Das wahre Leben

Die Frage nach dem Warum beschäftigt uns ein Leben lang.
Wer kennt sie nicht, die Fragen der Kinder, die gerade die Sprache und die Macht, die von ihr ausgeht, entdecken? Alles wird mit einem Warum hinterfragt. Und auf jede Erklärung erfolgt ein weiteres Warum. So lange, bis den Gefragten die Macht der Gelassenheit verlässt und in Ohnmacht umschlägt: „Weil ich es sage“ oder „Darum“, sind dann meist die zugegebenermaßen etwas kläglichen Antworten und damit wird jeglicher weiterer Kommunikation der Boden entzogen.

So fängt es also an, mit der Frage nach dem Warum, basierend auf dem menschlichen Bedürfnis, die Welt, die Mitmenschen und letzten Endes auch sich selbst zu verstehen. Meist obliegt die Antwort bis zum Pubertätsalter den Eltern bzw. Erwachsenen und dann tritt erst einmal das Leben an deren Stelle. Doch irgendwann und scheinbar unmerklich richtet man die Frage an sich selbst. Das sind ganz banale Selbstgespräche wie: Warum habe ich (wieder) die ganze Tafel Schokolade gegessen, wo ich doch nur einen Riegel nehmen wollte? Warum bin ich nicht eher aufgestanden, dann hätte ich den Zug noch erwischt?
Und geht über in Fragen nach dem eigenen Selbst: Warum habe ich nicht daran gedacht? Warum mache ich mir ständig Sorgen? Warum kann ich nicht nein sagen?
Bis hin zu quälenden Selbstzweifeln: Warum kann ich nicht sagen, was in mir vorgeht, damit der/die andere mich versteht? Warum kann in meiner Familie niemand über seine Gefühle reden? Warum kann ich nicht glücklich sein?

Die Frage nach sich selbst wird ja zumeist nach Schicksalsschlägen und/oder herben Einschnitten in den Raum geworfen, wenn denn auch eher in den geistigen denn den realen. Tja, und nun ist da keiner, der diese Fragen beantwortet und unser erwachsenes Ich findet keine Antwort. Wir zermartern uns das Hirn und die Gedankenmühle droht heiß zu laufen. Schließlich nehmen wir in dieser Diskussion die Rolle des begierig Fragenden und des scheiternden Antwortenden ein. Wir sitzen auf zwei Stühlen und irgendwo dazwischen. Wobei wir stets aufs Neue hoffen, dass der Geist die Seele nicht um den Verstand bringt.

In seinem Buch „Stop acting, start living” schreibt Bernhard Hiller, um die die wahre Wahrheit („real truth“) zu erfahren, müsse man fünfmal (nach-)fragen, denn nur die fünfte Antwort wäre die, welche am meisten wahr ist. „‘Why do I like making love?‘ […] Most people will say they like to make live because it feels good. Then I ask, why does it feel good? ‘It feels good because it makes me feel free.’ ‘Ok, why do you like to feel free?’ ‘Because I feel open and connected to another person.’ ‘Why do you like to feel open and connected to someone?’ ‘Because it makes me feel loved.’ Now we come to the fifth answer […]. ‘Because it makes me feel alive.’ This is the ultimate truth.”

Licht

Und vielleicht ist das das Geheimnis des wahren Lebens und hinter der lebenslangen Frage nach dem Warum: Wir wollen uns schlicht und einfach lebendig fühlen.

Eure Kerstin

Wenn das Leben drückt

Vor ein paar Tagen waren der jugendliche Mitbewohner und ich beim Schuhkauf. Im Gegensatz zu meinen Füßen wachsen die des Nachwuchses nämlich noch. Nicht zu knapp. Und daher gehört der Schuhkauf eher zu den regelmäßig sich wiederholenden, notwendigen Übeln als den Genussmomenten im Tagesablauf. Vor allem wenn es um Sportschuhe für den Schulsportunterricht geht und nicht um trendige Sneaker, mit denen man vor den Freunden Staat machen kann. Auch deshalb, weil die Geldgeberin nicht bereit ist, für Schuhe, die einmal pro Woche für 1,5 Stunden getragen werden, den Rest des Monats bei trocken Brot und Wasser zu darben.

Also wurde, als wir vor den schier endlosen Regalen mit Modellen in allen nur erdenklichen Farben und Ausführungen standen, die Ansage getätigt: „Denk dran, die sind nur für den Sportunterricht, also bitte nicht mehr als €100.“ Der jugendliche Mitbewohner lässt seinen Blick schweifen und bleibt an einem Modell hängen, das er schon mehrmals in verschiedenen Größen getragen und für gut befunden hat. Die wären gut. Prima, denke ich, das ging ja schnell. Einverstanden. Seine Größe ist zwar nicht da, aber der freundliche Verkäufer hat das Damenmodell passend da. Perfekt und man kann beim besten Willen den Unterschied zwischen der weiblichen und männlichen Variante nicht erkennen, wenn es denn überhaupt eine gibt.

Tja, leider kommt man zu dem Schluss, dass der Schuh nicht steif genug ist und eher ein richtiger Hallenschuh benötigt wird. Schade, da geht der schnelle und problemlose Einkauf dahin. Also gut, gehen wir auf die andere Seite des Regals. Schließlich sind wir extra in das erste Sportgeschäft am Platze gegangen, um nicht nur zwischen Streifen und Raubtieren entscheiden zu müssen.

Die Marke der Handballer hat es ihm angetan, wobei gleichzeitig betont wird, dass die Füße eigentlich dafür zu schmal seien. „Ja, dann macht es ja keinen Sinn“. Doch mein Einwand wird entweder nicht gehört oder einfach ignoriert, denn ich muss ihn noch dreimal wiederholen, bevor man sich anderen Optionen zuwenden kann. Der Verkäufer und ich preisen verschiedene Paare an. Einmal ist es die falsche, sprich uncoole, Marke, dann nicht die richtige Farbe (zu viel weiß/grün/blau etc.) oder: „Nein, mit denen habe ich mir meine Fersen kaputt gemacht.“ Ach wirklich? Davon höre ich heute zum ersten Mal. Und so geht es weiter. Der noch immer freundliche Verkäufer und ich tauschen vielsagende Blicke aus.

Irgendwann kommt der Vorschlag der Generation Minecraft, dass wir ja welche im Internet kaufen könnten. „Also, ich bestelle jetzt nicht 10 Paare, um am Ende dann vielleicht zufällig ein passendes zu finden“, entgegne ich und denke: Nur über meine Leiche. Wer holt und bringt denn die Pakete von/zur Post, die nur zu arbeitnehmerunfreundlichen Zeiten geöffnet ist?

Der eine oder andere ahnt es schon. Nichts passte zu den Füßen und den Anforderungen ständiger pubertierender Stimmungsschwankungen. Sichtlich genervt von der Woche als Mutter, kam dann abends beim Sport die Erleuchtung als die Yogalehrerin das Thema der Stunde wie folgt erklärte: „In letzter Zeit sprechen mich viele an, dass ihr Leben irgendwie nicht passt.“

Stolperstein

Da wurde es mir schlagartig klar: Das Leben drückt. Immer mal wieder. Wie ein Schuh. Die Druckstellen tun weh und lassen einen missmutig werden und schlechte Laune entwickeln. Jeder Schritt schmerzt, wenn der Schuh zu klein ist. Ebenso wie das Leben, wenn es zu eng ist. Und ebenso wie mein Leben oft und an vielen Stellen blaue Flecken hinterlässt, so passt auch das sich wandelnde Leben des jugendlichen Mitbewohners nicht mehr in die Hülle des Kindes und noch nicht in die des Erwachsenen. Auf der Suche nach dem Platz im Leben, muss man viele Schuhe probieren, bis das eine Paar dabei ist, mit dem man durch das Leben oder auch nur durch den Sportunterricht laufen kann, ohne ständig ins Stolpern zu geraten.

Eure Kerstin

Treibgut – Kleinvieh macht auch Mist

Heute mal eine bunte Sammlung an Stichpunkten, die ich mir mal zu Beginn meines Projektes gemacht hatte und bis dato noch nicht in einem Beitrag habe einfließen lassen:

1.       Leere Milchtüten mit Wasser auffüllen und damit die Pflanzen gießen ist eine tolle Kalziumquelle für alle Zimmergewächse.

2.       Holzbügel statt Plastik, weil es auch noch schöner aussieht. Dafür die Metallbügel wieder in die Reinigung zurückbringen. Vielleicht freut sich diese und bedankt sich mit einem kleinen Nachlass beim nächsten Mal.

3.       Tee lose kaufen und die alten Tütchen wieder befüllen lassen. Noch besser: Behälter zum Befüllen mitnehmen. Ich kriege inzwischen immer ein paar Gramm mehr ohne Berechnung. Wie gesagt: Kleinvieh macht auch Mist. Zum Teekochen Stoffteebeutel benutzen. Halten ewig. Tee

4.       Heizungsthermostate anschaffen. Anschaffungskosten rechnen sich u.U. zwar erst nach längerer Zeit, aber sind auf alle Fälle eine super Sache, um unnötige Heizperioden (tagsüber, wenn keiner da ist) zu vermeiden.

5.       Reis kochen geht auf Sparflamme: Reismenge in Topf füllen, dann Wasser ca. 1cm höher als Reis dazu. Zum Kochen bringen. Dann Herdplatte ausstellen und Deckel nicht mehr abnehmen. Wenn das Wasser verkocht ist, ist der Reis fertig. Voilà, guten Appetit!

6.       Alte Schulhefte des Nachwuchses, die noch leere Seiten haben zu Notizzetteln machen. Funktioniert auch im Büro mit nicht mehr benötigten Kopien und Ausdrucken.

7.       Die Mülltüte im Abfalleimer kann man sich sparen. Behälter einfach auswaschen.

8.       Fenster auf statt Abzugshaube einschalten. Ah, Frischluft.

9.       Treppe statt Fahrstuhl. Hat auch den Vorteil, dass man z.B. in öffentlichen Gebäuden den Fluchtweg kennt.

10.   Hin und wieder mal über die Stränge schlagen und etwas „Unvernünftiges“ tun. So wie neulich: Da konnte ich an dem schönen Mantel einfach nicht vorbei. „Das ist so ein typischer Kerstin-Mantel“, sagte meine Begleitung. Und beim letzten Wocheneinkauf meinte die Verkäuferin: „Sie haben einen tollen Mantel.“ Was soll ich sagen: Alles richtig gemacht! Mantel

Schließlich läuft es bei Verzicht auch darauf hinaus, einen sogenannten Link zwischen Leben, Einstellung und Handeln zu finden. Im Einklang mit sich und der Welt.

 Und zu guter Letzt ein schöner Beitrag von nano zum Thema „Von allem zuviel“.

Mal sehen, wohin es mich treibt. Also dann, action!
Eure Kerstin