Das Ende einer Ära

Lila Versuchung

Wer hätte gedacht, dass der lila Heimsuchung auf dem stillen Örtchen schon nach, Moment ich rechne mal nach, gut sechs Wochen das letzte Blatt ausgeht? Ich habe eindeutig zu wenig Vorräte angelegt. Eine Packung Klopapier für rund sechs Wochen. Das ist Betrug! Also zumindest fühle ich mich betrogen. Darum, dass mir die Nagetierfreunde überlegen sind und anscheinend die heimische Toilettenpapierwirtschaft, hoffe jetzt mal, das ist tatsächlich etwas, was im Land der Dichter und Denker produziert wird und nicht irgendwo, wo der Pfeffer wächst oder die Zitronen blühen oder sonstwas auf den Teller kommt, besser unterstützen als meiner einer. Hoffentlich dreht mir da niemand einen Strick draus. So von wegen Konsumverweigerer oder Ähnliches.

Nicht dass jemand nun denkt, dass es bei mir wie in der Kloake und/oder öffentlichen Bedürfnisanstalt zugeht und niemand DAS Accessoire dieser Tage seinem Allerwertesten zumuten möchte. Wir benutzen Klopapier und waschen auch die Hände. Schon immer, möchte ich hinzufügen. Gut, beim Nachwuchs kann ich die Hände nicht immer für den ordnungsgemäßen Gebrauch des Zellulosestoffes und dessen dazugehörige Rituale ins Feuer legen und ohne da auf irgendwelchen Vorurteilen rumzureiten, aber es mag für das starke Geschlecht nicht immer zwingend nötig sein, die letzten Tropfen mit dem Papier zu entsorgen. Zu meiner eigenen Verteidigung, warum ich die Toilettenpapierindustrie nicht (genügend) ankurbele, kann ich wenigstens vorbringen, dass ich selbst ja während der ganzen Zeit untertags im Büro war und dort fleißig gewesen bin. Insofern mag der Verbrauch also nicht repräsentativ sein.

Kleiner Zwischeneinschub: Habe ich schon mal erwähnt, wie dankbar ich für die Erfindung des Wochenendes bin? Nein? Allein schon die Tatsache, dass man sich nicht dauernd und in Endlosschleife „Happy Birthday“ vorsingen muss, während man die Hände mit allen unmöglichen Utensilien malträtiert, ist eine echte Erholung. Ehrlich, seit Beginn des Hygienemarathons bin ich, wenn ich mir meine geschundenen Hände mal so ansehe, um zehn Jahre gealtert. Und wenn ich Anzahl der Geburtstagsständchen zähle und für jedes 1€ erhalten hätte, dann könnteich wahrscheinlich das Steuerloch stopfen. Diese, meine Hände muten mittlerweile genauso steril an wie das ganze Leben um sie und mich herum. Vielleicht sollte ich mal auf das altbewährte Spülmittel zurückgreifen. Gibt es Tilly eigentlich noch?

Zurück zum Thema: Nun ist also Schluss mit der Luxusausführung inklusive Dufterlebnis und wir sind wieder beim Standard. Weiß und dreilagig. Und wer jetzt nachschlägt und sagt, halt der erste Post (Das Leben ist ein merkwürdiger Ort) zu dem Thema war doch schon vor knappen acht Wochen, wie kommt sie denn jetzt auf sechs, dem sei gesagt, richtig gerechnet, aber ich musste es erst verdauen sowie gebührend das Ende einer Ära feiern und gleichzeitig Abschied nehmen. Das braucht eben so seine Zeit.

In diesem Sinne: Hoch die Hände, Wochenende. Und wer Langeweile hat, wo auch immer, kann ja mal seinen Klopapierverbrauch unter howmuchtoiletpaper.com kalkulieren, bevor er/sie/es mir dann wieder nur die Exotenvariante übriglässt.

 

Tag 8: Ausnahmsweise normal

Tag 8Ich bin ein Einzelkind der Mittelschicht mit norddeutschen Wurzeln, das derzeit im „schönsten“ (nicht meine Worte, aber fühlt sich hin und wieder so an) Bundesland Deutschlands zuhause ist – muss ich eigentlich noch mehr sagen?

Ist natürlich nicht besonders spezifisch und/oder einzigartig, weil es wahrscheinlich auf Tausende, wenn nicht sogar Millionen Mitmenschen zutrifft. Man könnte sogar hingehen und sagen: Ich bin normal. Durchschnitt eben. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass ich recht langweilig bin.

Der politische Umbruch der 80er und 90er Jahre ist irgendwie an mir vorbei gegangen. Ich habe nicht einmal in meinem Leben an einer Demo teilgenommen, genauso wenig an einem Musikfestival. Drogen und Alkohol kenne ich nur vom Hörensagen.

Während der Wiedervereinigung war ich im Ausland und konnte mit den Bildern, die ich zufällig aufgeschnappt habe, so gar nichts anfangen. Dafür war ich am 11. September ziemlich nah dran und bin dann freiwillig in die Arbeit gegangen, um meinen Kollegen zu helfen, mit dem Chaos fertig zu werden.

Ich gehöre nicht zu denen, die sich wünschen reich und berühmt zu sein. Ok, etwas reich wäre schon ganz schön, aber so passt es auch ganz gut. Nur, dass man als Teil der Mittelschicht wirklich für alles mitzahlen darf, das sorgt hin und wieder schon für erhöhten Blutdruck.

Ich wäre auch nicht gern ein Star in einer Castingshow oder auf Youtube oder überhaupt medientechnisch bekannt. Manchmal bin ich mir sogar gar nicht sicher, ob ich wirklich so viel und präsent im Netz sein will.

Tja, mehr ist da nicht. Mehr will ich auch gar nicht sein. Normal ist ja heutzutage schon fast die Ausnahme, wenn ich es recht betrachte.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin