nachgeschlagen und umgeblättert – die Bücherwurmfrage

Mein Luxusobjekt: Bücher. Ein ganz schwieriges Thema für mich. Vor allem in punkto Verzicht. Ein paar Lichtblicke gibt es allerdings doch zu berichten:

1.      Die Kosten sind leicht gesunken und liegen derzeit bei ca. €60,00 pro Monat, Tendenz weiter fallend. Allerdings tue ich mich seit geraumer Zeit wirklich schwer, eine gute Lektüre zu finden. Ich weiß, ich bin da sehr eigen und für eine echte Leseratte wird der Stoff, der einen fesselt, mitunter mit der Zeit dünner und gleichzeitig greift man im Buchladen, an dem man einfach nicht vorbei kommt, auch öfters mal daneben. Inzwischen landen aber auch vermehrt Sachbücher im Einkaufskorb. Wahrscheinlich ein Nebeneffekt davon, dass ich versuche, mehr im realen Leben unterwegs zu sein und nicht immer nur davon zu träumen. Aber die Qual der Wahl – zumindest bei der Lektüre – ist schwer. Mein neuer Ansatz dahingehend ist, dass ich meine häusliche Bibliothek in Angriff nehme und sortiere: Nach war-ganz-nett-aber-das-es-auch-schon und super-muss-ich-nochmal-lesen und dann letzteres konsequent durchziehe und danach nochmals in die Waagschale werfe. Die Bücher der Kategorie nett würde ich verschenken und/oder lagern, falls der Traum eines eigenen Ladens es doch noch in die Wirklichkeit schaffen sollte. Zieldatum in dem Fall: Zehn Jahre. Das klingt jetzt lang, aber die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen für Bücher und Aufzeichnungen liegen auch bei zehn Jahren. Vergleich hinkt etwas, aber manche Dinge brauchen Zeit – auch in der heutigen Schnelllebigkeit noch.

2.      Zeitschriften sind mittlerweile nahezu ganz gestrichen. In 2017 habe ich erst 5 Stück gekauft. Zwei Wirtschaftszeitungen und drei Outdoormagazine, Tendenz ebenfalls fallend.

3.      Die elektronische Bibliothek, die ein Geschenk zu Weihnachten war, wurde bis vor kurzem mit konsequenter Nichtbeachtung bestraft, bis der Mann an meiner Seite Gefallen an dem handlichen Kumpanen gefunden hat. Und sein Urteil war recht positiv, so dass ich durchaus gewillt bin, dem Kleinen eine Chance zu geben. Ein Buch wurde auch schon „gekauft“ und wartet nun darauf, dass es an der Lesereihe ist.

4.      In Zusammenhang mit drittens (dem Mann, nicht dem Stromfresser) hat sich eine neue, sehr schöne Gewohnheit entwickelt: Das Vorlesen. Macht man gerne mit Kindern und dann wieder am Ende des Lebens, aber so mittendrin eher selten. Nicht jedes Buch eignet sich und das nicht nur, weil die Geschmäcker doch recht verschieden sein können. Aber es bietet mehr Zweisamkeit und Gesprächsstoff als ein gemeinsamer Fernsehabend – zumindest nach meiner Erfahrung. Und es funktioniert auch in der Gruppe, wie die Treffen der Buchgesellschafter regelmäßig zeigen. In dem Zusammenhang ein Dank an die Gesellschafter, dass sie immer meine Kuriositäten aus dem Bücherregal wohlwollend aufnehmen.

5.      Was noch aussteht, ist der Versuch, Bücher gebraucht zu erwerben. Wie gesagt, manche Dinge brauchen etwas (mehr) Zeit.

Neben den Reisen im Kopf, stehen auch Reisen an sich hoch im Kurs. Dazu nächstes Mal mehr. Also dann, action!

Eure Kerstin 

P.S.: Zu den Büchern auf dem Foto sage/schreibe ich später noch ein paar Sätze.

Geschmacksfragen

Alle sechs bis acht Wochen tauchen die Gesellschafter und ich ein in andere Welten. Nämlich immer dann, wenn sich unsere Buchgesellschaft trifft. Dann versuchen wir uns als literarisches Quartett und gleichzeitig schlemmen wir (meist stilecht zur Lektüre) ausgiebig. Wobei der literarische Anteil oftmals zu Gunsten der schnöden Realität und den Gaumengenüssen vernachlässigt wird.

Meist liegt das gar nicht so sehr an uns als vielmehr am Lesestoff, den es zu verdauen galt. Also sind wir, vielmehr ich, da ich eine Vorauswahl treffe, doch irgendwie schuldig, denn schließlich suchen wir uns das seitenstarke Unglück ja selbst aus.

Im Moment liegt die „Erfolgsquote“, also Werke, die wir alle gut fanden, bei noch nicht einmal 22%. Selbst der aktuelle Regierungspartner im Bundestag hatte da bei der letzten Wahl mehr vorzuweisen und man sieht ja, was dabei herauskommt, wenn man mit Minderheiten versucht, ein Land beziehungsweise 80 Millionen Meinungen unter einen Hut zu bringen. Klappt noch nicht mal im kleinen Viererkreis unserer Buchgesellschaft und das, obwohl wir uns alle mögen. Doch damit genug in der kleinen politischen Ecke aufgehalten.

Sicherlich spielt beim Lesen der Geschmack die größte Rolle und der ist nun mal bei jedem sehr individuell. Umso erstaunlicher ist es daher, dass die als Klassiker gehandelten Bücher von uns durchweg als lesenswert und gut bewertet wurden. Ich finde das durchaus bemerkenswert, weil ja gerade diesem Genre ein gewisser Ruf von Schwere und Staub und Langeweile anhaftet. Gleichzeitig aber manifestiert sich damit zu Recht der Begriff Klassiker. Bei den modernen Werken waren wir uns nie einig und die meisten sind auf der Geschmacksskala durchgefallen. Wir waren jedes Mal regelrecht froh, dass es so viele Leckereien und andere Gesprächsthemen gab.

Klassiker

Lange Rede, kurzer Sinn: In Zukunft kommen nur noch Klassiker auf die Leseliste. Und wir fangen gleich damit an. „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams steht auf dem Plan und da freue ich mich schon so richtig drauf. Und natürlich ganz besonders auf die Gaumengenüsse. Ist eben alles eine Geschmacksfrage.

Kerstin und die Buchgesellschafter

Von Weißkitteln und anderen Dingen, die nicht von dieser Welt sind

Es wirken mit:Mystik

  • Nackte und nüchterne Tatsachen
  • Die Freundin und die Liebe
  • Eine Banane und ein Bounty
  • Weißkittel und andere überlebensgroße Gestalten

Unlängst durfte ich vier Tage im Krankenhaus zubringen. Also, nicht auf einmal, sondern schön verteilt auf kleine Häppchen. Das hatte mehrere Vorteile: Ich konnte jeweils nicht lange nachdenken, sondern wurde direkt und unmittelbar mit allem konfrontiert. Und ich habe nahezu zwei Bücher in dieser Zeit gelesen. „Der raffinierte Mr. Scratch“ (444 Seiten) und „Die Bücherdiebin“ (586 Seiten). Von daher weiß Ich nun, dass es einen Unterschied zwischen dem Tod und dem Teufel gibt und dass beide sehr, sehr menschlich sind und ein großes Herz haben. Vielleicht nicht die beste Lektüre, wenn man sich an Orten rumtreibt, an denen Dinge sich mitunter zwischen Leben und Tod bewegen. Andererseits wäre das selbst für mich doch ein bisschen zu mystisch gewesen.

Bis zu jenen schicksalhaften vier Tagen, war ich in bisherigen meinem Leben nur dreimal in Folge von Verletzungen im Krankenhaus und einmal zur eigenen Geburt und der des Nachwuchses. An das das erste Mal erinnere ich mich nicht mehr. Da muss ich so vier oder fünf gewesen sein und mein schon damals ausgeprägter Sturkopf schloss unfreiwillig Bekanntschaft mit dem Türstock, der als Sieger hervorging und mir eine Platzwunde bescherte, die genäht wurde. Tja, ob es daran lag, dass ich mich gern erinnern oder die Sturheit meines Schädels zu einem späteren Zeitpunkt nochmals testen wollte, kann ich nicht so genau sagen, aber jedenfalls wurde das Experiment in ähnlicher Konstellation wiederholt. Doch leider zog mein Kopf auch beim zweiten Mal den Kürzeren, so dass ich heute zwei Narben als Trophäen auf der Stirn trage. Beim dritten Mal durfte ich mir eine Tetanusspritze in den Allerwertesten jagen lassen, die dafür sorgte, dass ich mein aufgeschürftes Knie völlig vergaß, weil ich so damit beschäftigt war, eine schmerzfreie Sitzposition zu finden, die erträglich war.

Und nun also das: Vier Aufenthalte in zehn Tagen. Als sich bei Nummer drei der erste Schock über die Tatsache, dass ich neben meiner ersten OP auch noch gleich die Premiere einer Vollnarkose erleben beziehungsweise verschlafen darf, gelegt hatte, fragte ich mich insgeheim schon, ob ich dafür den „richtigen“ Tag ausgesucht hatte. Schließlich war es der Todestag meiner Mutter. Aber das wäre dann selbst für mich etwas zu mystisch gewesen.

Auf dem Monitor kann ich meinen Herzschlag sehen, der wie ein aufgeschreckter Schmetterling wild in meiner Brust flattern und den ich verzweifelt mit sanften Bildern und Atemübungen versuche, zu beruhigen. Selbst die Schwester blickt ein paar Mal sorgenvoll in meine schreckgeweihteten Augen. Der diensthabende Anästhesist versichert mir, dass sie „ein ganz tolles Schlafmittel“ haben und sie „gut auf mich aufpassen“ werden. Wenn man mit einem rasenden Puls und völlig nackt und seit fast zwanzig Stunden nüchtern, also fast am Verhungern, auf einem Gitterbett liegt und mit zig Dioden und Schläuchen verkabelt ist, wirkt das nicht gerade vertrauenserweckend. Der Schmetterling in meiner Brust sorgt dafür, dass ich das Rauschen meines Blutes bis in die Haarwurzeln fühlen kann. Und dann sehe ich mich auf einer Bank vor meiner Hütte in den Bergen Hand in Hand mit dem Mann an meiner Seite sitzen, während die letzten Sonnenstrahlen durch das Tal vor uns ziehen. Und dann ruft jemand unsanft meinen Namen. Und noch mal. Tja, so brutal kann die Wirklichkeit sein und so schnell sind zwei Stunden vorbei. Der beste Schlaf, den ich seit Ewigkeiten hatte. Alles andere wäre selbst für mich etwas zu mystisch gewesen.

Noch etwas wacklig auf den Beinen, vor allem aber leicht benebelt im Kopf, holt mich meine Freundin später ab. Keine drei Stunden nach dem Eingriff. Ein Segen und zugleich Fluch der modernen Medizin: Ambulant versorgt und zuhause auskurieren. Für mich heißt das auch, die Mutterrolle in gewohnter Weise ausfüllen. Doch später dann, als es ganz still um mich herum ist, sitze ich auf der Küchenbank, genieße ich die Banane, die mir meine Freundin fürsorglich eingepackt hat und das Bounty, welches ich mir immer bei besonderen Bergtouren und dann als Gipfelbelohnung gönne. Ein bisschen Mystik tut manchmal eben ganz gut.

Eure Kerstin

 

P.S.: Das Buch „Mystik an der Leine des Alltäglichen“ kann ich nur jedem empfehlen. Auch ohne Krankenhaus. Die beiden im Text genannten Lektüren natürlich auch.

 

 

„Die schönsten Reisen finden im Kopf statt“

…so besagt es ein deutsches Sprichwort.

... Männer wahrscheinlich auch

… Männer wahrscheinlich auch

Nun, darüber lässt sich mit Sicherheit vortrefflich streiten. Wenn es um Bücher geht, werde ich sentimental. Ich liebe Buchhandlungen. Online kommt nicht in die Tüte und mit den Empfehlungen des Versandriesen bin ich irgendwie noch nie glücklich gewesen. Das ist der Nachteil der digitalen Welt und ihren Algorithmen. Man bekommt immer das Produkt, das man scheinbar will, braucht und sich leisten kann. Der Mensch wird zum automatisierten Konsumenten. Man wird entscheiden. Analog einzukaufen ist dagegen sozusagen meine persönliche Unabhängigkeitserklärung. Das sehe ich genauso wie Andre Wilkens in „Analog ist das neue Bio“.

Zurück zum Ort des Geschehens, dem vom Aussterben bedrohten Buchladen vor Ort: Darin lässt sich vortrefflich stöbern und Inspiration(en) sammeln. Und sollte das Wunschobjekt mal nicht vorrätig sein, steht der Service in nichts nach. Und man muss noch nicht mal zur Post, um die Sendung abzuholen, wenn man mal wieder den Boten verpasst hat.

Nichts geht über das Gefühl, ein Buch in Händen zu halten und die Seiten umzublättern und dann in der Geschichte zu versinken. Und wenn ich am Ende den Lesestoff in meine Bibliothek einreihe, dann lässt mich der Anblick immer wieder an das schöne Erlebnis beim Schmökern denken.

Bücherwand

Ein E-Book Reader käme mir nie in die Finger. Ich kann die Vorteile – 100 und mehr Bücher in knapp 200 Gramm – durchaus nachvollziehen, aber ich verzichte lieber auf das eine oder andere Kleidungsstück im Urlaubskoffer als auf ein Buch. Und ich habe je nach Urlaub auch gern mal vier Stück dabei. Bücher, bei Kleidern bin ich mitunter ziemlich reduziert unterwegs – nach dem isländischen Sprichwort: „Lieber barfuß als ohne Buch“. Selbst auf meinen Wanderungen ist eine Lektüre mit im Rucksack. Diese vermache ich dann gern der Hüttenbibliothek. So geschehen vor ein paar Jahren auf der Boè-Hütte, in 2873 m. Falls jemand zufällig einen Abstecher dahin macht, würde mich interessieren, ob „Die kleine Souvenirverkäuferin“ von Francois Lelord noch da ist.

Da ich von Haus aus sehr neugierig bin, schreibe ich auch meine Kontaktdaten rein und hoffe dann, dass mich derjenige, der zu meinem Buch greift, mir irgendwann ein paar Zeilen schreibt. Wie bei einer Flaschenpost. Ok, ist vielleicht doch mehr Romantik denn Neugier. Egal. So was wäre mit einem E-Book Reader nie möglich, mal ganz abgesehen davon, dass der Strom auf Hütten sehr rar ist und dem Ding wohl ziemlich schnell der Saft ausgeht.

Bücher können Welten öffnen. Als ich vor gut zwanzig Jahren „Der englische Patient“ von Michael Ondaatje gelesen habe, musste ich mir im Nachgang unbedingt „Schwimmer in der Wüste“ von Ladislaus E. Almásy, der als Vorbild für den Patienten für Ondaatje diente, zu Gemüte führen. Danach habe ich lange Zeit von einer ausgedehnten Ägyptenreise geträumt und wollte sogar Arabisch lernen. Nun, in Ägypten war ich tatsächlich – sogar mehr als einmal – aber zu einer richtigen Wüstensafari hat es noch nicht gereicht. Nur mit dem Leihwagen bin ich mal im Sand stecken geblieben, als wir einfach immer der Nase nach mitten in die Dünen gefahren sind. Das war Abenteuer genug. Und im Arabisch bin ich über die Zahlen eins bis zehn nie hinaus gekommen.

So was in der Art erlebte ich dann nochmals bei „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extence. Darin gründen die Helden eine Art Buchclub und lesen die Werke von Knut Vonnegut. Und wer die Geschichte von Alex Woods schon ungewöhnlich findet, der sollte erst mal „Galapagos“ lesen. So was Bizarres habe selbst ich selten auf meinem Nachtkästchen liegen. Und ich stehe auf alles, was eine gewisse Portion Unwahrscheinlichkeit hat und/oder vom Titel und Einband her ungewöhnlich ist. „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ von Annie Barrows und Mary Ann Shaffer ist so ein Beweis. Allerdings wurde der Titel im Deutschen auf „Deine Juliet“ umgetauft. Klingt schon langweilig, fast schnulzig. „Komisch“ und „abgefahren“ sind meist die Worte, mit denen die Buchgesellschafter und Freunde meinen Geschmack betiteln. Wobei sie wahrscheinlich nur aus Höflichkeit und guter Erziehung nicht „verrückt“ sagen, sondern nur denken.

Ob das auf die Märchen aus meiner Kindheit oder auf meine jugendliche Liebe zu allem von Michael Ende zurück zu führen ist, lässt sich inzwischen nicht mehr feststellen. Von meinen Eltern habe ich das jedenfalls nicht. Mein Vater war der Klassikvertreter und hat gern aus diversen Werken der großen, deutschen Geistesgrößen zitiert. Meine Mutter stand mehr auf Krimis. Auch scheint diese Eigenart nicht vererbbar zu sein. Der Nachwuchs liest, wenn man das überhaupt als Lesen bezeichnen kann, Comics und Mangas. Nun, wir wollen mal froh sein, dass es überhaupt Bücher über die Türschwelle des jugendlichen Mitbewohners geschafft haben. Helen Hayes sagt dazu: „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“

Ein anderes Sprichwort lautet: „Geschriebene Worte eröffnen Räume voller Bilder und Töne“. Dazu fällt mir „Überlebensgroß“ von Mark Watson ein. Darin erzählt der Held, dass er und seine Geschwister als Kinder bei Autofahrten aus den Buchstaben der Autokennzeichen immer möglichst lange Wörter gebildet haben. Das längste Wort gewinnt. Beispiel M – UC:  Mauseloch, Muschelsammler, Mondumrundungsgeschwindigkeitsmessinstrument und so weiter. Inzwischen ertappe ich mich dabei, wie auch ich bei dem Spiel mitmache, wenn ich im Auto sitze. Selbst den Ich-spiel-doch-keine-Kinderspiele-mehr-Mitfahrer kann man manchmal damit heraus fordern.

Oder „Der blinde Masseur“ von Catalin Dorian Florescu, der mich dazu gebracht hat, bewusst Bücher der Gegenwartsliteratur anderer Länder zu lesen. Dazu hatte ich auch schon mal etwas in „Lesestunde“ geschrieben. Da waren manch gruselige Stücke dabei. Also, gruselig im Sinne von schlecht, so dass ich mich wahrhaft quälen musste, diese bis zum Ende zu lesen. Denn aufgeben tue ich äußerst selten. Dann muss man vielleicht einen anderen Zeitpunkt und somit Gedanken- und Gefühlszustand wählen, damit die Geschichte zum Leben passt.

„Die Literatur gibt der Seele Nahrung, sie bessert und tröstet sie“. Das ich nicht von mir, sondern von Voltaire und beinhaltet so gesehen auch die Aussage, dass es für alles eine Zeit gibt. Aus dem Grunde kann ich auch Werke, die mich wirklich gefesselt haben, nicht gehen lassen. Das wäre, als würde ich ein Stück von mir weggeben. Undenkbar. Die Krux ist nur, dass meine Bücherwand immer weiter wächst. Bisweilen lese ich Exemplare ein zweites Mal. Hin und wieder wandert mal eines in meine Zukunftstraum-Kiste im Keller. Aber das gehört nicht hierher.

Manch Leser wird sich vielleicht nun fragen, was das alles mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat, wenn man mal vom analogen Aspekt absieht. Eine gute Frage. Wenn es danach ginge, müsste ich wahrscheinlich tatsächlich auf den Energiesklaven umsteigen, denn als ausgesprochene Leseratte wäre das die umweltschonendere Methode des Gedankenreisens. Von daher bedeutet Lesen für mich neben Leben auch Luxus, zumal ich mir in letzter Zeit vermehrt richtige Bücher, also Hardcover Editionen, gönne. Genusslesen sage ich gern dazu. Das Ganze schlägt inzwischen mit gut €70 pro Monat zu Buche. Ein ziemlicher Batzen. Ja, das finde ich auch. Hier muss also irgendwie nachgebessert werden.

Öffentliche Bibliotheken wären eine Alternative, aber die örtliche Bücherei findet bei mir keinen so richtigen Anklang und meist überkommt mich dann das starke Gefühl, dass ich den Leseschatz besitzen muss. Online-Tauschbörsen haben mich noch nicht überzeugt, weil ich eben gern haptisch unterwegs bin. Eine spezielle Art Buchhandel ist bookcrossing.com, bei dem ich gern mal Bücher in die Freiheit entlasse und auf Reisen schicke.

Bookcrossing

Wie schon oben erwähnt, mehr Romantik denn Neugier und eher eine Spielerei. Bleibt noch der Flohmarkt. Das werde ich definitiv auf die Agenda schreiben und dann später darüber berichten.

Im Zuge dieses Beitrages habe ich auch ein bisschen nachgeforscht und bin da auf einen interessanten Artikel gestoßen: „Ökologisch lesen“. Interessanterweise habe ich bis dato noch nie darauf geschaut, ob denn die Buchverlage, deren Bücher ich kaufe, umweltbewusst handeln. Tja, auf den diversen Internetseiten ließ sich da leider nichts finden. Etwas enttäuschend.

Und nun muss ich schleunigst zu meiner gerade erstandenen Errungenschaft und dem neuesten Werk eines meiner Lieblingsautoren. Darin heißt es so passend: „Denk dran, […] du bist ein Leser. […] In Büchern und in der Welt deiner Phantasie gibt es ein eigenständiges Leben; da gibt es mehr als in der realen Welt.“ Ganz genau und daher reist es sich im Kopf am schönsten.

John Irving

Was hier noch fehlt, sind sonstige Druckerzeugnisse. Denen widme ich einen extra Beitrag, sonst nimmt das hier gar kein Ende.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Tag 20: Zeitvertreib

Tag 20Wer hier zufällig zum ersten Mal hinein stolpert: Die Frage bezieht sich auf Tag 19. So viel vorweg. Tja, und alle anderen können gern auch noch mal den gestrigen Beitrag nachlesen. Da steht die Antwort im Grunde ja schon drinnen: Die Zeit ist einfach noch nicht da, wo sie sein soll.

Ändern lässt sich das auf herkömmliche Art und Weise freilich nicht. Ich könnte nun entweder eine Zeitreise in die Zukunft buchen oder „mal eben Zigaretten holen“ gehen – sprich, aus dem Staub machen. Da a) ja keine Option ist, also, was meinen Wissenstand, der durchaus begrenzt ist, wie ich gern zugebe, betrifft und b) mir keiner abnehmen würde, da ich nicht rauche, fallen beide Theorien aus. Würde mich auch nicht glücklich machen. Viele Theorien sind eben nur in der Theorie verlockend. In die Praxis umgesetzt, verliert sich so mancher Reiz recht schnell.

Also heißt es abwarten und Tee trinken. Geduldsamkeit üben und die Zeit lebenswert machen. So könnte ich zum Beispiel die Bibel und den Koran lesen. Den Buddhismus und Hinduismus entdecken. Vielleicht auch den Katechismus. Das Studium heiliger Schriften war schließlich schon immer ein hervorragender Zeitvertreib.

Während meiner Lehrzeit gab es eine Dame, die in der Telefonzentrale saß. Das war so ein halbgläserner Kasten, einem Bankschalter nicht unähnlich. Vor einem befand sich ein riesiges Pult mit Knöpfen und Lämpchen und Schaltern. So manches futuristische Raumschiff wurde sicherlich dieser Schaltzentrale nachempfunden. Doch spannend und abwechslungsreich war die Arbeit nicht im Geringsten. Im Gegenteil, es geradezu einschläfernd. Und die Zeiger der Uhr schienen auch mehr zu schlafen als sich vorwärts zu bewegen. Wir Azubis durften die Zeit daher nutzen und den Lehrstoff lernen oder unser Ausbildungsheft führen. Leider hat das nicht wirklich geholfen und war nicht minder langweilig. Besagte Dame hatte ja nun keine andere Aufgabe, als Anrufe zu empfangen und zu verbinden. Gelangweilt hat sie sich allerdings nie. Sie hat nämlich das Telefonbuch – ja, damals waren wir noch sehr analog unterwegs – gelernt oder gelesen. So genau haben wir das nie heraus gefunden. Jedenfalls hat sie immer die Einträge so leise vor sich her gesagt. Fast mantramäßig. Irgendwie unheimlich war es auch, vielleicht sogar ein bisschen verrückt, aber anscheinend für sie das Mittel, die Zeit in ihre Schranken zu weisen. Vielleicht hat auch sie darauf gewartet, sich ihren Wunsch zu erfüllen.

Gut, also zu Telefonbüchern werde ich nicht greifen. Keine Sorge. Davor kann man durchaus noch die Schriften sämtlicher Philosophen durcharbeiten und sich dann an die Werke der klassischen Literatur machen. Das sollte für den Anfang reichen. Wenn ich es mir so recht überlege, es gibt noch so viel zu erleben, bevor ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen kann. Da macht mir das Warten fast nichts aus. Und Warten kann ja auch was Schönes sein.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Tag 1: Gewohnheiten und Widersprüche

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und voller Widersprüche. Vor nicht mal einem Monat sind meine alten Tagebücher dem Feuer zum Opfer gefallen. Gewollt, möchte ich hier betonen. Nun bin ich über ein kleines Heft gestolpert: „30 Tage Schreiben“. Vor Urzeiten war dies einmal eine Beilage in der Zeitschrift „Flow“ und damals hatte eine Mitbloggerin dieses Experiment auf ihrem Blog veröffentlicht. Leider kann ich nicht mehr finden, wer das war. Es ist wirklich ein sehr großes Internet da draußen. Trotzdem danke für den Tipp seinerzeit. Ich fand die Idee ansprechend und bin dann gleich los, um das Heft zu erwerben.

Seitdem lag das 30-Tage-Tagebuch in meiner Schreibtischschublade. Gleich neben meiner Geschenkekartei (aber das ist ein anderes Thema). Und da Weihnachten bekanntlich nur noch ein paar Tage – 30 – entfernt ist, bin ich bei der Suche nach der Geschenkekartei auf das Heft gestoßen und dachte mir: Das machst Du jetzt! Dann ich es wenigstens erledigt!

Nicht gerade die vorbildlichste Einstellung, aber manchmal brauche ich eben auch einen sanften Schubs. Mal sehen, ob ich mich daran gewöhnen kann, 30 Tage lang jeden Tag etwas mehr oder weniger Sinniges zu produzieren. Ich habe schon mal gelinst. Es sieht nicht so schwer aus. Jeden Tag eine Frage. Das sollte zu schaffen sein.

Tag 1Tja, was macht man/ich so an einem Montag: Morgens ärgern, wenn der Wecker klingelt und das Wochenende mal wieder mit zwei Tagen einfach zu kurz war. Aus dem Grunde überspringe ich den Part mit Aufstehen…Arbeit usw. und starte erst, nachdem ich wieder in die heimeligen Hallen meines Zuhauses zurück gekehrt bin.

Halt, vorher war ich noch schnell einkaufen und habe u.a. eine Tüte Chips gekauft. Die musste ich gleich nach meiner Ankunft verstecken, da ansonsten der jugendliche Mitbewohner sich ihrer bemächtigt hätte. Allein essen macht dick, ich weiß. Vielleicht erweise ich mich zu späterer Stunde großzügig, nachdem man mir heute ein paar Zensuren präsentiert hat, die mich zwar nicht zu Hochsprüngen verführt haben, aber auch ganz passabel waren, wenn man bedenkt, dass das Leben eines Teenagers wirklich zu stressig ist, als dass man noch Zeit zum Lernen hätte (aber auch das ist ein anderes Thema).

Also: Heim gekommen, Chips versteckt, Feuerchen gemacht – schön kuschelig ist es. Mit meiner derzeitigen Lektüre vor den Ofen gesetzt und gehofft, dass das Buch endlich aus sein möge. Auch so eine Angewohnheit von mir: Ich kann Bücher, selbst wenn sie schrecklich sind, einfach nicht unvollendet zur Seite legen. Okay, stimmt so nicht ganz. Es gibt so zwei bis drei, die ich tatsächlich weg gelegt habe.

Nach drei Kapiteln habe ich die Leserei unterbrochen und den Entschluss gefasst, mit dem 30-Tage-Tagebuch zu beginnen und den Computer hochgefahren. Beim Aufrufen von WordPress wurde mein schlechtes Gewissen recht laut, da ich schon seit einem Monat meinen Reader nicht mehr bearbeitet habe. Also, erst mal das nachgeholt und nahezu alle Artikel gelesen.

Nun wäre eigentlich Zeit fürs Abendessen. Gewohnheit ist schließlich ein sehr starker Trieb. Hunger übrigens auch. Nun will ich aber ungedingt noch schnell den Beitrag posten. Also, was mache ich noch heute? Abend essen. Mal sehen, was der Kühlschrank und Vorrat noch so hergibt, da ich ja nun den Blog schreiben musste und keine Zeit hatte, etwas vorzubereiten. Was passt eigentlich gut zu Chips?

Was noch? Vielleicht gönne ich mir noch etwas Zeit vor dem Ofen mit dem schrecklichen Buch und einer guten Tasse Tee.

Na, dann bis morgen. Kerstin

Lesestunde

Karte Nr. 10: „Erschließen Sie neue Welten, indem Sie neue Worte finden: Lesen Sie Ungewohntes, etwa den Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung und bereichern Sie so Ihr Vokabular. ‚Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt’, lehrt uns der Philosoph Ludwig Wittgenstein.“

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe es wirklich versucht. Also, das mit dem Wirtschaftsteil. Sonntags habe ich schon immer gern eine weltliche Zeitungsausgabe gekauft und mich dann von einem Leseort zum nächsten bewegt, abwechselnd Tee und Kaffee trinkend, Sektion für Sektion durcharbeitend, wobei ich den Reiseteil immer für den Schluss aufgehoben habe. Als Dessert sozusagen. Teile wie Finanzen, Auto, Immobilien und Wirtschaft wurden dabei recht grobflächig überflogen. Aber die Aufforderung, einem für mich recht trockenen und wenig interessanten Genre näher auf den Grund zu gehen und dabei auch noch etwas zu lernen, Vokabeln, sehr abschreckend, da es einen doch gleich an die Schulzeit und das Büffeln von eben solchen erinnert.

Hilft nichts, dachte ich mir, da musst Du jetzt durch. Der Sonntag kam und mit ihm die Sonntagszeitung. Im Wirtschaftsteil ging es um den Kinofilm „Wolf of Wall Street“. Tja, nicht direkt um den Film als vielmehr um die Nebenfigur des Steve Madden, der heute Schuhe entwirft und im Gefängnis war wegen der Aktiengeschäfte, um die es im Film geht. Oh, Schuhe, bei Thema werde ich immer hellhörig. Leider sind diese derzeit in Deutschland nur per Online-Versand zu haben. Oh, prima, muss ich nicht zum Shoppen nach USA reisen. Zum Glück gab es meine Größe nicht, sonst hätte ich neben dem Neuerwerb dieser wahnsinnig wichtigen Information auch noch ein paar schicke Schuhe dazu bekommen, denn Steve Madden designt sehr hübsche Treter.

Gut, der erste Versuch, der Aufgabe gerecht zu werden, war jetzt nicht so erfolgreich. Von daher habe ich die Aufgabe etwas großzügiger ausgelegt und mich auf den Part „Lesen Sie Ungewohntes“ fokussiert. Beim nächsten Einkauf habe ich die Zeitschriftenregale angesteuert. Man möchte meinen, bei der Auswahl, immerhin sind es bestimmt 10 laufende Meter, 4 Reihen hoch und 3 Reihen tief, sollte sich leicht etwas finden lassen, mit dem man sich bilden kann. Zielsicher habe ich das Handwerkerressort angepeilt. Irgendwie habe ich mir eingebildet, dass ich ja neben der Spracherweiterung vielleicht auch gleichzeitig mein Handwerkskönnen aufbessern könnte. Mit dem Einzug in mein neues Heim fällt ja doch irgendwie immer irgendwo irgendwas an, an dem man schrauben, hämmern, sägen usw. kann. Zum Beispiel würde ich ganz schrecklich gern einen handgemachten Tisch haben. So einer, der „lebt“. Selbstgemacht noch viel besser. Mein Vater hat früher immer die Ausgaben für den selber machenden Mann gekauft und da waren tolle Tipps und Tricks und Anleitungen drin. Tja, leider war nichts Derartiges zu finden, um mir mich in meinem Vorhaben Tisch zu unterstützen. Auch von den übrigen bunten Blättern konnte mich keines zum Kauf animieren.

Und so kam der nächste Sonntag und ein neuer Versuch, den von mir verschmähten Zeitungsabschnitten etwas Positives abzugewinnen. Und tatsächlich stand im Autoteil ein Artikel über die Icons im Fahrercockpit. Die kennen wir alle: Zapfsäule für „Bitte Tanken“, Kreis mit Ausrufezeichen für „Handbremse ist angezogen“ usw.. Erstaunlicherweise gibt es mittlerweile so viele von den kleinen Bildchen, dass die wenigsten Autofahrer wissen, was diese bedeuten. Hinzu kommt, dass die Hersteller oft unterschiedliche Zeichen für gleiche Anzeigen verwenden. Negativ ist auch, dass dieses ganze Wirrwarr an Informationen den Autofahrer mehr ablenkt als dass es zu Sicherheit und Komfort beiträgt. Für mich also ein Vorteil, denn in einem Kleinwagen, wie ich ihn mein eigen nenne, sind solch technische Spielereien von Haus aus auf Grund Budget- und Raumangebotsgrenzen nicht vorgesehen bzw. auf das Nötigste wie „Bitte Tanken“ und „Handbremse ist angezogen“ limitiert. Glück gehabt. Nicht schlecht fand ich allerdings das Icon der Kaffeetasse, welches dem Autofahrer anzeigt, dass er eine Pause machen soll. Das wiederum ist aber noch Zukunftsmusik und bis dahin sind Raststationen bestimmt durchweg auch als Drive-through angelegt oder das Auto kocht den Kaffee selbst, womit das mit dem Pause machen dann natürlich nicht mehr so richtig funktionieren würde.

Tja, so wirklich was dazu gelernt habe ich natürlich nicht, außer dass auch zähe Themen einen gewissen Reiz haben können. Ich bin dann noch an einem Interview mit dem Schauspiellehrer und Coach Bernard Hiller hängen geblieben, in dem er sagte: „….Wir leben in einer Welt, in der kein Platz mehr zu sein scheint, sich von reiner Leidenschaft verführen zu lassen…..Wir denken den ganzen Tag. Der Kopf aber ist unser größter Feind……Der Mensch ändert sich erst, wenn er die Komfortzone verlässt….“. Dies war letztendlich der Ausschlag, mich in diese Richtung etwas weiter zu bewegen und es entstand die Idee, Bücher zu lesen, deren Geschichten in einem mir unbekannten Land spielen und von einem Schriftsteller des jeweiligen Landes geschrieben sind. So was wie Heimatromane im weitesten Sinne. Nur eben etwas näher dran an der Realität, wenn möglich der gegenwärtigen. Nicht, dass ich bis dato keine Werke mit diesen Merkmalen gelesen hätte, aber wenn, dann geschah das eher, weil der Inhalt mich interessiert hat und nicht der Autor bzw. das Land, das die Grundlage der Lektüre bildete. Den Anfang machte Rumänien. Warum Rumänien? Na, irgendwo muss ich ja anfangen. Der Roman hieß „Der blinde Masseur“ von Catalin Dorian Florescu. Tolle Geschichte, kann ich nur empfehlen. Als nächstes habe ich mir Portugal vorgenommen. „Die natürliche Ordnung der Dinge“ von António Lobo Antunes. Mal sehen, was sonst noch so alles auf meiner Bücherwunschliste landet. Wenn jemand eine Empfehlung hat: Immer her damit.

Und zum Vokabellernen habe ich mir „Hilfe“ besorgt. Wer fast vergessene Wörter neu entdecken möchte, kann dies im Wortfriedhof beim Gescheuchten Igel tun.

Eure Kerstin

P.S.: Fast hätte ich es vergessen: Neue Karte ist eine Komfortkarte. „Sie sind ganz und gar auf Genuss eingestellt: Kochen Sie Ihr Lieblingsessen oder bereiten Sie Ihr Traumdessert zu. Diesmal wird nicht an die Figur gedacht – es zählt nur der Spaß am Schlemmen“. Na, das ist doch mal ein Wort zum Sonntagskuchen. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.