Die Armee der Energiesklaven

Für diesen Betrag musste ich etwas länger nachdenken. Einmal, weil die Inventur so manche „Leiche“ zu Tage gebracht hat und dann, um zu entscheiden, welche elektronischen Geräte in einem Haushalt noch zu den alltäglichen Gegenständen gehören und welche wohl schon als Luxusartikel anzusehen sind. Das hängt mitunter sehr von persönlichen Ansprüchen ab. Daher hier einfach die Gesamtliste, wobei ich wirklich alles gezählt habe, auch wenn es schon den Weg in den Keller angetreten hat, weil nicht mehr in Gebrauch. Und klar, die jugendliche Armee wurde auch mit eingerechnet:

1 Fernseher, 1 DVD-Player, 2 Radios, 1 Radiowecker, 1 Stereoanlage, 1 Computer, 2 Laptops, 1 MP3-Player, 2 Handys, 1 Telefon, 1 Spielkonsole, 1 PSP, 1 Gameboy, 2 Digitalkameras, 1 Staubsauger, 1 Waschmaschine, 1 Trockner, 1 Mikrowelle, 1 Kühlschrank, 1 Kaffeemaschine, 1 Kaffeemühle, 1 Toaster, 1 Wasserkocher, 1 Mixer, 1 Küchenmaschine, 1 Rührstab, 1 Saftpresse, 2 Föns, 2 elektronische Zahnbürsten, 1 Lockenstab, 1 Glätteisen, 1 Set beheizbare Lockenwickler, 1 Nähmaschine, 1 Bügeleisen.

Tja, da ist eine ganze Menge dabei, was ich eigentlich schon als Luxusgut einstufen würde. Doch wo ist die Grenze? Daraufhin habe ich mich mal damit befasst, was denn vom Gesetz her zum täglichen Leben gehört, also nicht pfändbar ist. Radio, Fernseher, Handy, Computer, Staubsauger, Waschmaschine, Kühlschrank sind da recht eindeutig vom Kuckuck ausgeschlossen. Mikrowelle und Kühltruhe können aber zum Beispiel nur dann gepfändet werden, wenn kein Herd (Mikrowelle) und kein Kühlschrank (Kühltruhe) vorhanden sind. Das war vor gar nicht allzu langer Zeit noch anders, da wurden Fernseher bevorzugt vom Gerichtsvollzieher eingezogen. Gut, 1960 musste man auch noch 349 Stunden arbeiten, um sich ein entsprechendes Gerät leisten zu können. Heute sind es gerade mal 30 Stunden.

Innerhalb von ein paar Jahrzehnten sind wir also von Bewunderung über die Neuerung und Erleichterung zu nahelos gleichgültiger Normalität übergegangen. Das macht sich umso stärker beim Erwerb von Dingen bemerkbar, die wir online und/oder per Kreditkarte bezahlen. Die Ausgabe erscheint nicht real und der Gegenstand ergo ist nichts wert. Wir kaufen im wahrsten Sinne des Wortes für die Müllhalde, denn meist handelt es sich hierbei auch noch um Güter, die wir nicht nutzen und auch nicht wirklich brauchen. Hier ein etwas längerer Beitrag von arte zum Thema „Kaufen für die Müllhalde – die geplante Obsoleszenz“:

Noch schlimmer wird es, wenn wir ständig nach dem Motto Jetzt-Haben-Später-Zahlen verfahren. Die Verlagerung der Schulden in die Zukunft ist im Grunde ziemlich verantwortungslos, denn irgendjemand muss dafür bezahlen, wenn wir es nicht (mehr) können. Und sei es nur der Arbeiter, der im Herstellungsprozess mit dem Lohn sein Leben bestreiten muss. Ausnahme sind hier die wirklich großen Investitionen, aber Fernseher oder Kühlschrank sollten für meine Begriffe nicht per Kredit oder auf Raten erworben werden, denn dann sind es wirklich keine Dinge des alltäglichen Lebens, sondern Luxus.

Der ganze Kleinkram wird im Pfändungsprozess gar nicht erst erwähnt. Wahrscheinlich, weil es sich meist eben noch nicht mal lohnt und diese Dinge in zweiter Hand kein Geld einbringen. Kein Wunder also, dass wir in einer Weg-Werf-Gesellschaft mit einer ebensolchen Mentalität leben. Ich finde das etwas befremdlich, denn das meiste davon gab es zu Zeiten meiner Großeltern noch gar nicht und vieles musste in teils aufwendiger und mühsamer Handarbeit erledigt werden. Inzwischen sind wir umgeben von Sklaven, die uns das Leben erleichtern sollen und die wir auch als ebensolche behandeln. Und damit noch nicht genug, denn oft sind diese auch noch in doppelter Ausführung vorhanden. Da bilde ich, wenn ich mir meine Armee so anschaue, keine Ausnahme und habe in meinem bisherigen Leben durchaus meinen Teil zu der Konsumgütergesellschaft beigetragen.

Dabei könnte ich ohne weiteres auf über die Hälfte meiner Gerätschaften verzichten und würde bestimmt nicht sehr viel schlechter leben. Stattdessen horte ich sie in der Hoffnung, das eine oder andere nochmals zu nutzen. Könnte ich ja nochmal brauchen. Irgendwann. Als ob es dann wohl so schlimm wäre, wenn ich bei der nächsten Feier weder Locken noch strohglatte Haare präsentieren kann, sondern einfach als Ich Spaß habe. Vor allem die schon so halb ausrangierten Teile im Keller erfüllen keinerlei Zweck mehr als mich hin und wieder an ihre Gegenwart zu erinnern. Das ist eigentlich eher belastend. Also wird hier demnächst wohl eine Schlacht stattfinden, denn die Helfer beanspruchen Platz. Real und in meinen Gedanken. Dabei will ich ja mehr Sein und weniger Haben.

Nicht zu verachten ist nicht zuletzt der Stromverbrauch, von dem die Sklaven am Leben gehalten werden müssen. Damit geht es beim nächsten Mal weiter.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin

Wie alles anfing

Es gibt ja immer einen Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Dieser symbolische Tropfen waren bei mir gleich zwei. Und die trafen auch noch mehr oder minder gleichzeitig im November 2013 auf die Oberfläche auf.

Zum einen war das mein bevorstehender Umzug damals und die Karte Nr. 8 aus dem Kartenspiel, die da lautete: „Schaffen Sie sich Platz: Feng-Shui für die Seele. Trennen Sie sich von Ballast.“

Nun möchte man meinen, dass ein Umzug in eine größere Wohnung einen nicht unbedingt dazu zwingt, sein Hab und Gut zu sichten und sich von Dingen zu trennen. So gesehen war die Karte ein echter Glücksgriff. Vielleicht lag es auch daran, dass ich im Laufe meines Lebens schon so oft umgezogen bin, dass Besitztümer mir keine Fesseln (mehr) anlegen können. Vielleicht war die Zeit aber auch einfach reif. Ist im Nachhinein ist das gar nicht mehr so wichtig.

Wichtig ist, dass ich seitdem infiziert bin. Und wie bei einem Kranken durchlebe ich regelmäßige Schübe, die mich dann wie einen Tiger im Käfig durch meine vier Wände treiben, auf der Suche nach Beute. Zeugnis davon lege ich monatlich in meinem Tatort des Monats ab. Doch mit dem bloßen Ausmisten und Entrümpeln gebe ich mich inzwischen nicht mehr zufrieden.

AnfangNach dem Motto: Her mit dem schönen Leben, nimmt mittlerweile mein alltägliches Handeln, Denken und Konsumieren einen großen Teil meiner Bemühungen um ein einfacheres, freieres Leben ein. Welche Dinge kaufe ich ein? Wie kaufe ich ein? Wo kaufe ich ein? Was brauche ich in meinem Leben zum Leben? Wer will ich sein? Wie kann ich Dinge anders/besser machen?

Was sich in den letzten zwei Jahren alles verändert hat, wie es mir dabei geht und wie ich mir so die Zukunft vorstelle, darüber will ich hier in den nächsten Tagen und Wochen schreiben. Dabei werde ich die einzelnen Bereiche wie folgt einteilen:

  • Kleidung
  • Lebensmittel
  • Gegenstände des täglichen Lebens
  • Hobbies und Luxusartikel

Für jede Rubrik stelle ich mir immer einen Wissensteil mit einigen Informationen zum Thema vor. Dann die einzelnen Unterpunkte, meine Erfahrungen und Erlebnisse und vielleicht auch den einen oder anderen Tipp. Und natürlich, was das alles mit Verzicht zu tun hat.

Der Ordnung halber sei erwähnt, dass ich neben der Internetrecherche – Blogverwandte und Websites werde ich jeweils im jeweiligen Post verlinken – folgende Bücher in meine Berichte einfließen lasse:

  • Befreiung vom Überfluss – Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ von Nico Paech
  • Was das Haben mit dem Sein macht – Die neue Psychologie von Konsum und Verzicht“ von Jens Förster
  • Besser leben ohne Plastik“ von Anneliese Bunk und Nadine Schubert
  • Speed – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ von Florian Optiz
  • Analog ist das neue Bio – Ein Plädoyer für eine menschliche digitale Welt“ von Andre Wilkens

Los geht es also morgen mit dem Thema Kleidung und allem, was dazu gehört. Ein wahrhafter Kleiderberg, der sich so in unseren Schränken, Schubladen und Fächern verbirgt, türmt sich da auf.

 

Also dann, action!
Eure Kerstin