auf halber Strecke – Episode 9

PendelzugNeulich auf halber Strecke, ergattere ich im allmorgendlichen Trubel, Gedränge und Geschubse einen Sitzplatz. Wobei das an meiner Haltestelle noch nicht das Problem ist, sondern erst zwei Bahnhöfe weiter. Mir gegenüber sitzt ein junger Mann, so Ende Zwanzig Anfang Dreißig wäre meine Schätzung. Der Platz neben ihm, am Fenster, wird von seiner Tasche in Anspruch genommen. So etwas finde ich ja immer recht dreist, um nicht zu sagen, mehr als unverschämt. Leute, die ihren Taschen, Rucksäcken und anderen Gepäckstücken einen Sitzplatz reservieren und sozusagen, ihr Revier abstecken. Das erinnert mich dann immer auch an die Strandurlaube und die Liegestuhlmafia, welche kurz nach Sonnenaufgang mit Handtüchern bewaffnet, den Platz in der ersten Reihe markiert und diesen dann erst zum Mittagschlaf auch körperlich belegt. Nun ja, in der Bahn werden die territorialen Besitzansprüche meist doch zügiger, wenn auch widerwillig, an Mitreisende abgetreten.

Gesagt, getan. Schon an der nächsten Station rutscht der junge Mann auf den Fensterplatz und bietet einer jungen Dame im etwa gleichen Alter den von ihm galanterweise vorgewärmten Platz an. Oh, wie zuvorkommend, denke ich. Also, bis auf den vorgewärmten Platz. Doch dann fangen die beiden ein Gespräch an. Ah, die kennen sich. Kollegen wohl. Und dann streichelt er ihre Hände, die gefaltet über der Tasche auf ihrem Schoß liegen. Oh, die kennen sich nicht nur, sondern gehören zusammen. Ein Paar. Wie niedlich. Die beiden fahren gemeinsam zur Arbeit und verabreden sich in der Bahn.

Ihre Hände verharren weiterhin hin bewegungslos in ihrer Position, während er weiterhin an ihren Fingern herum nestelt. Dann reden beide über einen geplanten Wochenendausflug und diskutieren, wer wann wie frei nimmt und wie lange. Irgendwann nimmt er seine Hand weg.

Zusammen steigen wir alle drei aus. Also, ich hinter den beiden, die eine so nüchterne und abgeklärte Beziehung zu führen scheinen. Sie laufen vor mir her, den Bahnsteig entlang. Ein Mann und eine Frau gehen nebeneinander. Niemand würde vermuten, dass diese zwei wirklich ein Paar sind. Keine Hand sucht die andere, kein Anzeichen von Nähe, von Wärme, von Intimität. Nein, so will ich nicht enden.

Sieben auf einen Streich – „Der Schatten des Windes“ von Carlos Ruiz Zafón

Made with Repix (http://repix.it)

„Der Schatten des Windes“ habe ich beim Stöbern im Buchhandel entdeckt und damals sogleich zu einem meiner Lieblingsbücher erklärt. Wie der Zufall es so wollte, habe ich den Titel seinerzeit im selben Jahr zu Weihnachten gleich zweimal geschenkt bekommen. Offensichtlich ist mein Büchergeschmack doch weniger speziell als ich immer dachte.

Carlos Ruiz Zafón ist immer ein bisschen Romantik und gleichzeitig geheimnisvoll, so in der Art. Eben diese Punkte treffen auch auf „Der Schatten des Windes“ zu. Gleichzeitig Märchen und Krimi, phantastische Literatur und Liebesroman. Daneben abgrundtiefes, schier unmenschliches Leid. Das Spannende ist, dass die Geschichte im 20. Jahrhundert spielt und auch die politischen Ereignisse im Barcelona dieser Zeit eine tragende Rolle spielen sowie erheblichen Einfluss auf den Verlauf nehmen, man aber immer irgendwie das Gefühl hat, sich in einem Mittelalterroman zu befinden. Düster und faszinierend die ganze Szenerie.

„Der Schatten des Windes“ lebt auch davon, dass sich die Handlungen miteinander verstricken und die Geschichte sich quasi wiederholt, was man zwar als Leser erkennt, aber ohne Chance, den Helden vor seinem Schicksal zu bewahren.

„‘Daß sich Leute, die kein Leben haben, immer in dasjenige der anderen einmischen müssen‘, murmelte Fermín. ‚Wo waren wir stehengeblieben?‘ ‚Bei meinem fehlenden Mut.‘ […] ‚Passen Sie auf, Daniel. Das Schicksal lauert immer gleich um die Ecke – wie ein Dieb, eine Nutte oder ein Losverkäufer, seine drei trivialsten Verkörperungen. Hausbesuche macht es hingegen keine. Man muß sich schon zu ihm bemühen.‘“

Die Bücher von Carlos Ruiz Zafón habe ich nahezu alle gelesen und alle zusammen bilden irgendwie ein schemenhaftes Ganzes in meiner Erinnerung. Wer mit wem in welchem Buch agiert, erscheint mir oft unklar und manchmal kann ich nicht mehr mit Bestimmtheit sagen, was genau in seinen Romanen passiert. Hinzu kommt, dass seine Geschichten auch alle auf die eine oder andere Weise miteinander verwoben sind. Nebencharaktere sind dann auch einmal die Hauptperson, oder es ergibt sich, dass dieselben Orte in unterschiedliche Handlungen aus einer neuen Perspektive einfließen. Vielleicht ist das ja mitunter der Reiz seiner Bücher. Sie verschwinden in der Erinnerung wie Schatten und zurück bleibt ein Windhauch.

Also dann, bis morgen.

 

 

 

 

 

 

Alle meine Leidenschaften

Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, Fußball gehört nicht zu meinen Leidenschaften. Weder aktiv und noch weniger passiv. Sport als Zuschauer finde ich im Allgemeinen eher unbefriedigend. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Was ich aber zu meinen Leidenschaften zähle, sind Handarbeiten. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bieder und langweilig. Tja, was soll ich sagen? Ist Euer Problem, nicht meins. Ich mag Handarbeiten. Nähen, Stricken, Häkeln – alles meine Leidenschaften. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe und werde ich mir auch keine allzu tiefschürfenden Gedanken machen. Dazu sehe ich gar keinen Grund. Ich kann noch nicht mal eindeutig sagen, wann und wie das angefangen hat. Außer, dass ich es bis in meine Jugend zurück verfolgen kann.

Stoffträume

Damals hatte ich die schlechte Angewohnheit, beim Fernsehschauen Fingernägel zu kauen, weil mir vieles zu spannend und aufregend war. Ich bin eben eher zart besaitet. Wie gesagt, weiblichen Geschlechts. Na, jedenfalls musste meine Mutter mich ständig ermahnen und dann macht Fernseh schauen auch irgendwie keinen richtigen Spaß mehr. Also habe ich angefangen, vor der Flimmerkiste zu stricken und zu häkeln, damit meine Finger beschäftigt sind. Socken, Pullis, Jacken, Taschen, Westen, Handschuhe, Schals, Stulpen, Mützen und noch vieles mehr. So gesehen eine kostengünstige Therapie, die nachhaltig erfolgreich war beziehungsweise ist.

Irgendwann habe ich dann auch das Nähen für mich entdeckt, nachdem dies im schulischen Fach Handwerken auf dem Lehrplan stand. Blusen, Hosen, Kleider, Westen, Rücke, Unterwäsche, Bademantel, Wäschebeutel, Kleidersäcke, Taschen, Skijacke und noch vieles mehr. Fürs Fernsehschauen war da dann fast keine Zeit mehr. Damals gab es in der bayerischen Hauptstadt ein Schlaraffenland für Stoffe aller Art. Das lag im ersten Stock mitten in einem Gebäude in der Fußgängerzone und war nur über eine Rolltreppe zu erreichen. Wie als würde man ins Paradies fahren. Für die passenden Knöpfe mit dem gewissen Extra bin ich gern in das schon damals sehr mondäne Kaufhaus am Rathauseck gegangen. Ich erinnere mich noch an eine Bluse, bei der die dazu gehörigen Knöpfe je 5,00 DM gekostet haben. Fünf Stück benötigte ich für die Fertigstellung. Ein Vermögen für einen Schüler mit bescheidenem Taschengeld.

Als ich später auszog, waren Vorhänge, Kissen und Quilts an der Reihe und dann war eine ganze Weile Sendepause. Bis vor ein oder zwei Jahren. Seitdem wird die Nähmaschine wieder öfters hervor geholt. Blusen, Hosen, Kleider, na Ihr wisst schon. Leider gibt es das Stoffparadies meiner Jugend nicht mehr. Die Rolltreppe nach oben existiert zwar noch, führt aber inzwischen in die dufte Welt der Parfüms und Kosmetik. Der Laden ist also nun auch für Männer ein Paradies, könnte man sagen.

Glücklicherweise scheint es wieder einen Trend zum Selbstgemachten seit einiger Zeit zu geben und unlängst wurde ein paar Ortschaften weiter ein neues Paradies erschaffen: Stoff- und Woll-Lust. https://stoffundwolllust.chayns.net/aboutus  
Dort lässt sich herrlich träumen. Von Roben und Accessoires aller Art. Und die Beratung ist himmlisch. Knöpfe sind auch im Angebot, allerdings an die aus dem mittlerweile zum Luxuskaufhaus avancierten Geschäft, das leider sein Sortiment auf Güter von der Designerstange verlegt hat, kommen sie nicht heran. Wie gut, dass ich anscheinend schon immer auch ein sparsames Nachhaltigkeitsgen trage und Knöpfe von kaputten Kleidern abschneide und aufhebe.

Knöpfe

Na, könnt Ihr die sündigen Blusenknöpfe (dreimal im Bild) entdecken?

Handarbeiten sind eine nicht ganz günstige Leidenschaft, da im Vergleich zum gekauften Produkt je nach Wolle, Stoff und Zubehör erheblich tiefer in das selbst geschneiderte Portemonnaie gegriffen werden muss. Dafür im Ergebnis echte Einzelstücke und Hingucker.

Apropos hinschauen: Der Nachbar ist eher der leidenschaftliche Fußballer, wenn auch eher passiv. Aktiv ist da nur der Konsum einer ganzen Bandbreite von Genussmitteln. Als Kroate feiert er bereits seit Stunden lautstark mit seinen Kumpels seine Mannschaft. Und weil wir hier in Deutschland sind, zeigt er sich solidarisch und feiert er nun einfach weiter. Das mag zu 50% daran liegen, dass er männlichen Geschlechts ist. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Und nun fange ich besser schnell an, mir irgendwas für die Ohren anzufertigen, damit ich nicht wieder vor lauter Anspannung mit dem Fingernägelkauen anfange. Bestimmt sind irgendwo noch Woll- und/oder Stoffreste. Echte Luxusprobleme, die ich da habe. Was sich sonst noch mit Resten anfangen lässt, darüber schreibe ich beim nächsten Mal.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

P.S.: Was zum Feiern gibt es für mich trotzdem: Drei Jahre „alltagseinsichten“. Na, wenn das mal kein gutes Omen ist!

„Die schönsten Reisen finden im Kopf statt“

…so besagt es ein deutsches Sprichwort.

... Männer wahrscheinlich auch

… Männer wahrscheinlich auch

Nun, darüber lässt sich mit Sicherheit vortrefflich streiten. Wenn es um Bücher geht, werde ich sentimental. Ich liebe Buchhandlungen. Online kommt nicht in die Tüte und mit den Empfehlungen des Versandriesen bin ich irgendwie noch nie glücklich gewesen. Das ist der Nachteil der digitalen Welt und ihren Algorithmen. Man bekommt immer das Produkt, das man scheinbar will, braucht und sich leisten kann. Der Mensch wird zum automatisierten Konsumenten. Man wird entscheiden. Analog einzukaufen ist dagegen sozusagen meine persönliche Unabhängigkeitserklärung. Das sehe ich genauso wie Andre Wilkens in „Analog ist das neue Bio“.

Zurück zum Ort des Geschehens, dem vom Aussterben bedrohten Buchladen vor Ort: Darin lässt sich vortrefflich stöbern und Inspiration(en) sammeln. Und sollte das Wunschobjekt mal nicht vorrätig sein, steht der Service in nichts nach. Und man muss noch nicht mal zur Post, um die Sendung abzuholen, wenn man mal wieder den Boten verpasst hat.

Nichts geht über das Gefühl, ein Buch in Händen zu halten und die Seiten umzublättern und dann in der Geschichte zu versinken. Und wenn ich am Ende den Lesestoff in meine Bibliothek einreihe, dann lässt mich der Anblick immer wieder an das schöne Erlebnis beim Schmökern denken.

Bücherwand

Ein E-Book Reader käme mir nie in die Finger. Ich kann die Vorteile – 100 und mehr Bücher in knapp 200 Gramm – durchaus nachvollziehen, aber ich verzichte lieber auf das eine oder andere Kleidungsstück im Urlaubskoffer als auf ein Buch. Und ich habe je nach Urlaub auch gern mal vier Stück dabei. Bücher, bei Kleidern bin ich mitunter ziemlich reduziert unterwegs – nach dem isländischen Sprichwort: „Lieber barfuß als ohne Buch“. Selbst auf meinen Wanderungen ist eine Lektüre mit im Rucksack. Diese vermache ich dann gern der Hüttenbibliothek. So geschehen vor ein paar Jahren auf der Boè-Hütte, in 2873 m. Falls jemand zufällig einen Abstecher dahin macht, würde mich interessieren, ob „Die kleine Souvenirverkäuferin“ von Francois Lelord noch da ist.

Da ich von Haus aus sehr neugierig bin, schreibe ich auch meine Kontaktdaten rein und hoffe dann, dass mich derjenige, der zu meinem Buch greift, mir irgendwann ein paar Zeilen schreibt. Wie bei einer Flaschenpost. Ok, ist vielleicht doch mehr Romantik denn Neugier. Egal. So was wäre mit einem E-Book Reader nie möglich, mal ganz abgesehen davon, dass der Strom auf Hütten sehr rar ist und dem Ding wohl ziemlich schnell der Saft ausgeht.

Bücher können Welten öffnen. Als ich vor gut zwanzig Jahren „Der englische Patient“ von Michael Ondaatje gelesen habe, musste ich mir im Nachgang unbedingt „Schwimmer in der Wüste“ von Ladislaus E. Almásy, der als Vorbild für den Patienten für Ondaatje diente, zu Gemüte führen. Danach habe ich lange Zeit von einer ausgedehnten Ägyptenreise geträumt und wollte sogar Arabisch lernen. Nun, in Ägypten war ich tatsächlich – sogar mehr als einmal – aber zu einer richtigen Wüstensafari hat es noch nicht gereicht. Nur mit dem Leihwagen bin ich mal im Sand stecken geblieben, als wir einfach immer der Nase nach mitten in die Dünen gefahren sind. Das war Abenteuer genug. Und im Arabisch bin ich über die Zahlen eins bis zehn nie hinaus gekommen.

So was in der Art erlebte ich dann nochmals bei „Das unerhörte Leben des Alex Woods“ von Gavin Extence. Darin gründen die Helden eine Art Buchclub und lesen die Werke von Knut Vonnegut. Und wer die Geschichte von Alex Woods schon ungewöhnlich findet, der sollte erst mal „Galapagos“ lesen. So was Bizarres habe selbst ich selten auf meinem Nachtkästchen liegen. Und ich stehe auf alles, was eine gewisse Portion Unwahrscheinlichkeit hat und/oder vom Titel und Einband her ungewöhnlich ist. „The Guernsey Literary and Potato Peel Pie Society“ von Annie Barrows und Mary Ann Shaffer ist so ein Beweis. Allerdings wurde der Titel im Deutschen auf „Deine Juliet“ umgetauft. Klingt schon langweilig, fast schnulzig. „Komisch“ und „abgefahren“ sind meist die Worte, mit denen die Buchgesellschafter und Freunde meinen Geschmack betiteln. Wobei sie wahrscheinlich nur aus Höflichkeit und guter Erziehung nicht „verrückt“ sagen, sondern nur denken.

Ob das auf die Märchen aus meiner Kindheit oder auf meine jugendliche Liebe zu allem von Michael Ende zurück zu führen ist, lässt sich inzwischen nicht mehr feststellen. Von meinen Eltern habe ich das jedenfalls nicht. Mein Vater war der Klassikvertreter und hat gern aus diversen Werken der großen, deutschen Geistesgrößen zitiert. Meine Mutter stand mehr auf Krimis. Auch scheint diese Eigenart nicht vererbbar zu sein. Der Nachwuchs liest, wenn man das überhaupt als Lesen bezeichnen kann, Comics und Mangas. Nun, wir wollen mal froh sein, dass es überhaupt Bücher über die Türschwelle des jugendlichen Mitbewohners geschafft haben. Helen Hayes sagt dazu: „Von seinen Eltern lernt man lieben, lachen, und laufen. Doch erst wenn man mit Büchern in Berührung kommt, entdeckt man, dass man Flügel hat.“

Ein anderes Sprichwort lautet: „Geschriebene Worte eröffnen Räume voller Bilder und Töne“. Dazu fällt mir „Überlebensgroß“ von Mark Watson ein. Darin erzählt der Held, dass er und seine Geschwister als Kinder bei Autofahrten aus den Buchstaben der Autokennzeichen immer möglichst lange Wörter gebildet haben. Das längste Wort gewinnt. Beispiel M – UC:  Mauseloch, Muschelsammler, Mondumrundungsgeschwindigkeitsmessinstrument und so weiter. Inzwischen ertappe ich mich dabei, wie auch ich bei dem Spiel mitmache, wenn ich im Auto sitze. Selbst den Ich-spiel-doch-keine-Kinderspiele-mehr-Mitfahrer kann man manchmal damit heraus fordern.

Oder „Der blinde Masseur“ von Catalin Dorian Florescu, der mich dazu gebracht hat, bewusst Bücher der Gegenwartsliteratur anderer Länder zu lesen. Dazu hatte ich auch schon mal etwas in „Lesestunde“ geschrieben. Da waren manch gruselige Stücke dabei. Also, gruselig im Sinne von schlecht, so dass ich mich wahrhaft quälen musste, diese bis zum Ende zu lesen. Denn aufgeben tue ich äußerst selten. Dann muss man vielleicht einen anderen Zeitpunkt und somit Gedanken- und Gefühlszustand wählen, damit die Geschichte zum Leben passt.

„Die Literatur gibt der Seele Nahrung, sie bessert und tröstet sie“. Das ich nicht von mir, sondern von Voltaire und beinhaltet so gesehen auch die Aussage, dass es für alles eine Zeit gibt. Aus dem Grunde kann ich auch Werke, die mich wirklich gefesselt haben, nicht gehen lassen. Das wäre, als würde ich ein Stück von mir weggeben. Undenkbar. Die Krux ist nur, dass meine Bücherwand immer weiter wächst. Bisweilen lese ich Exemplare ein zweites Mal. Hin und wieder wandert mal eines in meine Zukunftstraum-Kiste im Keller. Aber das gehört nicht hierher.

Manch Leser wird sich vielleicht nun fragen, was das alles mit dem Thema Nachhaltigkeit zu tun hat, wenn man mal vom analogen Aspekt absieht. Eine gute Frage. Wenn es danach ginge, müsste ich wahrscheinlich tatsächlich auf den Energiesklaven umsteigen, denn als ausgesprochene Leseratte wäre das die umweltschonendere Methode des Gedankenreisens. Von daher bedeutet Lesen für mich neben Leben auch Luxus, zumal ich mir in letzter Zeit vermehrt richtige Bücher, also Hardcover Editionen, gönne. Genusslesen sage ich gern dazu. Das Ganze schlägt inzwischen mit gut €70 pro Monat zu Buche. Ein ziemlicher Batzen. Ja, das finde ich auch. Hier muss also irgendwie nachgebessert werden.

Öffentliche Bibliotheken wären eine Alternative, aber die örtliche Bücherei findet bei mir keinen so richtigen Anklang und meist überkommt mich dann das starke Gefühl, dass ich den Leseschatz besitzen muss. Online-Tauschbörsen haben mich noch nicht überzeugt, weil ich eben gern haptisch unterwegs bin. Eine spezielle Art Buchhandel ist bookcrossing.com, bei dem ich gern mal Bücher in die Freiheit entlasse und auf Reisen schicke.

Bookcrossing

Wie schon oben erwähnt, mehr Romantik denn Neugier und eher eine Spielerei. Bleibt noch der Flohmarkt. Das werde ich definitiv auf die Agenda schreiben und dann später darüber berichten.

Im Zuge dieses Beitrages habe ich auch ein bisschen nachgeforscht und bin da auf einen interessanten Artikel gestoßen: „Ökologisch lesen“. Interessanterweise habe ich bis dato noch nie darauf geschaut, ob denn die Buchverlage, deren Bücher ich kaufe, umweltbewusst handeln. Tja, auf den diversen Internetseiten ließ sich da leider nichts finden. Etwas enttäuschend.

Und nun muss ich schleunigst zu meiner gerade erstandenen Errungenschaft und dem neuesten Werk eines meiner Lieblingsautoren. Darin heißt es so passend: „Denk dran, […] du bist ein Leser. […] In Büchern und in der Welt deiner Phantasie gibt es ein eigenständiges Leben; da gibt es mehr als in der realen Welt.“ Ganz genau und daher reist es sich im Kopf am schönsten.

John Irving

Was hier noch fehlt, sind sonstige Druckerzeugnisse. Denen widme ich einen extra Beitrag, sonst nimmt das hier gar kein Ende.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin