abgespeist und angebissen – die Lebensmittelfrage

In meiner Bilanz vom letzten Jahr lagen die Kosten nach der Umstellung auf regionale, saisonale Bioprodukte pro Monat ja bei knappen €500,00 und ich hatte damals auch schon gesagt, dass dies nicht 100% Lebensmittelkosten, sondern vielmehr Lebenshaltungskosten sind. Nach einem Jahr sind diese leicht angestiegen und summieren sich mittlerweile auf €540,00 pro Monat. Das mag an diversen Preissteigerungen und der nicht ganz astreinen Buchhaltung liegen. Haupttreiber sind, und das ist nicht gehässig oder so gemeint, wohl aber eher die beiden männlichen Mitesser. Für beide gilt: Fleisch ist mein Gemüse. Für mich: Ein Kampf gegen Windmühlen.

Der jugendliche Mitbewohner hat zudem so etwas wie Appetit entwickelt und kann mitunter auch schon mal eine ganze Packung Eis und/oder ein halbes Toastbrot wegputzen. Vor allem seit er seinen Körper stählt und auf irgendwas zwischen Zac Efron und Arnold Schwarzenegger hinarbeitet. Was irgendwie mit dem Konsum von Fertigprodukten nicht so ganz konform geht. Hoffe nur, dass für den Geist bei der Diät noch genug Brennstoff abfällt. Jedenfalls ist das Wachstum in beiden Segmenten gerade in vollem Gange und zumindest die Körpergröße übersteigt inzwischen die der Ernährerin. Der erforderliche Futternachschub macht eine Budgeterhöhung unausweichlich, was für mich absolut okay ist, das Kind soll ja kein Zwerg bleiben – weder körperlich noch geistig. Nur an der Einstellung – Hunger, essen, jetzt – müssen wir noch arbeiten, da dabei allzu oft der Griff zu Pizza und Konsorten erfolgt.

Beim Einkauf orientiere ich mich zusehends um: Der wöchentliche Großeinkauf wird schon mal auf mehrere Tage und Märkte verteilt. Zunehmend auch auf Wochenmärkte. Zu sehr stört mich, dass so viele Obst- und Gemüsewaren fernab von Europa nach Deutschland importiert werden. Einfach, weil vielleicht die Produktion von Kartoffeln in Peru und Zwiebeln aus Ägypten billiger ist als im heimischen Grund und Boden. Hinzu kommt, dass die meisten Bioprodukte dann auch noch aufwendig verpackt beziehungsweise gar nicht im offenen Verkauf verfügbar sind. Zum Beispiel Fleisch, Wurst und Käse. Also ist die logische Folge der Gang zum Wochenmarkt oder auf die umliegenden Hofverkaufsstellen.

Eine Überlegung wert wäre es noch, jeden Tag einzukaufen. Und zwar immer nur den Tagesbedarf, also was man an dem Tag isst. So wird man nicht verleitet, Großpackungen einzuladen und mehr als man verbrauchen kann, also dann letzten Endes unter Umständen wegschmeißt. So gesehen in einem Beitrag über Minimalismus, der gerade im Fernsehen lief. In wie weit das praktikabel ist, sei dahingestellt. Mir fehlt da ein bisschen die Spontanität, wenn beispielsweise der jugendliche Mitbewohner plötzlich noch einen Freund mitbringt oder man auf einmal Lust auf Gemüse anstatt Brotzeit hat. Der Zeitbedarf ist natürlich auch nicht ganz ohne. Aber so ganz verwerfen möchte ich den Ansatz nicht. Vielleicht mal im Urlaub ausprobieren.

Das Problem der Reste ist mittlerweile so gut wie perfektioniert und es passiert äußerst selten, dass ich tatsächlich etwas wegschmeißen muss. Den schwarzen Peter bekommt, leider, der jugendliche Mitbewohner, der oftmals nach dem Motto „haben-will“ sich Sachen wünscht, die er dann doch nicht mag und ich schon von Haus aus nicht. Oder weil der Rest Steak vom letzten Grillabend nach 24 Stunden im Kinderzimmer wieder Anzeichen von Leben zeigt. Aber das mit der Größe, vor allem der geistigen, hatten wir ja schon.

Zum Abschluss nochmals ein paar Fakten aus dem Buch „Glücklich ohne Geld“ von Raphael Fellner zum Nachdenken:

1.      50% der produzierten Lebensmittel werden weggeschmissen bzw. gar nicht erst geerntet, weil sie nicht der Norm entsprechen. Hochgerechnet würden die produzierten Lebensmittel 14 Milliarden Menschen ernähren.

2.      1/3 aller produzierten Kalorien werden in der Tierindustrie verbraucht. 2011 wurden 98% der Sojaproduktion, 50% der Getreideernte und 40% des Fischfangs zu Tierfutter verarbeitet.

Das macht einen – mich – sehr nachdenklich. Und das ist noch human ausgedrückt. Die Antwort auf Punkt 1 kann nur sein: Regional und direkt vom Erzeuger einkaufen. Alternativ gibt es eine Website „Etepetete“, die sich genau diesem Problem annimmt. Bei Punkt zwei kann die Lösung nur der Verzicht sein. Und das muss definitiv nochmals beim nächsten Grillabend auf den Tisch gebracht werden, Männer!

Lebensmittel

Es gibt also gerade im Bereich Lebensmittel so viele Möglichkeiten. Genau deswegen macht es mir besonders Spaß, immer wieder nach anderen und neuen Wegen Ausschau zu halten und zu experimentieren, so dass sich hier noch so einiges tun wird.

Weiter geht es mit dem lieben Haushalt. Also dann, action!

Eure Kerstin

Heute bleibt die Küche kalt

Der Wiener Wald war früher die Lösung, wenn Muttern nicht am Herd stehen wollte. Wobei, früher war in Punkto gemeinsames Essen vieles anders, wie ich schon mal in dem Beitrag „Duft des Lebens“ festgestellt habe.

Ich jedenfalls gehe auch gern auswärts essen. Es macht einfach Spaß, die Mahlzeit fix und fertig serviert zu bekommen. Irgendwie ist auch manchmal wie ein Überraschungsei, wenn der Teller vor einem steht. Denn ob das Gericht, welches sich auf der Speisekarte so verführerisch anhörte, wirklich solche Qualitäten besitzt, wird man erst feststellen, wenn man es probiert hat.

Die Deutschen sparen bekanntlich ja zuerst am Restaurantbesuch, wenn das Geld knapp ist. Das ist nachvollziehbar. Trotzdem boomt die Szenegastronomie und Sterneküche. In manchen Lokalitäten muss auf Wochen im Voraus reserviert werden. Das ist ebenso nachvollziehbar und liegt am Erlebnisfaktor, denn oft spielt das Essen an sich nur die zweite Geige. Die wesentliche Zutat für die stimmige Note ist der Service und die Gesellschaft.

Vor einigen Jahren war unsere Familie (Großeltern, Kinder, Enkelkinder und Freunde) im schönen Aschau. Zwei Sterne kann die Residenz Winkler vorweisen. Zugegeben, das kann man sich wirklich nicht jede Woche, auch nicht jeden Monat, leisten. Aber der jugendliche Mitbewohner, der damals noch ein Kind war, und ich schwärmen noch heute von dem Abend. Oft, wenn wir etwas besonders Leckeres speisen, sagen wir: „Weißt Du noch, damals bei Winkler’s?“

Noch schöner als kochen lassen, ist Kochen für Freunde. Stimmt’s, liebe Buchgesellschaft? Auch dabei ist der Geselligkeitsfaktor der springende Punkt. Ich sage ja immer, ich bin ein Gesellschaftsesser. Allein essen, wenn der jugendliche Mitbewohner wieder mal auf Abstand zur Eigenkreation geht, ist langweilig und schmeckt irgendwie nicht. Und Essen, nur um satt zu werden, finde ich unbefriedigend. Da bleibt dann erst recht die Küche kalt und es gibt ein Brot mit Tee und einem Apfel oder Joghurt.

Doch am allerschönsten ist Kochen mit Freunden. Stimmt’s, liebe M.? Dabei lassen sich vorzügliche Herddiskussionen führen und gewagte Rezepte testen. Wir haben mal „Plattes Huhn“ nach einem Rezept von Johann Lafer gemacht. Das war ein echtes Erlebnis, bei dem man dem armen Flattermann mit Hilfe eines Backbleches sämtliche Knochen brechen musste, bis er eben platt war. Nichts für Zartbesaitete, aber lecker und vor allem lustig war’s.

Plattes Huhn

Was das alles mit Verzicht zu tun hat? Nichts, wenn man mal von den Zutaten, die natürlich Bio sein können, absieht. Und das ist gut so. Verzicht heißt ja nicht, dass man sich nichts mehr gönnt, sondern dass man das, was das Leben einem bietet, mit allen Sinnen genießt.

Das Pedant zu auswärts essen, ist Essen zum Mitnehmen. Das schauen wir uns morgen an.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

 P.S.: Das Foto ist aus dem Kochbuch „Meine besten Rezepte“. Unsere Kreation sah nicht so perfekt aus, aber darauf kommt es bekanntlich auch nicht an. 

Des Widerspenstigen Zähmung

Was essen Kinder/Jugendliche am liebsten? Richtig. Pizza und Pommes und Chips. Das ist natürlich sehr pauschal und mitunter stark von der Erziehung und der Persönlichkeit des Nachwuchses abhängig. Bei ersten habe ich, so wie es aussieht, kläglich versagt. Für das zweite sind, wie immer in solchen Fällen, die Gene des anderen Elternteils verantwortlich.

Klar, die Altersgenossen üben auch einen gewissen Einfluss auf die Essgewohnheiten aus und es ist eben nicht so besonders cool, wenn alle sich eine Pizza in den Ofen schieben während es bei uns irgendwas total Gesundes gibt. Um akzeptiert zu werden, seinen sozialen Status in der Gruppe zu behaupten, reicht es eben nicht, Markenklamotten, ein großes Zimmer und trendige Gerätschaften (Longboard, Roller, Bike) vorweisen zu können. Der Döner mit Coke zum Mittagessen nach der Schule ist zum Statussymbol mutiert.

Rigoroses Verbieten ist da eher kontraproduktiv. Wie gesagt, die Erziehung. Die Folge sind regelmäßige Tischflucht und liebloses Rumgestochere im Essen, begleitet von Nörgelei und schlechter Laune. Da hilft auch kein Aussitzen. Wie gesagt, die Gene. Was also tun mit dem widerspenstigen Geist?

  • Verhandeln. Immer wieder.
    Vor dem großen Wocheneinkauf werden Wünsche abgefragt. Soll es Fisch oder Fleisch geben? Fertigessen zuhause oder Imbissbude zum Mittagessen nach der Schule?
  • Kompromisse finden.
    Bei Chips gibt es Bio-Chips (die selbstgemachten waren nicht so der Hit), Nachos, Mais-Waffeln, Mozzarella, Käsescheiben ebenfalls in Bio-Qualität. Bio-Pizza habe ich ein paar Mal in der „Blindverkostung“ (ohne Karton) versucht. Leider ohne Erfolg. Auch ein entsprechender Testbericht, dass Bio-Pizza zumindest als Primus inter Pares abschneidet, hat nichts geholfen. Der Käse ist „eklig“ und die Salami „widerlich“. Dann eben Standard-Pizza, die dafür gegessen wird. Und dann lieber öfter mal eine in der Pizzeria holen. Bio-Pommes sind auch nicht wirklich angekommen. Liegt aber, wenn ich das mal subjektiv beurteilen soll, daran, dass das jugendliche Auge an der Packung erkennt, dass es Bio, also uncool, ist.
  • Das eigene Verhalten so gut es geht konsequent beibehalten.
    Bei Süßigkeiten werde ich auch schwach und Goldbären sind nun mal lecker. Hingegen wird Milch in verschiedenen Ausführungen gekauft. Tetra für den visuell geprägten Typ und Glas für mich. Letzteres wird verweigert, weil „ääh, wie sieht das denn aus?“. Na ja, ganz unrecht hat das Teen damit nicht. Die Flaschenfarbe ist wirklich etwas unglücklich gewählt.

Milch

  • Zeigen, dass Ausnahmen kein Rückschritt sind.
    Beim Getränkesirup wird zum Beispiel immer abwechselnd Plastik- und Glasflasche gekauft. Das ist doch schon mal ein 50%iger Erfolg. Der Vorschlag kam tatsächlich vom Nachwuchs.
  • Zusammenhänge erklären.
    Die fünf Minuten Aufmerksamkeit, die so ein jugendliches Gehirn aufbringen kann, nutzen, um Fluch und Segen der Wohlstandsgesellschaft möglichst plakativ zu schildern. Oder eine Reportage anschauen, am besten auf Youtube, denn da sind alle „endcool, Alter“.
  • Nicht die Hoffnung aufgeben.
    Keiner hat gesagt, dass es einfach ist. Aber es ist der einzige Weg.

Was ich noch wichtig finde, ist die Einstellung zum Essen. Auch, wenn es meist um die schnelle Nahrungsaufnahme geht, bieten sich hin und wieder doch Gelegenheiten, dem Essen eine gewisse Wertschätzung zukommen zu lassen. Eine selbstgemachte Suppe kann dann auch schon mal zwei Tage hintereinander serviert werden, weil das Suppenhuhnfleisch „voll lecker“ ist und der Braten im Ofen führt auch mal dazu, dass der jugendliche Mitbewohner ungeduldig zwischen Zimmer und Küche hin- und hertigert, weil es so „krass lecker“ duftet.

Morgen geht es um den Genussfaktor Essen, wenn man mal der Routine entfliehen möchte.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Relax-Rezept

Karte Nr. 19: „Sie geben sich der Muße hin: Gestatten Sie sich, mal so richtig faul zu sein. Reservieren Sie einen Tag im Kalender, den Sie von morgens bis abends im Bett verbringen werden – mit Schlafen, Lesen oder Sex.“

Höchst wahrscheinlich habe ich den ungünstigsten Monat für solch ein Unterfangen erwischt. Jahresendspurt, Weihnachten und alles, was dazu gehört, steht nicht gerade in Einklang mit Entspannung, Ruhe und Erholung. Von daher: Nein, ich habe keinen ganzen Tag im Bett verbracht – mit Schlafen, Lesen oder Sex. Ich bin ein schlechter im Bett-Liegenbleiber. Klar gab es in meiner Jugend eine Zeit, in der auch ich mich bis mittags oder länger im Bett aufhalten konnte. Mein Vater hat damals immer gern Wanderlieder in voller Lautstärke durch den Äther gejagt, wenn er der Meinung war, ich hätte nun lange genug gefaulenzt. Ist das zu glauben? Wanderlieder. So richtig: „Das Wandern ist des Müllers Lust“ und „Im Frühtau zu Berge“. Das grenzt an seelische Grausamkeit. Da frage ich mich doch glatt, welche Verbindung zwischen meiner Liebe zu den Bergen und dieser Folter besteht.

Was ich also von dieser Karte tatsächlich geschafft habe, ist der Lesepart. Das ist ein leichtes für mich. Lesen – keine wirkliche Herausforderung. Hier meine Leseliste des letzten Monats: „Let’s explore diabetes with owls”, “Er ist wieder da”, “The secret Paris cinema club”, “After Annie”, “We are all completely beside ourselves”. Lesen – pure Entspannung und faul sein zugleich.

Ich habe mal das Wort Muße im Wörterbuch nachgeschlagen und es bezeichnet die Zeit, die man nach eigenen Wünschen gestalten kann. Ja, das ist sicherlich etwas, was die Wenigsten heutzutage sich tatsächlich leisten können. Da wundert es mich nicht, dass der Begriff immer auch mit der Antike in Verbindung gebracht wird. Vor allem in Bezug auf Musik, Kunst und Literatur. Nicht zu vergessen die Musen – Schutzgöttinnen der Künste. Aber es gibt eine noch ältere Bedeutung von Muße, die da lautet: Gelegenheit, Möglichkeit. Und hier komme ich ins Spiel.

Immer wieder habe ich das Problem, dass ich nicht weiß, was ich kochen soll und für einen Kochplan fehlt mir oft die Zeit und letztlich auch die Nerven. Also habe ich einen Bring-Service ausprobiert. Man bekommt eine Lieferung mit allen Zutaten und Rezepten. Also bin ich jeden Abend nach Hause gekommen und habe Essen gemacht. Alles, was ich benötigte, war vorrätig und die Kochanleitung gab vor, was serviert wurde. Ich habe geschnibbelt, gebraten, gekocht usw. Und soll ich was sagen? Das war wirklich entspannend. Etwas mit den eigenen Händen tun. Ganz besonders, wenn man wie ich den ganzen Tag vor dem Computer sitzt und sich oftmals fragt, was genau mache ich da eigentlich. In der Küche sind die Ergebnisse ziemlich eindeutig: Vorbereiten, zubereiten. Fertig!

Nach einer Woche vorkonfektioniertem Essensplan ergab sich eine weitere Möglichkeit in Form von Plätzchenbacken. Ja, die Vorweihnachtszeit bot sich einfach dazu an. Was mir jedoch fehlte, war das Familienrezept, welches auf unerklärliche Weise mit dem Tod meiner Mutter verschwand. Seit über zehn Jahren versuche ich nun schon dieses Rezept zu finden. Bis dato leider immer ohne Erfolg. Und was soll ich sagen? Dieses Jahr hatte ich Glück. Vielen Dank, Internet! Ich habe einen ganzen Tag in der Weihnachtsbäckerei zugebracht und dabei meine Weihnachts-CD rauf und runter gehört. Klar singe ich auch mit, aber das ich wahrscheinlich eher kein Vergnügen für andere.

Tja, und dann habe ich noch eine dritte Gelegenheit zur Muße entdeckt: Jeder weiß ja sicherlich wie frisches Brot schmeckt. Also, so richtig frisch. Nahezu ofenfrisch. Genau. Und bereits am nächsten Tag ist es nur noch halb so lecker. Nun, ich esse unter der Woche zum Frühstück gern ein Brot. Aber wenn ich mein Lieblingsbrot am Samstag kaufe, schmeckt es eben Montagmorgen schon alt. Das war meine Chance: Eigenes Brot backen. Und genau das habe ich getan. Mmh, so lecker duftendes Brot: Viel, viel besser als einen Tag im Bett verbringen – mit Schlafen, Lesen oder Sex. Okay, Letzteres vielleicht mal ausgenommen.

BrotUnd das Beste: Hefeteig sollte man mindestens eine halbe Stunde lang mit den Händen kneten. Das beste Relax-Rezept überhaupt.

Wünsche allen frohe Festtage und ein gutes, neues Jahr. Ich für mich werde nochmals eine Komfortkarte ziehen – in der Hoffnung, dass es eine ruhige und geruhsame ist. Nr. 20.: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herze, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Si etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“ Gut, irgendwie war es abzusehen, dass ich gutmütiger Tropf wieder mit so etwas ende. Wer ist hier eigentlich für die Wahl der Karten zuständig? Ich dachte, das sollten Glückskarten sein? In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort des Monats Dezember

Nein, es ist nicht beim Plätzchenbacken – wie man zu dieser Jahreszeit vermuten möchte – passiert, sondern ganz ordinär beim Ei-zu-Rührei-Verrühren.2014_12

Tatort: Küche.

Tatbestand: Stylischer Billigschneebesen aus dem Möbelhaus.

Tatortsäuberung: Tja, damit ist eigentlich schon alles gesagt: Wer im Möbelhaus Schneebesen anstatt Möbel kauft, der ist halt selber Schuld. Konzeption des Schneebesens war eigentlich überzeugend. Außen konventioneller Schneebesen, der innen einen kleinen geflochtenen Ball hat, in dem sich eine Kugel befindet. Soll für besonders viel Luft und Fluffigkeit sorgen. Leider ist der Kugelkäfig zu lasch und die Kugel schon des Öfteren aus ihrem Gefängnis entwichen. Wenn das aber beim morgendlichen Eierrühren passiert und besagte Kugel einem auf den Zeh donnert, dann ist Schluß mit Lustig und endet auf dem Werkstoffhof. Soll doch jemand bitte was Anständiges aus dem Billigding machen. Greife jetzt wieder zum Erbstück – ist fluffig genug und schmeckt genauso.

Seelenfutter

Karte Nr. 11: “Sie sind ganz und gar auf Genuss eingestellt: Kochen Sie Ihr Lieblingsessen oder bereitet Sie Ihr Traumdessert zu. Diesmal wird nicht an die Figur gedacht – es zählt nur der Spaß am Schlemmen.

Um es vorweg zu sagen: Nein, ich habe nicht zugenommen. Nur damit aus der Welt ist, bevor ich hier weiter mache. Und um die Wahrheit zu sagen, hatte ich sogar einige Schwierigkeiten mit dem Schlemmerpart. Nicht, weil Fastenzeit ist. Ich bin weiß Gott kein religiöser Mensch. So gesehen, habe ich in den letzten zwei, drei Jahren sogar in abgewandelter Form gefastet. Süßigkeiten zum Beispiel. Ich meine, es war letztes Jahr, als ich auf Fleisch und Süßigkeiten verzichtet habe. So zumindestens die Idee. Allerdings habe ich nach einer stressüberlasteten Arbeitswoche das mit den Süßigkeiten auf ein anderes Mal verschoben. Ohne Fleisch bis Ostern war dagegen kein so großes Problem wie ich anfangs meinte. Ein paar Tage vor Ostern war ich zum Essen im Steakhaus. Zuerst habe ich gezögert und dachte mir dann: „Ach, was soll’s. Wer weiß, wann ich wieder zu einem perfekt gegrillten Steak komme.“ Allerdings war ich ein bisschen enttäuscht. Ich hätte erwartet, dass ich so ein Aha-Erlebnis serviert bekomme. Nach dem Motto: „Wow, das schmeckt so teuflisch gut!“ Aber nichts dergleichen. Zyniker werden vielleicht nun sagen: „Tja, hättest Du mal bis Ostern gewartet.“ Aber, wie gesagt, um den religiösen Aspekt ging es mir dabei ja gar nicht. So, dieses Jahr mache ich also gar nichts. Süßigkeiten, Fleisch, egal, ich esse alles. Vielleicht wieder im nächsten Jahr.

