Das Monster

Nein, die Rede ist nicht von Schwiegermüttern, besseren Hälften, dem Nachwuchs oder anderen, gern mit diesem Ausdruck betitelten Menschen der näheren persönlichen Umgebung.

Gemeint ist ganz banal der Keller, der einem Monster nicht unähnlich ist und sich auch in der näheren persönlichen Umgebung befindet. Er treibt sich in einer dunklen Ecke herum, frisst alles, was ihm in die Finger kommt und jedwege Konfrontation mit seinen Abgründen erfüllt einen mit Unbehagen.

Im Feng-Shui symbolisiert der Keller das Unterbewusstsein und die Vergangenheit. Beides Angelegenheiten, die jeder ganz gern auch mal zu vergessen sucht. Aber, der Keller ist auch das Fundament und er hat Einfluss auf unser Leben. Nebeneffekte können u.a. Depression und Behinderung des eigenen Fortschritts sein, wenn denn allzu großes Chaos in den Katakomben herrscht.

Keller und Gerümpel sind für die meisten wie mich zwei nicht voneinander zu trennende Begriffe, also versuche ich dem Ganzen systematisch zu Leibe zu rücken. Was befindet sich eigentlich in meinem Keller und wie viel?

Klassiker sind Sportausrüstung, jahreszeitliche Deko, Schuhe, Jacken, Koffer und Taschen sowie wie eben die Dinge, von denen man schon seit Jahren glaubt, dass sie irgendwann einmal gebraucht werden und von Nutzen sind. Dann gibt es noch die, nennen wir es mal, Andenkenecke. Spielzeug zum Beispiel. Das eigene und/oder das des eigenen Nachwuchses.

Schätzungen zu Folge sind 90% der Dinge, die wir im Keller lagern Gerümpel. Dinge also, die man nicht braucht (der/die alte/n WLAN Router) oder nicht liebt (Klamotten). Es gibt zu viele Dinge auf einem Raum (vom Koffer bis zum Weihnachtsschmuck), die unordentlich und schlecht organisiert sind (Sportausrüstung) und/oder nicht zu Ende gebracht worden sind (Hobbyprojekte).

Im Laufe der letzten drei Monate habe ich mich dahingehend sehr intensiv mit meiner Vergangenheit und meinem Unterbewusstsein beschäftigt und mir dabei immer die Frage gestellt, brauche ich das noch? Will ich das noch länger in meinem Besitz haben?

Auslöser war eine fixe Idee. Nämlich aus zwei Kellern einen machen und den anderen umzufunktionieren. Um den Plan umzusetzen, musste also erst mal aus- und ausgeräumt werden. Und das ging so:

  • 12 Stunden im Keller verbracht
  • 72 Anzeigen geschaltet
  • 5 mal über einen Zwischenhändler verkauft
  • 2 mal an Bekannte verkauft
  • 3 mal an Freunde verschenkt
  • 5 mal an Nachbarn verschenkt (siehe auch „Nachbarschaftshilfe)
  • 2 mal an soziale Einrichtungen gespendet
  • 24 Päckchen gepackt
  • 16 mal zur Post gefahren/gelaufen
  • 11 mal die Tür geöffnet zwecks persönlicher Übergabe
  • 10 mal zum Wertstoffhof gefahren

Und so sieht das Ergebnis nun aus, nachdem aus der Idee eines zweiten Raumes Wirklichkeit geworden ist.

Keller

Das Monster scheint also erst mal gezähmt und das Fundament steht auch einer guten Basis. Und nun ist es an dem Monster der näheren persönlichen Umgebung, etwas draus zu machen. Die Geburtstagsüberraschung ist jedenfalls gelungen. Happy Birthday!

Eure Kerstin

Tag 26: Brainstorming

Tag 26In meiner Vorstellung sehe ich mich auf dem Trail alleine. Natürlich trifft man andere Vagabunden dort, das ist mir klar, aber vom Grundgedanken her möchte ich nicht mit einer Gruppe oder einem Partner wandern. Gegen Gesellschaft beim Frühstück oder abends beim Zelten bzw. in der Hütte habe ich nichts. Im Gegenteil, da wünsche ich mir durchaus Gesprächspartner. Unter Tags allerdings komme ich ganz gut mit mir alleine klar. Ich muss mich niemandem anpassen und umgekehrt.

Bei meiner Alpenüberquerung war ich über meine selbstgewählte Einsamkeit auch ganz froh. Und immer, wenn es sich so ergab, dass ich mit anderen gemeinsam aufgebrochen bin und wir dann vielleicht einen ganzen oder halben Tag als Gruppe unterwegs waren, konnte ich nicht so richtig ich sein. Jene Tage sind auch in meiner Erinnerung etwas blass. Das mag nun an meinem Status als Einzelkind liegen oder sonst einer Macke. Von denen habe ich ja schließlich auch mehr als genug.

Gegen einen Packesel hätte allerdings nichts einzuwenden. Ob in menschlicher oder tierischer Form ist mir dabei fast egal. Wobei, ich nehme dann vielleicht doch lieber den Vierbeiner. Der begnügt sich mit Schweigen. Inzwischen gibt es ja auch bereits genug Touren, die man mit Leihesel und/oder –pferd begehen kann. Vielleicht probiere ich das noch mal irgendwann aus. Für die Berge, also oberhalb der Baumgrenze, ist das natürlich nicht wirklich praktikabel. Und ich hätte ja dann auch noch ein zusätzliches Maul zu stopfen, was mich wieder zu den finanziellen Mitteln bringt.

Sponsoren aufgepasst, kann ich da nur sagen. Ich könnte ja meinen Rucksack mit Labels, Logos, Werbesprüchen versehen wie die Formel-1 Piloten und die Profisportler. Tja, ist nur so, dass ich in der Wildnis höchstwahrscheinlich nicht genug Impuls- und Kontaktpunkte generiere. Und selbst wenn, bis derjenige, der die Werbung sieht, wieder in der Zivilisation ist, um das Produkt zu erwerben, hat er die Botschaft bestimmt schon vergessen. Und selbst wenn das nicht der Fall ist, dann wird niemand etwas kaufen, das er dann schleppen muss und auf dem Trail nicht von Nutzen ist. Gut, das ist nichts.

Ich könnte aber so in Richtung Erlebnis für Daheimgebliebene etwas anbieten. Zum Beispiel mich verwanzen und dann kann man meinen Weg im Internet verfolgen. So mit blinkendem Punkt. Vielleicht auch mit Video-Live-Stream, oder so. Ok, dann haben wir wieder das Problem mit der Wildnis und dass da eventuell die Funkverbindung nicht die beste ist. Ergo wäre ein satellitengestütztes System nötig. So in etwa wie die ersten Handys. Ne, das ist nix. Total unnützes Gewicht. Dann schon eher Postkarten aus jeden Stützpunkt schreiben.

Da fällt mir noch diese Idee mit den Kuscheltierreisen ein. Hat vielleicht schon mal jemand gehört: Man schickt sein Kuscheltier irgendwohin und bucht dann eine Städtereise mit verschiedenen Ausflügen. Die Agentur fährt mit dem „Gast“ zum Brandenburger Tor beispielsweise oder macht ein Picknick. Und dann werden überall Fotos mit dem Kuscheltier und der Attraktion gemacht. Am Ende kommt das Kuscheltier erholt und mit einem Fotoalbum wieder zum Besitzer zurück. Ja, das wäre noch was: Wandern für Kuscheltiere. Gebe zu, das ist auch eher ein Hirngespinst und von der Kosten-Nutzung-Aufstellung her bestimmt unrentabel, denn mehr als zwei fingergroße Stofftiere sind aus Gewichtsgründen nicht drin. Aber beim Brainstorming soll man ja auch immer einfach alle Gedanken einfach aufschreiben und erst am Ende filtern.

Bis ich also einen besseren Einfall habe, weiß ich, dass ich mich auf meine Freunde verlassen kann, die mir in schwierigen Situation immer beistehen und für mich da sind. Und wenn ich es mir nun so recht überlege, dann ist das eigentlich alles, was zählt.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Tag 20: Zeitvertreib

Tag 20Wer hier zufällig zum ersten Mal hinein stolpert: Die Frage bezieht sich auf Tag 19. So viel vorweg. Tja, und alle anderen können gern auch noch mal den gestrigen Beitrag nachlesen. Da steht die Antwort im Grunde ja schon drinnen: Die Zeit ist einfach noch nicht da, wo sie sein soll.

Ändern lässt sich das auf herkömmliche Art und Weise freilich nicht. Ich könnte nun entweder eine Zeitreise in die Zukunft buchen oder „mal eben Zigaretten holen“ gehen – sprich, aus dem Staub machen. Da a) ja keine Option ist, also, was meinen Wissenstand, der durchaus begrenzt ist, wie ich gern zugebe, betrifft und b) mir keiner abnehmen würde, da ich nicht rauche, fallen beide Theorien aus. Würde mich auch nicht glücklich machen. Viele Theorien sind eben nur in der Theorie verlockend. In die Praxis umgesetzt, verliert sich so mancher Reiz recht schnell.

Also heißt es abwarten und Tee trinken. Geduldsamkeit üben und die Zeit lebenswert machen. So könnte ich zum Beispiel die Bibel und den Koran lesen. Den Buddhismus und Hinduismus entdecken. Vielleicht auch den Katechismus. Das Studium heiliger Schriften war schließlich schon immer ein hervorragender Zeitvertreib.

Während meiner Lehrzeit gab es eine Dame, die in der Telefonzentrale saß. Das war so ein halbgläserner Kasten, einem Bankschalter nicht unähnlich. Vor einem befand sich ein riesiges Pult mit Knöpfen und Lämpchen und Schaltern. So manches futuristische Raumschiff wurde sicherlich dieser Schaltzentrale nachempfunden. Doch spannend und abwechslungsreich war die Arbeit nicht im Geringsten. Im Gegenteil, es geradezu einschläfernd. Und die Zeiger der Uhr schienen auch mehr zu schlafen als sich vorwärts zu bewegen. Wir Azubis durften die Zeit daher nutzen und den Lehrstoff lernen oder unser Ausbildungsheft führen. Leider hat das nicht wirklich geholfen und war nicht minder langweilig. Besagte Dame hatte ja nun keine andere Aufgabe, als Anrufe zu empfangen und zu verbinden. Gelangweilt hat sie sich allerdings nie. Sie hat nämlich das Telefonbuch – ja, damals waren wir noch sehr analog unterwegs – gelernt oder gelesen. So genau haben wir das nie heraus gefunden. Jedenfalls hat sie immer die Einträge so leise vor sich her gesagt. Fast mantramäßig. Irgendwie unheimlich war es auch, vielleicht sogar ein bisschen verrückt, aber anscheinend für sie das Mittel, die Zeit in ihre Schranken zu weisen. Vielleicht hat auch sie darauf gewartet, sich ihren Wunsch zu erfüllen.

Gut, also zu Telefonbüchern werde ich nicht greifen. Keine Sorge. Davor kann man durchaus noch die Schriften sämtlicher Philosophen durcharbeiten und sich dann an die Werke der klassischen Literatur machen. Das sollte für den Anfang reichen. Wenn ich es mir so recht überlege, es gibt noch so viel zu erleben, bevor ich meinen Wunsch in die Tat umsetzen kann. Da macht mir das Warten fast nichts aus. Und Warten kann ja auch was Schönes sein.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Die Kunst des Gebens

Karte Nr. 20: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herzen, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Sie etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“

Ja, ich muss zugeben, es ist nobler die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu spenden. Man hilft anderen, man hilft, Rohstoffe zu sparen, Und ja, ich glaube, die meisten von uns besitzen mehr als sie wirklich brauchen. Seit über einem Jahr nun versuche ich meinen Haushalt zu minimieren und mich von Sachen zu trennen, die ich doppelt/dreifach habe und/oder aus irgendwelchen Gründen horte. Das fühlt sich gut an. Also das Trennen und Loslassen. Jedes mal, wenn ich etwas aussortiere, fühle ich mich ein bisschen besser – etwas leichter. Doch wenn ich so den ganzen Hausstand um mich herum betrachte, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass ich locker noch 80% weggeben könnte und es würde trotzdem nicht zu irgendwelchen schwerwiegenden Einschränkungen führen. Vor Jahren passte mein Hab und Gut in zwei Koffer. Ist das zu glauben? Okay, das waren nur Kleider, Bücher und diverser Kleinkram. Aber nichts desto trotz. Heute bräuchte ich locker zwei von diesen Schrankkoffern allein für meine Kleider. Sind es am Ende all die Dinge, die ich mein Eigen nenne, der Grund, warum ich oft nicht so zufrieden und glücklich bin wie ich es sein sollte?

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und den Urheber der Aufgabe nachzuschlagen – Stefan Klein. Er ist ein recht bekannter Autor wissenschaftlicher Bücher. Unter anderem: „Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt“, in dem er darstellt, dass uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher macht. Sehr schön, dann scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein, aber eben immer noch am Anfang.

Also habe ich meinem Keller einen Besuch abgestattet. Ja genau, der Raum, in dem alles gelagert wird, was man eines Tages eventuell brauchen könnte, irgendwo in der fernen Zukunft, die doch niemals zu kommen scheint. Ich beispielsweise hebe Kleider – eigene, die nicht mehr getragen werden und abgelegte Kindersachen, die ich aussortiert habe – auf. Daneben Bücher, welche ich nicht besonders mochte und nicht mehr benötigte Spielsachen. Nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, für solche Dinge habe ich ein extra Abteil. Eher deshalb, weil das meiste irgendwann mehr oder weniger viel Geld gekostet hat und zum Wegwerfen zu schade ist. Daher schleppe ich es jedes Mal auf irgendwelche Flohmärkte und komme dann immer noch mit Massen wie es scheint wieder zurück. Wozu also aufheben, wenn ich anderen damit helfen kann? Bin mir nicht sicher, ob ich „glücklicherweise“ sagen sollte, aber seit geraumer Zeit kommen mehr und mehr Flüchtlinge in unserer Gemeinde an. Jeden Tag hört und liest man erschütternde Bericht. Und ich fühle mich richtiggehend hilflos. Wegen des ungerechten Schicksals, wegen der Greueltaten, zu der Menschen fähig sind.

Einen ganzen Tag habe ich dem Keller gewidmet und mich durch sämtliche Kisten gewühlt. Kleider, Schuhe, Sportsachen/-ausrüstung. Schulsachen, Bettwäsche, Handtücher, Bücher. Gut, keine Bücher, da ich immer noch von einen kleinen Buchcafé träume, in dem Leute sitzen, reden und lesen können. Am Ende waren es acht Umzugskisten. Große Umzugskisten. Und damit ich es mir nicht anders überlege, wurden diese direkt in die Garage vor mein Auto gestellt, dabei Gefahr laufend, einen Anruf der Hausverwaltung von wegen Sachen in der Tiefgarage lagern usw. zu erhalten. Aber ich dachte: Ist ja nur für einen Tag oder zwei bis ich weiß, wo ich die Sachen hinbringen kann. So weit der Plan. Noch am Abend schrieb ich ein Mail an die lokale Asylbehörde, nur um eine Antwort zu erhalten, dass man selbst nichts annehme. Dafür waren jede Menge Web-Adressen aufgeführt, an die ich mich wenden könne. Also gehe ich auf die Website der örtlichen Kleiderkammer. Nur um dort zu lesen, dass man derzeit nur Männerkleider für den Winter annehmen würde. Tja, das mag daran liegen, dass Männer von Haus aus nicht so viele Klamotten besitzen oder aber mehr an ihnen hängen. Wie auch immer, es schien, als ob ich kein einziges Teil loswerden würde. Kein Mann, keine Spende. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon mal, als ich an die zwanzig Stofftiere in der Wertstoffbörse abgeben wollte, dort aber zurück gewiesen wurde, weil man nur Markenstofftiere – sprich Knopf im Ohr – nehmen würde. Mir war nicht klar, dass Bedürftige so wählerisch sind.

Einen kleinen Erfolg hatte ich mit zwei Brillen, die ich im Brillengeschäft abgeben konnte. Allerdings kann ich nur hoffen, dass diese auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sicherlich auch ein Grund, warum ich die aussortieren Sachen nicht einfach in einen der öffentlichen Container werfen wollte. Was weiß ich, was aus denen wird. Wird es verkauft, irgendwohin versandt und dort damit Profit gemacht, geschreddert, um Lappen daraus zu fertigen? Ich wollte doch vor Ort helfen, nicht noch mehr Abfall produzieren und irgendwelche windigen Firmen mit dubiosen Firmenpraktiken unterstützen. Also musste ein neuer Plan her.

Daher habe ich meine Zeit gespendet. Besser gesagt, werde ich meine Zeit meinen gerade gegründeten Buchclub – Die Buchgesellschaft – widmen. Ein kleiner Schritt in Richtung Buchcafé und wir haben sogar schon einen Blog gestartet: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com. Am Rande unseres ersten Treffens kam auch das Thema „übervoller Kleiderschrank und Überfluss im Allgemeinen“ zur Sprache. Dass man eben nicht vier schwarze Hosen braucht und zig verschiedene, bunte Oberteile. Uni und schlicht lassen sich immer kombinieren und mit Accessoires aufpeppen. Mein Vorsatz, in 2015 nur Kleidungsstücke zu kaufen, die ich wirklich brauche, weil kaputt oder so, war geboren. Danke, liebe I., nochmals für das inspirierende Gespräch.

Und da musste ich wieder an die unseligen Kisten in der Garage denken. Also unternahm ich einen letzten Versuch und habe trotz Hinweis, dass nur Männerkleider angenommen werden, einfach gefragt. Und siehe da, die Damen in der Kleiderkammer haben sich so gefreut, dass ich am liebsten mich gleich erkundigt hätte, ob sie noch jemanden zum Helfen brauchen. Gut, das hebe ich mir dann doch noch für später auf. Tja, und nun fühle ich mich noch ein gutes Stück leichter. So einfach ist das, mit der Kunst des Gebens.

Damit wären nun noch zehn Karten übrig. Ich werden den Rest nach Kategorien „abarbeiten“. Komfort, Power und schließlich Sinn. Hier Karte Nr. 21.: „Sie sehen das Postive: Machen Sie einem Menschen ein Kompliment oder loben Sie jemanden, der es verdient hat. Sie werden erkennen, es tut Ihnen beiden gut.“ Puh, eine schwierige Aufgabe in einer Welt, in der Erfolg fast ausschließlich in Zahlen gemessen wird. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Lesestunde

Karte Nr. 10: „Erschließen Sie neue Welten, indem Sie neue Worte finden: Lesen Sie Ungewohntes, etwa den Wirtschaftsteil Ihrer Zeitung und bereichern Sie so Ihr Vokabular. ‚Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt’, lehrt uns der Philosoph Ludwig Wittgenstein.“

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe es wirklich versucht. Also, das mit dem Wirtschaftsteil. Sonntags habe ich schon immer gern eine weltliche Zeitungsausgabe gekauft und mich dann von einem Leseort zum nächsten bewegt, abwechselnd Tee und Kaffee trinkend, Sektion für Sektion durcharbeitend, wobei ich den Reiseteil immer für den Schluss aufgehoben habe. Als Dessert sozusagen. Teile wie Finanzen, Auto, Immobilien und Wirtschaft wurden dabei recht grobflächig überflogen. Aber die Aufforderung, einem für mich recht trockenen und wenig interessanten Genre näher auf den Grund zu gehen und dabei auch noch etwas zu lernen, Vokabeln, sehr abschreckend, da es einen doch gleich an die Schulzeit und das Büffeln von eben solchen erinnert.

Hilft nichts, dachte ich mir, da musst Du jetzt durch. Der Sonntag kam und mit ihm die Sonntagszeitung. Im Wirtschaftsteil ging es um den Kinofilm „Wolf of Wall Street“. Tja, nicht direkt um den Film als vielmehr um die Nebenfigur des Steve Madden, der heute Schuhe entwirft und im Gefängnis war wegen der Aktiengeschäfte, um die es im Film geht. Oh, Schuhe, bei Thema werde ich immer hellhörig. Leider sind diese derzeit in Deutschland nur per Online-Versand zu haben. Oh, prima, muss ich nicht zum Shoppen nach USA reisen. Zum Glück gab es meine Größe nicht, sonst hätte ich neben dem Neuerwerb dieser wahnsinnig wichtigen Information auch noch ein paar schicke Schuhe dazu bekommen, denn Steve Madden designt sehr hübsche Treter.

Gut, der erste Versuch, der Aufgabe gerecht zu werden, war jetzt nicht so erfolgreich. Von daher habe ich die Aufgabe etwas großzügiger ausgelegt und mich auf den Part „Lesen Sie Ungewohntes“ fokussiert. Beim nächsten Einkauf habe ich die Zeitschriftenregale angesteuert. Man möchte meinen, bei der Auswahl, immerhin sind es bestimmt 10 laufende Meter, 4 Reihen hoch und 3 Reihen tief, sollte sich leicht etwas finden lassen, mit dem man sich bilden kann. Zielsicher habe ich das Handwerkerressort angepeilt. Irgendwie habe ich mir eingebildet, dass ich ja neben der Spracherweiterung vielleicht auch gleichzeitig mein Handwerkskönnen aufbessern könnte. Mit dem Einzug in mein neues Heim fällt ja doch irgendwie immer irgendwo irgendwas an, an dem man schrauben, hämmern, sägen usw. kann. Zum Beispiel würde ich ganz schrecklich gern einen handgemachten Tisch haben. So einer, der „lebt“. Selbstgemacht noch viel besser. Mein Vater hat früher immer die Ausgaben für den selber machenden Mann gekauft und da waren tolle Tipps und Tricks und Anleitungen drin. Tja, leider war nichts Derartiges zu finden, um mir mich in meinem Vorhaben Tisch zu unterstützen. Auch von den übrigen bunten Blättern konnte mich keines zum Kauf animieren.

Und so kam der nächste Sonntag und ein neuer Versuch, den von mir verschmähten Zeitungsabschnitten etwas Positives abzugewinnen. Und tatsächlich stand im Autoteil ein Artikel über die Icons im Fahrercockpit. Die kennen wir alle: Zapfsäule für „Bitte Tanken“, Kreis mit Ausrufezeichen für „Handbremse ist angezogen“ usw.. Erstaunlicherweise gibt es mittlerweile so viele von den kleinen Bildchen, dass die wenigsten Autofahrer wissen, was diese bedeuten. Hinzu kommt, dass die Hersteller oft unterschiedliche Zeichen für gleiche Anzeigen verwenden. Negativ ist auch, dass dieses ganze Wirrwarr an Informationen den Autofahrer mehr ablenkt als dass es zu Sicherheit und Komfort beiträgt. Für mich also ein Vorteil, denn in einem Kleinwagen, wie ich ihn mein eigen nenne, sind solch technische Spielereien von Haus aus auf Grund Budget- und Raumangebotsgrenzen nicht vorgesehen bzw. auf das Nötigste wie „Bitte Tanken“ und „Handbremse ist angezogen“ limitiert. Glück gehabt. Nicht schlecht fand ich allerdings das Icon der Kaffeetasse, welches dem Autofahrer anzeigt, dass er eine Pause machen soll. Das wiederum ist aber noch Zukunftsmusik und bis dahin sind Raststationen bestimmt durchweg auch als Drive-through angelegt oder das Auto kocht den Kaffee selbst, womit das mit dem Pause machen dann natürlich nicht mehr so richtig funktionieren würde.

Tja, so wirklich was dazu gelernt habe ich natürlich nicht, außer dass auch zähe Themen einen gewissen Reiz haben können. Ich bin dann noch an einem Interview mit dem Schauspiellehrer und Coach Bernard Hiller hängen geblieben, in dem er sagte: „….Wir leben in einer Welt, in der kein Platz mehr zu sein scheint, sich von reiner Leidenschaft verführen zu lassen…..Wir denken den ganzen Tag. Der Kopf aber ist unser größter Feind……Der Mensch ändert sich erst, wenn er die Komfortzone verlässt….“. Dies war letztendlich der Ausschlag, mich in diese Richtung etwas weiter zu bewegen und es entstand die Idee, Bücher zu lesen, deren Geschichten in einem mir unbekannten Land spielen und von einem Schriftsteller des jeweiligen Landes geschrieben sind. So was wie Heimatromane im weitesten Sinne. Nur eben etwas näher dran an der Realität, wenn möglich der gegenwärtigen. Nicht, dass ich bis dato keine Werke mit diesen Merkmalen gelesen hätte, aber wenn, dann geschah das eher, weil der Inhalt mich interessiert hat und nicht der Autor bzw. das Land, das die Grundlage der Lektüre bildete. Den Anfang machte Rumänien. Warum Rumänien? Na, irgendwo muss ich ja anfangen. Der Roman hieß „Der blinde Masseur“ von Catalin Dorian Florescu. Tolle Geschichte, kann ich nur empfehlen. Als nächstes habe ich mir Portugal vorgenommen. „Die natürliche Ordnung der Dinge“ von António Lobo Antunes. Mal sehen, was sonst noch so alles auf meiner Bücherwunschliste landet. Wenn jemand eine Empfehlung hat: Immer her damit.

Und zum Vokabellernen habe ich mir „Hilfe“ besorgt. Wer fast vergessene Wörter neu entdecken möchte, kann dies im Wortfriedhof beim Gescheuchten Igel tun.

Eure Kerstin

P.S.: Fast hätte ich es vergessen: Neue Karte ist eine Komfortkarte. „Sie sind ganz und gar auf Genuss eingestellt: Kochen Sie Ihr Lieblingsessen oder bereiten Sie Ihr Traumdessert zu. Diesmal wird nicht an die Figur gedacht – es zählt nur der Spaß am Schlemmen“. Na, das ist doch mal ein Wort zum Sonntagskuchen. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Tatort Badezimmer, Tag 15

Man möchte nicht glauben, wie ergiebig ein so kleines Bad wie meins in punkto überflüssigem Kram sein kann.15 Tag

Tatort: Badezimmer, Ablage.

Tatbestand: Haarreifen in verschiedenen Farben und Ausführungen.

Tatortsäuberung: Werde mal die Nachbarstochter fragen, ob sie die haben möchte.

Tatort Küche, Tag 5

Der Fluch der Messen und Werbegeschenke verfolgt eine Menge Leute. Zu lesen u.a. bei immerabgelenkt. Was man erst verzückt als „muss-ich-haben“ mitgenommen hat, landet dann doch oft irgendwie in der „was-sol-ich-eigentlich-damit“-Ecke.

Tatort: Küche, Schublade mit Allerlei.05 Tag

Tatbestand: Eigentlich eine nette Idee. Fast sogar ein wirklich nützliches Werbegeschenk einer Fachzeitschrift. Auf irgendeiner Arbeitgebermesse als Goodie bekommen. Nach dem Motto, einem Ingenör ist nix zu schwör, klappt auch das Backen eines solchen mit Links.

Tatortsäuberung: Tja, habe irgendwie leider keinen akuten Bedarf für einen gebackenen Ingenieur. Ausstechformen sind auch reichlich vorhanden (Notiz an mich selbst: Da muss auch dringend mal aussortiert werden). Wird im nächsten Geschenk irgendwie verhackstückelt. Als Beigabe zu einem „Fresskorb“ könnte ich mir das ganz gut vorstellen. Für die Dose und Papier heisst es leider: Ab zur Entsorgungsstelle.