Vertrauen ist der Anfang von allem

Das inzwischen geflügelte Wort, mir in einem im Nachgang perfekt gewählten und wohlüberlegten Moment derart zugespielt, damit ich mir meine Bedenken und Vorbehalte klar vor Augen führe, um diese doch bitte nach und nach, am liebsten aber sofort über Bord zu werfen, ist nicht nur der Anfang, sondern auch die Basis und Intensität von allem.

Den Anfang einer Beziehung, einer jeden wohlgemerkt, festzulegen, zu beziffern, ist in den meisten Fällen gar nicht so einfach. Wodurch definiert sich der Anfang? Der erste Kontakt? Oder lässt sich der Anfang sogar schon im unbewussten Bereich unserer Gedanken und Gefühle ausmachen? Der Wunsch nach einem Beginn an sich? Oder ist es das ganz typisch Konkrete? Der erste Kuss, der Handschlag, das erste gemeinsame Projekt, das erste Essen usw. Die Liste ließe sich wohl bis ins Unendliche ausweiten, was nur zeigt, dass der Anfang oftmals aus mehreren Komponenten besteht und nicht so eindeutig ist, wie wir uns das im Nachhinein vielleicht wünschen.

Das Ende hingegen schon. Das lässt sich ziemlich klar definieren, auch wenn der Weg dahin schleichend verlaufen mag. Am Ende ist immer ein Punkt.

Vielleicht machen Anfänge aus diesem Grunde auch mehr Spaß und sind gleichzeitig auch viel schwieriger und mitunter vielschichtiger und verunsichernder. Vertrauen hin oder her.

Doch bei einer Reise ist der Anfang, zumindest der physische recht eindeutig definiert und hinterlässt bei allen Beteiligten Spuren. Aufregung, Spannung, Freude beim Reisenden. Aufregung, Spannung, Melancholie bei dem, der zurückbleibt. Egal wie tief und groß das Vertauen ist.

Und so schicke ich dem Reisenden und einfachen Mann auf diesem und für alle Wege Grüße hinterher. Piratengrüße. So lange es eben dauert, denn wenn das Vertrauen den Anfang macht und diesem den Weg ebnet, dann kennt die Liebe keine Grenzen.

Das Schiff ohne Kapitän

Wenn die Ratten das sinkende Schiff verlassen, ist der Kapitän für gewöhnlich derjenige, der noch immer wie ein Fels in der Brandung auf der Brücke und am Ruder steht und versucht zu retten, was zu retten ist.

Dass der Kapitän von den Ratten über Bord geworfen wird, kommt wenn, dann eher in Piratenfilmen vor. Und dann geschieht es dem Kapitän meist zurecht. In der modernen Fassung gibt es das manchmal auch in Unternehmen, in denen kurzsichtige Ratten sich an ebensolchen Strategien versuchen.

Als dritte Möglichkeit gibt es da auch noch den Kapitän, der zum Wohle seiner Mannschaft freiwillig auf Amt und Würden verzichtet. Dabei fällt mir immer ein Bericht in der Sonderbeilage der FAZ ein, die ich im Urlaub am Gardasee als Teenager zu lesen bekam. Dabei ging es um die Kapitulation Japans 1945 und die Stimme des Kranichs, also die Rede von Kaiser Hirohito, in der er sein Volk auffordert „das Unerträgliche zu ertragen und das nicht Duldbare zu erdulden“. Nach mehr als zweitausend Jahren musste Japan erstmals eine so allumfassende Niederlage hinnehmen. Der Kaiser, so heißt es in vielen Berichten, hätte die Geschichte seines Landes durchaus anders schreiben können, wenn er denn mehr getan hätte, als stets zu Diensten zu sein.

Doch anders als die Ratten so mancher Firma, ließ man dem Kaiser, wenn auch nicht die Macht, so doch das Amt und vor allem die Würde, was letzten Endes dazu führte, dass Japan innerhalb von vier Jahrzehnten zur wirtschaftlichen Weltmacht wurde.

Nun, das bringt mich wieder zu jenem Punkt, an dem die Ratten den Kapitän über Bord werfen und ihm dabei dann auch noch selbst die Aufgabe übertragen wird, der Mannschaft seinen Rücktritt zu verkünden. Und so mag es der Mannschaft ganz ähnlich ergangen sein wie dem japanischen Volk damals, als es die Stimme des Monarchen zum ersten Mal überhaupt vernahm: In der sich ausbreitenden Stille hätte man den Flügelschlag eines Kranichs hören können. Die Rede mag nicht ganz so kunstvoll gewesen sein, dafür umso unmissverständlicher. Ab sofort ist das Schiff ohne Kapitän. Stets zu Diensten und auch noch stets mehr als nur Dienst getan, können also ebenso zur Niederlage führen. Dem betretenen Schweigen folgt die Schockstarre. Und fortan taumelt das Schiff führerlos, von Ratten befehligt, die Mannschaft vom schlingernden Kurs orientierungslos, durch die Meere der Wirtschaft, von Weltmacht keine Spur.

Konferenz

Im Andenken an einen wunderbaren und stolzen Kapitän möchte ich es mit den Worten des amerikanischen Generals Douglas MacArthur sagen, dem seinerzeit Kaiser Hirohito seinen Rücktritt anbot und gleichzeitig die Konsequenzen vollends auf sich nahm: „Einen Mann, der einmal so hoch stand, nun so erniedrigt zu sehen, schmerzt mich.“ Und so wie MacArthur wusste, dass er „dem ersten Gentleman Japans gegenüber stand“, so weiß ich, dass der letzte Gentleman soeben das Büro verlassen hat.

 

Eure Kerstin