Das Leben ist jetzt

Gerade bin ich mit der Lektüre von „The subtle art of not giving a f*ck“ fertig geworden. Und da heißt es unter anderem so schön: „Do something! It doesn’t matter what, just do it.“ Also habe ich mir das durch den Kopf gehen lassen und hier bin ich. Nach wirklich langer Zeit finde ich so wieder die Energie, den Alltagseinsichten ein paar alltägliche Einsichten hinzuzufügen. Um der Seele etwas Ruhe zu gönnen und den Gedanken eine Verschnaufpause zu verschaffen, reichen manchmal tatsächlich ein paar Tage und der richtige „Schubser“ schon aus.

Auch sonst habe ich tatsächlich was getan: Dem Kleider-/Schuhschrank bin ich ansatzweise dem Marie Kondo Prinzip (macht mich dieses Teil/Paar glücklich?) folgend zu Leibe gerückt. Die Ausbeute hält sich in Grenzen. Für die radikale Methode fehlt mir (noch) das letzte Quäntchen Mut. Es ist ein Prozess, der mich nun schon seit ein paar Jahren begleitet, unter anderem auch hier nachzulesen und wie der Name schon sagt, ist es ein Prozess und kein Projekt im klassichen Sinne. Es werden also immer wieder neue Impulse einfließen. Hier und da.

Die Bügelwäsche, welche sich seit Wochen stapelt, ist erledigt, ebenso die Flick- und Ausbesserungsarbeiten an diversen Kleidungsstücken. Nicht, dass damit derartige Arbeiten wirklich erledigt sind, aber zumindest für den Moment.

Auch in der Küche sind zwei Pfannen aufgrund des Versagens der Antihaftbeschichtung ausgemustert worden. Dazu einige Kleinutensilien. Wer braucht schon vierzig und mehr Aufbewahrungs- und Frischhalteboxen?

Die Gartenhecke wurde, trotz 34°C Außentemperatur und gefühlten 90% Luftfeuchtigkeit, unter erschwerten Bedingungen durch die derzeitige Mückeninvasion, gestutzt. Für die Terrasse sind nun endlich die richtigen Möbel gefunden. Nach bald sechs Jahren im neuen Zuhause, lässt sich das kleine Gartenparadies so noch besser genießen. Der Hexengarten, wie ich ihn gerne nenne, wächst und bestimmt sein eigenes Tempo.

Ich war beim Friseur (zählt natürlich nur, weil ich, ganz untypisch weiblich, ein echter Muffel bin, was das betrifft) und beim Zahnarzt (lange überfällig, nicht weil ich ein Muffel bin, sondern da mir die Arbeit diverse Male einen Strich durch den Termin gemacht hatte). Da die Yogastunden ebenfalls dem Job zum Opfer gefallen sind, versuche ich es nun mit einer Meditationsapp. Nein, es ist nicht das Gleiche, aber die Regelmäßigkeit zeigt zumindest ansatzweise eine ähnliche Wirkung. Inzwischen besitze ich auch einen kleinen Altar und hoffe, dass sich dieser zusätzlich positiv auswirkt. Ähnlich meiner „Gebetskette“, die ich gern an „schlechten“ Tagen trage, um Halt und Haltung zu bewahren.

Nach fast einem halben Jahr habe ich meinem Tagebuch wieder etwas zu sagen. Bei „one line a day“ möchte man ja meinen, dass dies wirklich kein Akt ist. Wenn einen dann aber erst einmal zwei Tage, zwei Wochen, zwei Monate leere Seiten entgegen starren, dann erscheinen diese schier unüberwindbar. Nun also lasse ich es einfach so. Weiße Flecken in meinem Leben. Eine Erinnerung, dass sich ein Vakuum eben mit nichts füllen lässt.

Um einem anderen ebensolchen Vakuum die Stirn zu bieten, habe ich zu Papier und Stift gegriffen und meinem Vater wahrhaftig einmal schriftlich gesagt, wie verletzend ich sein Verhalten finde. Es war eine Überwindung, aber auch eine Befreiung, einmal nicht auf lieb Kind zu machen. Und nein, eine Antwort, gleich welcher Art, erwarte ich eigentlich nicht.

Selbst eine Bergtour ins Bayerische Alpenvorland habe ich unternommen, wobei das bei den Temperaturen fast mehr eine Tortour war. Was aber andererseits eher an den Unzulänglichkeiten der öffentlichen Verkehrsmittelbetriebe lag, denn auf dem Berg war es einmalig: Keine Mücken, keine Menschen. Für beide Spezies offenbar zu hoch und/oder zu warm.

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So plätschert das Leben dahin, wenn man sich denn aufrafft und einfach mal etwas macht und sich und der eigenen Lethargie zeigt, dass man sich einen Dreck schert. Es geht nicht darum, ständig dem Glück hinterher zu hecheln und dem Leben ein Erfolgsergebnis nach dem anderen abzuverlangen. Schließlich ist das Leben jetzt und für meines trage nur ich die Verantwortung. Für meine Handlungen und meine Gedanken. Und auch wenn ich auf viele Ereignisse keinen Einfluss habe, so bin ich doch dafür verantwortlich, wie ich damit umgehe und welche Richtung diese meinem Leben geben. Ganz allein. Das fühlt sich eigentlich gar nicht so schlecht an.

 

Eure Kerstin

Auf ein Neues

Der 6. Januar ist nicht nur der Tag der heiligen Drei Könige und der Auftakt für die Runden der Sternsinger, es ist auch der erste Tag nach den Rauhnächten, so gesehen der eigentliche Jahresauftakt. Ab jetzt ist es wirklich vorbei mit der Zeit zwischen den Jahren und wer bis dato noch im Urlaubsmodus war, darf spätestens morgen wieder den Dingen des Alltags gegenübertreten. Noch ein kurzer Blick zurück – schön war’s und dann mit Elan in eine neue Runde im Jahreszeitenkarussell.

Was ist also aus den Wünschen für 2018 geworden, die ich während der damaligen Rauhnächte an die guten Geister übergeben hatte und jenem (hier nachzulesen), dessen Erfüllung mir selbst überlassen war?

Nun, einige Herzensangelegenheiten liegen mir noch immer auf der Seele und am Herzen. Wahrscheinlich aber war die eine oder andere Aufgabe einfach zu gewaltig, um sie in nur zwölf Monaten ins Reine zu bringen. Ich selbst hatte mir ja mit dem Wunsch, jeden Tag aktiv zu sein, ein ziemlich hohes Ziel gesteckt. Und selbst wenn ich den Begriff „aktiv“ dehnbar auslege, dann muss ich noch immer zugeben, dass ich dem nicht ganz gerecht geworden bin. Traurig, enttäuscht oder gar wütend bin ich aber nicht im Geringsten.

2018 war mit Sicherheit kein Jahr, über das ich mich beklagen kann. Derart viele Eindrücke sind geblieben und an Tagen, an welchen ich so richtig faul, ja schon fast lethargisch, war, konnte meine Seele in diesen Erinnerungen schwelgen.

Und weil 2018 ein ganz besonderes Jahr und so ganz außer der Reihe war, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich den guten Geistern auch mal eine Auszeit gönnen sollte. Und so habe ich die diesjährigen Rauhnächte nicht mit Ritualen und Orakeln und so weiter zelebriert, sondern sie einfach in Gedanken angenommen und mit den Stürmen, die ums Haus getobt sind, vorüber und weiter ziehen lassen. Ganz entspannt.

Nur heute, da konnte ich nicht umhin, den Geistern und verirrten Seelen die Tür mit Hilfe von Weihrauch, Räucherstäbchen und Besen in der modernen Variante in Form eines Staubsaugers zu weisen.

Räucherwerk

Kein Platz herrscht in meinen vier Wänden für die dunklen Seiten der andersweltlichen Wesen. Selbst den jugendlichen Mitbewohner konnte ich damit aus seiner Höhle hervorlocken: „Wieso stinkt es hier so nach Weihrauch?“ Sehr witzig von jemandem, dessen Zimmer gern mal nach Iltis oder Büffel oder einer Kombination davon riecht. Und etwas später: „Wieso ist es so kalt hier?“ Und das von jemandem, der bei knackigen Minusgraden gern mal frägt, ob denn wohl der Windbreaker ausreiche.

Also alles beim Alten und irgendwie trotzdem neu. Vielleicht ziehe ich ja doch noch eine Tarotkarte zu späterer Geisterstunde.

 

Eure Kerstin

Tatort des Monats Dezember

Jedes Ende sollte einen ordentlichen und sauberen Abschluss haben. Das gilt für das Kalenderjahr, an dessen Ende ich gern, wenn und soweit möglich, alle losen Enden mit einem Endknotenpunkt versehe. Und das gilt für Lebensphasen jedweder Art. Von daher in Anlehnung an meinen letzten Beitrag „Der Preis der Freiheit“ und als Abschluss dessen dieser Tatort.

Tatort: KücheThermoskanne

Tatbestand: Thermoskanne

Tatortsäuberung: Die rote Thermoskanne hat mich jahrelang treu durch meinen Arbeitstag begleitet und für ein bisschen Wärme bei so manch eisigem Zug im Büroalltag gesorgt. Wie man an den vielen Dellen, Dullen und Abschürfungen erkennen kann, haben wir quasi den gleichen Leidensweg hinter uns. Nun ist dieser Weg zu Ende. Meinem ersten Impuls, sie in Ehre zu halten und einer neuen Bestimmung zuzuführen, habe ich schlussendlich nicht nachgegeben und lieber einen ordentlichen und sauberen Abschluss gewählt. Möge die dienstbare Thermoskanne also eine vollkommen andere und hoffentlich sinnstiftende zweite Chance erhalten. Ich für meinen Teil habe meinen Abschluss gemacht und bin bereit für neue Anfänge.

 

Der Preis der Freiheit

Veränderungen gehören zum Leben dazu. Manche initiieren wir selbst, manchen werden wir ohne unser Zutun ausgesetzt. In der modernen Arbeitswelt gehören beide zum Alltag. Change Management, Umstrukturierung, Wandel der Firmenkultur, und wie die Kurswechsel nicht alle heißen. Manchmal ist man morgens schon froh, wenn man seinen Schreibtisch noch am alten Platz findet, wobei es ja auch Firmen mit freier Sitzplatzwahl gibt. Besitzansprüche an Möbel entstehen so gar nicht erst und so mancher Kollegenwechsel geht dann spurlos an einem vorüber.

Nun, Veränderungen gehören nicht nur zum Leben, sondern eben auch zum Arbeitsleben. So gesehen eine etwas schizophrene Vorstellung, die Idee, dass man zwei Leben hat, die parallel nebeneinander existieren und sich immer wieder und immer mehr miteinander vermischen. Gleichzeitig sollte man sich auch darüber im Klaren sein, dass man einen Großteil seines Lebens mit Arbeit verbringt. Da sollte es also auch ein Unternehmen sein, das zur eigenen Persönlichkeit passt. Wie ein Lebenspartner.

Von daher ist die Entscheidung, mich zu trennen, nicht allzu schwer gefallen. Wenn man für ein Unternehmen tätig ist, in dem Vision und Realität ganz nah beieinander und doch Welten dazwischen liegen, dann stellt sich irgendwann die Frage, inwieweit ich mich für Geld prostituiere und dabei meine Prinzipien und Vorstellungen über Bord werfe. Nach dem Motto Geld stinkt nicht, auch wenn es einen schalen Geschmack im Mund hinterlässt. Dann wird der Lohn zum Schmerzensgeld und selbst das ist nicht genug.

Der Abschied hat sich gezogen, wurde hinaus und immer wieder verschoben. Was nützt es, wenn die Arbeitsbedingungen der reine Luxus sind, einen die Arbeitsinhalte aber krank machen? Am Ende half mir das berühmte Maßband, den Ausstieg nicht aus den Augen zu verlieren.

Maßband

Die Entscheidung für eine Auszeit, um Freiraum zu schaffen und mal wieder Luft zu(m) Atmen zu kommen, war also eher eine Notwendigkeit. Wo will ich hin? Was will ich mit dem Rest meines Lebens anfangen? Die Freiheit, ohne Zwang den eigenen Wünschen, wenn auch für einen begrenzten Zeitraum, zu folgen, ist unbeschreiblich. Der Preis der Freiheit kostet weniger als dass sie wert ist.

An den Neuanfang sind nun also ziemlich hohe Erwartungen geknüpft. Es geht darum, die eigenen Vorstellungen vom Lebenspartner Arbeit mit der Realität zu vergleichen und zu sehen, was übrigbleibt. Die Wahlfreiheit ist auf dem Papier gegeben. Die Zugeständnisse muss man mit sich selbst vereinbaren. Mal gewinnt man, mal verliert man. Und das zumeist ohne scheinbar logische und nachvollziehbare Regeln.

Eure Kerstin

Was von der zwölften Rauhnacht (5. Januar) übrigbleibt – Dezember 2017

Das Ende und gleichzeitig der Anfang. Der Kreislauf der Zeiten beginnt von vorn und ebenso erneut die Rauhnächte. Der Dezember bildet den Abschluss und gleichermaßen den Beginn. Eigentlich eine schöne Vorstellung, dass alles immer im Fluss und in Bewegung ist.

Doch ebenso fühlt man sich, gerade im Dezember, irgendwie auch immer ein bisschen wie Bill Murray in „Täglich grüßt das Murmeltier“. Jedes Jahr aufs Neue die immergleichen Fragen und Ängste sowie hektisches Treiben. Die vielgepriesene friedliche Stille und Ruhe zeigt sich, wenn überhaupt, erst dann, wenn man zu nächtlicher Stunde das stille Örtchen aufsucht und den eigenen Geräuschen lauscht.

Das hektische Treiben wurde von mir zwar inzwischen aufgrund eines ausgeklügelten Schlachtplans zur wohlgeordneten Betriebsamkeit. Bei allem anderen aber bilde ich keine allzu große Ausnahme und so wächst dieses Gebilde „Weihnachten“ alljährlich regelmäßig seit September zu einem bedrohlichen Kartenhaus, das meist nur wenig Spielraum für Neues zulässt. Paradoxerweise freue ich mich gleichzeitig aber auch immer wieder auf diese Zeit. Und trotz des Rummels und so manch wehmütiger Gedanken könnte ich nicht sagen, wie ich es mir das Fest der Festes „besser“ vorstellen könnte. Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

Dass die zwölfte Rauhnacht da unter dem Motto „Weisheit“ steht, ist immerhin ein Lichtblick, mehr aber (noch) nicht. Und auch die Tarotkarte – Der Magier – des fünften Januars lässt vermuten, dass zumindest die Richtung stimmt. Irgendwo in mir drin muss es also alles schlummern: Die Fähigkeit, mit Alltagsproblemen spielend fertig zu werden und Altes mit dem Wissen, dass Alles schon da ist, zu verabschieden.

Der Dezember zeichnet sich letzten Endes auch dadurch aus, dass ich mit Spannung den Neuanfang erwarte. Ein kurzer Blick zurück und dann voll Zuversicht ins Abenteuer 2018.  

Zukunft

Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

 

Eure Kerstin

Verzicht kostet – ein Jahr danach

Vor einem guten Jahr habe ich hier über mein Projekt „Verzicht kostet“ berichtet und wie jeder von uns weiß, gehört zu jedem Projekt auch ein sogenanntes Tracking, eine Nachverfolgung des Erfolgs oder unter Umstände auch Misserfolgs.

Von daher möchte ich das Thema gern nochmals aufgreifen und die einzelnen Kategorien Kleidung, Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Lebens sowie Hobbies und Luxusartikel einer Prüfung unterziehen, was ja eher einer Prüfung meiner eigenen Vorsätze entspricht. Und ich bin gespannt, ob und was sich geändert hat. Sozusagen „Verzicht kostet 2.0“.

Wir erinnern uns, angefangen hatte alles im April 2016 mit „Wie alles anfing“. Am Ende waren die Koffer und das Leben schön bunt und ich konnte für mich doch einen gewissen Erfolg verbuchen (Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich).

 Gepäck

Nun also die Frage: Geht das noch besser? Vielleicht mit etwas weniger Gepäck und vor allem Ballast?

 Koffer

 

Also dann, action!

Eure Kerstin