Heimatkunde

Ich bin ein Kind meiner Eltern, ein Kind meiner Zeit.
Ich bin ein Weltenbürger. Das sage ich, wenn mich jemand fragt, wo ich herkomme bzw. wer ich bin. Das ist eine recht diffuse Sache und der Ursprung erschließt sich mir auch beim intensiven Nachdenken nicht vollends. Ich bin mir also nicht sicher, warum ich keinen Ort als meine Heimat bezeichne.

Wenn ich sage, ich bei ein Kind meiner Eltern, dann bedeutet das in diesem Zusammenhang, dass meine Eltern wohl den Grundstein für meine Ruhe- und Rastlosigkeit gelegt haben. Sie sind nämlich diverse Male umgezogen. Erst allein. Von Nordrhein-Westfalen nach Niedersachsen. Und dann mit mir im Schlepptau. Von Niedersachsen nach Bayern, genauer gesagt Mittelfranken und von Mittelfranken nach Oberbayern und schließlich auch noch mal innerhalb der gleichen Stadt vom Ostteil nach Westen. Da können andere Mit-Erdenbürger mit Sicherheit mehr aufweisen, nichts desto trotz glaube ich, dass mit jedem Umzug der Geist geschult wird, mit Trennungen und veränderten Bedingungen zurecht zu kommen.
Die zweite Aussage, ich bin ein Kind meiner Zeit, fällt unmittelbar damit zusammen, dass meine Eltern das Wirtschaftswunderland Deutschland prägte und genossen haben, was sich unter anderem darin äußerte, dass wir viel gereist sind.

Zusammengefasst und als Ergebnis kommt dann so etwas wie meine Person dabei heraus. Ich wandele bereits ein halbes Jahrhundert auf diesem Planeten, habe auf zwei Kontinenten und in drei Ländern gelebt, in drei Bundesländern gewohnt, war in neun Städten (manche mehrfach) gemeldet und bin in meinem bisherigen bereits vierzehn Mal umgezogen. Ein Freund fragte mich mal, nachdem ich diese Aufstellung gemacht hatte, ob ich als Spion tätig sei und ob mein Name schon meiner wäre. Manchmal also lassen sich ganz unterschiedliche Schlüsse aus einem Leben ziehen. Wenn man etwas dabei lernt, dann effektives Packen und sich von Dingen und vor allem Menschen verabschieden. Was man vermisst, ist Heimat und das Gefühl, dazu zu gehören.

Vor einigen Jahren, nach einem misslungenen Neustart in einer norddeutschen Großstadt, eröffnete ich meiner Freundin, die ich im schönen Bayern zurück gelassen hatte, dass ich zurück käme und wenn sie, nach all dem Drama und dem Durcheinander und dem, was ich durchgemacht hätte, sich irgendwann in den Kopf die fixe Idee, weg zu ziehen, einpflanzen würde, ich sie persönlich umbringen würde. Genau das waren meine Worte: „Dann bringe ich Dich um!“ Woraufhin sie ganz seelenruhig erwiderte: „Nein, ich ziehe hier nicht weg. Meine Familie und meine Freunde sind alle hier.“

Noch immer bin ich eifersüchtig und neidisch auf diese Aussage. Und noch heute, fast fünfzehn Jahre später, bin ich die Heimatlose, der Flachwurzler, wie sie immer sagt. Und sie mein Ruhepol, der mich daran erinnert, dass Heimat kein Manko ist, sondern dem Leben Seele gibt. Und dass das Weltenbürgerdasein kein Widerspruch sein muss. Und irgendwie hatte auch meine Mutter es wohl vor sehr langer Zeit schon geahnt, dass ich immer wieder auf der Suche nach so etwas wie Heimat sein würde, als sie mir dieses kleine Geschenk machte, damit ich mich, wenn auch nicht physisch doch wenigstens gedanklich irgendwo zuhause fühle.

Heimat

Danke

 

P.S.: Nur um das klar zu stellen, ich bin eine absolut harmlose Seele und die Gutmütigkeit in Person und dass ich damals solch eine harsch Drohung ausgesprochen habe, lag einzig und allein an den Lebensumständen und meiner damit einhergehenden Verzweiflung und nicht daran, dass ich irgendwelche kriminellen Energien besitze.

Beilagen oder was man von Romanhelden lernen kann

Mit dem Aschermittwoch ist ja bekanntlich alles vorbei. Vor allem die Völlerei. Beginn der Fastenzeit. Und es kursieren heutzutage ganz verschiedene Ansätze, dies zu würdigen: Kein Alkohol, keine Süßigkeiten, kein Fleisch, kein Auto, kein Handy usw. Für jeden ist da also etwas dabei. Man kann auch jährlich wechseln, dann wird es nicht so eintönig. So mache ich das für meinen Teil und zwar zwischen dem Verzicht auf Süßigkeiten und Fleisch. Einmal hatte ich sogar beides gleichzeitig versucht, musste mich aber nach zwei Wochen geschlagen geben. Mein Nervenhaushalt konnte dem Ansturm nicht länger standhalten. Dann stand nur noch Fleisch auf der Fastenliste.

Nachdem letztes Jahr Süßigkeiten dran waren, wird – logisch – dieses Jahr wieder Fleisch vom Speiseplan gestrichen. Von gelegentlichen Ausnahmen abgesehen, wäre für mich ohnehin ein fleischloses und glückliches Dasein absolut vorstellbar. Auch ganz ohne das Gefühl des Verzichtes.

Ganz anders die beiden Fleischesser am Essenstisch. „Fleisch ist mein Gemüse.“ Wer kennt diesen Spruch nicht? Der Kinderarzt sagte einmal bei einer Untersuchung des schon damals gemüseverschmähenden vorpubertären Mitbewohners: „Na, wenigstens hat er keinen Eisenmangel.“ Wie immer im Leben, gibt es zwei Seiten die Sache zu betrachten.

Mahlzeit eins: Es gibt Gnocci mit Tomaten. „Sehr leckere Beilage“, meint der große Fleischesser. „Äh, das ist das Hauptgericht“, entgegne ich. „Wie gesagt, leckere Beilage“. Den Rest des Essens versuche ich mit nicht nahrungsrelevanten Themen zu füllen.

Mahlzeit zwei: Es gibt Kartoffeln mit kalten Fischvariationen. Das kommt gut an. Vor allem die Garnelen in Knoblauch. Die kommen auch noch nach Stunden gut an beziehungsweise wieder gut hoch. Und man hat obendrein auch noch am nächsten Tag etwas davon beziehungsweise die nicht fastende Bevölkerung.

Mahlzeit drei: Es gibt Gemüsecurry. Sehr lecker. Für die Fleischesser am Tisch habe ich ein Herz und sie bekommen dazu Hühnchen. Das dient auch einem gewissen Selbstschutz, denn seitdem es nur noch „Beilagen“ und hin und wieder Wassertiere auf den Teller schaffen, schauen mich beide zunehmend gierig an. Und der große Fleischesser behauptet ja auch standhaft, dass Geflügel kein Fleisch sei. Ich muss ihm unbedingt die nachfolgende Szene aus der Lektüre der Buchgesellschaft „Mord in der Maple Street“ von M.R.C. Kasasian einmal vorlesen:

„Sind Sie denn nicht hungrig?“ „Sehr sogar“, antwortete ich. „Aber ich wollte auf das Fleisch warten.“ „Haben Sie heute nicht genug Fleisch gesehen?“, fragte er. „Es wundert mich, dass Sie das Verlangen verspüren, sich noch mehr davon in den Mund zu stecken.“ […] „Wie können Sie die sterblichen Überreste einer jungen Frau als Fleisch bezeichnen?“ „Haut, Muskeln und Knochen.“ […] „Fleisch gemäß jedweger Definition.“ […] „Wie können Sie nur so gefühllos sein?“ „Sorgen Sie sich lieber um die Lebenden.“ […] „Und was den Vorwurf betrifft, ich sei gefühllos – wer von uns beiden ernährt sich denn von Toten?“

Beilagen

Irgendwann fange dann doch auch ich an die Tage zu zählen. Wenn ich für den Nachwuchs an der Fleisch- und Wursttheke stehe, ertappe ich mich dabei, dass ich neidisch auf die Kinder schaue, denen die Verkäufern ein Stück Wurst anbietet und ich atme tief ein, um meinen Heißhunger mit dem Geruch zu befriedigen. Noch zwei Wochen. Dabei ist es gar nicht so sehr das Fleisch an sich, welches ich gelüste, sondern die fleischigen Beilagen: Brot mit Wurst, Spiegeleier mit Speck, Nudeln mit Hackfleischsauce. Womit wir wieder bei den Beilagen wären. Tja, und irgendwann ist die Fastenzeit ja auch vorbei. Der erste Bissen in das teure Filetsteak, welches ich mir beim letzten Mal vor zwei Jahren geleistet hatte, war bei weitem nicht so sinnlich und betörend wie ich mir das vorgestellt hatte.

Dieses Jahr kam mir kurz vor dem Ende der Fastenzeit etwas so Kontraproduktives wie ein Urlaub dazwischen, bei dem ich mir gleich morgens ein Omelett mit Schinken gegönnt habe. Dazu Pancakes mit Ahornsirup und in Butter gebratenen Toast. Tausend Kalorien zum Frühstück und satt bis zum Abend. Ich glaube, etwas Leckeres habe ich noch nie in meinem Leben gegessen. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich kein schlechtes Gewissen hatte, vielleicht lag es aber auch an dem Alternativplan. Denn die Tage der Sünde habe einfach hinten drangehängt und es gab wieder Beilagen pur. Vor allem beim Treffen der Buchgesellschafter, denn schließlich ist der Romanheld aus obigem Ausschnitt vehementer Verfechter des fleischlosen Genusses. Und es war mindestens genau so lecker wie das Schinkenomelett.

 

Eure Kerstin

Was von der zwölften Rauhnacht (5. Januar) übrigbleibt – Dezember 2017

Das Ende und gleichzeitig der Anfang. Der Kreislauf der Zeiten beginnt von vorn und ebenso erneut die Rauhnächte. Der Dezember bildet den Abschluss und gleichermaßen den Beginn. Eigentlich eine schöne Vorstellung, dass alles immer im Fluss und in Bewegung ist.

Doch ebenso fühlt man sich, gerade im Dezember, irgendwie auch immer ein bisschen wie Bill Murray in „Täglich grüßt das Murmeltier“. Jedes Jahr aufs Neue die immergleichen Fragen und Ängste sowie hektisches Treiben. Die vielgepriesene friedliche Stille und Ruhe zeigt sich, wenn überhaupt, erst dann, wenn man zu nächtlicher Stunde das stille Örtchen aufsucht und den eigenen Geräuschen lauscht.

Das hektische Treiben wurde von mir zwar inzwischen aufgrund eines ausgeklügelten Schlachtplans zur wohlgeordneten Betriebsamkeit. Bei allem anderen aber bilde ich keine allzu große Ausnahme und so wächst dieses Gebilde „Weihnachten“ alljährlich regelmäßig seit September zu einem bedrohlichen Kartenhaus, das meist nur wenig Spielraum für Neues zulässt. Paradoxerweise freue ich mich gleichzeitig aber auch immer wieder auf diese Zeit. Und trotz des Rummels und so manch wehmütiger Gedanken könnte ich nicht sagen, wie ich es mir das Fest der Festes „besser“ vorstellen könnte. Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

Dass die zwölfte Rauhnacht da unter dem Motto „Weisheit“ steht, ist immerhin ein Lichtblick, mehr aber (noch) nicht. Und auch die Tarotkarte – Der Magier – des fünften Januars lässt vermuten, dass zumindest die Richtung stimmt. Irgendwo in mir drin muss es also alles schlummern: Die Fähigkeit, mit Alltagsproblemen spielend fertig zu werden und Altes mit dem Wissen, dass Alles schon da ist, zu verabschieden.

Der Dezember zeichnet sich letzten Endes auch dadurch aus, dass ich mit Spannung den Neuanfang erwarte. Ein kurzer Blick zurück und dann voll Zuversicht ins Abenteuer 2018.  

Zukunft

Es wird gelacht, gefeiert, gegessen, also eigentlich alles, was man sich so vom Leben wünscht.

 

Eure Kerstin

Was von der elften Rauhnacht (4. Januar) übrigbleibt – November 2017

Manchmal muss man auch einfach das Gegenteil tun, um zum Ziel zu kommen. Ich bin da ein Spezialist. Manch einer tituliert mich dann gerne als Dickschädel und Sturrkopf. So als Tier mit zwei ziemlich imposanten Hörnern ist das für mich kein Problem. Solche Aussagen spornen mich dann nur noch mehr an, die Richtung beizubehalten.

Motto der elften Rauhnacht ist Dankbarkeit, die im Zuge der sich einstellenden Ruhe entsteht. So als Feuerzeichen ist Ruhe ja von Haus aus etwas schwer zu Bewerkstelligendes. Vielleicht liegt es auch an meinem trotzigen Wesen, dass ich mal ein bisschen aus der Routine ausgebrochen bin und eben einfach das Gegenteil von Ruhe gesucht habe.

Also raus aus dem Trott und Dinge auf den Kopf stellen. Auch meine entsprechende Tarotkarte, Mäßigkeit, passt da wieder hervorragend: „Sich so annehmen, wie man ist. Frieden mit sich schließen.“ Erst dann kehrt auch Ruhe, innere Ruhe, ein.

Und so schließt sich der Kreis. „Halten Sie inne und zählen Sie 21 Gründe für Dankbarkeit auf“. So steht es im Buch über die elfte Rauhnacht bzw. den November. Na bitte:

  1. Ein Zuhause haben
  2. Genug zu essen haben
  3. In Frieden leben
  4. Geliebt zu werden
  5. Zu lieben
  6. Freunde
  7. Treffen der Buchgesellschaft
  8. Abendessen mit Freunden
  9. Diskussionen mit dem jugendlichen Mitbewohner
  10. Der erste Schnee
  11. Arztbesuch ohne Befund
  12. Keller nahezu entrümpelt
  13. Ein paar extra Groschen verdient
  14. Träume von Reisezielen für 2018
  15. Apfelbäume gepflanzt
  16. Winterwanderung
  17. Kreativkurs mit vielen Ideen
  18. Aufgeschobene Bürokratie erledigt
  19. Schneewanderung
  20. Freude auf die kommenden Rauhnächte
  21. Gesund sein

Bleibt noch eine Rauhnacht. Ein Monat in 2017. Das Finale sozusagen, bevor ein neuer Kreislauf beginnt.

 

Eure Kerstin

Was von der siebten Rauhnacht (31. Dezember) übrigbleibt – Juli 2017

Beim Zusammenstellen des Rückblicks ist mir gerade aufgefallen, dass ich vor lauter Gesellschaft und gesellschaftlicher Aktivitäten, kaum Fotos gemacht habe. Das nehme ich mal als positives Zeichen. Und auch dafür, dass sich so viele Ereignisse aneinander gereiht haben, dass es schon fast schwer war, Schritt zu halten. Ein wahres Fest, ganz im Sinne des 31. Dezembers, seines Zeichens Silvester.

Es war wirklich ein bewegender Monat mit zahlreichen Höhepunkten:

Wallberg, Geigelstein, Hinteres Sonnwendjoch auf der Bergseite.. 

das Sommertollwood und die Auerdult auf der Talseite….

 und eine reichhaltige Ernte und vorausschauende Vorratshaltung auf der Gartenseite… 

sowie das Treffen der Buchgesellschaft auf der Hausseite. 

Buchgesellschaft

Hin und wieder war es gar so viel Aktion, dass ich froh um jede stille Minute war. Dann wurde es so ruhig, dass sich mitunter ungewöhnliche Begegnungen eingestellt haben. So konnte ich viele Meter neben einem schwimmenden Biber schlendern, mich einem unerschrockenen Eichhörnchen mitten in der Stadt beim Knacken einer Nuss bis auf wenige Meter nähern und auch das Murmeltier zog es erst auf den letzten Metern vor, seinen Bau aufzusuchen. Leider bin ich in solchen Momenten von dem Erlebnis immer so in Bann gezogen, dass ich erst hinterher an ein Festhalten in Form eines Fotos denke. Selbst die Katze aus der Nachbarschaft, die meinen Sonnenplatz auf der Terrasse genießt, kriege ich nicht bildlich festgehalten. Vielleicht ist es aber auch besser/schöner/intensiver so.

Nun steht der August ins Haus. Mal sehen, wie sehr dieser ausgefüllt ist. Und welche Gelegenheiten sich bieten, diesen zu genießen.

Eure Kerstin

aufgetankt und losgelassen – die Freizeitfrage

Neben Büchern mein Nummer eins Luxusgut. Denn die Zeit, die wir haben, kommt nicht mehr zurück. Es gibt immer nur das Hier und Jetzt. Doppeltes Glück, da ich einen Partner an meiner Seite habe, der dahingehend genauso tickt.

Dass Erlebnisse auf der Glücksskala ganz weit oben stehen, ist sicherlich jedem klar. Und das absolut Fantastische an ihnen ist, dass es ist im Rückblick auch völlig egal ist, ob diese im Moment des Geschehens positiv oder sogar so richtig mies negativ sind. Irgendwann wird aus dem Campingtrip, bei dem das Zelt erst von Krabbeltieren befallen und dann unter Wasser stand, eine Geschichte, über die man lacht und die man gerne weitererzählt. Mehrmals im Laufe seines Lebens. Mit ein paar Schuhen, die ein absoluter Fehlkauf waren, passiert so etwas nicht.

Jedes Erleben bereichert und prägt, während der Besitz materieller Dinge die Freiheit raubt, uns einengt und sogar zu vermehrtem Stress führen kann. Nachzulesen bei James Wallmann „Stuffocation“. Darin schreibt er so treffend: „Erinnerungen leben länger als Träume.“ Ganz besonders gilt das bei Träumen nach materiellen Dingen. Und Robert Wringham („Ich bin raus“) ergänzt diese Aussage noch: „Der Mensch ist nicht die Summe der Dinge, die er besitzt.“

2017 hat Freizeit im Sinne von draußen sein für mich einen ungleich höheren Stellenwert als die Jahre zuvor, denn in meinem Rauhnächteorakel war und ist genau das meine Aufgabe für dieses Jahr – die Natur draußen genießen. Wer meine Reihe „Was von den Rauhnächten übrigbleibt“ mitverfolgt, der mag den Eindruck haben, dass ich immerzu wie wild von einem Gipfel zum anderen stürme. Es gibt aber auch die wirklichen Naherholungsoasen. Wie ein Spaziergang durch die Stadt. Oder mit einer Decke zur nächsten Wiese ziehen und die Hasen am Waldrand beobachten. Oder eine Matratze in den Garten legen und den Wolken einen Namen geben. Wobei der Garten, gilt für Terrasse und Balkon gleichermaßen, an sich ja schon die Auszeit garantiert.

Es sind also meist die kleinen Dinge, die glücklich machen. Das spontane Kaffeetrinken mit der Freundin genauso wie Spieleabend mit dem Nachwuchs, wenn ich mal wieder eine Glückssträhne habe und der Gegenspieler es nicht glauben kann. Herrlich, natürlich auch, wenn das Blatt sich gegen mich wendet. Wie heißt es doch so schön: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Gerade, wenn die Gedanken an morgen und die Zukunft von Verunsicherung geprägt sind, ist es wichtig, sich auf den Moment zu besinnen. Die Seele baumeln lassen, runterkommen und ankommen. Das klappt gegenüber letztem Jahr schon viel besser und viel öfter. Auch wenn ich mir das auf die Fahne beziehungsweise den Rauhnächtewunschzettel schreiben musste, damit es regelmäßig an die Gedankenoberfläche gespült wird.

Insofern ist für mich jeder ausgegebene Cent bare Münze und es reut mich kein bisschen, dass die Kosten für meine freie Zeit, die mir gehört, seit Januar (inkl. Urlaub) um beinahe fünfzig Prozent gestiegen sind. Sie liegen damit in etwa auf einer Höhe mit den Lebenshaltungskosten an dritter Stelle meiner Ausgaben.

Schon mal von dem Buch/Film „Brewster’s Millions“ gehört? Darin muss der Held (das Buch stammt im Übrigen aus dem Jahre 1902!)) eine Millionen Dollar binnen eines Jahres ausgehen, um das ihm vermachte Vermögen zu erben. Und zwar so, dass er am Ende physisch nichts vorzuweisen hat. Na, klingelst? Yep, genau. Ich habe natürlich keine Millionen und das mit dem Erben habe ich gründlich vermasselt – anderes Thema. Aber, wenn mich das Leben genauso viel kostet wie das Erleben, dann würde ich sagen, alles richtig gemacht und der Jackpot gehört mir.

Was sich in dem einen Jahr noch so getan hat, darum geht es beim nächsten Mal. Also, dann action!

Eure Kerstin

P.S.: Noch ein Wort zu oben erwähnten Buch „Brewster’s Millions“: Interessanterweise wurden in den 1920ern in den USA wesentlich mehr Güter produziert als verkauft. Der Markt war gesättigt. Dies führte zu der Diskussion, weniger produzieren und dafür mehr Freizeit, oder den Verbrauch sprich Verkauf ankurbeln. Das Ergebnis kennen wir alle. Die Hand dafür ins Feuer legen, dass heute die Entscheidung eine andere wäre, würde ich allerdings nicht. 

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117 Minuten Spaß mit dem jugendlichen Mitbewohner  : priceless

Baywatch 

Einen Dank an den Nachwuchs, dass er seine Mutter mitgenommen und ihr lautes Lachen ertragen hat.

Einen Dank an die Mutter, dass sie doch hin und wieder noch für manche Sachen gut ist und vor allem, wenn auch nicht die passende Kreditkarte, einen Dispokredit hat.