Zeitreisen in die Gegenwart: Codename Titanic

Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, so heißt es bei Jürgen Markus. Und manchmal ist das neue Leben sogar so neu, dass es einen selbst und alles Bisherige gehörig durcheinander würfelt. Viel Unsicherheit und manches Zögern geht damit einher. Beiderseitiges. Kopfmenschen mit hypersensiblen Antennen wie meiner einer wissen, wovon ich rede.

Statt Rückenwind, der einen von einer Wolke sieben zur nächsten trägt, steht man so manches Mal im Auge des Orkans. Unlängst hat mich das zu der Aussage veranlasst, dass ich mir in solchen Zeiten einfach vorstelle, ich wäre die Rose aus „Titanic“ und würde vorn am Bug des Schiffes stehen. Der Geliebte als Halt, Anker und Augenöffner hinter mir.

Die Romantik dieser Szene reicht dann bis zu dem Gedanken an die Zukunft, wenn einem klar wird, dass es statt Happy End zur Katastrophe kommt. Zumindest im Film. Vorerst. Denn noch sind wir eher wie zwei Planeten, die sich umkreisen, gleichzeitig gleichermaßen zu einander hingezogen wie von der eigenen Masse auf der zugehörigen Umlaufbahn fixiert. Und dann versuchen Zweifel wie Gewichte sich an mich zu hängen und ich frage mich, ob ich nicht nur als Wind- und Wellenbrecher an erster Stelle stehe denn als geliebtes Wesen.

Die Angst vor dem Schiffbruch ein ständiger Begleiter und so rufe ich dem Geliebten das Codewort Titanic zu, wann immer der Sturm in mir tobt, damit er weiß, dass ich kurz vor dem Untergang bin.

Sieben auf einen Streich – „Der englische Patient“ von Michael Ondaatje

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Wer „Der englische Patient“ gelesen hat, wird mir beipflichten: Es ist eine wirklich verworrene Story. Unzählige Handlungsstränge verknüpfen sich, die Erzählperspektive ändert sich und hin und wieder steigt man nicht dahinter, was in der Geschichte gerade passiert. Aber eines ist sicher: Die Liebe zur Wüste kommt durch und hält einen in ihrem Bann.

Wie und warum ich zu dem Buch gekommen bin, kann ich nicht mehr sagen, aber gelesen habe ich es vor Erscheinen des gleichnamigen, oscarprämierten Filmes. Und ich weiß noch, dass ich damals hauptsächlich genau deswegen, ganz entgegen meiner Überzeugung, entweder Buch oder Film, in den Film gegangen bin, weil ich mich gefragt habe, wie man aus solch einer Vorlage überhaupt einen Film machen kann. Was soll ich sagen? Das Ergebnis war überwältigend. Der Nachteil ist allerdings, dass nun die Filmbilder die Lektüre überlagern und ich immer nach „anderen“ Geschichte suche.

Und schon allein deshalb gehört es eigentlich zu meinen Grundsätzen, dass ich mich immer nur für eine Variante entscheide: Lektüre oder Film. Bei den wenigen Ausnahmen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe, wurde ich prompt enttäuscht. Vom Film wohlgemerkt. Aber, „Der englische Patient“ war anders. Überwältigend. So sehr, dass ich immer mal wieder von einer Wüstensafari träume.

Und sogar so sehr, dass ich im Nachgang das Buch „Schwimmer in der Wüste“ von Ladislaus E. Almásy, der die Vorlage für den englischen Patienten verkörpern soll, gelesen habe.

„In Tassili habe ich Felszeichnungen aus einer Zeit gesehen, als die Saharabewohner in Binsenbooten Jagd auf Walrösser machten. Im Wadi Sura sah ich Höhlen, deren Wände mit Zeichnungen von Schwimmern bedeckt waren. Hier war einst ein See gewesen. […] Immer noch findet man Harpunen in der Wüste. Es war ein Wasservolk. Selbst heute gleichen Karawanen Flüssen.“

Und, ähnlich bewegen sich auch die Protagonisten in „Der englische Patient“, Gestrandete des Krieges in einer mediterranen Villenruine, Zeitzeugen längst vergangener Epochen. Wie Schwimmer in der Wüste. Eine Oase inmitten der Wüste.

 

Also dann, bis morgen.