Konflikte und Kompromisse

Neben den ganzen Schwierigkeiten, die einem die Lebensmittelindustrie in Punkte Nachhaltigkeit so in den Weg legt, kommen die persönlichen und familiären Konflikte hinzu. Und die sind oft weit schwieriger zu handhaben als das bewusste Einkaufen.

Fangen wir mal mit meiner persönlichen Konfliktsituation an: Das wäre der Zeitfaktor. Wer wie ich ebenfalls eine 40+ Stundenwoche hat und einen jugendlichen Mitbewohner, der weiß, wovon ich rede. Da können Stunden, die man für sich irgendwo abzwackt, schon mal zu überlebenswichtigen Schatzkästchen werden. Also schließt man einen Kompromiss. Mit der Zeit und dem Gewissen. Für mich heißt das: Ein großer Wocheneinkauf (mit kleinen Ausnahmen) im Supermarkt um die Ecke (der ein wirklich umfangreiches Angebot hat).

Einmal pro Woche einkaufen, das ist natürlich, was Frische angeht, nicht so ganz unproblematisch. Ein Salat, den ich am Samstag kaufe, wäre am Donnerstag sicherlich nur noch als Kompost- und Schneckenfutter zu gebrauchen. Hier kommt der Plan, den ich gestern kurz erwähnt hatte, ins Spiel. Ohne Essenplan bzw. eine Vorstellung davon funktioniert das System nicht. So lassen sich auch viele Nahrungsmittel besser kombinieren und in verschiedene Gerichte/Mahlzeiten integrieren und es bleibt weniger übrig. Wichtig ist, dass man sich an den Plan hält und nicht noch dies und das mitnimmt, weil es gerade im Angebot ist oder so lecker aussieht. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Absoluter Wunsch wäre es natürlich, sich auf dem Markt mit allem einzudecken. Aber der bietet logischerweise auch nur Marktware an, so dass ich dann noch zusätzlich in den Supermarkt müsste. Ein sogenannter plastikfreier Markt, oder einer, der Nahrungsmittel lose verkauft, wären super. Der nächste ist aber 30 Kilometer weg. Aus meiner Sicht lohnt sich das nicht aufgrund der Fahrweges. Im Moment nehme ich das zähneknirschend hin, aber ich arbeite an einer Lösung, weil ich mich damit mittelfristig nicht abfinden will. Wie sagt Andre Wilkens so schön: „Alternativen zu haben ist der Kern der Freiheit.“ Absolut.

Im Supermarkt kommt wie gesagt nur Bio bzw. regionales, saisonales Bio in den Korb. Das klappt soweit ganz gut, weil der Markt eben entsprechend sortiert ist. Hat aber seinen Preis. 500g regionaler Zucker kosten so 2,50€ und 1kg Mehl 2,80€. Das Bio-Huhn schlägt mit gut 10€ für 500g zu Buche. Als Konsequenz bleibt im Zweifel, weil vielleicht zu teuer, dann nur der Verzicht und es gibt eben nur einmal die Woche Fleisch, was auch noch gesünder ist.

Unser Land

Neben dem persönlichen Konflikt, kommt dann die Herausforderung Supermarkt hinzu. Wer gestern aufgepasst hat, hat vielleicht bemerkt, dass nur Fisch in die mitgebrachte Box kommt. Von Fleisch stand da nichts. Genau. Schwierigkeit Nummer eins: Heutzutage sind die meisten Fleischwaren bereits abgepackt in der Kühltheke. Da mache ich immer einen großen Bogen drum herum. Leider gibt es das Bio-Flesch nur fertig abgepackt, aber ich frage immer wieder, ob es nicht auch Bio an der Theke gibt. Vielleicht ändert sich das ja irgendwann.

Auch will man meine Box an der Theke nicht annehmen. Zuerst hieß es ,aus hygienischen Gründen wäre das nicht möglich. Dann habe ich mich schlau gemacht und gelernt, dass die Box einfach oben auf der Theke stehen bleiben muss, dann gelte das Argument nicht mehr. Gesagt, getan. Dann war die Aussage, dass das nicht ginge, weil von wegen Bon für die Kasse und so. Also, im Grunde wollte man mir unterstellen, dass ich die Ware in meine Tasche packe und nicht an der Kasse vorzeige. Ist so meine Vermutung. Aber ich war schon vorbereitet und konnte kontern, dass es beim Brot auch funktionieren würde. Woraufhin mein Stoffbeutel mit dem aufgeklebten Bon sehr genau begutachtet wurde. „Ja, also, das muss ich aber erst mit der Marktleitung abklären“, war dann die Antwort. Schön, nun frage ich also regelmäßig nach Bio-Fleisch und ob das mit der Marktleitung schon geklärt ist. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das kostet Kraft und Mut, weil man sich eben nicht einfach abspeisen lässt. Beim Fischmann muss ich mir auch immer anhören, dass man den Fisch nur widerwillig in meine Box bettet, weil diese aus Plastik ist und keine Luft dran kommt. Ja, aber sie ist auslaufsicher und zuhause wird das arme Tier befreit. Und dann muss ich immer bestätigen, dass dies innerhalb der nächsten halben Stunde passiert. Nur so nebenbei: Der Fischmann wickelt den Fisch immer in zwei Lagen beschichtete Folie und dann in eine Tüte. Ich bin ja kein Fisch, aber da könnte ich ebenso wenig atmen. Wie gesagt, es kostet Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Es fühlt sich aber auch immer wie ein klitzekleiner Sieg an, wenn man einen Zug getan hat und merkt, dass es vorwärts geht.

Für die familiären Konfliktsituationen und die dazugehörigen endlosen Kompromissverhandlungen schreibe ich einen extra Beitrag. Den gibt es morgen, denn ich muss mich an den Essenplan für die nächste Woche machen und allein das ist Stoff für unzählige Konflikte.

Essensplan

 Also dann, action!
Eure Kerstin

Lebensmittel – Mittel zum Leben

Mit dem Kapitel Lebensmittel kommen wir sicherlich zu dem schwierigsten Thema. Zum einen, weil wir heute zu den Lebensmitteln keinen unmittelbaren Bezug mehr haben und zum anderen, weil wir die Sorglosigkeit, mit der wir Lebensmittel konsumieren, nicht wirklich spüren.

Mahlzeit

In Deutschland sind nur noch 2,3% der Beschäftigten in der Landwirtschaft tätig. Anfang des 20. Jahrhunderts traf das noch auf die Hälfte der Bevölkerung zu. Das Szenario, dass bald niemand mehr weiß, woraus Brot besteht und wo die Milch herkommt, ist also gar nicht so utopisch. Wir entfremden uns von der Herstellung und der damit verbundenen Wertschätzung.

Dies trifft insbesondere auf die Produktion von Wurst- und Fleischwaren sowie die Milcherzeugnisse zu. Wir kennen alle die Bilder aus der Massentierhaltung, die es uns erlaubt, 1l Milch für unter 0,50Cent und ganze Hähnchen für 1,99€ zu erwerben. Die Frage ist eigentlich nur, wie viel Zeit wir noch haben, bevor die Nebenkostenabrechnung fällig ist.

Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 15.000 Menschen an Infektionen, die durch antibiotikaresistente Keime verursacht sind. Doch nur der massive Einsatz von Antibiotika garantiert eine schnelle und billige Aufzucht. Monokulturen können nur mit Dünger und Schädlingsbekämpfungsmitteln maximalen Ertrag liefern. Lange Haltbarkeit und frisches Aussehen werden mit Aroma- und Zusatzstoffen erzeugt, so dass im Grunde ein Beipackzettel nötig wäre, so künstlich sind unsere Lebensmittel inzwischen.

Und da es uns keine Mühe kostet, da wir alles portioniert und abgepackt im Supermarkt zu Spottpreisen kaufen können, schmerzt es auch nicht sonderlich, wenn es wie gekauft in den Müll wandert. 11 Tonnen Nahrungsmittel werfen wir im Jahr weg. Pro Kopf macht das 82kg, wovon 2/3 noch genießbar gewesen wären. 2013 belief sich die Summe auf 21,6 Milliarden Euro!

Lebensmittel sind so billig wie nie zuvor in der Geschichte. 15% des Einkommens werden in Deutschland dafür aufgewendet. 1970 waren es noch 30%. Was früher Luxus war, ist heute alltäglich. Für 10 Eier musste man 1960 noch 50 Minuten arbeiten, 2011 waren es gerade mal 8 Minuten. 500gr Kaffee konnte man sich 1960 nach 3,5 Stunden leisten, 2011 reichten bereits 21 Minuten. 1l Milch schlug 1960 mit 11 Minuten zu Buche, 2011 waren es nur noch 3 Minuten. Einzig der Fischpreis ist gestiegen, was einmal mehr ein Zeichen der Überfischung ist. (http://www.wirtschaftundschule.de/)

Wenn man im Gegenzug den sogenannten virtuellen Wasserfußabdruck dagegen rechnet, wird das Ausmaß vielleicht noch etwas deutlicher: Für ein Ei werden 3.300l Wasser benötigt, 1kg Kaffee belaufen sich auf 21.000l Wasserverbrauch (macht 140l pro Tasse) und für 1l Milch muss man 1.000l Wasser aufwenden. Beim Fleisch stellt es sich dann folgendermaßen dar: 1kg Rind = 15.455l Wasser, 1kg Schwein = 4.800l Wasser und 1kg Geflügel = 3.900l Wasser. Man stelle sich nur mal die Badewannen vor. Zum virtuellen Wasserfußabdruck gibt es eine schöne Seite http://www.virtuelles-wasser.de/virtuelles_wasser.html, die jede Menge Futter fürs Hirn bietet.

Die Bezeichnung Lebensmittel hat also irgendwo seine Bedeutung verloren. Wir leben nicht mehr mit der Nahrung, sie ist für uns zum reinen Mittel zum Zweck geworden. Mit unserem Bedarf leben wir über unsere Verhältnisse, die weder auf unseren eigenen körperlichen Fähigkeiten, noch auf den lokalen/regionalen Ressourcen basieren.

Was tun? Ist Bio die Antwort? Wie sieht es aus? Besser, oder nur teurer? Morgen geht es weiter.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Wahre Schönheit kommt von innen

Sicherlich lässt sich über das Kapitel Hygiene und Schönheit noch so einiges mehr sagen. Wir, vor allem Frauen, investieren gern auch mal ein paar Extra-Cent in das eine oder andere vielversprechende Schönheitsmittelchen. Der schöne Schein lockt und weckt Begehrlichkeiten. Nur allzu gern glauben wir den Versprechen und misstrauen der eigenen, inneren Schönheit.

Wir wollen gepflegt, jugendlich, sauber und frisch sein. Feminin oder besonders männlich. In jedem Fall begehrenswert. Und neben der Werbung üben hier die Bilder und Berichte von Stars und Sternchen einen ganz erheblichen Einfluss auf unser Kaufverhalten aus. Umso mehr, je jünger die Zielgruppe ist. Unser Selbstbild ist stark davon beeinflusst, was andere von uns denken. In gewisser Weise sind wir abhängig. Dessen muss man sich bewusst sein.

Verzicht kostet Selbstvertrauen: Beim Thema Kosmetik, vor allem bei der Dekorativen, befindet man sich da noch in einer Abseitsposition. Keine der großen Marken verfügt bis dato über eine Bio-Sparte oder wirbt mit der entsprechenden Nachhaltigkeit. Und die ausgewiesenen Naturkosmetikmarken fristen ein leicht angestaubtes Dasein – ich denke da beispielsweise an Kneipp – und befinden sich in den Drogeriemärkten (noch) in der zweiten Reihe, weit weg von den Laufwegen der Kunden.

Verzicht kostet Mühe: Sich mit den Inhaltsstoffen beschäftigen und nach entsprechenden Produkten suchen, bedeutet Probieren, Verwerfen und Nicht-Aufgeben. Hilfreich ist in dem Zusammenhang die App Codecheck. So konnte ich zum Beispiel feststellen, dass ein Duschgel, welches ich noch aufbrauchen wollte, mit Hormonen versetzt ist. Was das bringen soll, ist mir ein Rätsel. Nun wird es aussortiert, halb voll oder nicht, das braucht kein Mensch. Vielen Dank an goldenesnix in dem Zusammenhang für den Hinweis mit der App. Im Übrigen ist diese für fast alle Bereiche einsetzbar.

Preislich lässt sich bei den Bio-Produkten kein großer Unterschied zu den konventionellen Marken feststellen, was ich sehr positiv finde. Es gibt günstige Drogeriemarken, die bei Ökotest mit „sehr gut“ abgeschnitten haben. So muss man sich nicht entscheiden, ob man seinem Gewissen oder dem Geldbeutel nachgibt.

Verzicht braucht einen Plan und ein Ziel: Vom Minimalismus bin ich noch sehr, sehr weit weg, um einschlägige Erfahrungen vorweisen zu können. Liegt sicherlich daran, dass mein Schönheitssalon größtenteils im Moment eher einem Versuchslabor gleicht, weil ich noch viele Dinge teste.

Labor

Aber der Entschluss steht fest. Der Weg dahin dauert manchmal ein paar Monate, vielleicht auch ein Jahr und ist genauso wichtig wie das Ergebnis. Man lernt sich und seine Bedürfnisse kennen und trifft dann Entscheidungen, die Bestand haben und nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder über Bord geworfen werden. Denn da befinden sich schon mehr menschengemachte Hinterlassenschaften als unser Planet tragen kann. Wichtig ist, die Wa(h)re Schönheit kommt von innen und beginnt im Kopf.

Vor dem nächsten Kapitel muss ich erst mal mein Defizit an Schönheitsschlafzeit aufholen. Gestärkt geht es mit dem Part Lebensmittel in ein bis zwei Tagen weiter.

Also dann, vor der action erst mal Pause!
Eure Kerstin

Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh

In meinem Post „Aller Anfang ist schwer“ hatte ich ja schon angekündigt, dass ich Schuhen einen extra Platz einräumen wollte.

Nun, Schuhe, vor allem für Frauen, sind ja oft ein sensibles Thema. Wobei, mein Ex zum Beispiel hatte neben mehr Schuhen auch mehr Kleidungsstücke als ich. Männer können also auch bei Schuhen schwach werden. Aber gut, das gehört nicht hierher. Das mit dem Ex. Das mit den Schuhen schon.

Wusstet Ihr schon, dass man/frau bereits nach wenigen Sekunden eine Beziehung zu Dingen aufbaut und diese einem sogleich vertrauter als etwas Neues sind. So waren Versuchspersonen in Experimenten zum Beispiel nicht bereit, einen Gegenstand, den sie erhalten hatten gegen einen gleichwertigen einzutauschen. Ich glaube, auf Schuhe trifft das ganz besonders zu.

Die Herausforderung bei Schuhen ist, dass sie nicht nur besonders schön sind, sondern es auch so, so viele davon gibt. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass eine Reduzierung der Fußschmeichler je nach Lebenswandel (Beruf/Freizeit) mitunter nicht so ganz einfach ist. Turnschuhe können Menschen mit Anzugträgerjobs eben (fast) nur solche Persönlichkeiten wie Joschka Fischer mit seinen weißen Leisetretern überzeugend präsentieren.

Ich gehöre, wie schon mal in meinem Beitrag „These boots are made for walking“ erwähnt, zu den Wesen, die gern unterschiedliche Fußschmeichler ihr eigen nennen. Hinzu kommt, dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit nur mit einer Auswahl an Flachtretern und Sneakers nicht weit komme. Also symbolisch gesprochen. Zudem ist es auch viel gesunder, jeden Tag andere Schmuckstücke zu tragen – sagt man. Und ich weiß das auch.
Für Schuhe gibt es bei mir daher folgende Kategorien:

  1. Rock- bzw. Kleider
  2. Anzug
  3. Jeans/Shorts
  4. Sport

Ich denke, das muss nicht groß erklärt werden, denn Business Hosen verlangen andere Fußbekleidung als Jeans. Und zum Rock gehört eigentlich immer was mit Absatz. So in etwa zumindest. Pro Kategorie kommen dann wieder die unterschiedlichen Jahreszeiten hinzu, wobei es bei Schuhen auch so etwas wie Übergangsüberzieher gibt – kalkulieren wir also mal mit drei.

Und zum Schluss natürlich die verschiedenen Farben. Zu einer blauen Hose kann man keine schwarzen Schuhe anziehen. Allenfalls und in der Not vielleicht grau, aber dann ist Schluss. Und zu einem weißen Rock müssen auch helle oder bunte (je nach Saison) Heels oder Stiefel her. Neben den Basisfarben schwarz, braun und blau braucht es also noch mindestens weiß und rot. Macht grob überschlagen fünf Farben mal drei Jahreszeiten mal drei (Sport lassen wir hier mal weg) Kategorien. Summa summarum: 45 Paare! Gut, das ist jetzt wieder so ein bisschen eine Milchmädchenrechnung, aber es geht ja nur um die grobe Darstellung. Ihr seht, da kommt ganz schön was zusammen.

Was also tun? Schuhe müssen in erster Linie passen. Und zwar so richtig und nicht nur so na-ja-geht-schon-irgendwie. Sowohl von der Passform als auch vom Stil her. Die schönsten Pumps werden im Schrank stehen bleiben, wenn frau damit nicht laufen kann, weil diese an Zehen und Fersen drücken. Ruhig im Geschäft längere Zeit Probe laufen. Im Zweifelsfall nicht kaufen. Zurückgeben von getragenen Schuhen ist in den seltensten Fällen möglich. Schade um das Geld und die Schuhe. Und auch die Füße, wenn man krampfhaft versucht, doch noch miteinander warm zu werden.

Der zweite Punkt ist Qualität. Da freuen sich Eure Füße und auf lange Sicht auch Euer Geldbeutel. Ich würde immer ein „richtiges“ Schuhgeschäft wählen. Ich halte in dem Fall weder etwas von Internetshopping noch von Discountern oder gar schlimmer. Schuhverkäufer sind nicht alle so wie Al Bundy. Also lohnt es sich, sofern man noch keines hat, ein Stammgeschäft zu suchen. Das Verkaufspersonal kennt einen irgendwann – je nach Größe des Geschäftes – und weiß, was man mag und berät kompetent.

Stichwort Geld: Ja, Qualität kostet. Zahlt sich aber auch aus. Die Schuhe halten nämlich länger. Sowohl die Passform als auch das Material sind deutlich widerstandsfähiger. Bestimmt hat jeder schon mal Billigsandalen aus dem Discounter mitgenommen und nach gefühlten zwei Mal Tragen hat sich die Sohle still und leise gelöst. Genau. Schade um das Geld und die Schuhe. Für die Füße ist die Chemie, die in solchen Massenwaren verarbeitet wird, sicherlich auch nicht ganz ohne. Also: Lieber etwas mehr ausgeben und sich lange freuen.

Aufgrund des Nachhaltigkeitsmonats bin ich meinem Fundus durchgegangen, um zu sehen, wie so die Haltbarkeitsdaten sind. Mein ältestes Paar ist mittlerweile 17 Jahre alt und mit der Zeitspanne bis zu zehn Jahren besitze ich 16 weitere. Pflege, dazu gehört auch Schuhe putzen, zahlt sich also aus.

Schuhe

Apropos lange freuen: Sie sterben zwar aus, aber vereinzelt gibt es sie noch: Schuster. Auch hier meine ich den echten Schuster und nicht den Mister, der im Supermarkt im Untergeschoss Schuhreparatur, Schlüsselservice und sonst was anbietet. Schuster dauert länger, kostet mehr, hält aber dann auch länger. Ergo: Kostet nicht mehr.

Noch ein Wort zum Material: Ich weiß, Leder ist eine menschliche und ökologische Katastrophe. Ich kann es natürlich nicht wirklich überprüfen, ob der billige Schuh nicht von den gleichen (Kinder)-händen gefertigt wurde wie der teure, aber in dem Fall ist Qualität das Schlagwort, wenn man denn nicht ohne kann. Es gibt allerdings inzwischen auch viele Labels, die nachhaltige Schuhherstellung betreiben. Einfach mal online nachschlagen. Und dann lokal kaufen. Vielleicht werdet Ihr fündig und entdeckt Euer neues Lieblingspaar.

Nachdem nun im Schuh- und Kleiderschrank Platz und Ordnung herrscht, geht es an die Kür.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Kleider machen Leute

Kleider machen Leute. Das ist eine Tatsache. Sie machen Leute attraktiv, berühmt, beneidenswert, sicher. All das trifft auf Kleidung zu – Schuhe mit eingerechnet. Und Kleider machen Leute arm. Nämlich die, die sie fertigen und/oder an der Herstellung beteiligt sind. Reich werden andere.

Dies soll nun definitiv kein Betrag über Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Zerstörung von Umwelt und Ressourcen sein. Ich denke, das wissen inzwischen alle und kennen die einschlägigen Berichte dazu. Nur soviel: Für ein T-Shirt aus Baumwolle werden 7000 Liter Wasser benötigt. Doch während die Umweltbelastung bei der Herstellung von Baumwolle und Kunstfaserproduktion in etwa gleich hoch ist, verschlingt ein T-Shirt aus Polyester doppelt so viel Energie und belastet nachhaltig die Umwelt

Unser eigentliches Problem, wenn man es so nennen möchte, ist, dass wir aus oben genannten Gründen meinen, immer mehr zu brauchen. Und das ist weder auf Geschlecht noch Alter beschränkt. Tagtäglich wird uns gezeigt, was Frau und Mann und Kind(er) und vielleicht auch noch das vierbeinige Familienmitglied alles „benötigen“, um in, anerkannt und hip und trendy zu sein.

Wir beneiden andere und wollen ebenso in unserem Umfeld glänzen. Da das aber alle anderen gleichermaßen auch tun, versuchen wir uns gegenseitig immer und immer wieder zu übertrumpfen. Anstatt also unseren eigenen Stil zu verfolgen und unseren Vorstellungen treu bleiben, rennen wir jedem Trend hinterher: Hin und wieder auch mal voraus, wenn wir Glück haben. Schließlich wollen wir dazu gehören. Kleider machen Leute.

Denn nichts tut so weh, wie am Rand zum Zuschauen verdammt zu sein, während alle anderen Spaß haben. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an so manche Sportstunde und das Auswahlverfahren beim Mannschaftssport. So gesehen, haben wir uns und unser Verhalten nicht groß verändert.

Der Sinn und Zweck von Kleidung, uns zu schützen (Kälte, Hitze, Nässe) ist völlig in den Hintergrund getreten. Auch die Funktion von Kleidung, die früher oftmals auch eine Gruppenzugehörigkeit angezeigt hat, ist weitgehend verschwunden. Gruppen kommen und gehen und auch wir wechseln ständig von einer Richtung in die andere. Mal sind wir Punk, dann Hipster, Nerd, Gothik, Hippie usw.. Das soll man uns gefälligst auch ansehen.

Kleider machen LeuteMeist ist es eine recht subjektive Perspektive, die unser Kaufverhalten beeinflusst. Wir vergleichen uns permanent, definieren so unsere soziale Stellung und geraten in eine Rüstungsspirale. Kleider machen Leute.

Und dass wir uns das leisten können, war noch nie so einfach und billig zu haben. Hier ein paar Zahlen (Quellen: http://de.statista.com , www.wirtschaftundschule.de):
Im Jahr 2014 gaben wir Deutschen 76,25 Milliarden Euro für Kleidung (Anmerkung: Wenn ich von Kleidung spreche, meine ich immer auch Schuhe) aus. 1970 waren das noch 18,50 Milliarden Euro.
Im Kaufkraftvergleich sieht das Ganze so aus: 1960 hatte ein Büroangestellter pro Stunde Arbeit 1,27 Euro Kaufkraft zur Verfügung. Im Jahr 2011 sind es 15,25 Euro.
In Kleidung ausgedrückt: 1960 musste Mann für einen Anzug noch 67,50 Stunden arbeiten. Im Jahr 2011 gerade mal 15 Stunden.

Nicht nur, dass wir weniger arbeiten müssen, um uns mehr leisten zu können. Die Sachen kosten auch weniger. Glauben wir jedenfalls, wenn wir vor einem Teil stehen und denken: „Ach, das nehme ich mit. Kostet ja nix.“ In Wahrheit zahlen wir und andere einen hohen Preis.

Im Übrigen ist der Absatz von Fair Trade Kleidung innerhalb von sechs Jahren (2008-2014) um knappe 930% gestiegen. Ich würde mir wünschen, dass dies ein Zeichen ist, dass wir uns in die „richtige“ Richtung bewegen und nicht nur ein Trend, um unser Gewissen zu beruhigen. Denn im Müll landen bei uns 750.000 Tonnen Kleidungsstücke. Pro Jahr. Wobei die Hälfte wird verbrannt, obwohl sie noch tragbar wäre.
Soviel als Einleitung zum Thema Kleidung. Morgen dann geht es los mit der Frage: Wie anfangen.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin