zugeknöpft und umgekrempelt – die Kleiderfrage

Die schlechte Nachricht vorweg: Meinen Vorsatz („Von der Pflicht zur Kür“), die Kosten für Kleider noch weiter zu senken, konnte ich leider nicht halten, dafür musste ich „zu viele“ Teile ersetzen/aufstocken. Allerdings möchte ich auch, und das soll keine Entschuldigung sein, betonen, dass der Hauptanteil dabei auf Sportbekleidung (Wanderschuhe, Sporthosen, Wandersocken, Jacke) fällt, was eventuell mildernde Umstände bedeutet.

Nichts desto trotz, etwas enttäuscht bin ich schon, lasse ich mich aber nicht entmutigen, weiterhin an dem Vorsatz festzuhalten, die Kosten in diesem Bereich auf ein Minimum zu reduzieren. Hin und wieder ist durchaus mal ein Ausreißer drin. Das macht dann doppelt Spaß und sorgt für langanhaltende Freude. Siehe den Mantel vom letzten Jahr – ein Lieblingsstück. Und so soll es ja auch sein.

Von daher bin ich zusätzlich einer neuen Strategie gefolgt, um in meinem Kleiderschrank dem Ziel „Weniger ist Mehr“ schneller näher zu kommen. Neben dem üblichen was-ich-ein-Jahr-nicht-getragen-habe-kann-weg, habe ich kurzerhand Kleidungsstücke, die ich nicht wirklich gern anziehe, rausgeschmissen. Ich denke, jeder hat da das eine oder andere in seinem Fundus. Den Pulli, den man im Laden toll fand, zuhause aber dann feststellen musste, dass er zu nichts passt. Das T-Shirt, das nicht (mehr) zu einem passt, weil zu altbacken/jugendlich/bunt/langweilig. Auf diese Weise ist ganz schön was zusammengekommen. Hier die Bilanz der Aktion:

Was? Wie viel?
Badeanzug 1
Bluse 8
Handschuhe 2
Jacke 4
Jogginghose 2
Kleid 2
Mantel 1
Mütze 1
Pulli 4
Schuhe 5
Socken 5
Tasche 3
T-Shirt 4
Unterhemd 4
Unterhose 6
Weste (Anzug) 3
Weste (Outdoor) 1

Mittendrin wurde ich beinahe von meiner eigenen Courage überrannt und wollte schon wirklich kurzen Prozess mit sämtlichen Stücken zweiter Wahl, weil nicht 100% auf der Geschmacksskala, machen, konnte aber gerade noch an mich halten beziehungsweise wurde mir von meinem Gewissen – was das alles mal gekostet hat – und meiner Vernunft (genaugenommen eine etwas zweifelhafte Entscheidung) – so schrecklich ist es nun auch wieder nicht – Einhalt geboten. Also wurde einigen Teilen eine zweite Chance eingeräumt. Manchen davon mit Zeitwertkonto bis zum dessen Ablauf sie sich beweisen müssen.

Was? Wie viel? Warum?
BH 1 weil derzeit der einzige, der unter ein weißes T-Shirt zu tragen geht
High Heels 1 weil der absolute Hingucker, aber wenig Tragemöglichkeit
Jacke (Anzug) 1 weil einzige schwarze Jacke im Schrank
Jacke (Outdoor) 1 weil ideal für den Sommerurlaub in spe an der See (ansonsten, gute Reise)
Jogginghose 1 weil derzeit im zweiten Haushalt als Freizeithose deponiert
Kleid 1 weil ich die dazugehörige Jacke immer gern zu Hosen trage
Mantel 1 weil eigentlich sehr schön, aber irgendwie zu selten getragen
Pulli 1 weil warm, aber nicht gut zu kombinieren, derzeit im zweiten Haushalt
Pulli (Sport) 1 weil ideal als Unterziehpulli
Shirt 1 weil schön, aber Kombinationsmöglichkeit fehlt, derzeit im zweiten Haushalt
Schuhe (Sommer) 1 weil blau (schwer zu finden) und noch keine Alternative gefunden
Stiefel 1 weil total bequem, aber schon sehr mitgenommen
Winterschuhe 1 weil dicke, warme Treter (man weiß ja nie)

Noch ein Hinweis zum oben erwähnten zweiten Haushalt: Die Sache hat natürlich den Nachteil, dass das Problem nur räumlich verschoben ist und mich zusätzlich bei manchen Dingen zwingt, diese doppelt zu haben. Nicht so sehr Kleidung als vielmehr so etwas wie zum Beispiel einen Föhn und Kosmetik. Gut, das ist aber ein anderes Thema, welches die Zeit hoffentlich lösen wird.

Eine Idee, wie man ungeliebte Kleidungsstücke identifizieren kann, ist mir kürzlich untergekommen: Die sogenannte umgedrehte-Bügel-Methode: Dabei arrangiert man alle Teile im Schrank so, dass der Bügel in die andere Richtung hängt. Nutzt man ein Teil, wird der Bügel umgedreht. Nach einem Monat weiß man dann, welche Stücke nicht getragen wurden und unter Umständen auch unnötig sind. Lässt sich auch auf alle anderen Sachen ausweiten. Da kann man dann vielleicht verschiedene Fächer oder Falt- und Zusammenlegetechniken nutzen. Werde ich auf alle Fälle ausprobieren, nachdem ich mit der Liste der schon heute deklarierten Gegenstände auf Bewährung fertig bin.

So im Großen und Ganzen finde ich, dass ich noch immer auf dem richtigen Weg bin. Summa summarum hat sich das bis dato zwar nicht noch weiter bei den Ausgaben bemerkbar gemacht als vor einem Jahr, wohl aber bei der Menge. Das liegt sicherlich auch daran, dass wenn ich mir denn den Luxus eines neuen Teiles gönne, dann eines erstehe, welches mir absolut gefällt und die Frage „brauche ich es wirklich?“ positiv beantwortet wurde, preisunabhängig.

Nächstes Kapitel: Kosmetik. Also dann, action!
Eure Kerstin

Alle meine Leidenschaften

Um es gleich vorweg zu sagen: Nein, Fußball gehört nicht zu meinen Leidenschaften. Weder aktiv und noch weniger passiv. Sport als Zuschauer finde ich im Allgemeinen eher unbefriedigend. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Was ich aber zu meinen Leidenschaften zähle, sind Handarbeiten. Das klingt jetzt erst mal ziemlich bieder und langweilig. Tja, was soll ich sagen? Ist Euer Problem, nicht meins. Ich mag Handarbeiten. Nähen, Stricken, Häkeln – alles meine Leidenschaften. Das mag zu 50% daran liegen, dass ich weiblichen Geschlechts bin. Über den Rest habe und werde ich mir auch keine allzu tiefschürfenden Gedanken machen. Dazu sehe ich gar keinen Grund. Ich kann noch nicht mal eindeutig sagen, wann und wie das angefangen hat. Außer, dass ich es bis in meine Jugend zurück verfolgen kann.

Stoffträume

Damals hatte ich die schlechte Angewohnheit, beim Fernsehschauen Fingernägel zu kauen, weil mir vieles zu spannend und aufregend war. Ich bin eben eher zart besaitet. Wie gesagt, weiblichen Geschlechts. Na, jedenfalls musste meine Mutter mich ständig ermahnen und dann macht Fernseh schauen auch irgendwie keinen richtigen Spaß mehr. Also habe ich angefangen, vor der Flimmerkiste zu stricken und zu häkeln, damit meine Finger beschäftigt sind. Socken, Pullis, Jacken, Taschen, Westen, Handschuhe, Schals, Stulpen, Mützen und noch vieles mehr. So gesehen eine kostengünstige Therapie, die nachhaltig erfolgreich war beziehungsweise ist.

Irgendwann habe ich dann auch das Nähen für mich entdeckt, nachdem dies im schulischen Fach Handwerken auf dem Lehrplan stand. Blusen, Hosen, Kleider, Westen, Rücke, Unterwäsche, Bademantel, Wäschebeutel, Kleidersäcke, Taschen, Skijacke und noch vieles mehr. Fürs Fernsehschauen war da dann fast keine Zeit mehr. Damals gab es in der bayerischen Hauptstadt ein Schlaraffenland für Stoffe aller Art. Das lag im ersten Stock mitten in einem Gebäude in der Fußgängerzone und war nur über eine Rolltreppe zu erreichen. Wie als würde man ins Paradies fahren. Für die passenden Knöpfe mit dem gewissen Extra bin ich gern in das schon damals sehr mondäne Kaufhaus am Rathauseck gegangen. Ich erinnere mich noch an eine Bluse, bei der die dazu gehörigen Knöpfe je 5,00 DM gekostet haben. Fünf Stück benötigte ich für die Fertigstellung. Ein Vermögen für einen Schüler mit bescheidenem Taschengeld.

Als ich später auszog, waren Vorhänge, Kissen und Quilts an der Reihe und dann war eine ganze Weile Sendepause. Bis vor ein oder zwei Jahren. Seitdem wird die Nähmaschine wieder öfters hervor geholt. Blusen, Hosen, Kleider, na Ihr wisst schon. Leider gibt es das Stoffparadies meiner Jugend nicht mehr. Die Rolltreppe nach oben existiert zwar noch, führt aber inzwischen in die dufte Welt der Parfüms und Kosmetik. Der Laden ist also nun auch für Männer ein Paradies, könnte man sagen.

Glücklicherweise scheint es wieder einen Trend zum Selbstgemachten seit einiger Zeit zu geben und unlängst wurde ein paar Ortschaften weiter ein neues Paradies erschaffen: Stoff- und Woll-Lust. https://stoffundwolllust.chayns.net/aboutus  
Dort lässt sich herrlich träumen. Von Roben und Accessoires aller Art. Und die Beratung ist himmlisch. Knöpfe sind auch im Angebot, allerdings an die aus dem mittlerweile zum Luxuskaufhaus avancierten Geschäft, das leider sein Sortiment auf Güter von der Designerstange verlegt hat, kommen sie nicht heran. Wie gut, dass ich anscheinend schon immer auch ein sparsames Nachhaltigkeitsgen trage und Knöpfe von kaputten Kleidern abschneide und aufhebe.

Knöpfe

Na, könnt Ihr die sündigen Blusenknöpfe (dreimal im Bild) entdecken?

Handarbeiten sind eine nicht ganz günstige Leidenschaft, da im Vergleich zum gekauften Produkt je nach Wolle, Stoff und Zubehör erheblich tiefer in das selbst geschneiderte Portemonnaie gegriffen werden muss. Dafür im Ergebnis echte Einzelstücke und Hingucker.

Apropos hinschauen: Der Nachbar ist eher der leidenschaftliche Fußballer, wenn auch eher passiv. Aktiv ist da nur der Konsum einer ganzen Bandbreite von Genussmitteln. Als Kroate feiert er bereits seit Stunden lautstark mit seinen Kumpels seine Mannschaft. Und weil wir hier in Deutschland sind, zeigt er sich solidarisch und feiert er nun einfach weiter. Das mag zu 50% daran liegen, dass er männlichen Geschlechts ist. Über den Rest habe ich mir noch keine allzu tiefschürfenden Gedanken gemacht. Man muss ja auch nicht allen Dingen auf den Grund gehen.

Und nun fange ich besser schnell an, mir irgendwas für die Ohren anzufertigen, damit ich nicht wieder vor lauter Anspannung mit dem Fingernägelkauen anfange. Bestimmt sind irgendwo noch Woll- und/oder Stoffreste. Echte Luxusprobleme, die ich da habe. Was sich sonst noch mit Resten anfangen lässt, darüber schreibe ich beim nächsten Mal.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

P.S.: Was zum Feiern gibt es für mich trotzdem: Drei Jahre „alltagseinsichten“. Na, wenn das mal kein gutes Omen ist!

Die zweite Chance

Wir alle haben hin und wieder eine zweite Chance verdient. Warum also nicht auch Kleidungsstücke? Bisweilen ist es uns vielleicht einfach nicht möglich, manche Sachen los zu lassen, obwohl sie uns nicht stehen, nicht passen oder zum Beispiel ein Loch haben. Das kann ganz verschiedene Gründe haben. In den meisten Fällen ist entweder der Geldwert eines Stückes oder es besitzt einen sentimentalen. Was für Möglichkeiten gibt es da?
Für mich kommen hier zwei in Betracht:

  1. Reparieren
  2. Umwandeln

Reparieren ist natürlich zum einen nur bedingt möglich, denn nicht alles lässt sich so ohne weiteres flicken. Ich besaß bis vor gar nicht allzu langer Zeit eine Seidenbluse, die ich sehr mochte. Eines Tages tat es beim Ausziehen einen lauten „ratsch“ (nein, ich habe nicht zugenommen, die Bluse hatte einfach schon ein paar Jahre auf dem Buckel  – nämlich meinem – und viele Wäschen hinter sich) und an der Ärmelnaht prangte ein langer Riss. Nun bin ich handwerklich nicht ganz ungeschickt und dachte: „Das nähst Du einfach wieder zusammen.“ Leider funktionierte es nicht, da der Riss so ungünstig verlief, dass ich dann meinen einen Arm nicht mehr hätte bewegen können, ohne weitere Schäden zu provozieren.

Was mir fehlte, war ein Stück Stoff, dass ich natürlich nicht hatte. „Also gut, dann eben Ärmel ab und als Nachtshirt nutzen“, war meine Idee. Gesagt, getan. Tja, angezogen habe ich es dann nicht wirklich, sondern mich jedes mal beim Blick in die Schublade geärgert, dass die schöne Bluse kaputt ist. Wir erinnern uns: Kleidung zweiter Klasse und Stil? Eben,+. Darum ist Downgrading keine Alternative. Für mich jedenfalls. Und wenn es ganz ungünstig läuft, dann geht es uns so, wie Roe Rainrunner in ihrem Beitrag „Textiles Recycling

Der andere Punkt, der Leser ahnt es schon, ist, dass man ein bisschen was vom Flicken verstehen sollte. Oder man kennt jemanden, der davon Ahnung hat. Das geht natürlich immer. Vielleicht belegt man auch einen Volkshochschulkurs. Ich weiß, jetzt kommt wieder der Einwand mit der Zeit. Aber wir werden später sehen, dass das so nicht stimmt.

Bleibt noch Umwandeln. Ich sage ganz bewusst nicht Recycling, da es sich hier ja eher um ein Downcycling handelt. Klingt aber nicht schön. Deswegen Umwandeln. Das ist vor allem für sentimentale Textilien eine Möglichkeit, diese nach wie vor um sich zu haben. Man kann natürlich aus einem Kleid einen Rock machen, auch aus einer Hose lässt sich ein Rock machen und aus einer Jacke eine Weste usw., aber nach meiner Erfahrung ist das Ergebnis eher wie bei meiner Bluse.

Eine Ausnahme habe ich trotzdem: In meinem Post „Lebensmuster“ habe ich aus einem aufgeribbelten Pulli eine Short gemacht. Die ziehe ich tatsächlich an. Letztes Jahr beim Baden meinte Cousin zu seiner Frau, sie solle sich auch so eine machen, früher hätte es auch schon solche gegeben. Gut, könnte jetzt auch ironisch gemeint sein. Ich weiß das manchmal nicht so genau.

Daher vielleicht doch lieber in etwas Anderes, Neues verwandeln. Hier ein paar Beispiele:
Eines meiner T-Shirt bzw. ein Teil davon ist nun ein Bild. Unschwer zu erkennen, warum ich es nicht weggeben konnte.

Bildershirt

Ein anderer Pulli wurde zur Tasche und begleitet mich jede Woche zum Einkaufen. Das Leder stammt im Übrigen von Resten aus der Automobilbranche.

Pullitasche

Und ein Vorhang wurde in einem Quilt – hauptsächlich auf der Rückseite zu sehen – verarbeitet. Ganz nebenbei: Kaputte Hemden eignen sich für Quilts, die gerade ja sehr in Mode sind, ungemein.

Quilt

Sicherlich fallen Euch noch ganz andere Sachen ein, oder?

Morgen, manch einer wartet schon darauf: Schuhe.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Kleider machen Leute

Kleider machen Leute. Das ist eine Tatsache. Sie machen Leute attraktiv, berühmt, beneidenswert, sicher. All das trifft auf Kleidung zu – Schuhe mit eingerechnet. Und Kleider machen Leute arm. Nämlich die, die sie fertigen und/oder an der Herstellung beteiligt sind. Reich werden andere.

Dies soll nun definitiv kein Betrag über Arbeitsbedingungen, Ausbeutung und Zerstörung von Umwelt und Ressourcen sein. Ich denke, das wissen inzwischen alle und kennen die einschlägigen Berichte dazu. Nur soviel: Für ein T-Shirt aus Baumwolle werden 7000 Liter Wasser benötigt. Doch während die Umweltbelastung bei der Herstellung von Baumwolle und Kunstfaserproduktion in etwa gleich hoch ist, verschlingt ein T-Shirt aus Polyester doppelt so viel Energie und belastet nachhaltig die Umwelt

Unser eigentliches Problem, wenn man es so nennen möchte, ist, dass wir aus oben genannten Gründen meinen, immer mehr zu brauchen. Und das ist weder auf Geschlecht noch Alter beschränkt. Tagtäglich wird uns gezeigt, was Frau und Mann und Kind(er) und vielleicht auch noch das vierbeinige Familienmitglied alles „benötigen“, um in, anerkannt und hip und trendy zu sein.

Wir beneiden andere und wollen ebenso in unserem Umfeld glänzen. Da das aber alle anderen gleichermaßen auch tun, versuchen wir uns gegenseitig immer und immer wieder zu übertrumpfen. Anstatt also unseren eigenen Stil zu verfolgen und unseren Vorstellungen treu bleiben, rennen wir jedem Trend hinterher: Hin und wieder auch mal voraus, wenn wir Glück haben. Schließlich wollen wir dazu gehören. Kleider machen Leute.

Denn nichts tut so weh, wie am Rand zum Zuschauen verdammt zu sein, während alle anderen Spaß haben. Der eine oder andere erinnert sich vielleicht noch an so manche Sportstunde und das Auswahlverfahren beim Mannschaftssport. So gesehen, haben wir uns und unser Verhalten nicht groß verändert.

Der Sinn und Zweck von Kleidung, uns zu schützen (Kälte, Hitze, Nässe) ist völlig in den Hintergrund getreten. Auch die Funktion von Kleidung, die früher oftmals auch eine Gruppenzugehörigkeit angezeigt hat, ist weitgehend verschwunden. Gruppen kommen und gehen und auch wir wechseln ständig von einer Richtung in die andere. Mal sind wir Punk, dann Hipster, Nerd, Gothik, Hippie usw.. Das soll man uns gefälligst auch ansehen.

Kleider machen LeuteMeist ist es eine recht subjektive Perspektive, die unser Kaufverhalten beeinflusst. Wir vergleichen uns permanent, definieren so unsere soziale Stellung und geraten in eine Rüstungsspirale. Kleider machen Leute.

Und dass wir uns das leisten können, war noch nie so einfach und billig zu haben. Hier ein paar Zahlen (Quellen: http://de.statista.com , www.wirtschaftundschule.de):
Im Jahr 2014 gaben wir Deutschen 76,25 Milliarden Euro für Kleidung (Anmerkung: Wenn ich von Kleidung spreche, meine ich immer auch Schuhe) aus. 1970 waren das noch 18,50 Milliarden Euro.
Im Kaufkraftvergleich sieht das Ganze so aus: 1960 hatte ein Büroangestellter pro Stunde Arbeit 1,27 Euro Kaufkraft zur Verfügung. Im Jahr 2011 sind es 15,25 Euro.
In Kleidung ausgedrückt: 1960 musste Mann für einen Anzug noch 67,50 Stunden arbeiten. Im Jahr 2011 gerade mal 15 Stunden.

Nicht nur, dass wir weniger arbeiten müssen, um uns mehr leisten zu können. Die Sachen kosten auch weniger. Glauben wir jedenfalls, wenn wir vor einem Teil stehen und denken: „Ach, das nehme ich mit. Kostet ja nix.“ In Wahrheit zahlen wir und andere einen hohen Preis.

Im Übrigen ist der Absatz von Fair Trade Kleidung innerhalb von sechs Jahren (2008-2014) um knappe 930% gestiegen. Ich würde mir wünschen, dass dies ein Zeichen ist, dass wir uns in die „richtige“ Richtung bewegen und nicht nur ein Trend, um unser Gewissen zu beruhigen. Denn im Müll landen bei uns 750.000 Tonnen Kleidungsstücke. Pro Jahr. Wobei die Hälfte wird verbrannt, obwohl sie noch tragbar wäre.
Soviel als Einleitung zum Thema Kleidung. Morgen dann geht es los mit der Frage: Wie anfangen.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Kleidergeschichten

Karte Nr. 17: “’Sie fühlen sich unschlagbar: Tragen Sie Ihr schönstes Kleid und genießen Sie die Blicke. Ein normaler Tag wird so zu etwas Besonderem – und jeder kann es sehen.“

Kleiderschrank

Zuerst wollte ich nur das Bild veröffentlichen und jeder könnte sich seine eigene Geschichte dazu denken. Ich hatte wirklich einen schlechten Monat. Wetter, Arbeit, Familie, Freunde, Leben, das ganze Paket. Mag sein, dass es an der Jahreszeit liegt. Unter Umständen liegt es auch an mir. Wer weiß? Alles, was ich weiß ist: Ich habe mich nicht unschlagbar gefühlt. Und ich habe auch keine Blicke kassiert. Ich denke: Was ist nur verkehrt mit dieser Welt? Was stimmt mit mir nicht? Vielleicht waren es die falschen Kleider. Vielleicht bin ich blind. Vielleicht gibt es keine normalen Tage mit normalen Menschen mehr. M. sagt immer, dass mir Kleider stehen. Hm.

Ich habe versucht, mich zu erinnern, welches Kleid ich wann getragen habe. Schlussendlich haben alle Kleider eine Vergangenheit und eine Geschichte.

Da ist das Spitzenkleid, dass ich zusammen mit einen Freund gekauft habe, als wir einen spontanen Ausflug ans Meer gemacht haben. Das blaue Sweatshirtkleid mit der Kapuze, das ich während des Italienurlaubes immerzu anhatte, als ich eine kleine Hütte gemietet hatte und eine solch riesige Melone auf dem Markt gekauft habe, die ich nicht aufessen konnte, bevor sie schlecht wurde. Das lange, rote Trägerkleid mit den Punkten, das grüne Samtkleid und das rote Dirndl – allesamt für Hochzeiten angeschafft, auf die ich nicht keine große Lust hatte, aber trotzdem hingehen musste. Das blaue Seidenkleid mit den Pailletten, ein Impulskauf, der noch immer auf eine geeignete Gelegenheit wartet. Die kurze, schwarze Seidentunika mit den rosa und lila Quadraten, die ich bei einer Städtetour abends in der Bar anhatte, während der Klavierspieler sein Bestes gab. Das lange, schulterfreie Abendkleid, welches ich für eine Silvesterparty erworben habe, auf die ich dann nicht gegangen bin. Das enge, lila Jerseykleid, in dem ich so gern an Couchtagen rumgammel. Das graue Dirndl, ausgesucht für eine Firmenveranstaltung. Das schwarze A-Linien-Kleid mit dem weißen Grafikmuster, für das ich Ewigkeiten nach einem Shirt zum Drunterziehen gesucht habe. Die verschiedenen Strickkleider in grau, braun und hellgrün, die sich so gut auf der Haut anfühlen und einfach bequem sind. Das weiße Strandkleid, das ich in Ägypten während des all-inclusive Urlaubes in dem schicken 5-Sterne-Hotel getragen habe. Das blaue Blusenkleid, das ich gern im Garten anhabe. Das Safarikleid, welche bis dato noch nie auf einer Safari war. Das graue Leinenkleid mit dem tiefen Rückenausschnitt und dem Schlitz, das man ohne Unterrock nicht ausführen kann. Das Wickelkleid mit den weißen und rosa Blumen, welches so gut zu den silbernen Riemchenschuhen passt. Das beige Etuikleid, das ich nur anziehe, wenn es mehr als 30°C sind und ich eine gewisse Bräune habe – also einmal im Jahr.

Aber eigentlich will ich gar nicht in Erinnerungen schwelgen. Weil dann müsste ich wohl mein Hochzeitskleid aus dem Kleidersack holen und endlich entscheiden, was ich damit anfange. Irgendwie hat es mir nie so richtig gepasst. Aber wie jede Braut bildete ich mir ein, ein Kleid ausgesucht zu haben, welches ich später nochmals anziehen könne. Und habe vom Stil her ein Jackie-Kennedy-Kleid ausgesucht. Vermutlich sollte ich es einfach ändern lassen und einfärben. Et voilà: Der perfekte Cocktaildress. Nur schade, dass ich nie zu irgendwelchen Cocktailempfängen gehe.

Glücklicherweise steht Halloween vor der Tür und ich kann mein Hexenoutfit aus der Versenkung holen. Zusammen mit der silbergrauen Perücke und dem langen Umhang. Und wenn ich die Hakennase mit der Warze trage, kann ich sicher sein, dass ich zumindest dann den einen oder anderen Blick erhalte. Bis dahin ziehe ich das unverschämt teure, bodenlange graue Kleid, welches gerade erst seine Kleidergeschichte beginnt, weil neu, und spiele Aschenputtel.

Nr. 18. Was mache ich nur? Ich brauche dringend ein bisschen Ordnung in meinem Leben. Daher ist eine Sinneskarte wohl eine gute Wahl: „’nicht die Dinge beunruhigen die Menschen, sondern seine Meinung über die Dinge’ – Epiktet. Hinterfragen Sie eine Ihrer Überzeugungen, etwa hinsichtlich Hausfrauen, Machos oder Paaren mit getrennten Schlafzimmern.“  Herrje, ich fühle mich schon jetzt überfordert und brauche beim besten Willen keine zusätzlichen Herausforderungen für meinen wirren Gedankenhaushalt. Na denn. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort Kleiderschrank, Tag 17

Da so ein Kleiderschrank oft einer kleineren Boutique ähnelt, habe ich mich entschlossen, alles in einem Aufwasch aus zu sortieren. So eine Reduzierung fühlt sich gut an. Hat Claudia Dahinden in ihrem Beitrag „Reduce to the max – warum es cool ist, ein Minimalist zu sein“ schon erkannt. Deswegen stellvertretend für alles, was ich bei meiner Aktion mal-sehen-wann-der-Kleidercontainer-seinen-Geist-aufgibt-weil-voll“ zur Weiterverwertung gebracht habe.17 Tag

Tatort: Schlafzimmer, Kleiderschrank.

Tatbestand: Matrosenschal. Wie sollte es anders sein: So gut wie neu, da nahezu nie getragen.

Tatortsäuberung: Auch wenn es heißt, Streifen gehen immer, bin ich bei der Kombination mit gestreiftem Schal schlichtweg überfordert. Zusammen mit allen anderen Stücken große Fuhre zur Altkleidersammlung unternommen.