Tatort des Monats November

Der Winter ist nun doch nicht mehr zu verleugnen. Zeit für eine Bestandsaufnahme im Kleiderschrank. Wie es ausgegangen ist, kann man unten nachlesen.

Tatort: KleiderschrankSchal

Tatbestand: Schals (Achtung: Mehrzahl)

Tatortsäuberung: Letztes Wochenende waren der jugendliche Mitbewohner und meine Wenigkeit shoppen. Also, eigentlich hat er geshoppt, während ich mit Bezahlen beschäftigt war. Am Ende war das Budget nahezu und die Mama vollends erschöpft, so dass als Belohnung für den Geldgeber nur noch ein Schal rausgesprungen ist. Allerdings dieser auch nur unter dem Zugeständnis an den Partner, der aufgrund einer Fußballübertragung – wenigstens wurde die Kreditkarte geschont – befreit war, dass ich einen dafür abgebe. Fairplay einmal anders. Gesagt, getan. Sogar mehr als das. Ich würde fast so weit gehen und behaupten, die Weihnachtsgeschenke sind damit auch schon abgedeckt.

Tatort des Monats August

Am besten lassen sich doch Tatorte reinigen, bei denen man nicht persönlich befangen, sprich betroffen, ist. Anderer Leute Probleme löst man bekanntlich schließlich auch viel besser und schneller als die eigenen. Also bin ich diesmal fremdgegangen. Wenn auch nur in einem anderen Zimmer…äh Universum, denn der Tatort befindet sich in der Hand des jugendlichen Mitbewohners. Es ist also Vorsicht geboten.

Tatort: Kinderzimmer

Tatbestand: Kleidung aller Art

Tatortsäuberung: Leichter als erwartet. Offenbar entwickelt man/frau den Hang zum Sammeln und Horten erst in einem späteren Lebensstadium. Obwohl es nach diversen Diskussionen, „das passt Dir doch aber noch“, eher eine Geschmacksfrage zu sein scheint und dieser ändert sich beim Nachwuchs öfter mal aus nicht wirklich nachvollziehbaren Gründen. Insofern war die Ausbeute vor allem reichhaltiger als erwartet – siehe das einsame, einzelne T-Shirt, welches noch ein Bleiberecht ergattern konnte (es sind natürlich mehr T-Shirts noch im Fundus, allerdings in der Wäsche, denn der Wäschekorb liegt, egal wo er steht, immer näher als der Schrank, was einen wundert, aber nicht so ganz hierher gehört). Es sei der Jugend vergönnt, sich kleidertechnisch auszutoben und einen eigenen Stil zu finden.

Aber gut, beide Akteure sind ohne bleibende Schäden und Blessuren davon gekommen und die bevorstehende Zimmerrenovierung hat beim Bewohner für die nötige Motivation gesorgt. Wobei allerdings eher die Aussicht auf die Einnahmen aus dem Secondhand-Verkauf der Grund für die Großzügigkeit waren. Na, wenn sich da mal nicht jemand bei der Beweisaufnahme verrechnet hat.

zugeknöpft und umgekrempelt – die Kleiderfrage

Die schlechte Nachricht vorweg: Meinen Vorsatz („Von der Pflicht zur Kür“), die Kosten für Kleider noch weiter zu senken, konnte ich leider nicht halten, dafür musste ich „zu viele“ Teile ersetzen/aufstocken. Allerdings möchte ich auch, und das soll keine Entschuldigung sein, betonen, dass der Hauptanteil dabei auf Sportbekleidung (Wanderschuhe, Sporthosen, Wandersocken, Jacke) fällt, was eventuell mildernde Umstände bedeutet.

Nichts desto trotz, etwas enttäuscht bin ich schon, lasse ich mich aber nicht entmutigen, weiterhin an dem Vorsatz festzuhalten, die Kosten in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren. Hin und wieder ist durchaus mal ein Ausreißer drin. Das macht dann doppelt Spaß und sorgt für langanhaltende Freude. Siehe den Mantel vom letzten Jahr – ein Lieblingsstück. Und so soll es ja auch sein.

Von daher bin ich zusätzlich einer neuen Strategie gefolgt, um in meinem Kleiderschrank dem Ziel „Weniger ist Mehr“ schneller näher zu kommen. Neben dem üblichen was-ich-ein-Jahr-nicht-getragen-habe-kann-weg, habe ich kurzerhand Kleidungsstücke, die ich nicht wirklich gern anziehe, rausgeschmissen. Ich denke, jeder hat da das eine oder andere in seinem Fundus. Den Pulli, den man im Laden toll fand, zuhause aber dann feststellen musste, dass er zu nichts passt. Das T-Shirt, das nicht (mehr) zu einem passt, weil zu altbacken/jugendlich/bunt/langweilig. Auf diese Weise ist ganz schön was zusammengekommen. Hier die Bilanz der Aktion:

Was? Wie viel?
Badeanzug 1
Bluse 8
Handschuhe 2
Jacke 4
Jogginghose 2
Kleid 2
Mantel 1
Mütze 1
Pulli 4
Schuhe 5
Socken 5
Tasche 3
T-Shirt 4
Unterhemd 4
Unterhose 6
Weste (Anzug) 3
Weste (Outdoor) 1

Mittendrin wurde ich beinahe von meiner eigenen Courage überrannt und wollte schon wirklich kurzen Prozess mit sämtlichen Stücken zweiter Wahl, weil nicht 100% auf der Geschmacksskala, machen, konnte aber gerade noch an mich halten beziehungsweise wurde mir von meinem Gewissen – was das alles mal gekostet hat – und meiner Vernunft (genaugenommen eine etwas zweifelhafte Entscheidung) – so schrecklich ist es nun auch wieder nicht – Einhalt geboten. Also wurde einigen Teilen eine zweite Chance eingeräumt. Manchen davon mit Zeitwertkonto bis zum dessen Ablauf sie sich beweisen müssen.

Was? Wie viel? Warum?
BH 1 weil derzeit der einzige, der unter ein weißes T-Shirt zu tragen geht
High Heels 1 weil der absolute Hingucker, aber wenig Tragemöglichkeit
Jacke (Anzug) 1 weil einzige schwarze Jacke im Schrank
Jacke (Outdoor) 1 weil ideal für den Sommerurlaub in spe an der See (ansonsten, gute Reise)
Jogginghose 1 weil derzeit im zweiten Haushalt als Freizeithose deponiert
Kleid 1 weil ich die dazugehörige Jacke immer gern zu Hosen trage
Mantel 1 weil eigentlich sehr schön, aber irgendwie zu selten getragen
Pulli 1 weil warm, aber nicht gut zu kombinieren, derzeit im zweiten Haushalt
Pulli (Sport) 1 weil ideal als Unterziehpulli
Shirt 1 weil schön, aber Kombinationsmöglichkeit fehlt, derzeit im zweiten Haushalt
Schuhe (Sommer) 1 weil blau (schwer zu finden) und noch keine Alternative gefunden
Stiefel 1 weil total bequem, aber schon sehr mitgenommen
Winterschuhe 1 weil dicke, warme Treter (man weiß ja nie)

Noch ein Hinweis zum oben erwähnten zweiten Haushalt: Die Sache hat natürlich den Nachteil, dass das Problem nur räumlich verschoben ist und mich zusätzlich bei manchen Dingen zwingt, diese doppelt zu haben. Nicht so sehr Kleidung als vielmehr so etwas wie zum Beispiel einen Föhn und Kosmetik. Gut, das ist aber ein anderes Thema, welches die Zeit hoffentlich lösen wird.

Eine Idee, wie man ungeliebte Kleidungsstücke identifizieren kann, ist mir kürzlich untergekommen: Die sogenannte umgedrehte-Bügel-Methode: Dabei arrangiert man alle Teile im Schrank so, dass der Bügel in die andere Richtung hängt. Nutzt man ein Teil, wird der Bügel umgedreht. Nach einem Monat weiß man dann, welche Stücke nicht getragen wurden und unter Umständen auch unnötig sind. Lässt sich auch auf alle anderen Sachen ausweiten. Da kann man dann vielleicht verschiedene Fächer oder Falt- und Zusammenlegetechniken nutzen. Werde ich auf alle Fälle ausprobieren, nachdem ich mit der Liste der schon heute deklarierten Gegenstände auf Bewährung fertig bin.

So im Großen und Ganzen finde ich, dass ich noch immer auf dem richtigen Weg bin. Summa summarum hat sich das bis dato zwar nicht noch weiter bei den Ausgaben bemerkbar gemacht als vor einem Jahr, wohl aber bei der Menge. Das liegt sicherlich auch daran, dass wenn ich mir denn den Luxus eines neuen Teiles gönne, dann eines erstehe, welches mir absolut gefällt und die Frage „brauche ich es wirklich?“ positiv beantwortet wurde, preisunabhängig.

Nächstes Kapitel: Kosmetik. Also dann, action!
Eure Kerstin

Tatort des Monats April

Trotz nasskalter Temperaturen und Minusgraden – ok zumindest gefühlt – musste die Wintergarderobe den Gang in den Schrank antreten. Mit den Sommersachen kam auch ein Teil zum Vorschein, dass schon ziemlich abgewetzt ist und die besten Tage wohl hinter sich hat.

Tatort: Schrank

Tatbestand: Hose

Tatortsäuberung: So ganz habe ich mich noch nicht entschieden, wie ich das abgetragene Stück Stoff entsorgen werde. Im Moment tendiere ich zum schonungslosen Wegwerfen, da ich mir eine Wiederverwertung nur schwerlich vorstellen kann. Ich denke nach zehn Jahren treuer Dienste ist das durchaus legitim. Ob es für Kleidung wohl so etwas wie ein Mindesthaltbarkeitsdatum gibt? Nun ja, jedenfalls erinnert mich das daran, dass ich im letzten Jahr ja das Projekt „Verzicht kostet“ gestartet und meinen Lesern damals ein Review versprochen hatte. Ich bin dran, kann ich sagen und die Ergebnisse sind dann demnächst auf meinen Alltagseinsichten zu lesen.

Aller Anfang ist schwer – die Kleiderbergbezwingung

Ich habe bewusst den Bereich Kleidung gewählt, weil hier recht schnell und relativ einfach sichtbare Erfolge zu erzielen sind. Wenn man sich denn mal entschlossen hat, dem Konsumrausch und -zwang der Textilindustrie den Kampf anzusagen. Das ist in erster Linie in eine Kopfsache. Und wie heißt es so schön in der Bibel: „Der Geist ist willig, jedoch das Fleisch ist schwach.“ Rückschläge sind daher keine Katastrophe. Noch nicht.

Ich gebe auch zu, dass es a) für Jugendliche/junge Erwachsene ungleich schwieriger sein mag als für jemanden, der seinen Platz im Leben schon gefunden hat und b) dass es für einzelne Mitglieder einer Familie auch nicht gerade einfach wird, sich vom Konsum frei zu machen, wenn nicht alle mit von der Partie sind.

Für diejenigen, die noch ein wenig Überzeugung brauchen, hier ein philosophischer Ansatz basierend auf Kant und den kategorischen Imperativ, der gebieten würde, „dass ich nicht von etwas profitieren sollte, das unter Umständen produziert wurde, die ich mir selbst nicht wünschen würde beziehungsweise die irgendwem jetzt oder in Zukunft Schaden zufügen.“ (Zitat aus: Was das Haben mit dem Sein macht, von Jens Förster).

Es gibt ganz wunderbare Tipps, Bücher und Blogs, die einem helfen können, sich erst einmal einen Überblick zu verschaffen. Was ich zwar (noch) nicht selber gemacht habe, aber durchaus empfehlen würde, ist die Methode von Marie Kondō aus„Magic Cleaning“.

Zuerst alle – und sie meint alle – Kleidungsstücke, die man besitzt, auf einen Haufen legen. Auch die Skihose, den Bademantel, Unterwäsche, das Hochzeitskleid. Für viele ist das mit Sicherheit schon ein Moment des Oha-das-sind-wirklich-alles-meine-Kleider.
Dann geht es los ans Sortieren: Alles, bei dem man auch nur annähernd zögert, ob es einem gefällt, sofort in die Weg-damit-Ecke. Weg heißt in dem Fall nicht Müll, sondern erst mal, dass man diese Sachen aus seinem Schrank verbannt.

Am Ende hat man zwei Stapel. Behalten: Das sind alles Dinge, die man wirklich mag und auch wirklich anzieht. Dass diese auch passen ist selbsterklärend. Weg: Das sind die aussortierten Stücke, die nicht passen (farblich und/oder figürlich), Erinnerungsstücke (siehe Hochzeitskleid), Vielleicht-irgendwann-mal-Spontankäufe und auch alles, was kaputt ist. Auf diesen Berg komme ich später zu sprechen.

Zurück zu dem hoffentlich inzwischen leicht(er) überschaubaren Hügel der Anziehsachen. Ich würde da eine saisonale (Winter/Sommer) und funktionale (Arbeit/Freizeit/Sport) Trennung vorschlagen. Mir ist klar, dass letzteres stark vom Beruf, den man ausübt, abhängig ist. Aber es spricht auch bei legerem Dresscode im Job nichts gegen Kleidung, die diesem exklusiv vorbehalten ist. Mir hilft das beispielsweise auch, beide Bereiche voneinander abzugrenzen, wenn ich nach der Arbeit in meine „privaten“ Klamotten schlüpfe. Daneben – und das kann man an Uniformträgern immer ganz gut beobachten – ist die Haltung gleich eine andere. Einfach mal ausprobieren.

Die Trennung bewirkt auch, dass man sich schnell zurecht findet und beim Einmotten bzw. Saisonwechsel hat man das Gefühl, dass wieder etwas „Neues“ im Schrank hängt. Zusätzlich bevorzuge ich eine farbliche Ordnung. Auf diese Weise lassen sich rasch Kombinationen zusammenstellen. So könnte dann zum Beispiel die Sektion Blusen/Hemden aussehen:

KleiderordnungWer sich jetzt wundert: Ganz links ist schon die Sommerkollektion eingeräumt. Denn der kommt ja hoffentlich bald. Dann die bügelfreien Blusen, die Hemden und ganz rechts hängen die Freizeitteile, wie sich unschwer an der Farbenfrohheit erkennen lässt.

Eine andere Methode ist das Aussortieren von Dingen, die man mehr als eine Saison nicht angezogen hat. Am einfachsten fällt das, wenn man dies am Ende der Saison macht. Sprich: Den Rollkragenpulli rausschmeißen, wenn der Winter vorbei ist. Man könnte ihn sonst schließlich vielleicht, eventuell noch brauchen. Das dauert deutlich länger, führt aber letztendlich irgendwann auch zum Ziel, wenn man dran bleibt. So habe ich damals angefangen.

Was ich auch sehr gut finde, sind die 8 goldenen Regeln von Mini.Me.
Was man nicht machen sollte, wobei das auch ein bisschen von der Persönlichkeit abhängig ist, sind Kleider zweiter Klasse. Oder sogenanntes Downgrading.

Ein Beispiel: Das Shirt, welches nicht mehr bürotauglich ist, unter Umständen auch von Anfang zu nichts wirklich passte, wird auch in der Sparte Freizeit keine Verwendung finden, denn dann fühlt man sich selbst auch als Mensch zweiter Klasse. Ebenso wenig Shirts in Nachthemden umwandeln. Schließlich wollen wir nicht stillos schlummern und in meinen Augen (Stichwort: Haltung) hat das auch mit Achtung vor uns selbst zu tun.

Morgen geht es weiter mit dem Resteberg und dessen Weiterverarbeitung.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

P.S.: Für die Fetischisten unter uns: Schuhen widme ich ein extra Kapitel.

Tatort des Monats November

Nun ist er also wirklich vorbei – der Sommer. Der Herbst, so wie es aussieht auch gleich mit.

Tatort: Kleiderschrank2015_11

Tatbestand: Bikini

Tatortsäuberung: Für den Bikini war dieser Sommer eindeutig zu lang. Er hat sich aufgelöst. Also der Gummi am Unterteil, so dass die Hose nicht mehr schwimmtauglich sitzt. Ist jetzt nicht der allzu große Verlust, da der Bikini seinerzeit ein Notkauf war und von Beginn an nie so richtig gesessen hat. Leider auch nicht für die Altkleidersammlung mehr zu gebrauchen. Etwas für die gute alte Mülltonne.

Kleidergeschichten

Karte Nr. 17: “’Sie fühlen sich unschlagbar: Tragen Sie Ihr schönstes Kleid und genießen Sie die Blicke. Ein normaler Tag wird so zu etwas Besonderem – und jeder kann es sehen.“

Kleiderschrank

Zuerst wollte ich nur das Bild veröffentlichen und jeder könnte sich seine eigene Geschichte dazu denken. Ich hatte wirklich einen schlechten Monat. Wetter, Arbeit, Familie, Freunde, Leben, das ganze Paket. Mag sein, dass es an der Jahreszeit liegt. Unter Umständen liegt es auch an mir. Wer weiß? Alles, was ich weiß ist: Ich habe mich nicht unschlagbar gefühlt. Und ich habe auch keine Blicke kassiert. Ich denke: Was ist nur verkehrt mit dieser Welt? Was stimmt mit mir nicht? Vielleicht waren es die falschen Kleider. Vielleicht bin ich blind. Vielleicht gibt es keine normalen Tage mit normalen Menschen mehr. M. sagt immer, dass mir Kleider stehen. Hm.

Ich habe versucht, mich zu erinnern, welches Kleid ich wann getragen habe. Schlussendlich haben alle Kleider eine Vergangenheit und eine Geschichte.

Da ist das Spitzenkleid, dass ich zusammen mit einen Freund gekauft habe, als wir einen spontanen Ausflug ans Meer gemacht haben. Das blaue Sweatshirtkleid mit der Kapuze, das ich während des Italienurlaubes immerzu anhatte, als ich eine kleine Hütte gemietet hatte und eine solch riesige Melone auf dem Markt gekauft habe, die ich nicht aufessen konnte, bevor sie schlecht wurde. Das lange, rote Trägerkleid mit den Punkten, das grüne Samtkleid und das rote Dirndl – allesamt für Hochzeiten angeschafft, auf die ich nicht keine große Lust hatte, aber trotzdem hingehen musste. Das blaue Seidenkleid mit den Pailletten, ein Impulskauf, der noch immer auf eine geeignete Gelegenheit wartet. Die kurze, schwarze Seidentunika mit den rosa und lila Quadraten, die ich bei einer Städtetour abends in der Bar anhatte, während der Klavierspieler sein Bestes gab. Das lange, schulterfreie Abendkleid, welches ich für eine Silvesterparty erworben habe, auf die ich dann nicht gegangen bin. Das enge, lila Jerseykleid, in dem ich so gern an Couchtagen rumgammel. Das graue Dirndl, ausgesucht für eine Firmenveranstaltung. Das schwarze A-Linien-Kleid mit dem weißen Grafikmuster, für das ich Ewigkeiten nach einem Shirt zum Drunterziehen gesucht habe. Die verschiedenen Strickkleider in grau, braun und hellgrün, die sich so gut auf der Haut anfühlen und einfach bequem sind. Das weiße Strandkleid, das ich in Ägypten während des all-inclusive Urlaubes in dem schicken 5-Sterne-Hotel getragen habe. Das blaue Blusenkleid, das ich gern im Garten anhabe. Das Safarikleid, welche bis dato noch nie auf einer Safari war. Das graue Leinenkleid mit dem tiefen Rückenausschnitt und dem Schlitz, das man ohne Unterrock nicht ausführen kann. Das Wickelkleid mit den weißen und rosa Blumen, welches so gut zu den silbernen Riemchenschuhen passt. Das beige Etuikleid, das ich nur anziehe, wenn es mehr als 30°C sind und ich eine gewisse Bräune habe – also einmal im Jahr.

Aber eigentlich will ich gar nicht in Erinnerungen schwelgen. Weil dann müsste ich wohl mein Hochzeitskleid aus dem Kleidersack holen und endlich entscheiden, was ich damit anfange. Irgendwie hat es mir nie so richtig gepasst. Aber wie jede Braut bildete ich mir ein, ein Kleid ausgesucht zu haben, welches ich später nochmals anziehen könne. Und habe vom Stil her ein Jackie-Kennedy-Kleid ausgesucht. Vermutlich sollte ich es einfach ändern lassen und einfärben. Et voilà: Der perfekte Cocktaildress. Nur schade, dass ich nie zu irgendwelchen Cocktailempfängen gehe.

Glücklicherweise steht Halloween vor der Tür und ich kann mein Hexenoutfit aus der Versenkung holen. Zusammen mit der silbergrauen Perücke und dem langen Umhang. Und wenn ich die Hakennase mit der Warze trage, kann ich sicher sein, dass ich zumindest dann den einen oder anderen Blick erhalte. Bis dahin ziehe ich das unverschämt teure, bodenlange graue Kleid, welches gerade erst seine Kleidergeschichte beginnt, weil neu, und spiele Aschenputtel.

Nr. 18. Was mache ich nur? Ich brauche dringend ein bisschen Ordnung in meinem Leben. Daher ist eine Sinneskarte wohl eine gute Wahl: „’nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern seine Meinung über die Dinge’ – Epiktet. Hinterfragen Sie eine Ihrer Überzeugungen, etwa hinsichtlich Hausfrauen, Machos oder Paaren mit getrennten Schlafzimmern.“  Herrje, ich fühle mich schon jetzt überfordert und brauche beim besten Willen keine zusätzlichen Herausforderungen für meinen wirren Gedankenhaushalt. Na denn. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin