Schatten der Vergangenheit

Ob es an den depressiv stimmenden Herbsttagen liegt, die den Winter einläuten oder an einer kosmischen Überschneidung verschiedener Ereignisse, kann ich im Moment noch nicht klar ausmachen, aber die Schatten der Vergangenheit holen mich derzeit mal wieder ein. Und das in ziemlich rasantem Tempo.

Angefangen hatte alles irgendwie mit dem Erzeuger des jugendlichen Mitbewohners, dem ich neulich am Telefon nahegelegt habe, es wäre doch ganz schön, wenn er zumindest hin und wieder auch mal meine Meinung einholen würde. An sich ein recht bescheidener Wunsch, aber mein Hirn hat daraufhin anscheinend die Schublade ehemaliger Liebhaber nicht richtig zugemacht, denn seitdem geistern diese durch mein Leben.

Amor und Psyche

Ich plaudere jetzt mal ein bisschen aus dem sehr persönlichen Beziehungsnähkästchen. Vor recht langer Zeit hatten ein Kollege und ich neben der beruflichen eine, wenn auch kurze, private Beziehung. Das ist jetzt eigentlich nichts Ungewöhnliches, schließlich finden ein Drittel der zwischenmenschlichen Beziehungen ihren Anfang während der Arbeitszeit. Oder eben auf einer der berüchtigten Weihnachtsfeiern.

Nun gehört mein Brötchengeber zu den Unternehmen, die in sogenannten Restrukturierungsmaßnahmen die Zukunft sehen und so kam es, dass dem Status Ex-Lebensabschnittsgefährte nun auch der des zukünftigen Ex-Kollegen zu Teil wird. Da sind mir dann einige Dinge durch den Kopf gegangen, ihm anscheinend auch, denn prompt leuchtete am Tag nach Bekanntgabe auf meinem Display seine Telefonnummer.

Er: „Ich bin Opa geworden.“ Sie: „Aha. Schön.“ Er: „Wenn ich nächstes Jahr aufhöre, dann kann ich mit Dir wandern gehen.“ Sie (gedanklich): Hä?? Er: „Das hatte ich Dir ja damals versprochen.“ Sie (gedanklich): Echt? Wo war ich denn da? Er: „Du wolltest doch immer diesen Weg gehen.“ Sie: „Ja, Du weißt ja, wann Ferien sind.“ Also, jedenfalls war es ein ganz nettes Gespräch, auch wenn das jetzt hier nicht so aussieht, und wir haben neben ein paar Neuigkeiten auch die Handynummern ausgetauscht. Ja, ich weiß. Sagt nix!

Prompt kamen dann später auch die Opa-Bilder. Leider hatte ich meinen Part der Abmachung, im Gegenzug Bergbilder zu schicken, vergessen. Wobei ich da noch ein Hühnchen mit meinem Unterbewusstsein zu rupfen habe, wie mir scheint, denn normalerweise leide ich unter einem Elefantengehirn, das alles abspeichert. Obwohl, das mit dem gemeinsamen Wandern ist mir ja auch entfallen. Am nächsten Tag in der Arbeit landete dann prompt ein dezenter Hinweis per Mail in meinem Postfach. So, und nun kann sich jeder ausmalen, dass der vergangen geglaubte Liebhaber sich gerade ziemlich breit macht in meinen Gedanken und ganz realen Leben.

Das, was mich jedoch am meisten beunruhigt ist, dass ich nun immerzu an den Film „Freunde mit gewissen Vorzügen“ denken muss. Nur, keiner meiner Schatten ist Justin Timberlake. Bei weitem nicht. Ok, ich bin auch nicht Mila Kunis, aber das Anziehendste an dem heutigen Opa ist seine Stimme. Die ist ziemlich sexy. Der Rest, na ja. Da gab es andere. In solchen Momenten verfluche ich das menschliche Erinnerungsvermögen und das Internet. Ganz ehrlich. Früher hätte man gegrübelt und vielleicht bei Freunden ganz vorsichtig mal nachgehorcht, aber heutzutage tippt man den Namen einfach in die Suchmaschine und schon landet das Antlitz des Ex auf dem Bildschirm. Ich weiß, selbst schuld.

Meine ganz große Liebe, der berühmte Deckel zum Topf, breitet heutzutage doch tatsächlich sein ganzes Leben für jeden sichtbar im sozialen Netzwerk aus. Schwanke gerade noch, ob das egozentrisch und exhibitionistisch veranlagtes Eingebildetsein oder einfach nur doof ist. Und wo sich das Karussell in meinem Kopf schon mal in Bewegung gesetzt hatte, ist mir da gleich noch eine andere verflossene Schattengestalt erschienen. Meine Jugendliebe glänzte beim letzten Klassentreffen mit Abwesenheit, von daher wurde das Netz um Auskunft gebeten. Ich war echt schockiert, also bin schockiert: Was man ja als blind verliebter Teenager nicht glauben möchte, aber irgendwann sieht der unwiderstehliche Jüngling, für den man all die pubertären Streitigkeiten vom Zaun gebrochen hat, seinem Vater (trifft wahrscheinlich auch im Falle von weiblichen Jugendlieben und ihren Müttern zu) verdammt ähnlich und dann ist man doch ziemlich froh, dass der Held vergangener Tage mit seinem Pferd weiter gezogen ist beziehungsweise man ihm die Sporen gegeben hat.

Stellt sich die Frage, was nun? Und wie werde ich die Schatten los? Mein Hirn scheint in Bezug auf die Vergangenheit da ähnlich einer defekten Schallplatte (die älteren meiner Leser werden sich erinnern) immer wieder an einer Stelle hängen zu bleiben. Vielleicht hat ja jemand einen guten Tipp, wie man die Endlosschleife abschalten kann.

Eure Kerstin

Geschenke für die Ewigkeit

Geschenke sind was Wunderbares. Findet Ihr nicht? Jedoch, und das mag nur eine Vermutung meinerseits sein, verlieren Sie mit zunehmendem Alter ein bisschen die Faszination, die sie als Kind auf mich ausgeübt haben. Sicherlich lässt sich das auf die Tatsache zurückführen, dass ich bereits eine ganze Weile nicht mehr an Elfen und dergleichen so wirklich glaube und ebenso darauf, dass meine Wünsche nicht mehr so drängend überlebensnotwendig und wichtig sind wie zu Zeiten, als Puppen, Lego und andere Spielsachen auf meiner Wunschliste ganz oben standen.

„Wünschen kann man sich alles“, war in solchen Momenten immer ein Spruch meines Vaters, den ich inzwischen auch gern mal dem jugendlichen Mitbewohner entgegne, wenn die Wünsche mal wieder das Budget zu sprengen drohen, bar jeder Grundlage und schlicht utopisch sind. Im Gegenzug dazu gibt es natürlich auch Leute, die es mit dem Schenken hin und wieder mal übertreiben. Großeltern zum Beispiel, die das auch gern auf die gestressten Eltern ausweiten.

Neulich wollte mir die Oma etwas Gutes tun und spendierte dem Nachwuchs, sich und mir eine Massage. Als wir also vor dem Tresen standen und unsere Termine vereinbart hatten, drängte sie mich, ob ich nicht noch eine Gesichtsbehandlung oder Pediküre oder, oder haben wolle. „Nein, danke, ich bin glücklich.“ „Ja, aber schau doch mal.“ „Ich möchte nicht, ich bin glücklich.“ Das hätte noch ewig so weitergehen können, wenn nicht die freundliche Dame hinter dem Tresen schließlich meinte: „Lassen Sie sie doch, wenn sie glücklich ist.“ So ist das, warum dem Glück noch eine Krone aufsetzten und es golden anmalen? Mehr führt nicht zwingend zu mehr Glück.

Ich bin ein großer Fan von sogenannten vergänglichen Geschenken. Der gute, alte Fresskorb feierte bei mir vor einiger Zeit eine Renaissance. Leicht aufgepeppt wohlgemerkt: Besondere Tees, exquisiter Kaffee, ungewöhnliche Öle, exotische Gewürze, duftende Seifen – so in etwa, je nach Anlass und Beschenktem. Da steht dann nichts rum, was Staub ansammelt und was man, wenn der Schenker mit Besuch droht, schnell platzieren muss. Man kennt das ja, wenn Schwiegermuttern auf der Matte steht: „Wo habt Ihr denn die Vase?“

Apropos Vasen. Davon kann man, so scheint es, tatsächlich nicht genug haben und trotzdem hat man nie die Passende. Blumen sind sowieso eine feine Sache – allerdings nur Schnittblumen, denn Topfpflanzen verlangen neben dem grünen Daumen auch – ähnlich den Schwiegermuttergeschenken – eine konstante Betreuung, um die Beziehung nicht zu gefährden.

Blumengeschenk

Von einem inzwischen verflossenen Liebhaber habe ich bei einem unserer ersten Treffen eine Zimmerpalme bekommen. Tja, Ihr ahnt es schon, der Liebhaber ist weg und ich darf mich nun noch immer um die Palme kümmern, weil ich es nicht übers Herz bringe, sie einfach dem Grünabfallcontainer zu überlassen. Meine Begeisterung kann man sich vorstellen.

Daneben stehen, wie könnte es anders sein, Bücher bei mir immer hoch im Kurs. Gern auch mal welche, die ich selbst gelesen und nicht mehr behalten möchte, wobei ich betonen muss, dass ich nicht wahllos irgendwelche Schundliteratur an Freunde und Verwandte verticke, um mich dieser elegant zu entledigen, sondern schon versuche, harmonische Paare zu bilden.

Und da kleine Geschenke die Freundschaft erhalten und zudem sich manchmal auch Glück gut teilen lässt, hier mein Beitrag: Wer meinen Post „Alle meine Leidenschaften“ gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass ich beziehungsweise mein Blog „alltagseinsichten“ kürzlich seinen dritten Geburtstag gefeiert hat. Aus dem Grunde können interessierte Leser die Lektüre, welche mich auf meinem Nachhaltigkeitsprojekt begleitet und inspiriert hat, ausleihen und sich so manches gern nochmals nachlesen. In dem Fall einfach im über das Kontaktformular bei mir melden. Und wer mehr Literatur und weniger Sachbuch affin ist, der kann bei der Buchgesellschaft stöbern. Da bieten wir auch gerade unsere Lesetitel an.

Bibliothek

Wie gesagt, Geschenke sind was Wunderbaren, doch wenn wir ehrlich sind, dann sind es nicht wirklich die materiellen Dinge, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht mal abgesehen vom einem Schmuckstück in einer kleinen, türkisenen Box. Vielmehr sind es die Erlebnisse, die wir in Erinnerung behalten und die uns über so manch verdrießliche Stunde hinwegtrösten. Ich erinnere mich beispielsweise nur an sehr wenige Geschenke aus meiner Kindheit und Jugend und sogar der vergangenen Jahre, dafür umso lebhafter an gemeinsame Stunden und insbesondere Urlaube und Reisen. So gesehen sind es also die geschenkten Erinnerungen, die uns ein Leben lang und darüber hinaus begleiten. Denn wie formuliert es Bonnie Ware in ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ so schön: „Es ist so ungeheuer wichtig, dass Sie über das Leben nachdenken, dass Sie jetzt führen, denn es kann sein, dass Ihnen bei Ihrem Tod nur wenig Zeit bleibt, um Ihren Frieden zu finden oder über sich nachzudenken. Stattdessen werden Sie in dem Wissen sterben, dass Sie fast Ihr ganzes Leben damit verbracht haben, das Glück auf den falschen Wegen zu suchen […], und dass Sie die Gelegenheit zum Richtungswechsel einfach verpasst haben.“

Wegweiser

Der wahre Luxus ist das Leben an sich. Auf alles andere kann man verzichten. Zum Abschluss meines Projektes werde ich noch ein bisschen über das eine oder andere philosophieren. Mal sehen, wohin es mich treibt.

 

Also dann, action!

Eure Kerstin

Hilfe, bin neu hier!

unbeschriebenes BlattIrgendwann, wobei dieses Irgendwann erst eine knappe Woche her ist, kam mir die spontane Idee: Das könnte ein Blog werden!

Eine ebenso naheliegende wie absurde Idee. Schließlich ging es ja nur um ein, wie ich es nenne, Experiment und eine Frage, aber dazu später mehr.

Daher naheliegend, denn schließlich verbringen tagtäglich Millionen Menschen mehr oder weniger Zeit im Internet und da wäre es doch nur natürlich, dass davon der/die eine oder andere zum virtuellen Gespräch bereit wäre.

Absurd, weil ich mich bis dato nicht im Entferntesten mit auch nur einem Blog beschäftigt hatte und es eben nicht so natürlich ist, dass jemand einfach so gerade über meinen Blog stolpert, ihn interessant findet und dann auch noch seinen Kommentar hinterlässt.

Okay, also ich wusste schon, was ein Blog ist und ich habe „Julia&Julie“ gelesen und sogar den Film angeschaut.  Etwas, was ich nur ganz selten tue – also ein Buch lesen und dann den Film dazu anschauen. Aber darum geht es im Moment ja gar nicht. Jedenfalls über Blogs und Blogger habe ich auch gelesen. Einige schaffen es in diverse Zeitschriften und finden ein breites Publikum, sind Meinungsbildner.

Gut, na ja, berühmt werden will ich ja nicht, aber was, wenn keiner guckt? Dann wäre das Experiment ja nicht nur gescheitert, sondern irgendwie die ganze Sache völlig daneben gegangen. Also habe ich die Idee erst mal wieder verworfen. Kurzzeitig. Bis ich dachte: Die erste Idee ist eigentlich oft die Beste. Das kennt ja wahrscheinlich jeder: Man geht z.B. in ein Schuhgeschäft – ok, ist vielleicht eher ein weibliches Ding. Also, Schuhgeschäft. Mal ehrlich, meistens sind doch die Schuhe, die man/frau als Erstes in der Hand hat, die man/frau auch am Besten gefallen. Also, bei mir funktioniert das bei vielen Dingen so: Speisekarten, Wohnungen, Strandliegestuhl. Aber darum geht es im Moment ja auch nicht.

Und so habe ich angefangen, mich ein bisschen im Internet umzusehen und versucht, „schlau“ zu machen. Vielen Dank an dieser Stelle an blogkiste.com für die die vielen guten Tipps und hilfreichen Ratschläge. Schließlich habe ich ein paar Blogs durchgeblättert und gedacht: Ok, das schaffe ich schon.

Anmelden, Seite erstellen, Text schreiben, fertig, los geht’s. Na ja, über den Namen musste ich natürlich 1-2 Tage nachdenken und dann habe ich noch mehrere Stunden mit dem Layout zugebracht, da ich mit den vielen Möglichkeiten völlig überfordert war. Aber, was soll ich sagen: Es hat geklappt! Ich bin online! Das ist ja toll!

Und mein nächster Gedanke: Hilfe, ich habe keine Ahnung, was ich hier mache!

Und das Schlimme: Alle können es auch noch miterleben. Also, theoretisch alle. Was wieder voraus setzt, dass jemand guckt. Was mich wieder zum Anfang bringt, warum mir die Idee des Bloggens überhaupt in den Sinn gekommen ist.

Aber davon ein ander Mal mehr.

Eure Kerstin