Konflikte und Kompromisse

Neben den ganzen Schwierigkeiten, die einem die Lebensmittelindustrie in Punkte Nachhaltigkeit so in den Weg legt, kommen die persönlichen und familiären Konflikte hinzu. Und die sind oft weit schwieriger zu handhaben als das bewusste Einkaufen.

Fangen wir mal mit meiner persönlichen Konfliktsituation an: Das wäre der Zeitfaktor. Wer wie ich ebenfalls eine 40+ Stundenwoche hat und einen jugendlichen Mitbewohner, der weiß, wovon ich rede. Da können Stunden, die man für sich irgendwo abzwackt, schon mal zu überlebenswichtigen Schatzkästchen werden. Also schließt man einen Kompromiss. Mit der Zeit und dem Gewissen. Für mich heißt das: Ein großer Wocheneinkauf (mit kleinen Ausnahmen) im Supermarkt um die Ecke (der ein wirklich umfangreiches Angebot hat).

Einmal pro Woche einkaufen, das ist natürlich, was Frische angeht, nicht so ganz unproblematisch. Ein Salat, den ich am Samstag kaufe, wäre am Donnerstag sicherlich nur noch als Kompost- und Schneckenfutter zu gebrauchen. Hier kommt der Plan, den ich gestern kurz erwähnt hatte, ins Spiel. Ohne Essenplan bzw. eine Vorstellung davon funktioniert das System nicht. So lassen sich auch viele Nahrungsmittel besser kombinieren und in verschiedene Gerichte/Mahlzeiten integrieren und es bleibt weniger übrig. Wichtig ist, dass man sich an den Plan hält und nicht noch dies und das mitnimmt, weil es gerade im Angebot ist oder so lecker aussieht. Jedenfalls ist das meine Erfahrung.

Absoluter Wunsch wäre es natürlich, sich auf dem Markt mit allem einzudecken. Aber der bietet logischerweise auch nur Marktware an, so dass ich dann noch zusätzlich in den Supermarkt müsste. Ein sogenannter plastikfreier Markt, oder einer, der Nahrungsmittel lose verkauft, wären super. Der nächste ist aber 30 Kilometer weg. Aus meiner Sicht lohnt sich das nicht aufgrund der Fahrweges. Im Moment nehme ich das zähneknirschend hin, aber ich arbeite an einer Lösung, weil ich mich damit mittelfristig nicht abfinden will. Wie sagt Andre Wilkens so schön: „Alternativen zu haben ist der Kern der Freiheit.“ Absolut.

Im Supermarkt kommt wie gesagt nur Bio bzw. regionales, saisonales Bio in den Korb. Das klappt soweit ganz gut, weil der Markt eben entsprechend sortiert ist. Hat aber seinen Preis. 500g regionaler Zucker kosten so 2,50€ und 1kg Mehl 2,80€. Das Bio-Huhn schlägt mit gut 10€ für 500g zu Buche. Als Konsequenz bleibt im Zweifel, weil vielleicht zu teuer, dann nur der Verzicht und es gibt eben nur einmal die Woche Fleisch, was auch noch gesünder ist.

Unser Land

Neben dem persönlichen Konflikt, kommt dann die Herausforderung Supermarkt hinzu. Wer gestern aufgepasst hat, hat vielleicht bemerkt, dass nur Fisch in die mitgebrachte Box kommt. Von Fleisch stand da nichts. Genau. Schwierigkeit Nummer eins: Heutzutage sind die meisten Fleischwaren bereits abgepackt in der Kühltheke. Da mache ich immer einen großen Bogen drum herum. Leider gibt es das Bio-Flesch nur fertig abgepackt, aber ich frage immer wieder, ob es nicht auch Bio an der Theke gibt. Vielleicht ändert sich das ja irgendwann.

Auch will man meine Box an der Theke nicht annehmen. Zuerst hieß es ,aus hygienischen Gründen wäre das nicht möglich. Dann habe ich mich schlau gemacht und gelernt, dass die Box einfach oben auf der Theke stehen bleiben muss, dann gelte das Argument nicht mehr. Gesagt, getan. Dann war die Aussage, dass das nicht ginge, weil von wegen Bon für die Kasse und so. Also, im Grunde wollte man mir unterstellen, dass ich die Ware in meine Tasche packe und nicht an der Kasse vorzeige. Ist so meine Vermutung. Aber ich war schon vorbereitet und konnte kontern, dass es beim Brot auch funktionieren würde. Woraufhin mein Stoffbeutel mit dem aufgeklebten Bon sehr genau begutachtet wurde. „Ja, also, das muss ich aber erst mit der Marktleitung abklären“, war dann die Antwort. Schön, nun frage ich also regelmäßig nach Bio-Fleisch und ob das mit der Marktleitung schon geklärt ist. Steter Tropfen höhlt den Stein.

Das kostet Kraft und Mut, weil man sich eben nicht einfach abspeisen lässt. Beim Fischmann muss ich mir auch immer anhören, dass man den Fisch nur widerwillig in meine Box bettet, weil diese aus Plastik ist und keine Luft dran kommt. Ja, aber sie ist auslaufsicher und zuhause wird das arme Tier befreit. Und dann muss ich immer bestätigen, dass dies innerhalb der nächsten halben Stunde passiert. Nur so nebenbei: Der Fischmann wickelt den Fisch immer in zwei Lagen beschichtete Folie und dann in eine Tüte. Ich bin ja kein Fisch, aber da könnte ich ebenso wenig atmen. Wie gesagt, es kostet Kraft, gegen den Strom zu schwimmen. Es fühlt sich aber auch immer wie ein klitzekleiner Sieg an, wenn man einen Zug getan hat und merkt, dass es vorwärts geht.

Für die familiären Konfliktsituationen und die dazugehörigen endlosen Kompromissverhandlungen schreibe ich einen extra Beitrag. Den gibt es morgen, denn ich muss mich an den Essenplan für die nächste Woche machen und allein das ist Stoff für unzählige Konflikte.

Essensplan

 Also dann, action!
Eure Kerstin

Alles oder nichts – erstes Kapitel

Alles oder nichtsDas ist soweit zumindest mein erstes Resümee nach zwei Tagen Blog-Workshop.

Im Klartext: Entweder mache ich so weiter beziehungsweise verabschiede mich aus der Bloggemeinde und erreiche nichts. Oder ich riskiere alles und dann mal sehen.

Alles riskieren klingt jetzt ziemlich radikal. Ganz so dramatisch ist es aber bei weitem natürlich nicht. Soll lediglich heißen, dass ich mal ein bisschen mutiger an die Sache mit dem Bloggen ran gehe und aus der nicht vorhandenen Anonymität des Netzes ein, vielleicht auch zwei Schritte, heraus trete.

Wie sagte eine Kursteilnehmerin so schön: „Du hast immer eine Wahl. Die Frage ist nur, wie viel Du bereit bist, dafür zu bezahlen.“ Bin ja mal gespannt, wie meine Wahl aussieht.

 

Eure Kerstin

P.S.: Eine erste kleine Veränderung an meinem Layout ist ja schon gemacht. Was haltet Ihr davon?

 

Tag 13: Frauenpower

Tag 13Ja, ich glaube, da fallen mir am ehesten zwei Frauen ein, die mein Leben und mich am meisten beeinflusst haben:

Die eine hat Zeit ihres Lebens entgegen der für ihre Generation vorherrschenden Ansichten ein unabhängiges, frei bestimmtes Leben geführt.

Die andere hat ihr Leben entgegen ihren Träumen eingerichtet, im Glauben, es würde sie trotzdem glücklich machen.

Die eine hat sich in einer noch immer von Männern dominierten Branche behauptet und Menschenleben gerettet.

Die andere hat sich dem Patriarchat untergeordnet und trotzdem den Schwachen geholfen.

Die eine hat die Welt bereist, ohne Furcht und Zwang.

Die andere hat sich immer mehr in ihre Welt zurück gezogen und sich aufgegeben.

Die eine hat sich nicht verbiegen lassen.

Die andere ist unter der Last zusammen gebrochen.

Beide sind und waren Vorbilder. Beide stark auf ihre Weise. Beide aber auch einsam in ihrer Welt. Für beide empfinde ich grenzenlosen Respekt und unendliche Liebe. Danke, dass Euch kennen lernen durfte.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

 

Lebensmut

Seien Sie mutig. Tun Sie etwas, das Sie Überwindung kostet – gehen Sie zum Beispiel abends allein zum Essen. Verstecken Sie sich nicht hinter einer Zeitung, sondern beobachten Sie bewusst die Leute. Herausforderungen durchbrechen die Routine und fördern die Lebenslust.“

Ich gehöre nicht zu den mutigen Menschen. Ganz im Gegensatz zu meinem Sternzeichen mache ich mich gern klein und unscheinbar. Meine Lieblingsfarbe ist grau und auch ansonsten pflege ich eher einen eremitenhaften Lebensstil. Da scheint bei der Sternenkonstellation irgendetwas gehörig schief gelaufen zu sein, denn als Widder sollte ich eigentlich immer in vorderster Reihe stehen. Sozusagen mit dem Kopf durch die Wand und allezeit vorweg. Obwohl in einer Zeit groß geworden, in der es schon fast zum guten Ton gehörte, für und/oder gegen irgendetwas seine Stimme zu erheben, habe ich an noch keiner Demonstration oder Kundgebung teilgenommen. Politisch und gesellschaftlich gesehen bin ich genügsam bis mit-allem-einverstanden und nehme eben alles, wie es kommt. Ich gehe wählen, mache pünktlich meine Steuererklärung, halte mich (fast immer) an die Geschwindigkeitsbegrenzung und trenne meinen Müll vorschriftsmäßig.

Mut bringt man ja im Allgemeinen auch eher mit heldenhaften Taten in Verbindung. Kein Mensch würde es als mutig ansehen, wenn ich z.B. einfach mit verbundenen Augen über die Straße ginge. Das wäre blöd, verrückt, dumm und ich ein Spinner. Aber eben nicht mutig.

Was nun, wenn ich mehr oder weniger gezwungen wäre, mit verbundenen Augen über die Straße zu gehen, weil ich z.B. damit ein Leben retten könnte? Wäre es dann Mut oder Angst, was mich zum Überqueren veranlassen würde?

Und was, wenn ich zufällig Zeuge davon wäre, wie jemand gezwungen wird, mit verbundenen Augen über die Straße zu gehen? Zivilcourage ist mutig. Den Mut zu haben, nicht weg zu schauen und gegen das Unrecht einzuschreiten. Und gleichzeitig ist es auch etwas leichtsinnig und gefährlich. Leider. Ich bin gewiss kein Held im herkömmlichen Sinne. Und ehrlich gesagt, frage ich mich hin und wieder: Würde ich einschreiten? Würde ich Hilfe holen? Ich wünschte, ich könnte mit absoluter Überzeugung sagen, wie ich reagieren würde. Und dass diese Reaktion mutig wäre. Diese Art von Mut kann man nicht trainieren oder testen.

Und überhaupt: Das tagtägliche Leben fordert bisweilen mehr Mut. Es gibt Tage, da muss ich all meinen Mut zusammen nehmen, um nicht einfach alles hinzuschmeißen und aus der Tretmühle des Lebens auszusteigen. Es kostet mich Überwindung, meine Pflichten zu erfüllen: Einkaufen, Kochen, Putzen, Aufräumen, Waschen. Und manchmal treibt mich nur mein schlechtes Gewissen an, das eine oder andere nicht ausufernd schleifen zu lassen.

Die Menschen machen mir manchmal Angst. Diese Unzufriedenheit mit allem und jedem. Dieses ständige Fordern nach mehr. Egoismus und Egozentrik scheinen immer mehr zuzunehmen und ich ertappe mich dabei, wie ich wünschte, mich würde all das nichts angehen. Um ein Held zu sein, muss ich nicht besonders mutig sein, wohl aber, um das Leben zu meistern.

Nein, ich bin nicht allein essen gegangen. Ganz nach dem Motto: ‚Heute mache ich kein Abendbrot, heute mache ich mir Gedanken’, hier eine kleine Aufstellung der Dinge, die mich keine Überwindung gekostet haben, weder heldenhaft mutig, aber herausfordernd und im Nachhinein vor allem ein Höllenspaß waren bzw. noch immer sind:

  • mit Zug durch Italien reisen
  • mit einem Koffer nach Spanien auswandern
  • einen kompletten Umzug mit einem Seat Marbella machen
  • am Strand übernachten
  • mit dem Auto 500km durch Ägypten fahren
  • mit zwei Koffern nach USA auswandern
  • den Beruf wechseln
  • allein in die Berge gehen
  • einen Blog starten
  • sesshaft werden und Eigentum erwerben

Ich finde, das zeugt doch von einer Menge Mut – Lebensmut. Und den kann man genauso wenig trainieren. Vielleicht aber ist er die perfekte Grundlage, um der Mutlosigkeit die Stirn zu bieten.

Neue Karte, neues Glück. Da ich mit dem Ausgang der letzten Powerkarte nicht so ganz glücklich bin, wage ich einen neuen Versuch und wähle nochmals die Powerkategorie: „Erschließen Sie neue Welten, indem Sie neue Worte finden: Lesen Sie Ungewohntes, etwa den Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung und bereichern Sie so Ihr Vokabular. ‚Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt’, lehrt uns der Philosoph Ludwig Wittgenstein.“ Puh, das wird eine harte Nuss. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin