Tatort des Monats Oktober

In diversen Tatorten (Mai 2017 / März 2018) sind schon so einige Utensilien beim Sport in Mitleidenschaft gezogen worden. Nun also der nächste Fall in dieser Serie. Kein wirklicher Tatort im klassischen Sinne, dass ein Teil meinen Haushalt verlässt, da ich in dem Fall Ersatz angeschafft habe. Nichts desto trotz ist etwas mehr Platz…

Tatort: Schreibtisch.10_2018

Tatbestand: mp3-Player.

Tatortsäuberung: Nachdem ich die erste Trauer über den Verlust und die Enttäuschung über die Kurzlebigkeit heutiger Produkte überwunden hatte, dachte ich lange Zeit über den gänzlichen Verzicht eines solchen Gerätes nach. Schließlich sind Handys heutzutage multitaskingfähig und ich könnte auch damit Musik hören, aber meines ist, wen wunderts, nicht kompatibel mit der Mediathek und eigentlich auch viel zu unhandlich für den Sport. Auf der Suche nach einem Ersatz konnte ich ein gutes gebrauchtes Stück ergattern, was aber letztlich auch der Tatsache geschuldet war, dass mp3-Player mittlerweile gar nicht mehr so angeboten werden. Es ist um einiges kleiner, ergo auch praktischer, so dass dies auch dem Raumgewinn zu Gute kommt. Ein halber Tatort also, wenn man so will.

Tatort des Monats Februar

Nach dem Umzug erinnert der Keller eher an eine Rumpelkammer. Es wird mir immer verborgen bleiben, warum Keller grundsätzlich voll sind, obwohl man die Dinge, die dort lagern, fast nie braucht (Küchenmaschine) bzw. auch nicht vermisst (künstliche Kerzen mit Farbwechsel und Fernbedienung). Wenn ich also ohne diese Stücke am Leben bleibe, dann wäre der Umkehrschluss somit, dass ich sie tatsächlich nicht brauche. Werde also demnächst dort Tabula Rasa machen. Hier schon mal der erste Fund, denn Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Und den will ich ja loswerden.

Tatort: Keller, Werkzeugkiste.2014_02

Tatbestand: Allerlei Möbelaufbauhilfen, die sich im Laufe der Jahre beim Shoppen im blau-gelben Einrichtungshaus angesammelt haben.

Tatortsäuberung: Wurden schön säuberlich gesammelt: Könnte man ja noch mal benötigen. Wozu allerdings der berühmte Imbusschlüssel in der Einheitsgröße in zigfacher Ausfertigung gut sein soll, bleibt mir bis dato verschlossen. Noch habe ich nur zwei Hände. Vielleicht wäre eine Art Auf-/Abbauparty mit Freunden denkbar. Hm, schade, bin ja gerade erst umgezogen. Also, weg damit in den Metallschrottcontainer. Schließlich weiß ich ja, wo es Nachschub gibt, sollte besagte Party doch noch irgendwann stattfinden.

Singletasking für die Seele

„Sie sind ganz bei der Sache: Versuchen Sie, dreimal auf Multitasking zu verzichten. Zum Beispiel zu essen, ohne zu lesen, zu telefonieren, ohne E-Mails zu checken, fernzusehen, ohne die Zeitung zu scannen.“

Um der Hektik des Sommers zu entfliehen, fiel meine Kartenwahl auf die Kategorie Komfort.

Erster Tag: Total versagt, auf ganzer Linie. Morgens Frühstück und Brotzeit gemacht, Tee gekocht, Kleid gebügelt, Wohnung gelüftet und das alles gleichzeitig. In der Arbeit habe ich es gleich gar nicht versucht. Das hebe ich mir für den Fall auf, dass ich es ansatzweise überhaupt schaffe. Tja, und nachmittags: Schwimmsachen packen, umziehen, Trinken, Bürotasche ausleeren, noch schnell etwas essen. Klar, Multitasking at its best!

Zweiter Tag: Heute mache ich es besser. Ganz bestimmt. Schließlich ist Wochenende. Aber schon kurz nach dem Aufstehen ist die Ruhe und der gute Vorsatz dahin. Schnell den Garten gießen, damit die Sonne nicht auch noch die letzten grünen Halme verbrennt, nebenbei Wäsche sortiert und Maschine neu gestartet. Dann frühstücken und Einkaufsliste schreiben. Samstagseinkauf, ich komme. Erst gegen Mittag kehrt langsam Ruhe ein, als ich am See entspanne. Allerdings lese, esse, trinke und unterhalte ich mich gleichzeitig. Und den anderen Badegästen und Spaziergängern schaue ich auch noch hinterher.

Dritter Tag: Sonntag, Tag der Ruhe. Von wegen! Bis Mittags schlage ich mich ganz gut. Immer schön der Reihe nach. Joggen, Duschen, Frühstücken, Lesen. Doch dann hole ich das Bügeleisen raus, um ein Kleid für morgen zu bügeln (diesmal mache ich es im Vorfeld, jawohl), stelle dann aber fest, dass der Saum sich stellenweise gelöst hat. Also, Nadel und Faden her. Dann fällt mir ein, dass ich den Rucksack noch ausbessern wollte. Also, Nähmaschine rausholen. Nebenbei wäre Mittagessen angesagt. Ups, schon 14 Uhr. Und ich habe um 14.30 Uhr eine Verabredung. Nun aber hurtig. Schnell packen, schminken und los. Abends dann wieder Entspannung, obwohl: TV an, E-Mails lesen und Haushaltsbuch führen zählt sicherlich als Multitasking.

Eine Woche später: Was soll ich sagen. Ein Reinfall. Bin etwas ratlos, wie ich mit dieser Herausforderung weiter komme. Im Grunde wäre ich ja mit einem Tag ohne Multitasking zufrieden. Bin ich tatsächlich so fremdbestimmt? Wie ein Fähnchen im Wind, oder besser noch Grisu, der Drache. Kennt den überhaupt noch jemand? Grisu wollte immer Feuerwehrmann sein. Ein Widerspruch schon in sich. Ein feuerspeiender Drache, der Feuer löschen will. Und irgendwie war es so auch. Immer wieder muss er seine versehentlich selbst entfachen Feuer löschen und schaffte es nie, Feuerwehrmann zu werden. Fast komme ich mir auch so vor. Als ob ich die „Brände“ selbst lege und dann versuche, alle gleichzeitig zu bekämpfen. Hin und wieder gibt es kurze Momente, bei denen es gelingt. Ok, ich arbeite weiter daran und übe mich im Singletasking.

Nach zwei Wochen: Zumindestens der Vorsatz ist jeden Tag da und immer wieder erinnere ich mich daran, nur auf eine Sache zu machen. Leider ist die Quote nach wie vor im einstelligen Bereich. Mag daran liegen, dass man gerade im Sommer jeden Sonnenstrahl ausnutzt, um sich draußen aufzuhalten. Im Winter ist es da doch eher gemütlicher. Man ist froh, auf der Couch zu sitzen, mit einer Tasse heißem Tee und den Schneeflocken beim Tanzen zu zuschauen. Ja, ich weiß, ich fantasiere. Liegt vielleicht an den Temperaturen, die gerade herrschen. Weiß nicht, was mir mehr zu schaffen macht: Die Hitze oder diese angebliche Komfortkarte.

Vier Wochen später: Nachdem ich die ersten beiden Wochen keine wirklichen Erfolge erzielen konnte, habe ich nun doch die Auflösung für Karte Nummer vier gefunden. Das Rezept lautet: Urlaub. Genauer gesagt: Hüttentrekking. Das mag jetzt erst mal nicht nach Urlaub und Erholung klingen. Aber, was den Verzicht auf Multitasking betrifft ist es das non plus ultra. Man kann gar nicht anders, als immer nur eine Sache zu machen und so setzt man jeden Tag einen Schritt vor den anderen. Möchte man die Aussicht/Landschaft bewundern, bleibt man stehen, da man sich ansonsten im günstigsten Fall aufgeschlagene Knie holt und im Schlechtesten den Berghang hinabfällt. Morgens steht man auf, macht sein Bett und packt seinen Schlafsack ein. Erstaunlich, was man alles nicht braucht, wenn man es erst mal selber tragen muss. Und nach drei Tagen kümmert es einen auch nicht mehr, ob die Frisur sitzt oder man das Shirt doch hätte wechseln sollen. Frühstück dient mehr der tatsächlichen Nahrungsaufnahme denn dem Genuss: Brot mit Marmelade, Käse oder Speck. Dazu Kaffee oder Milch. Das Gleiche wie gestern und das Gleiche wie morgen. Dann ein Blick auf die Karte und los geht es. Gleichmäßig, immer vorwärts. Mittags gibt es Obst, Wurst oder Käse und Brot. Manchmal gönnt man sich eine Suppe. Richtig, wie gestern und wie morgen. Mancher ahnt es schon: Das Abendessen bietet keine großen Überraschungen und variiert zwischen: Kaiserschmarrn, Omelett, Spiegeleiern und Rühreier mit und ohne Speck. Abends schaut man in die Karte und fragt nach dem Wetterbericht. Dann geht es schlafen. Ich bin sicher, das klingt alles mehr als langweilig. Aber es funktioniert. Jedes einzelne Aufgabe ist wichtig und verlangt volle Aufmerksamkeit. Alles hat eine Seele, die Multitasking wie selbstverständlich ausschließt.

Warum sind wir nicht in der Lage, diese Aufmerksamkeit tagtäglich aufzubringen? Sind die Aufgaben und unsere Mitmenschen es nicht wert? Sind wir einfach nicht fähig, immer nur einer Sache/Person 100% Aufmerksamkeit zu widmen? Kein Wunder, dass unsere Welt so damit beschäftigt ist, Aufmerksamkeit mit allem und jeden zu erregen. Und hier komme ich, und versuche der Seele das Multitasking abzugewöhnen.

Was ich noch gelernt habe – mal abgesehen davon, dass ich mehr Urlaub brauche? Man kann immer nur einem Weg folgen, um die nächste Hütte zu erreichen.

Hütte ist ein gutes Stichwort für Karte Nr. 5 (Sinnkarte): „Liebe zur Natur ist die einzige Liebe. die menschliche Hoffnungen nicht entäuscht“ Honoré de Balzac. Erleben Sie bewußt die Schönheit der Natur. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin