte Start in jeden noch so nervenaufreibenden Tag. Danke.

Tatort des Monats August

Am besten lassen sich doch Tatorte reinigen, bei denen man nicht persönlich befangen, sprich betroffen, ist. Anderer Leute Probleme löst man bekanntlich schließlich auch viel besser und schneller als die eigenen. Also bin ich diesmal fremdgegangen. Wenn auch nur in einem anderen Zimmer…äh Universum, denn der Tatort befindet sich in der Hand des jugendlichen Mitbewohners. Es ist also Vorsicht geboten.

Tatort: Kinderzimmer

Tatbestand: Kleidung aller Art

Tatortsäuberung: Leichter als erwartet. Offenbar entwickelt man/frau den Hang zum Sammeln und Horten erst in einem späteren Lebensstadium. Obwohl es nach diversen Diskussionen, „das passt Dir doch aber noch“, eher eine Geschmacksfrage zu sein scheint und dieser ändert sich beim Nachwuchs öfter mal aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen. Insofern war die Ausbeute vor allem reichhaltiger als erwartet – siehe das einsame, einzelne T-Shirt, welches noch ein Bleiberecht ergattern konnte (es sind natürlich mehr T-Shirts noch im Fundus, allerdings in der Wäsche, denn der Wäschekorb liegt, egal wo er steht, immer näher als der Schrank, was einen wundert, aber nicht so ganz hierher gehört). Es sei der Jugend vergönnt, sich kleidertechnisch auszutoben und einen eigenen Stil zu finden.

Aber gut, beide Akteure sind ohne bleibende Schäden und Blessuren davon gekommen und die bevorstehende Zimmerrenovierung hat beim Bewohner für die nötige Motivation gesorgt. Wobei allerdings eher die Aussicht auf die Einnahmen aus dem Secondhand-Verkauf der Grund für die Großzügigkeit waren. Na, wenn sich da mal nicht jemand bei der Beweisaufnahme verrechnet hat.

Tatort Monat Mai

Diesmal hat es etwas länger gedauert. Im wahrsten Sinne des Wortes. Und noch mal w2014_05 Iird der Tatort zum Fundort: Der Tag, an dem meine Toilette plötzlich im Garten lag.

Tatort: Badezimmer – wie unschwer zu erkennen ist.

Tatbestand: 40 Jahre altes Bad mit braunen Blümchenfliesen. Eine großartige Kulisse, um mal eine groß angelegte Tatortaufräumaktion zu veranstalten.

2014_05 II

Tatortsäuberung: Ok, ich gebe es zu, für diesen Tatort war ich nicht gut genug ausgebildet und musste mir Hilfe von außen holen. Hat sich gelohnt, würde ich sagen.