Zurück zur Aufgabe: Meine größte Herausforderung ist, dass ich es nicht besonders mag, zu kochen, ohne zu wissen, dass jemand die damit verbundene Arbeit und Hingabe zu schätzen weiß. Allein in der Küche stehen, ist auch eher Pflicht denn Vergnügen. Und ich finde, Leidenschaft und Lust gehören zur Essenszubereitung einfach mit dazu, um aus einem Mahl Futter für die Seele werden zu lassen. Von daher fällt die Essensaufnahme in letzter Zeit eher unter notgedrungenes Übel und ich schenke ihr nicht allzu große Aufmerksamkeit. Weder beim Einkaufen noch beim Essen. Eigentlich schade, denn ich koche im Grunde ganz gern. Vielmehr läuft es eher so ab: Mal sehen, was Kühlschrank, Gefrierfach und Vorratsschrank so zu bieten haben und was sich daraus machen lässt. Und wie es aussieht, war genau das mein Ansatz bei dieser Karte. Hier also meine Dokumentation:

FrühstückFrühstück: Ich gebe zu, es sieht etwas ungewöhnlich, wenn nicht sogar ekelig aus, ist aber richtig lecker und erinnert mich ganz stark an meine Kindheit. Ein Sandkuchensandwich. Man nehme ein Schwarzbrot – Graubrot geht auch – mit Nuß-Nougat-Creme bestreichen und oben drauf ein Stück Sandkuchen. Marmorkuchen geht auch. So fängt der Tag gut an, eignet sich aber auch für fast jede andere Tageszeit.

 

MittagessenMittagessen: Weder gesund noch nahrhaft, keine Frage. Aber das war ja nicht der Sinn der Sache, wenn ich die Aufgabe richtig gedeutet habe. Mikrowellengemüse mit Kräuterbutter und eine Coke.

 

 

 

ZwischenmahlzeitNachmittag: Oh, fast hätte ich vergessen, ein Foto zu machen. Ursprünglich waren es vier Quarkbällchen. Aber die sind sooo klein. Und leicht. Und zart. Passt super zu Kaffee und/oder Tee. Oder als Nachtisch. Nur teilen ist manchmal nicht so einfach.

 

 

AbendessenAbendessen: Gebratene Barbarieentenbrust mit Mango. Ich liebe es. Die Kombination der krossen Ente mit der Süße der Mango. Unvergleichlich! Unwiderstehlich!

 

 

 

MitternachtssnackMitternachtssnack: Nachos mit Guacamole. Selbstgemacht. Die Guacamole, nicht die Nachos. Das Beste daran ist, dass man nie so genau weiß, wie es wird. Diesmal ziemlich scharf. Schätze, ich war etwas zu großzügig mit dem Tabasco.

 

 

Abschließendes Fazit: Wenigstens wurde die Vorgabe von fünf Portionen Obst und Gemüse eingehalten.

Dieser Monat verging fast wie im Fluge. Ich kann beinahe gar nicht glauben, dass eine neue Karte darauf wartet, gezogen zu werden. Diesmal Kategorie Sinn. „’Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen’, Karl Jaspers. Sie sind eine Tochter, Cousine, Nichte bzw. Sohn, Cousin, Neffe. Rufen Sie ein Familienmitglied an, bei dem Sie sich lange nicht gemeldet haben.“ Oh, oh, das wird lustig. Und das meine ich eher im sarkastischen Sinne. Da weiß ich gleich gar nicht, wen ich zuerst anrufen soll. Ich glaube, ich brauche jetzt erst mal neues Seelenfutter. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin