eingepackt und rundgegangen – was sonst noch angefallen ist

“Die goldene Regel lautet: Was Sie zu Hause an Besitz haben, sollte entweder nützlich sein oder etwas wirklich Schönes.“ Soweit die Aussage von William Morris. Die Steigerung wäre dann folgendes Statement von Robert Wringham: 
1. Kaufen Sie nichts oder schaffen Sie nichts an, was Sie nicht essen können.
2. Schaffen Sie alles ab, was Sie nicht regelmäßig benutzen oder das keinen besonderen ästhetischen Wert für Sie hat.“

Wo befinde ich mich da? Klar, mittendrin. Ich kaufe immer auch mal wieder Dinge, die ich nicht essen kann. Manche Sachen als Ersatz (z.B. Glühbirne), manche Dinge zum Vergnügen (z.B. Bücher), und hin und wieder auch einfach so (z.B. Kleid). Im Übrigen gehe ich stark davon aus, dass mit erstens auch alle Verbrauchsdinge wie Seife, Zahnpasta, Putzmittel usw. gemeint sind, auch wenn man die nicht essen kann. Auch bei zweitens befinde ich mich noch im Prozess des Evaluierens, Aussortierens und Loslassens. Aber zumindest in Gedanken sind diese Grundsätze bei mir angekommen.

Apropos Evaluieren: Gefühlt gibt ja so viele Ansätze wie Minimalisten und manche sagen dann von sich, sie besitzen hundert oder weniger Dinge. Ich bin bei solchen Äußerungen immer leicht demotiviert bis mittel deprimiert, weil ich ja schon allein mehr als zweihundert Besteckteile horte. Wie soll ich je auch nur annähernd auf so ein Ergebnis kommen? Für jeden Mitbewohner ein Besteckset und dann nach jedem Gebrauch abwaschen? Das mag bei einer Rucksackwanderung Sinn machen, aber im Alltag entspricht das eher nicht meiner Devise: „Life first.“ Vom Zeitfaktor mal ganz abgesehen.

Nun bin ich bei meiner Lektüre zum diesjährigen Nachhaltigkeitsprojekt auf die unterschiedlichen Varianten des Zählens gestoßen. Aha, es gibt also manche, die zählen jedes Teil, und manche, die zählen die Gattung (Gabeln, egal ob Kuchen-, Vorspeisen-, Fleischgabeln) sozusagen. Es gibt auch die Möglichkeit nach den Regeln von Beständigkeit, Abhängigkeit und Eigentum Gegenstände ganz auszuschließen. Also: Alles, was verbraucht wird (z.B. Lebensmittel), was zusammengehört (z.B. PC und Stromkabel) und was von mehreren genutzt wird (z.B. Möbel), wird nicht bzw. im Fall der Abhängigkeit nicht separat gezählt. So komme ich ganz schnell von meinen über zweihundert Besteckteilen auf Null. Von so was darf man sich also nicht verrückt machen lassen.

Und apropos verrückt machen lassen: Ich verzichte inzwischen ganz bewusst auf Dauerbeschallung und Nachrichtenflut. Die Medien bedienen unsere Ängste und Sensationslust und man hat den Eindruck, die Welt besteht nur aus schlimmen Dingen. Irgendwie befindet man sich im permanenten Schockzustand. Dabei ist das ein unrealistisches Schreckensbild. Daher findet der Radio- und Nachrichtenkonsum bei mir regelmäßig nur noch wochentags zwischen 6.00 Uhr und 7.15 Uhr statt und manchmal zur abendlichen Talkshow. Die Stille entwickelt ihre eigenen Geräusche und lässt viel Raum für die Gedanken.

Der Fernseher darf nun hin und wieder mal Fußball ausstrahlen, aber ansonsten hat sich da gegenüber letztem Jahr, dass er ca. ein bis dreimal in zwei Wochen die große, weite Welt ins heimische Wohnzimmer ausstrahlen darf, nicht viel geändert.

Der Mensch ist inzwischen fast ausnahmslos visuell unterwegs und hat verlernt, sich auf seine Sinnesorgane einzulassen. Wenn also Augen und Ohren nicht von außen reizüberflutet werden, dann eröffnen sich ganz neue Welten, wenn man es nur zulässt.

Noch zwei Hinweise:
1.      Für alle, die sich gern Anregungen und Motivation holen, kann ich den Nachhaltigen Warenkorb www.nachhaltiger-warenkorb.de empfehlen. Da gibt es u.a. montags immer eine Challenge mit zahlreichen Hintergrundinfos und Tipps.
2.      Alle, die gern die Welt verbessern möchten und dies auch beruflich, werden vielleicht bei The Changer (https://www.tbd.community/de) fündig.

Zum Abschluss folgt wieder eine Zusammenfassung. Also, dann ein letztes Mal action!

Eure Kerstin 

Verzicht kostet – ein Jahr danach

Vor einem guten Jahr habe ich hier über mein Projekt „Verzicht kostet“ berichtet und wie jeder von uns weiß, gehört zu jedem Projekt auch ein sogenanntes Tracking, eine Nachverfolgung des Erfolgs oder unter Umstände auch Misserfolgs.

Von daher möchte ich das Thema gern nochmals aufgreifen und die einzelnen Kategorien Kleidung, Lebensmittel, Gegenstände des täglichen Lebens sowie Hobbies und Luxusartikel einer Prüfung unterziehen, was ja eher einer Prüfung meiner eigenen Vorsätze entspricht. Und ich bin gespannt, ob und was sich geändert hat. Sozusagen „Verzicht kostet 2.0“.

Wir erinnern uns, angefangen hatte alles im April 2016 mit „Wie alles anfing“. Am Ende waren die Koffer und das Leben schön bunt und ich konnte für mich doch einen gewissen Erfolg verbuchen (Wunder gibt es immer wieder – hoffentlich).

 Gepäck

Nun also die Frage: Geht das noch besser? Vielleicht mit etwas weniger Gepäck und vor allem Ballast?

 Koffer

 

Also dann, action!

Eure Kerstin

Verzicht kostet – mein Nachhaltigkeitsmonat

Die Firma, bei der ich arbeite, veranstaltet einmal im Jahr einen Nachhaltigkeitsmonat. Es gibt sogar einen Nachhaltigkeitsbeauftragten, der sich ganzjährig mit dem Thema befasst. Dieser Job muss zwar zusätzlich zu den regulären Aufgaben gewuppt werden, aber das scheint zumindest gehaltstechnisch nachhaltig zu sein. Zwei zum Preis von einem sozusagen. Weniger Input (Gehalt) = mehr Output (Ergebnis). Der Traum eines jeden Unternehmers. Beim Ergebnis bin ich zuweilen skeptisch, aber Milchmädchenrechnungen scheinen in der Wirtschaft heutzutage einen großen Stellenwert zu genießen.

Nun gut, zurück zum Punkt Nachhaltigkeit. Auf meinem Blog habe ich dazu ja schon das eine oder andere dazu verfasst und regelmäßig sende ich den Tatort des Monats, bei dem ich Dinge auf die eine oder andere Art los werde und meinem Ich dadurch mehr Raum verschaffe.

Und da gerade Frühling ist und das auch irgendwie Erneuerung und Frühjahrsputz bedeutet, dachte ich mir: So ein dokumentierter Nachhaltigkeitsmonat wäre eine prima Sache. Das mache ich jetzt.

Mitgewirkt an der Idee hat eine liebe Freundin, die meinte, ich solle doch ein Nachhaltigkeitsmagazin machen. Oder über lokale Firmen und Betriebe und deren Nachhaltigkeitsbemühungen berichten. So gesehen, ist das hier also ein kleines Zwischenziel, bei dem ich erst mal mich selbst und mein Verhalten unter die Lupe nehme.

Dabei möchte ich ganz verschiedene Aspekte mit einbringen: Achtsamkeit, Umwelt, Fair Trade, Bio, Öko, Ausmisten, Entrümpeln, Minimalismus, Nachhaltigkeit usw.. Das alles kann und soll irgendwie Thema sein und darf sich gern auf alle Bereiche des Lebens ausbreiten. Da bin ich ganz offen und schaue mal, was so kommt.

Wenn ich mein Leben so betrachte, bin ich, gemessen an meinem früheren Konsumverhalten und bestimmt einem Großteil der Menschheit, schon einen ganzen Schritt in Sachen Nachhaltigkeit weiter beziehungsweise voraus. Bevor es nun Einwände hagelt, dass es nach wie vor sehr viele – zu viele – Menschen gibt, denen das Nötigste zum Leben fehlt. Ja, das stimmt. Aber es gibt einen Unterschied, ob ich freiwillig und aus ethischen und ökologischen Gründen auf Dinge verzichte, oder ob ich aufgrund von Armut gar keine andere Wahl habe.

Meine Grundbedürfnisse wie Nahrung, Wohnung, Arbeit sind schließlich gedeckt und ich lebe, objektiv betrachtet, sicher. Ich kann es mir so gesehen „leisten“, mein Handeln und Konsumieren zu hinterfragen.

Aber darauf werde ich sicherlich zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zurück kommen. Mittlerweile gibt es ja dazu auch schon eine Menge Literatur. Ein paar Werke studiere ich gerade und werde davon das eine oder andere hier auch einfließen lassen.

LesestoffSo viel zur Einleitung zu meinem neuen Projekt „Verzicht kostet – mein Nachhaltigkeitsmonat“, bei dem ich jeden Tag etwas zum Thema hier posten möchte. Soweit der Plan. Ich bin gespannt, wie sich die Idee so entwickelt.

Ach ja, falls jemand Wünsche und/oder Anregungen hat, über was ich dahingehend mal schreiben sollte: Einfach mir im Kommentarfeld oder über das Kontaktformular eine Nachricht zukommen lassen, dann nehme ich das gerne mit auf. Und ja, Mitmachen ist ebenso erlaubt. Ich bin sicher, viele Leser haben selbst ganz tolle Ideen und Erfahrungen in puncto weniger-ist-mehr.

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tag 23: Masterplan

Tag 23Ein sogenannter Masterplan ist eigentlich schon fertig. In etwa 2008 habe ich als Geschenk von einem Kunden ein personalisiertes Notizbuch mit dem Titel „Drehbuch des Erfolges – Ideen, Gedanken, Strategien“ erhalten. Ein Wälzer mit ca. fünfhundert unbeschriebenen Seiten. Dieser lag lange Zeit ungenutzt in meinem Schrank. Bis zu dem Tag, an dem ich den Bericht über den Appalachian Trail sah und dann den Entschluss fasste, diesen selbst einmal zu wandern.

Seitdem füllt sich das Buch zusehends. Neben meinen Gedanken finden sich dort auch solche, die mir beim Lesen diverser Reiseberichte in den Sinn gekommen sind. Dann sind da ein paar Listen Ausrüstungstipps aus verschiedenen Überlebensbüchern, Zeichnungen mit Knoten und Anleitungen zur Wassergewinnung. Auch wie man Pflanzen auf Essbarkeit testet habe ich vermerkt. Vorbereitungstipps und Denkzettel, welche Bücher ich mir bei Gelegenheit noch zu Gemüte führen sollte.

Ich kenne mittlerweile so ziemlich alle Bücher, die über den Trail verfasst wurden. Manchmal allerdings denke ich, dass ich dadurch den Weg schon fast kenne. Und dann hoffe ich natürlich, dass ich es noch genießen kann und nicht immer an Stellen aus Berichten denken muss, wenn ich unterwegs bin. Wobei, es ist ja noch etwas hin. Die Chancen, dass bis dahin mein Erinnerungsvermögen nicht mehr so frisch ist wie heute, stehen ganz gut.

Experimente mit Packlisten in Excel-Form sind auch schon erfolgt. Eine wurde während meiner Tour durch die Alpen und auch auf dem Meraner Höhenweg getestet und für gut befunden.

Was noch fehlt ist eine längere Tour mit Zelt und Kocher. Der Verkäufer aus dem Outdoorladen kennt mich schon und von daher fühle ich mich in ganz guten Händen, wenn es um die Auswahl der letzten Ausrüstungsgegenstände geht. Etwas, was ich von meinem Bankberater nicht unbedingt behaupten kann. Der wechselt irgendwie öfter als ich es schaffe, tatsächlich in der Filiale zu erscheinen. Gut, bei meinen geringen Spareinlagen lohnt sich wahrscheinlich keine groß angelegte Betreuung. Hier muss an dem Finanzierungsplan also noch etwas nachgebessert werden.

Bleibt am Ende noch die Trennung von all den Dingen, die einen mit aller Macht an die Sesshaftigkeit fesseln. Aber wenn der Papst nur einen Koffer bei seiner Ankunft in Rom hatte, dann schaffe ich das auch. Ist auch nicht so schwer. Zwei Koffer waren auch mein Hab und Gut, mit dem ich mal ausgewandert. Zweimal sogar. Vielleicht muss ich dann lediglich bei meinem Tatort-Projekt „Wie man sich mehr Raum verschafft“ etwas schneller und großzügiger vorgehen.

So gesehen bin ich eigentlich schon recht weit. Den Wunsch also nochmals zu beschreiben, bringt dahingehend weder mir noch den Lesern hier etwas. Wenn jemand aber noch Fragen hat, wie genau ich mir das vorstelle, dann gerne melden.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Die Kunst des Gebens

Karte Nr. 20: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herzen, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Sie etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“

Ja, ich muss zugeben, es ist nobler die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu spenden. Man hilft anderen, man hilft, Rohstoffe zu sparen, Und ja, ich glaube, die meisten von uns besitzen mehr als sie wirklich brauchen. Seit über einem Jahr nun versuche ich meinen Haushalt zu minimieren und mich von Sachen zu trennen, die ich doppelt/dreifach habe und/oder aus irgendwelchen Gründen horte. Das fühlt sich gut an. Also das Trennen und Loslassen. Jedes mal, wenn ich etwas aussortiere, fühle ich mich ein bisschen besser – etwas leichter. Doch wenn ich so den ganzen Hausstand um mich herum betrachte, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass ich locker noch 80% weggeben könnte und es würde trotzdem nicht zu irgendwelchen schwerwiegenden Einschränkungen führen. Vor Jahren passte mein Hab und Gut in zwei Koffer. Ist das zu glauben? Okay, das waren nur Kleider, Bücher und diverser Kleinkram. Aber nichts desto trotz. Heute bräuchte ich locker zwei von diesen Schrankkoffern allein für meine Kleider. Sind es am Ende all die Dinge, die ich mein Eigen nenne, der Grund, warum ich oft nicht so zufrieden und glücklich bin wie ich es sein sollte?

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und den Urheber der Aufgabe nachzuschlagen – Stefan Klein. Er ist ein recht bekannter Autor wissenschaftlicher Bücher. Unter anderem: „Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt“, in dem er darstellt, dass uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher macht. Sehr schön, dann scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein, aber eben immer noch am Anfang.

Also habe ich meinem Keller einen Besuch abgestattet. Ja genau, der Raum, in dem alles gelagert wird, was man eines Tages eventuell brauchen könnte, irgendwo in der fernen Zukunft, die doch niemals zu kommen scheint. Ich beispielsweise hebe Kleider – eigene, die nicht mehr getragen werden und abgelegte Kindersachen, die ich aussortiert habe – auf. Daneben Bücher, welche ich nicht besonders mochte und nicht mehr benötigte Spielsachen. Nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, für solche Dinge habe ich ein extra Abteil. Eher deshalb, weil das meiste irgendwann mehr oder weniger viel Geld gekostet hat und zum Wegwerfen zu schade ist. Daher schleppe ich es jedes Mal auf irgendwelche Flohmärkte und komme dann immer noch mit Massen wie es scheint wieder zurück. Wozu also aufheben, wenn ich anderen damit helfen kann? Bin mir nicht sicher, ob ich „glücklicherweise“ sagen sollte, aber seit geraumer Zeit kommen mehr und mehr Flüchtlinge in unserer Gemeinde an. Jeden Tag hört und liest man erschütternde Bericht. Und ich fühle mich richtiggehend hilflos. Wegen des ungerechten Schicksals, wegen der Greueltaten, zu der Menschen fähig sind.

Einen ganzen Tag habe ich dem Keller gewidmet und mich durch sämtliche Kisten gewühlt. Kleider, Schuhe, Sportsachen/-ausrüstung. Schulsachen, Bettwäsche, Handtücher, Bücher. Gut, keine Bücher, da ich immer noch von einen kleinen Buchcafé träume, in dem Leute sitzen, reden und lesen können. Am Ende waren es acht Umzugskisten. Große Umzugskisten. Und damit ich es mir nicht anders überlege, wurden diese direkt in die Garage vor mein Auto gestellt, dabei Gefahr laufend, einen Anruf der Hausverwaltung von wegen Sachen in der Tiefgarage lagern usw. zu erhalten. Aber ich dachte: Ist ja nur für einen Tag oder zwei bis ich weiß, wo ich die Sachen hinbringen kann. So weit der Plan. Noch am Abend schrieb ich ein Mail an die lokale Asylbehörde, nur um eine Antwort zu erhalten, dass man selbst nichts annehme. Dafür waren jede Menge Web-Adressen aufgeführt, an die ich mich wenden könne. Also gehe ich auf die Website der örtlichen Kleiderkammer. Nur um dort zu lesen, dass man derzeit nur Männerkleider für den Winter annehmen würde. Tja, das mag daran liegen, dass Männer von Haus aus nicht so viele Klamotten besitzen oder aber mehr an ihnen hängen. Wie auch immer, es schien, als ob ich kein einziges Teil loswerden würde. Kein Mann, keine Spende. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon mal, als ich an die zwanzig Stofftiere in der Wertstoffbörse abgeben wollte, dort aber zurück gewiesen wurde, weil man nur Markenstofftiere – sprich Knopf im Ohr – nehmen würde. Mir war nicht klar, dass Bedürftige so wählerisch sind.

Einen kleinen Erfolg hatte ich mit zwei Brillen, die ich im Brillengeschäft abgeben konnte. Allerdings kann ich nur hoffen, dass diese auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sicherlich auch ein Grund, warum ich die aussortieren Sachen nicht einfach in einen der öffentlichen Container werfen wollte. Was weiß ich, was aus denen wird. Wird es verkauft, irgendwohin versandt und dort damit Profit gemacht, geschreddert, um Lappen daraus zu fertigen? Ich wollte doch vor Ort helfen, nicht noch mehr Abfall produzieren und irgendwelche windigen Firmen mit dubiosen Firmenpraktiken unterstützen. Also musste ein neuer Plan her.

Daher habe ich meine Zeit gespendet. Besser gesagt, werde ich meine Zeit meinen gerade gegründeten Buchclub – Die Buchgesellschaft – widmen. Ein kleiner Schritt in Richtung Buchcafé und wir haben sogar schon einen Blog gestartet: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com. Am Rande unseres ersten Treffens kam auch das Thema „übervoller Kleiderschrank und Überfluss im Allgemeinen“ zur Sprache. Dass man eben nicht vier schwarze Hosen braucht und zig verschiedene, bunte Oberteile. Uni und schlicht lassen sich immer kombinieren und mit Accessoires aufpeppen. Mein Vorsatz, in 2015 nur Kleidungsstücke zu kaufen, die ich wirklich brauche, weil kaputt oder so, war geboren. Danke, liebe I., nochmals für das inspirierende Gespräch.

Und da musste ich wieder an die unseligen Kisten in der Garage denken. Also unternahm ich einen letzten Versuch und habe trotz Hinweis, dass nur Männerkleider angenommen werden, einfach gefragt. Und siehe da, die Damen in der Kleiderkammer haben sich so gefreut, dass ich am liebsten mich gleich erkundigt hätte, ob sie noch jemanden zum Helfen brauchen. Gut, das hebe ich mir dann doch noch für später auf. Tja, und nun fühle ich mich noch ein gutes Stück leichter. So einfach ist das, mit der Kunst des Gebens.

Damit wären nun noch zehn Karten übrig. Ich werden den Rest nach Kategorien „abarbeiten“. Komfort, Power und schließlich Sinn. Hier Karte Nr. 21.: „Sie sehen das Postive: Machen Sie einem Menschen ein Kompliment oder loben Sie jemanden, der es verdient hat. Sie werden erkennen, es tut Ihnen beiden gut.“ Puh, eine schwierige Aufgabe in einer Welt, in der Erfolg fast ausschließlich in Zahlen gemessen wird. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort des Monats Januar

Täter kommen ja bekanntlich immer an den Ort des Verbrechens zurück und so geht es mir auch irgendwie. Inzwischen könnte man auch fast behaupten, dass es eine Sucht ist, dieses Ballastloswerden. Denn immer wieder stolpere ich über Dinge, bei denen ich mich dann frage, ob ich sie noch benötige bzw. jemals benötigen werde und/oder weiter aufheben soll. Von daher habe ich mich entschlossen, einen Fund, den ich besonders kurios finde, als Tatort des Monats von nun an zu posten. Los geht es:2013_01

Tatortecke des Monats: Küche, Spülbecken.

Tatbestand: Könnte fast zeitgleich mit dem anderen „außerirdischen“ Gegenstand vor Tag 33 aus einer anderen Galaxie bei mir gelandet sein. Na ja, zumindestens ebenso häufig habe ich es genutzt, wenn überhaupt. Auflösung des Rätsels: Es ist eine Händesaubermachmetallteil. Also, keine Ahnung, wie man es in der Fachsprache nennt, aber angeblich soll man damit unangenehme Gerüche von den Händen bekommen. Wie Zwiebeln und Knoblauch und dergleichen. Ganz ohne Seife. Nur Wasser und das Metalldreiecksei.

Tatortsäuberung: Bis jetzt waren Seife und Wasser immer ausreichend für meine Hände. Aber vielleicht war das auch der Grund für die (schlechten) Ergebnisse beim Aus-der-Hand-Lesen. Egal, alte und wie man sieht auch manch neue Gewohnheiten sind schwer abzulegen. Also Sortierung der Wertstoffe nach Metall und Plastik.

Tag der Abrechnung – Wie man sich mehr Raum verschafft

Etwas über einen Monat ist es her, dass ich Karte Nr. 8 gezogen habe: „Schaffen Sie sich Platz: Feng-Shui für die Seele. Trennen Sie sich von Ballast, den Sie schon lange loswerden wollen – egal ob von der Nervensäge auf Facebook oder dem kaputten Radio in der Küche.“

Seitdem war ich schwer mit Aufräumen beschäftigt. Und wie. Ich konnte gar nicht mehr aufhören. Was mir dabei alles in die Hände gefallen ist, kann unter „Wie man sich mehr Raum verschafft“ nachgelesen werden. Habe ich nun mehr Platz? Sicherlich. Ebenso sicher werde ich meine Augen weiterhin offen halten, um erstens weiter das Gerümpel in Schach zu halten und zweitens erst gar nicht mehr so viel Schnickschnack anzuhäufen. Soweit der Plan.

Habe ich auch mehr Platz für meine Seele? Hm, fraglich. Denken wir doch bei Ballast eher an den emotionalen Ballast, die man durch eine simple Aufräumaktion nicht so einfach los wird. Das Problem mit derartigen Erinnerungsträgern ist auch, dass wir diese bisweilen sogar ganz gut leiden können. Zum Beispiel ein Schal – Geburtstag- oder Jahrestagsgeschenk: Im Grunde tragen wir den Schal gern, weil er kuschelig und schön ist, werden aber auch gleichzeitig an etwas erinnert, das wir gern aus unserem Gedächtnis streichen würden. Was passiert, wenn wir uns dann doch von dem Gegenstand trennen? Ein Schal lässt sich vielleicht einfacher „verschmerzen“ als vielleicht ein Möbelstück, welches nun auch noch einen leeren Platz hinterlässt, der uns obendrein und zusätzlich an das Fehlen eines solchen erinnert. Also muss unter Umständen ein Ersatz gefunden und angeschafft werden. Wie erfolgreich mag ein solcher Austausch wohl sein? Würde ich nicht automatisch nach etwas dem Original sehr Ähnlichem suchen und mich dann fast schon gezwungener Maßen mit einer unzureichenden Kopie abgeben, die ich dann nur bedingt gut finde? Oder wage ich etwas total Neues? Etwas, was womöglich im ersten Moment überhaupt nicht mein Stil ist.

Und was passiert mit solchen Erinnerungsstücken, die neben dem immateriellen Wert einen tatsächlichen haben? Schmuck – ein Klassiker. Wenn ich diesen verkaufe und mir etwas davon gönne, eine Massage beispielweise, kann ich diese dann auch genießen? Oder ich kaufe ein Gemälde. Muss ich dann beim Betrachten vielleicht ständig daran denken, was den Erwerb möglich gemacht hat?

Das Problem ist, je älter man wird, um so mehr seelischer Ballast häuft sich an, von dem man sich eventuell (noch) nicht bereit ist zu trennen.

Selbstverständlich schaffen wir uns auch selbst Dinge an, die wir mit Erinnerungen belegen. Vielleicht gerade weil es uns seelisch schlecht geht, kaufen wir etwas als Ersatzbefriedigung. Vielleicht eine Kaffeetasse. Kann diese es jemals zur Lieblingstasse schaffen oder fristet sie im hinteren Teil des Schrankes ein ewiges Schattendasein? Was passiert mit Dingen, die aus einem bestimmten Anlass bzw. mit einer gewissen Absicht in unserem Besitz sind? Ein Beispiel: Ich habe mir vor Jahren, aus Freude über eine neue Wohnung, um das Glück noch zu verstärken bzw. zu erhalten, einen sogenannten Lucky Bamboo gekauft. Er hatte Wasser und stand am Fenster. Mehr braucht so ein Glücksbringer eigentlich nicht, wenn ich die Gebrauchsanweisung richtig gelesen habe. Dann aber wurde in meine Wohnung eingebrochen. Ein Anti-Glückfall sozusagen. Wo war der Bambus, möchte ich gern wissen? Im Grunde hätte ich ihn nach dieser Aktion wahrscheinlich kurzerhand rauswerfen sollen. Aber nein, ich habe ihn behalten und seitdem zieht er mit mir durch die Welt. Und das wohl eher, da ich schon fast Angst habe, noch mehr Unglück anzuziehen, sollte ich mich von ihm trennen. Nun aber kommt das Paradoxe: Ich kümmere mich nur sehr nachlässig um die Pflanze, da ich dem grünen Stängel noch immer böse bin wegen des Einbruchs. Heißt das nun, dass ich damit weiteres Unglück herauf beschwöre oder war der Lucky Bamboo am Ende von Anfang an nur ein Unglücksrabe im Schafspelz und ich hätte ihn damals schon zu Kleinholz verarbeiten sollen? Was, wenn nun das Unglück mein ständiger Begleiter ist? Und wenn ja, wie werde ich es los?

Zurück zur Bilanz und dem Tag der Abrechnung für Karte Nr. 8. Neben all den materiellen Dingen habe ich es schließlich doch noch geschafft, etwas Seelensäuberung zu betreiben, bei dem mir der Zufall zu Hilfe kam. Ich gehöre zu den Menschen, die ein Handy lediglich dafür benutzen, wofür es geschaffen wurde: Zum Telefonieren. Gut, hin und wieder ist auch die eine oder andere SMS dabei. Vielmehr mache ich damit nicht. Von daher besitze ich ein recht altertümliches Modell mit Tasten. Ich habe keine Apps zum Errechnen der perfekten Eierkochzeit und ich kann keine Musik damit hören. Tja, man könnte sagen, ich behandle mein Handy fasr ebenso nachlässig wie den Bambus. Zumindestens sieht es recht mitgenommen aus. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es passt in die Hosentasche ohne diese auszubeulen und in eine kleine Abendhandtasche. Allerdings mangelt es an Eleganz und inzwischen auch Funktionalität. Mit Klebeband wurde unlängst das Display zum Durchhalten bewogen. Die Ecken haben sich schon vor längerer Zeit bei diversen Abstürzen verabschiedet. Und vor kurzem muss die im Gerät eingebaute Antenne einen Knacks abbekommen haben, da ich zusehends und immer öfter nur Notrufe absetzen hätte können. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Christkind hatte Erbarmen oder Mitleid oder Angst um mein Seelenheil und mir großzügigerweise unter den Weihnachtsbaum ein schickes Smartphone gelegt. Während ich die alte SIM-Karte in das neue Handy eingelegt habe, bin ich über meine Kontakte gestolpert. Viele von denen kann ich schon gar nicht mehr als Kontakt bezeichnen, da bereits seit Jahren ein solcher nicht mehr besteht oder auch noch nie bestand, wenn es sich um vom Mobilfunkunternehmen vorinstallierte Nummern handelt. Manch einer war mit drei verschiedenen Handynummern versehen. Andere wiederum wurden mal für berufliche Zwecke benötigt. Und einige haben sich tatsächlich aus meinem Leben verabschiedet oder ich mich aus ihren. Und so habe ich das alte Handy gespendet, obwohl ich glaube, dass selbst Bedürftige mein Angebot ausschlagen werden. Und mit dem alten Handy habe ich mich nun von vielen seit langem überflüssigen und ungenutzten Telefonnummern getrennt. Dabei sind mir jede Menge schöne Erinnerungen durch den Kopf gegangen und ich bei jedem Löschen habe ich einen Abschiedsgruß mit auf den Weg gesandt. Und wen es interessiert: Die Eierkochapp wird auch jetzt nicht bei mir Einzug halten, denn da halte ich es wie Loriot und koche die nach Gefühl oder mit der guten alten Eieruhr.

Bleibt noch die Vorschau auf die neue Aufgabe. Passend zum energiegeladenen Vormonat eine Powerkarte: „Seien Sie mutig. Tun Sie etwas, das Sie Überwindung kostet – gehen Sie zum Beispiel abends allein zum Essen. Verstecken Sie sich nicht hinter einer Zeitung, sondern beobachten Sie bewusst die Leute. Herausforderungen durchbrechen die Routine und fördern die Lebenslust.“ Na dann, Prosit Neujahr und bis in einem Monat.

Eure Kerstin

P.S.: Ach ja, und für den Bambus werde ich einen Freund kaufen. Schließlich ist keiner gern allein. Und vielleicht bringt ihn das auf andere Gedanken.