Geldnot

Ich glaube, der Euro ist ein Auslaufmodell. Zumindest der physische Bestand ist vom Aussterben bedroht. Oder kurz davor.

Also, jedenfalls ist es so, dass ich mein gemeines Konto bei einer Bank habe, die schon in die eine oder andere Fusion sowie staatlichen Rettungsschirm ver- und eingewickelt war. Das allein sollte mich ja eigentlich bereits dazu bewegen, nach stabileren Verhältnissen Ausschau zu halten. Allerdings fehlt mir noch immer die letzte Entschlusskraft. Kontowechsel ist ja auch nicht etwas, was man mit ein paar Klicks über die Bühne bringt, auch wenn einem das immer wieder so versprochen wird. Daueraufträge, Einzugsermächtigungen, Kredit- und andere Karten mit Kontoverbindung, herrje, wer hätte gedacht, dass über 50% meines monatlichen Kontoauszuges mit automatischen Zahlungsverkehrsdaten gespickt sind, sozusagen Fixkosten.

So bin ich nun seit Jahren ein treuer, wenn auch nicht allzu geschätzter Kunde. Bei mir ist nicht viel zu holen. Kein Kredit, kein Festgeld, keine Anleihen, keine Depots, keine Aktien. Noch nicht mal Dispozinsen. Kein Wunder, dass Berater nach dem ersten Gespräch nie wieder etwas von sich hören lassen. Und ich habe mit jedem Personalwechsel wahrlich schon einige Visitenkarten gesammelt.

Dafür bietet aber die Bank an meiner Seite einen schönen Verbund an Stellen, die einem Mittels Automat zu Bargeld verhelfen. Gerade für Menschen wie mich, die sich nicht permanent in die Karten schauen lassen wollen und gerne Dinge in bar bezahlen, wir erinnern uns, nur Bares ist Wahres, ist solch ein Netz ganz praktisch und hilfreich.

Allerdings nun scheinen sich die Maschen enger zu ziehen. Erst funktionierte mein „Lieblingsautomat“ nicht mehr, nur um ein paar Wochen später ersatzlos abgebaut zu werden. Auch der Ausweichautomat stellte so ziemlich zeitgleich den Dienst ein. Nun musste ich also zur Bank selbst, welche ortstechnisch gesehen, so gar nicht an meiner Seite ist. Kein Parkplatz und mitten im Zentrum der Großstadt. Kunden zuerst, Fehlanzeige. Ein Mensch ist auch dort nicht mehr in der Lage, eine Ein- und schon gar keine Auszahlung vorzunehmen. Der Automat hat die Kommandantur an sich gerissen und den Schalterbeamten zum Verkaufsberater degradiert. Willkommen im Dienstleistungszeitalter.

Und nun das.img_0538

Die Automaten haben auch hier den Dienst verweigert. Ok, ein Exemplar tut noch brav, was es soll.

Also, eigentlich ich bin ja schon fast der Ansicht, dass ist der erste Schritt zur Übernahme der Herrschaft durch die Maschinen. Sie haben sich scheinbar sogar zusammengerottet und machen gemeinsame Sache. Geldinstitutsübergreifend. Oder sind es „nur“ die Anzeichen einer Geldknappheit und wir müssen uns auf eine zukünftige Geldnot einstellen? Dann könnte bitte jemand Bescheid sagen, damit ich meine Socken und Matratze (wieder) als sichere Anlage aktivieren kann.

P.S.: Der obige Hinweis hängt übrigens nun schon die dritte Woche. Aber wahrscheinlich regelt eine künstliche Intelligenz die Arbeitsaufräge.

P.P.S.: Es stimmt, das Geld wird knapp. Nun gibt es keine zwanzig-Euro-Scheine mehr. Und das um diese Jahreszeit.

Tatort des Monats Juni

Nachdem bereits der Tatort des Monats Mai etwas Ungewöhnliches zu Tage gebracht hat, ist mir für diesen Monat ebenfalls eine Sonderausgabe in die Hände gefallen bzw. aus dem Ausschnitt, wenn man so will.

Tatort: Kleiderschrank06_2018

Tatbestand: Wäscheaccessoire, wenn man frau aus einem X ein U machen möchte.

Tatortsäuberung: Auf den ersten Blick mag so mancher – wohl eher männlicher Leser – rätseln, was denn das für eine Blume ist, oder ob es sich dabei um Handwerksutensilien handeln könnte. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es nur auf die Präsentation ankommt.

Nun, wie so vieles im Leben, wird unsere Gutgläubigkeit immer wieder gern ausgenutzt und es gibt es an jeder Ecke eine Mogelpackung. Doch wenn man sich ständig über weniger Inhalt zum gleichen Preis ärgert und erst recht darüber, dass die Firmen glauben, der Verbraucher merke dies nicht, dann muss man auch selbst den Tatsachen ins Auge sehen und dazu stehen, dass aus einer Körbchengröße X auch mit Einlagen und Polstern nur oberflächlich ein U wird. Und wer will schon Oberflächlichkeit? Also, weg damit. Ersatzlos.