Von der Pflicht zur Kür

Ich weiß, die Versuchung ist groß: Der Schrank ist gefühlt leer, nachdem der ganze untragbare Berg abgetragen ist, der Frühling/Sommer/Herbst/Winter kommt und weit und breit „nichts“ zum Anziehen. Wer bei dem Spiel Kaufen-Ausmisten-Kaufen-Ausmisten weiterhin mitmischen will, kann hier aufhören zu lesen. Für alle anderen gilt: Nun kommt die Kür.

Verzicht ist nicht einfach. Verzicht kostet. Nämlich die Bereitschaft, seine persönlichen Ziele zu ändern. Und zwar kontinuierlich. Mehr Sein, weniger Haben. Soviel vorweg. Die gute Nachricht: Aus Erfahrung kann ich sagen, dass man nach ca. drei Monaten keine Entzugserscheinungen mehr hat. Im Januar 2015 stand bei mir der Entschluss fest: Ich brauche keine neuen Anziehsachen. Und damit meine ich alles. Keine Wäsche, keine Shirts, keine Kleider, Hosen, Jacken, Blusen und keine Schuhe. Auch keine Schals oder Tücher.

Warum? Ich habe genug. Mehr als genug. Wie sich der eine oder andere vielleicht erinnert, hatte ich in meinem Beitrag „Aller Anfang ist schwer“ geschrieben, dass ich bei mir die Kon Marie-Methode (Magic Cleaning) nicht angewendet habe, sondern immer so nach und nach aussortiert habe und dies nach wie vor tue.

Dazu gehe ich beim Saisonwechsel immer wieder die Sachen durch, die eingemottet werden sollen und überlege, ob das Teil noch zu mir passt. Bei Zweifeln kommen die Sachen in eine Kiste in meinem Schrank. Wenn ich den Inhalt in der nächsten Saison nicht vermisse, oder noch keinen anderen Verwendungszweck (Verwandlung) dafür gefunden habe, kommen sie in die Flohmarkt- oder Spendenkiste. Hier die Ausbeute aus 2015 – ein closed case sozusagen:

closed case

Nun ist es aber so, dass es nicht nur reicht zu schauen, was man kauft und welche Sachen man hat, die Hauptsache ist der Verzicht. Ergo der Vorsatz, keine Kleider mehr zu kaufen und die derzeitigen einfach aufzutragen, wenn sie denn nicht in der Spendenkiste landen. Und da ich einen klassischen, mancher würde sagen, konservativen Stil habe, geraten die Kleidungsstücke auch nicht wirklich aus der Mode.

Das dauert so seine Zeit, da Kleidung erstaunlicherweise – je nach Qualität – recht lange hält. Im letzten Jahr kamen auf diese Weise zum Beispiel unter anderem drei Blusen zusammen, die beide in etwa neun Jahre alt waren. Jede für sich wohlgemerkt. Ein Blick in den Schrank (Ihr kennt ja das Foto) zeigt, dass immer noch genug da sind.
Alternativ bieten sich Tauschbörsen an. Hat da jemand Erfahrung? Würde mich interessieren.

Eine Ausnahme gibt es dann doch und das ist der Ersatz. Sprich: Sind die Socken durch und ich habe kein weiteres, alternatives Paar mehr in der Schublade, dann wird nachgekauft. Beim Nachkauf achte ich auf Qualität und nicht so sehr auf den Preis, da diese Anschaffungen erstens länger halten und die Erfahrung zeigt, dass man teure Sachen wert schätzt, während man Billigwaren leichter mal den Laufpass gibt.

Zudem gehe ich, wenn, dann einkaufen. Im realen Leben, meine ich damit. Man kommt raus und unter Leute. Online-Shopping ist unbefriedigend. Die Kleider sehen auf dem Bildschirm meist besser aus als das, was dann zuhause ankommt. Vom Verpackungsmüll mal ganz abgesehen. Second Hand ist selbstverständlich noch besser als neu kaufen. Klappt aber logischerweise nicht mit allem. Wäsche, Socken fallen mir da ad hoc ein.

Erstaunlicherweise kostet es wirklich nur am Anfang einen starken Willen, nicht schwach zu werden. In den ersten beiden Monaten bin ich oft in Geschäfte und habe Sachen anprobiert und dann musste ich mir immerzu sagen: „Du hast sowas Ähnliches schon. Du brauchst nichts. Du hast genug. Sei zufrieden.“

Inzwischen interessieren mich Klamottenläden nur noch als nettes Schaufenster-Shopping-Erlebnis. Wenn überhaupt. Und ich bin schon fast genervt, wenn ich tatsächlich etwas kaufen muss aufgrund Verschleiß. Viel lieber setze ich mich in ein Café und schaue den Leuten zu, wie sie sich mit ihren Tüten und Taschen abschleppen und freue mich über meinen doppelten Gewinn. Zeit und Geld.

Apropos Geld: Denke es ist nur recht und billig, wenn ich mal ein paar Zahlen offen lege. Wie man sehen wird, habe ich auf ziemlich großem Fuße gelebt. Das gebe ich gerne zu. Wie gesagt, ich gehöre zu der Mittelschicht, der es gut geht und die es sich leisten kann, sich Gedanken über Nachhaltigkeit und Ethik zu machen. Zudem ich schon immer sehr auf Qualität bedacht, was vielleicht den einen oder anderen Euro erklärt. Hier meine Bilanz:

Zeitraum Kosten pro Monat
2009-2014 € 221,97
2015-April 2016 € 104,90

Ich muss gestehen, die aktuellen Kosten finde ich noch immer zu hoch, glaube aber, dass meine Bilanz nächstes Jahr wesentlich besser aussehen wird, da ich in 2015 mehr oder weniger meine gesamte Lingerie aussortiert habe und ein paar Sportsachen hinzu kaufen musste. Wie gesagt: Verzicht muss nicht heißen, dass man in Sack und Asche durch die Welt wandelt. Auch nicht unten drunter.
Trotzdem: Eine Ersparnis von ca. € 1.400,00 in einem Jahr. Davon kann man eine Menge Kaffee trinken und noch viele andere schöne Dinge machen.

Somit wäre das Kapitel Kleidung beendet. Weiter würde es laut Plan mit Lebensmitteln gehen. Ich habe mich aber entschlossen, den Bereich Kosmetik und Hygieneartikel aus der Sparte „Gegenstände des täglichen Lebens“ vorzuziehen, weil es vom Gefühl her besser hier passt. Und bevor wir starten, gestatte ich mir ein bis zwei Tage Verzicht und lege eine analoge Pause ein. Denn während der letzten Woche war mein Motto:

Küche

Und das trifft nicht nur auf die Küche zu.
Also dann, vor der action erst mal Pause!
Eure Kerstin

P.S.: Manch einer wird sich vielleicht fragen, woher ich die Zahlen so genau weiß. Tja, ich bin wohl doch recht konservativ. Ich führe nämlich ein Haushaltsbuch. Ziemlich penibel. Seit 2009. Aber Vorsicht für Nachahmer: Da kann einem hin und wieder ganz anders werden.

Zeigt her Eure Füße, zeigt her Eure Schuh

In meinem Post „Aller Anfang ist schwer“ hatte ich ja schon angekündigt, dass ich Schuhen einen extra Platz einräumen wollte.

Nun, Schuhe, vor allem für Frauen, sind ja oft ein sensibles Thema. Wobei, mein Ex zum Beispiel hatte neben mehr Schuhen auch mehr Kleidungsstücke als ich. Männer können also auch bei Schuhen schwach werden. Aber gut, das gehört nicht hierher. Das mit dem Ex. Das mit den Schuhen schon.

Wusstet Ihr schon, dass man/frau bereits nach wenigen Sekunden eine Beziehung zu Dingen aufbaut und diese einem sogleich vertrauter als etwas Neues sind. So waren Versuchspersonen in Experimenten zum Beispiel nicht bereit, einen Gegenstand, den sie erhalten hatten gegen einen gleichwertigen einzutauschen. Ich glaube, auf Schuhe trifft das ganz besonders zu.

Die Herausforderung bei Schuhen ist, dass sie nicht nur besonders schön sind, sondern es auch so, so viele davon gibt. Hinzu kommt die Schwierigkeit, dass eine Reduzierung der Fußschmeichler je nach Lebenswandel (Beruf/Freizeit) mitunter nicht so ganz einfach ist. Turnschuhe können Menschen mit Anzugträgerjobs eben (fast) nur solche Persönlichkeiten wie Joschka Fischer mit seinen weißen Leisetretern überzeugend präsentieren.

Ich gehöre, wie schon mal in meinem Beitrag „These boots are made for walking“ erwähnt, zu den Wesen, die gern unterschiedliche Fußschmeichler ihr eigen nennen. Hinzu kommt, dass ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit nur mit einer Auswahl an Flachtretern und Sneakers nicht weit komme. Also symbolisch gesprochen. Zudem ist es auch viel gesunder, jeden Tag andere Schmuckstücke zu tragen – sagt man. Und ich weiß das auch.
Für Schuhe gibt es bei mir daher folgende Kategorien:

  1. Rock- bzw. Kleider
  2. Anzug
  3. Jeans/Shorts
  4. Sport

Ich denke, das muss nicht groß erklärt werden, denn Business Hosen verlangen andere Fußbekleidung als Jeans. Und zum Rock gehört eigentlich immer was mit Absatz. So in etwa zumindest. Pro Kategorie kommen dann wieder die unterschiedlichen Jahreszeiten hinzu, wobei es bei Schuhen auch so etwas wie Übergangsüberzieher gibt – kalkulieren wir also mal mit drei.

Und zum Schluss natürlich die verschiedenen Farben. Zu einer blauen Hose kann man keine schwarzen Schuhe anziehen. Allenfalls und in der Not vielleicht grau, aber dann ist Schluss. Und zu einem weißen Rock müssen auch helle oder bunte (je nach Saison) Heels oder Stiefel her. Neben den Basisfarben schwarz, braun und blau braucht es also noch mindestens weiß und rot. Macht grob überschlagen fünf Farben mal drei Jahreszeiten mal drei (Sport lassen wir hier mal weg) Kategorien. Summa summarum: 45 Paare! Gut, das ist jetzt wieder so ein bisschen eine Milchmädchenrechnung, aber es geht ja nur um die grobe Darstellung. Ihr seht, da kommt ganz schön was zusammen.

Was also tun? Schuhe müssen in erster Linie passen. Und zwar so richtig und nicht nur so na-ja-geht-schon-irgendwie. Sowohl von der Passform als auch vom Stil her. Die schönsten Pumps werden im Schrank stehen bleiben, wenn frau damit nicht laufen kann, weil diese an Zehen und Fersen drücken. Ruhig im Geschäft längere Zeit Probe laufen. Im Zweifelsfall nicht kaufen. Zurückgeben von getragenen Schuhen ist in den seltensten Fällen möglich. Schade um das Geld und die Schuhe. Und auch die Füße, wenn man krampfhaft versucht, doch noch miteinander warm zu werden.

Der zweite Punkt ist Qualität. Da freuen sich Eure Füße und auf lange Sicht auch Euer Geldbeutel. Ich würde immer ein „richtiges“ Schuhgeschäft wählen. Ich halte in dem Fall weder etwas von Internetshopping noch von Discountern oder gar schlimmer. Schuhverkäufer sind nicht alle so wie Al Bundy. Also lohnt es sich, sofern man noch keines hat, ein Stammgeschäft zu suchen. Das Verkaufspersonal kennt einen irgendwann – je nach Größe des Geschäftes – und weiß, was man mag und berät kompetent.

Stichwort Geld: Ja, Qualität kostet. Zahlt sich aber auch aus. Die Schuhe halten nämlich länger. Sowohl die Passform als auch das Material sind deutlich widerstandsfähiger. Bestimmt hat jeder schon mal Billigsandalen aus dem Discounter mitgenommen und nach gefühlten zwei Mal Tragen hat sich die Sohle still und leise gelöst. Genau. Schade um das Geld und die Schuhe. Für die Füße ist die Chemie, die in solchen Massenwaren verarbeitet wird, sicherlich auch nicht ganz ohne. Also: Lieber etwas mehr ausgeben und sich lange freuen.

Aufgrund des Nachhaltigkeitsmonats bin ich meinem Fundus durchgegangen, um zu sehen, wie so die Haltbarkeitsdaten sind. Mein ältestes Paar ist mittlerweile 17 Jahre alt und mit der Zeitspanne bis zu zehn Jahren besitze ich 16 weitere. Pflege, dazu gehört auch Schuhe putzen, zahlt sich also aus.

Schuhe

Apropos lange freuen: Sie sterben zwar aus, aber vereinzelt gibt es sie noch: Schuster. Auch hier meine ich den echten Schuster und nicht den Mister, der im Supermarkt im Untergeschoss Schuhreparatur, Schlüsselservice und sonst was anbietet. Schuster dauert länger, kostet mehr, hält aber dann auch länger. Ergo: Kostet nicht mehr.

Noch ein Wort zum Material: Ich weiß, Leder ist eine menschliche und ökologische Katastrophe. Ich kann es natürlich nicht wirklich überprüfen, ob der billige Schuh nicht von den gleichen (Kinder)-händen gefertigt wurde wie der teure, aber in dem Fall ist Qualität das Schlagwort, wenn man denn nicht ohne kann. Es gibt allerdings inzwischen auch viele Labels, die nachhaltige Schuhherstellung betreiben. Einfach mal online nachschlagen. Und dann lokal kaufen. Vielleicht werdet Ihr fündig und entdeckt Euer neues Lieblingspaar.

Nachdem nun im Schuh- und Kleiderschrank Platz und Ordnung herrscht, geht es an die Kür.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Verzicht kostet – mein Nachhaltigkeitsmonat

Die Firma, bei der ich arbeite, veranstaltet einmal im Jahr einen Nachhaltigkeitsmonat. Es gibt sogar einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, der sich ganzjährig mit dem Thema befasst. Dieser Job muss zwar zusätzlich zu den regulären Aufgaben gewuppt werden, aber das scheint zumindest gehaltstechnisch nachhaltig zu sein. Zwei zum Preis von einem sozusagen. Weniger Input (Gehalt) = mehr Output (Ergebnis). Der Traum eines jeden Unternehmers. Beim Ergebnis bin ich zuweilen skeptisch, aber Milchmädchenrechnungen scheinen in der Wirtschaft heutzutage einen großen Stellenwert zu genießen.

Nun gut, zurück zum Punkt Nachhaltigkeit. Auf meinem Blog habe ich dazu ja schon das eine oder andere dazu verfasst und regelmäßig sende ich den Tatort des Monats, bei dem ich Dinge auf die eine oder andere Art los werde und meinem Ich dadurch mehr Raum verschaffe.

Und da gerade Frühling ist und das auch irgendwie Erneuerung und Frühjahrsputz bedeutet, dachte ich mir: So ein dokumentierter Nachhaltigkeitsmonat wäre eine prima Sache. Das mache ich jetzt.

Mitgewirkt an der Idee hat eine liebe Freundin, die meinte, ich solle doch ein Nachhaltigkeitsmagazin machen. Oder über lokale Firmen und Betriebe und deren Nachhaltigkeitsbemühungen berichten. So gesehen, ist das hier also ein kleines Zwischenziel, bei dem ich erst mal mich selbst und mein Verhalten unter die Lupe nehme.

Dabei möchte ich ganz verschiedene Aspekte mit einbringen: Achtsamkeit, Umwelt, Fair Trade, Bio, Öko, Ausmisten, Entrümpeln, Minimalismus, Nachhaltigkeit usw.. Das alles kann und soll irgendwie Thema sein und darf sich gern auf alle Bereiche des Lebens ausbreiten. Da bin ich ganz offen und schaue mal, was so kommt.

Wenn ich mein Leben so betrachte, bin ich, gemessen an meinem früheren Konsumverhalten und bestimmt einem Großteil der Menschheit, schon einen ganzen Schritt in Sachen Nachhaltigkeit weiter beziehungsweise voraus. Bevor es nun Einwände hagelt, dass es nach wie vor sehr viele – zu viele – Menschen gibt, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Ja, das stimmt. Aber es gibt einen Unterschied, ob ich freiwillig und aus ethischen und ökologischen Gründen auf Dinge verzichte, oder ob ich aufgrund von Armut gar keine andere Wahl habe.

Meine Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung, Arbeit sind schließlich gedeckt und ich lebe, objektiv betrachtet, sicher. Ich kann es mir so gesehen „leisten“, mein Handeln und Konsumieren zu hinterfragen.

Aber darauf werde ich sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zurück kommen. Mittlerweile gibt es ja dazu auch schon eine Menge Literatur. Ein paar Werke studiere ich gerade und werde davon das eine oder andere hier auch einfließen lassen.

LesestoffSo viel zur Einleitung zu meinem neuen Projekt „Verzicht kostet – mein Nachhaltigkeitsmonat“, bei dem ich jeden Tag etwas zum Thema hier posten möchte. Soweit der Plan. Ich bin gespannt, wie sich die Idee so entwickelt.

Ach ja, falls jemand Wünsche und/oder Anregungen hat, über was ich dahingehend mal schreiben sollte: Einfach mir im Kommentarfeld oder über das Kontaktformular eine Nachricht zukommen lassen, dann nehme ich das gerne mit auf. Und ja, Mitmachen ist ebenso erlaubt. Ich bin sicher, viele Leser haben selbst ganz tolle Ideen und Erfahrungen in puncto weniger-ist-mehr.

Also dann, action!
Eure Kerstin