Treibgut – der grüne Daumen

Mein Nachbar arbeitet im Baumarkt – in der Gartenabteilung. Und weil er immer an der frischen Luft ist, hat er auch immer eine gesunde Gesichtsfarbe. Trainiert ist er natürlich auch. Wer beruflich 20l – 80l Säcke umstapeln muss, kann sich den Monatsbeitrag im Fitnessstudio getrost sparen.

Neulich war Hoffest bei uns in der Anlage. Man kennt das ja, da feiert man mit Nachbarn, die man sonst hinter Gardinen beobachtet und denunziert. Das war an einem Freitag und besagter Nachbar meinte zu fortgeschrittener Stunde, dass er morgen – also Samstag – arbeiten müsse. Lange arbeiten. So ein Baumarkt macht ja bekanntlich um 8 Uhr auf und schließt um 20 Uhr. Ich also mitleidiges Gesicht aufgesetzt. „Wie lange denn?“, wollte einer der Anzugträger wissen. „Um 10 Uhr muss ich anfangen.“ Bitte? Um 10 Uhr? Da bin ich schon seit 2 ½ Stunden im Büro. Gut, das zählt vielleicht nicht so, weil ich ja auch nur von Montag bis Freitag schufte und schon gar nicht körperlich. Wobei. Den Küchendienst und das Einräumen des Kühlschrankes machen bei uns die Frauen und auch das Kopierpapier schleppe ich in den zweiten Stock. Mit Stöckelschuhen und engem Rock. Den Mann möchte ich sehen. Gut, gut, das lenkt ja nun vom Thema irgendwie ab.

Also samstags im Baumarkt zählt mit Sicherheit zu den Tätigkeiten mit erhöhtem Risiko und schier unermesslichem Gefahrenpotential. Gefühlt alles, was zwei Arme und Beine hat, ist dort anzutreffen und deckt sich mit allem, was das Heimwerker- und Hobbygärtnerherz höher schlagen lässt, ein. Insofern habe ich dann doch etwas Mitleid. Mit dem Nachbarn. Und mit meinem eigenen Pflanzenreich, denn auch wenn ich alles Grüne liebe, so ist der dazugehörige Daumen nur bedingt ausgebildet.

Irgendwann wollte mal ein Kollege, der mich beim lieblosen Gießen der Büropflanzen betrachtete, wissen, was ich denn für Pflanzen Zuhause hätte. Als ich antwortete: „Ein paar Orchideen nur (das war vor dem Palmengeschenk des verflossenen Liebhabers), die brauchen nicht viel Pflege und ein Grüngewächs im Bad, dem reicht die Raumfeuchtigkeit zum Überleben.“, sagte er: „Oh, also ich hätte jetzt schon mehr von Ihnen erwartet.“ Was das wohl heißen sollte, habe ich bis heute nicht verstanden. Nun, der Kollege ist schon lange nicht mehr in der Firma, weil er dem Stress nicht mehr gewachsen war, meine Orchideen und das Grünzeug sind aber wohl noch so frisch wie damals.  Orchidee

Und im Büro kümmert sich jetzt eine andere Kollegin im Zuge der Arbeitsteilung – ich Kopierpapier, sie Gießdienst – um die Pflanzen. Die hat eine super Methode, um zu prüfen, ob diese Wasser brauchen. Sie hebt die Dinger einfach an: „Merke ich am Gewicht“, sagt sie immer. So was findet man in keinem Ratgeber. Dazu gehört mit Sicherheit jahreslanges Training. Insbesondere des Daumens, dem man schließlich beim Heben ganz besonders benötigt.

Im Garten verfahre ich gern frei nach dem Motto: Wasser gibt’s, wenn’s regnet. Daher kommt wirklich nur in Zeiten absoluter Dürre die Gießkanne zum Einsatz, da ich mein Vorhaben, eine Regentonne aufzustellen, noch immer nicht in die Tat umgesetzt habe, denn das trinkbare Nass aus dem Wasserhahn ist mir einfach zu wertvoll. Da müssen dann alle Bewohner eben sehen, wo sie bleiben und mit den erschwerten Bedingungen klar kommen.

Gut, in diesem Jahr ist das jetzt nicht so das Problem. Mittlerweile ähnelt meine Oase eher einem Dschungel und ich komme mit dem Stutzen und Schneiden kaum hinterher. Ich glaube, letztes Jahr habe ich im ganzen Jahr nicht so viel gemäht, wie ich meinen Spindelmäher bis jetzt schon durch die Wiese geschoben habe. Neulich war ich dann auch so genervt, dass ich beim Schneiden der Rasenkante mit der Schere mir kräftig in den nicht vorhandenen grünen Daumen geschnitten habe. Als ich dann der Hecke ebenfalls mit manuellem Werkzeug zu Leibe gerückt bin, hatte der Nachbar wohl Mitleid, denn er wollte mir seinen Heckenschneider leihen. Dieser wurde natürlich abgelehnt. Solch männliche Mitleidsaktionen brauche ich nicht. Bockig kann ich nämlich auch. Vor allem, weil ich da schon beim letzten Busch war – also im Grunde fertig. Nervlich auch.

Und nachdem dieser Beitrag nicht so sehr in die Rubrik „Nachhaltigkeit“ fällt, sondern eher in die „Katastrophenecke“, hier noch ein Tipp gegen Schnecken: Eierschalen klein machen und im Beet verteilen, denn die scharfen Kanten mögen die schleimigen Gefährten nicht. Angeblich. Bei mir ist leider trotz allem ein Großteil der Aussaat den Fressattacken zum Opfer gefallen. Aber ich besitze ja auch keinen grünen Daumen, spreche nicht mit den Pflanzen und spiele ihnen keine Klassik vor.  Kahlfrass

Mal sehen, wohin es mich treibt. Also dann, action!
Eure Kerstin

Alle meine Leidenschaften

Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, Fußball gehört nicht zu meinen Leidenschaften. Weder aktiv und noch weniger passiv. Sport als Zuschauer finde ich im Allgemeinen eher unbefriedigend. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Was ich aber zu meinen Leidenschaften zähle, sind Handarbeiten. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bieder und langweilig. Tja, was soll ich sagen? Ist Euer Problem, nicht meins. Ich mag Handarbeiten. Nähen, Stricken, Häkeln – alles meine Leidenschaften. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe und werde ich mir auch keine allzu tiefschürfenden Gedanken machen. Dazu sehe ich gar keinen Grund. Ich kann noch nicht mal eindeutig sagen, wann und wie das angefangen hat. Außer, dass ich es bis in meine Jugend zurück verfolgen kann.

Stoffträume

Damals hatte ich die schlechte Angewohnheit, beim Fernsehschauen Fingernägel zu kauen, weil mir vieles zu spannend und aufregend war. Ich bin eben eher zart besaitet. Wie gesagt, weiblichen Geschlechts. Na, jedenfalls musste meine Mutter mich ständig ermahnen und dann macht Fernseh schauen auch irgendwie keinen richtigen Spaß mehr. Also habe ich angefangen, vor der Flimmerkiste zu stricken und zu häkeln, damit meine Finger beschäftigt sind. Socken, Pullis, Jacken, Taschen, Westen, Handschuhe, Schals, Stulpen, Mützen und noch vieles mehr. So gesehen eine kostengünstige Therapie, die nachhaltig erfolgreich war beziehungsweise ist.

Irgendwann habe ich dann auch das Nähen für mich entdeckt, nachdem dies im schulischen Fach Handwerken auf dem Lehrplan stand. Blusen, Hosen, Kleider, Westen, Rücke, Unterwäsche, Bademantel, Wäschebeutel, Kleidersäcke, Taschen, Skijacke und noch vieles mehr. Fürs Fernsehschauen war da dann fast keine Zeit mehr. Damals gab es in der bayerischen Hauptstadt ein Schlaraffenland für Stoffe aller Art. Das lag im ersten Stock mitten in einem Gebäude in der Fußgängerzone und war nur über eine Rolltreppe zu erreichen. Wie als würde man ins Paradies fahren. Für die passenden Knöpfe mit dem gewissen Extra bin ich gern in das schon damals sehr mondäne Kaufhaus am Rathauseck gegangen. Ich erinnere mich noch an eine Bluse, bei der die dazu gehörigen Knöpfe je 5,00 DM gekostet haben. Fünf Stück benötigte ich für die Fertigstellung. Ein Vermögen für einen Schüler mit bescheidenem Taschengeld.

Als ich später auszog, waren Vorhänge, Kissen und Quilts an der Reihe und dann war eine ganze Weile Sendepause. Bis vor ein oder zwei Jahren. Seitdem wird die Nähmaschine wieder öfters hervor geholt. Blusen, Hosen, Kleider, na Ihr wisst schon. Leider gibt es das Stoffparadies meiner Jugend nicht mehr. Die Rolltreppe nach oben existiert zwar noch, führt aber inzwischen in die dufte Welt der Parfüms und Kosmetik. Der Laden ist also nun auch für Männer ein Paradies, könnte man sagen.

Glücklicherweise scheint es wieder einen Trend zum Selbstgemachten seit einiger Zeit zu geben und unlängst wurde ein paar Ortschaften weiter ein neues Paradies erschaffen: Stoff- und Woll-Lust. https://stoffundwolllust.chayns.net/aboutus  
Dort lässt sich herrlich träumen. Von Roben und Accessoires aller Art. Und die Beratung ist himmlisch. Knöpfe sind auch im Angebot, allerdings an die aus dem mittlerweile zum Luxuskaufhaus avancierten Geschäft, das leider sein Sortiment auf Güter von der Designerstange verlegt hat, kommen sie nicht heran. Wie gut, dass ich anscheinend schon immer auch ein sparsames Nachhaltigkeitsgen trage und Knöpfe von kaputten Kleidern abschneide und aufhebe.

Knöpfe

Na, könnt Ihr die sündigen Blusenknöpfe (dreimal im Bild) entdecken?

Handarbeiten sind eine nicht ganz günstige Leidenschaft, da im Vergleich zum gekauften Produkt je nach Wolle, Stoff und Zubehör erheblich tiefer in das selbst geschneiderte Portemonnaie gegriffen werden muss. Dafür im Ergebnis echte Einzelstücke und Hingucker.

Apropos hinschauen: Der Nachbar ist eher der leidenschaftliche Fußballer, wenn auch eher passiv. Aktiv ist da nur der Konsum einer ganzen Bandbreite von Genussmitteln. Als Kroate feiert er bereits seit Stunden lautstark mit seinen Kumpels seine Mannschaft. Und weil wir hier in Deutschland sind, zeigt er sich solidarisch und feiert er nun einfach weiter. Das mag zu 50% daran liegen, dass er männlichen Geschlechts ist. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Und nun fange ich besser schnell an, mir irgendwas für die Ohren anzufertigen, damit ich nicht wieder vor lauter Anspannung mit dem Fingernägelkauen anfange. Bestimmt sind irgendwo noch Woll- und/oder Stoffreste. Echte Luxusprobleme, die ich da habe. Was sich sonst noch mit Resten anfangen lässt, darüber schreibe ich beim nächsten Mal.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

P.S.: Was zum Feiern gibt es für mich trotzdem: Drei Jahre „alltagseinsichten“. Na, wenn das mal kein gutes Omen ist!

Horcher an der Wand

Blogger sind ja selten so ganz anonym im Netz unterwegs. Ähnlich wie Diebe. Denn irgendeiner hat immer irgendwas gesehen oder bemerkt. Zumindest im Fernsehen ist das so. Da wird der Täter nach neunzig Minuten Sendezeit, manchmal auch weniger, überführt.

Zum Glück trifft dies, auch wenn ich es leider aus schmerzlicher Erfahrung heraus bestätigen muss, in der Realität nur selten bis gar nicht zu. Da kommen die Bösen oft genug ungeschoren davon. Und damit wären wir dann wieder bei den Bloggern. Also, nicht, dass diese böse und/oder diebisch wären, aber bei dem Entdeckt-Werden.

An Hand meines Blogs kann ich sagen, dass bis dato noch keiner meiner Verwandten, Freunde, Kollegen von allein darauf gestoßen ist. Und ich bin schließlich schon eine ganze Weile hier. Zeit genug wäre also schon gewesen.

Nun war meine Intention ja auch immer eher dahingehend, möglichst unerkannt und klein zu bleiben. Weil ich vor allem Bedenken auf manch negative Darstellung hatte. Würde nur ungern vom Chef im Hinblick auf eine meiner hier getätigten Aussagen ins Büro zitiert werden.

Und es wäre mir auch gar nicht so recht, wenn der Nachbar weiß, was von meinen Gedanken so den Weg zu Papier – respektive zum Blogpost – findet. Die Nachbarschaft beäugt mich bisweilen eh schon. Könnte allerdings auch Einbildung sein, denn Nachbarn haben ja grundsätzlich die Angewohnheit, einander zu beäugen.

Logischerweise kann ich natürlich nicht beweisen, dass mich nicht doch jemand – so rein zufällig – aufgestöbert hat, weil es ja immerhin sein könnte, derjenige mir gegenüber dies aber nicht erwähnt hat. Oder erwähnen möchte. Vielleicht sogar nun heimlich mitliest. Unwahrscheinlich, aber gut möglich. Wobei, das würde so manches erklären. Vielleicht auch die Blicke der Nachbarn.

Ganz ehrlich: Egal. Denn nach zwei Tagen Blog-Workshop habe ich unter anderem für mich mitgenommen, dass Texte solide, glaubwürdig und korrekt sein müssen. Dem kann ich guten und ruhigen Gewissens beipflichten. Schließlich dreht sich hier alles um mich und meine Ein- und Ansichten.

Blick durchs SchlüssellochUnd für den Rest gilt: Der Horcher an der Wand wird Zeuge seiner eignen Schand!

 

Eure Kerstin

P.S.: Danke, liebe Tante, für den tollen Spruch.

Tatort des Monats Juli

Wo gehobelt wird, da fallen Späne. In meinem Fall sind allerdings Schnittwunden gerade an der Tagesordnung, da ich seit einiger Zeit eine leckere Methode gefunden habe, altes Brot zu verwerten. Man schneide es in ganz dünne Scheiben…. Leider hat altes Brot die Angewohnheit, ziemlich hart zu sein und dabei rutsche ich dann unfreiwillig ganz gern mit dem Messer ab. Gibt unschöne Schnitte, die nach einem Pflaster verlangen.

Tatort: Badezimmer.

Tatbestand: Pflaster. Knie-/Ellenbogenpflaster.Pflaster

Tatortsäuberung: Irgendwie wird einem diese Art von Pflaster als essentiell notwendig angepriesen. Benötigt habe ich sie allerdings – glaube ich – nie. Gut, inzwischen sind alle Mitglieder meines Hausstandes aus dem Disney-Alter raus bzw. sind zu cool als dass sie damit in Verbindung damit gebracht werden wollen. Bei den Nachbarn konnte ich damit punkten. Wie schön.

P.S.: Wenn man sich verarztet hat und das Brot fertig geschnitten hat, wird es mit Olivenöl, beträufelt, mit Pfeffer und Salz bestreut und dann im Backofen zu knusprigen Brotchips geröstet. Der Genuss lindert zwar nicht den Schmerz, aber macht trotzdem glücklich. Ganz ohne künstliche Zusatzstoffe.