Tatort des Monats Juli

Eigentlich ist es ein Tat- und Fundort gleichzeitig, nur an verschiedenen Stellen.

Tatort: Küche

Tatbestand: Kaffeemühle

 Tatortsäuberung: In meinem Beitrag „umgedacht und aufgestellt“ hatte ich die Tat schon angekündigt. Nun wurde der Energiesklave gegen ein handbetriebenes Modell, welches auf dem Flohmarkt erspäht und in der zweiten Verhandlungsrunde erstanden wurde, vorsätzlich ausgetauscht. Und nachdem die Reinigung mit Reis und die Überprüfung der Funktionstauglichkeit einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat, darf die elektrische Schwester in den vorzeitigen Ruhestand gehen. Nun heißt es Bewährungsprobe für die Nachfolgerin und bis zur Entscheidung über das weitere Verfahren darf die Kaffeemühle vorerst im Keller stehen bleiben.

 P.S.: Als stolzer neuer Besitzer einer handbetriebenen Maschine diesmal ein Bild des Fundstücks.

Gummistiefelweg

Nach langer Zeit mal wieder ein Beitrag in der Rubrik „Leseecke“.
Inspiriert vom örtlichen Schreibwettbewerb und weil heute Weltglückstag ist, habe ich einfach mal meine Geschichte eingesandt.

Direkt hinter dem Haus war das Moor. Und wenn er abends mit der Arbeit auf dem Hof fertig war, saß er auf der Bank neben der Eingangstür und blinzelte in den Sonnenuntergang. An Regentagen blickte er mit zusammengekniffenen Augen in Richtung Moor und sah den Nebeln zu, wie sie über die Landschaft zogen. Im Winter hielt er eine dampfende Tasse in Händen, um sich zu wärmen und bisweilen erschauderte er beim Anblick der bizarren Formen, die Eis und Schnee geformt hatten. Was wohl hinter dem Moor war, fragte er sich, wenn er so dasaß und den Horizont absuchte. Ob es dort ein Meer gab? Einen Fluss vielleicht? Oder Berge? Sein ganzes Leben hatte er immer nur darüber gegrübelt, es aber immer dabei belassen.

Der Frühling kam und verscheuchte die trübsinnigen Gedanken. Zu viel Arbeit gab es, um sich weiter Träumereien und Hirngespinsten hinzugeben. Am Abend setzte er sich wie immer auf die Bank und blickte in Richtung Moor. Die Sonne stand schon tief, so dass er die Hände vor die Augen halten musste, um die tanzenden Lichter am Horizont zu erspähen. Und dann stand sie auf einmal vor ihm. Ihr Gesicht lag im Dunkeln als er aufblickte. „Ist ja ganz schön weit draußen hier“, sagte sie. Und als er sie nur weiter stumm anblickte: „Kann ich vielleicht heute Nacht hier irgendwo schlafen? Heute schaffe ich es sicher nicht mehr im Hellen über das Moor.“ Er stand auf und ging ins Haus. Und dann kam er wieder heraus. Aber sie war noch da. Stand da mit ihrem Rucksack und verdreckten Kleidern. „Also, was ist? Kann ich bleiben? Du hast mich schon verstanden, oder?“ Sie sah ihn fragend und zugleich unsicher an. Er schluckte ein paar Mal und räusperte sich. „Ja, also, neben der Stube ist noch ein Zimmer….“ „Prima“, fiel Sie ihm ins Wort und ging an ihm vorbei ins Haus.

Später half sie ihm in der Küche und erzählte, dass sie auf dem Weg nach Finnland sei. Voller Staunen folgte er ihren Worten. Finnland, das war unvorstellbar weit weg und klang nach Freiheit und Leben. Er kannte nur den Hof und die Stadt mit ihren Straßen und Geschäften und den Menschen, die dort lebten. Viel Kontakt hatte er nie gehabt. Zu laut und hastig war ihm immer alles erschienen. Und seine Freunde, die ihn besuchten, waren meist voller Ungeduld, wenn er mit ihnen auf der Bank saß und über das Moor und was dahinter wohl sein mochte, sinnierte. „Ist doch egal“, sagten sie oft, „Was soll da schon sein? Ist halt ein Moor und dann ‘ne Stadt. Oder irgendwas halt. Komm‘, lass uns in die Stadt fahren und feiern.“ Und wenn er dann wieder auf seinem Hof war, auf der Bank saß und über das Moor schaute, fragte er sich, ob da vielleicht auch jemand saß und genau wie er darüber nachdachte, was denn wohl auf der anderen Seite wäre. Und ob es eine Stadt wie seine wäre. All das erzählte er ihr. „Tja, keine Ahnung, aber ich werde es herausfinden. Morgen gehe ich durch das Moor und dann immer weiter. Bis nach Finnland.“

Am Morgen lag er in seinem Bett und dachte über den Traum nach, den er gehabt hatte. Da war ein Mädchen gewesen. Mit einem Rucksack. Das wollte nach Finnland. Zu Fuß. Durch das Moor. Einfach so. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Ein schöner Traum war das gewesen. Und dann stand sie auf unvermittelt in seinem Zimmer. „Also, ich muss jetzt los. Danke, dass ich hier schlafen durfte.“ Und dann war sie auch schon wieder weg. Er rappelte sich auf und stolperte, die Bettdecke verfing sich in seinen Füßen. Als er vor die Tür trat, hatte sie schon ihren Rucksack auf den Schultern. Sie drückte ihm links und rechts einen Kuss auf die Wange und dann zog sie los. Direkt in Richtung Moor. Sie drehte sich noch einmal um und winkte. Fast sah es aus, als ob sie tanzend durch das Moor hüpfte. Und irgendwie war ihm ihr Winken nicht wie ein Abschied, sondern wie eine Einladung erschienen. Finnland, das war ja verrückt. Er schüttelte den Kopf und ging zurück ins Haus.

Und plötzlich musste er lachen. Er ging in die Küche, wickelte Brot, Wurst und Käse in ein Tuch und verstaute alles in seinem Leinensack. Vor der Tür holte er tief Luft. Ein herrlicher Tag. Die Luft war klar und er fühlte sein Herz schlagen als er so durch das Moor lief. Unter seinen Gummistiefeln hörte er es glucksen und der Boden gab nach und in seinen Fußabdrücken bildete sich ein kleiner See mit dunklem Wasser. Irgendwann wich das Moor einer Wiese, auf der man noch die Spuren des Winters erkennen konnte. Der lehmige Boden war matschig und er sank immer wieder mit den Gummistiefeln tief ein, blieb stecken und musste den Schuh mühsam aus der Erde ziehen. Er stapfte weiter, seine Schuhe schwer und voller Dreck. Dann erblickte er einen Weg, den in einen Wald führte. Und am Ende konnte er gerade noch sehen, wie sie darin verschwand. Er zog die nutzlosen Gummistiefel aus und fing an zu rennen.

Loslassen und Neuanfang

Die Zeit vor Weihnachten und dem Jahreswechsel war für mich ziemlich intensiv. Und das Leben ist mir bisweilen recht schwer gefallen wie in meinen Sechszehntagetagebuch zu lesen war. Danke auch nochmals an meine Leser für die Hilfestellung und schönen Worte. Ja, rückblickend kann ich sagen, ich war in einem echt miesen Loch. Der Zufall und das Glück wollten es, dass mir in der Zeit ein echter Schatz im Buchladen in die Hände gefallen ist, der wie gerufen kam, um mal in mich zu gehen und in meiner Seele aufzuräumen. Die Hexen unter uns ahnen es vielleicht, es geht um die Rauhnächte und die damit verbundenen Rituale und Bräuche.

Wie ein Schwamm habe ich alles aufgesaugt und mich durch die Rauhnächte treiben lassen, wobei ich ständig das Gefühl hatte zu träumen. Losgelöst von der Realität, eingebettet in mein eigenes Universum, schien die Zeit, wenn nicht still zu stehen, so doch nicht von dieser Welt zu sein. Zwischen den Jahren habe ich die Tage bewusst erlebt und alles auf mich wirken und einströmen lassen. Die Magie entfaltete sich dabei immer wieder aufs Neue.

eisblumen

Wer mit den Rauhnächten nicht so vertraut ist, hier eine Kurzfassung: In frühen Zeiten wurde der Kalender nach dem Mondjahr berechnet, welches 354 Tage hat. Heutzutage leben wir nach dem Sonnenjahr und der Kalender weist 365 Tage auf, also 11 Tage beziehungsweise 12 Nächte mehr. Diese Zeit bezeichnet man als „zwischen den Jahren“, in denen die Zeit anders ist, sich die Tore zur Anderswelt öffnen und dabei allerlei Wesen die Erde bevölkern. Auch wird jeder Rauhnacht ein Monat des folgenden Jahres zugeordnet und je nachdem wie sich dieser Tag gestaltet, so wird sich auch die Stimmung im jeweiligen Monat sein. Jede Rauhnacht entspricht dem Jahreszeitenverlauf und hat ein anderes Motto. Daneben gibt es jede Menge alte Weisheiten, die auch heute noch sehr spannend sein können.

So habe ich zum Beispiel vom 24. Dezember bis 6. Januar keine Wäsche gewaschen. Nun türmen sich die Berge und der jugendliche Mitbewohner beschwert sich lautstark, dass er nichts mehr zum Anziehen hat.

Sehr befreiend war es, Ordnung zu schaffen und Rechnungen (auch emotionale) zu begleichen. Es fühlt sich gut an, den Liebsten um mich zu sagen, wie sehr ich sie liebe, alle Briefe zu beantworten und einen langen, offenen, ehrlichen Brief an jemanden zu verfassen, der mir fehlt. Ganz ohne Erwartungen, sondern um einfach mal zu sagen, wie es mir geht und wie ich mich fühle. Ich habe sozusagen auf meine innere Stimme gehört, Zweifel mal außen vor gelassen und den Augenblick genossen. Mir Dinge gegönnt und dem Glück die Tür geöffnet, damit ich es unter dem Mistelzweig küssen und mich verführen lassen kann. Alle Begegnungen waren wertvolle Anker im Jahreswechsel. Eine Zeit für Gespräche und Gefühle.

Die Elemente habe ich in der Zeit intensiv wahr genommen und die Natur gespürt. Sonne, Wärme, Wind, Schnee, Sturm, Kälte, Nebel, Licht und Dunkelheit.

schattensonnenaufganglicht

Zu guter Letzt, denn was wären die Rauhnächte ohne das magisch Übersinnliche, habe ich kräftig orakelt, geräuchert, Feuer gemacht und mir die Finger verbrannt. So sehr, dass ich ob der vielen „Zufälle“ schon fast mehr als bloße Ehrfurcht entwickelt habe. Meine Wünsche für das kommende Jahr habe ich an die guten Geister und ihre Helfer übergeben und um den hier kümmere ich mich selbst. Sehr mystisch, weil genau mein Ding.

orakel

Nun heißt es loslassen und den Neuanfang wagen. Auf ein gutes Jahr.

 Eure Kerstin

Das Sechszehntagetagebuch – Teil 1

Da inzwischen die sechszehn Tage (zum Glück) der 16-Tage-Challenge vorbei sind und nun doch der eine oder andere Wunsch, ich möge meine Leser an diesen teilhaben, lassen an mich heran getragen wurde und auch bald Weihnachten ist, will ich mal nicht so sein. Also, los geht es.

Sonntag, Tag eins (27. November)
Das Beste heute war das Baumschmücken. Am ersten Advent wird bei mir immer der Weihnachtsbaum aufgestellt. Und dann freue ich mich die gesamte Vorweihnachtszeit an dem Licht und dem Glanz. Dafür fliegt er gleich nach Weihnachten auch wieder raus. Dann ist es genug. Zur Tradition des Baumschmückens gehört seit vielen Jahren die Weihnachts-CD von Michael Bublé. Die läuft dann in Endlosschleife. Und mitsingen tue ich natürlich auch. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Christbaum

Montag, Tag zwei
Das Beste heute? Yoga, was sonst. Wie gesagt, Yoga ist mehr als die Beine hinter den Kopf brezeln. Vor allem meine Lehrerin am Montag legt viel Wert darauf, dass Yoga in seiner vollen Bedeutung bei uns ankommt und behandelt immer wieder andere Themenblöcke. Derzeit ist es Prana. Prana heißt Atem/Atmen, aber auch Leben, denn Atem bedeutet Leben. Klar, wir können ca. drei Wochen ohne essen auskommen, drei Tage ohne Trinken, aber ohne Atmen schaffen es die meisten nicht mal drei Minuten. Atmen ist ja an sich etwas ganz Selbstverständliches über das wir nicht nachdenken. Erst wenn man sich bewusst darauf konzentriert, spürt man die feinen Vibrationen und Veränderungen. Lebensenergie.
Zur Übung gehört, dass wir die Gedanken quasi bewusst vom Körper trennen. Den Verstand in die Ecke stellen, sagt sie. Für mich immer absolute Schwerstarbeit. Mein Hirn ist irgendwie immer aktiv. Selbst wenn ich nachts mal aufwache. Peng, sofort fangen meine Gedanken an zu kreisen. Also gut, ich stelle meinen Verstand in die Ecke. Neben die Eingangstür. Dann kann er sicher sein, dass ich nicht ohne ihn gehe. Und so sage ich ihm das auch – ganz sanft: „Keine Angst, ich vergesse Dich nicht. Ich bin gleich hier und sehe Dich.“ Und dann fließt alles ganz von allein: Wohlige Wärme umhüllt mich. Mein Verstand blickt zu mir und meint: „Eine wirklich schöne Aura hast Du da.“

Dienstag, Tag drei
Das Beste heute war das Wärmebad vor dem Kamin, ein Ritual, das ich hin und wieder brauche, um die innerliche Glut anzufachen, bevor auch noch der letzte Funken Energie formlich ausgesaugt wurde. Zusammengerollt liege ich auf einem Bett aus Decken und das Feuer wärmt meinen Rücken. Dann will ich eigentlich gar nicht mehr aufstehen und wünschte mir, ich könnte bis in alle Ewigkeit einfach so liegen bleiben.

Mittwoch, Tag vier
Das Beste heute war die Shoppingtour mit meiner Freundin. Wobei das Shopping dabei eigentlich Nebensache ist. Das Wichtigste sind die Gespräche, die zwischen Unterwäscheregal und Umkleidekabine stattfinden. Ehrliche Worte, manchmal mehr als kindisch, aber immer in dem Vertrauen, dass jedes Geheimnis und Geständnis bei der besten Freundin gut aufgehoben ist.

Donnerstag, Tag fünf
Heute war einer dieser Tage, an denen jedes Fenster mehr verspricht als alles andere. Zum Glück verschwindet irgendwann das Licht und die Fenster starren einen nur mit unendlicher Dunkelheit und Gleichgültigkeit an. Und zum Glück geht auch der längste Tag einmal zu Ende und die Nacht beginnt und endlich gibt es einen Funken Hoffnung. Auf wenigstens ein paar Stunden Ruhe, wenn die Sorgen im Schlaf kurzzeitig verstummen. Das Beste war die Wärmflasche, die mir ein bisschen Wärme und Geborgenheit geschenkt hat.

Freitag, Tag sechs
Freitag. Eigentlich sollte das ja schon reichen. Irgendwie ist alles gut, wenn es Freitag ist. Und Freitag und Yoga ist eigentlich nur noch durch Freitag und Yoga und Sauna zu schlagen. Das Beste dabei war der Moment nach der Sauna. Sich auf der Liege ausstrecken, den Herzschlag in jeder Faser des Körpers spüren. Das leichte Prickeln auf der Haut und der kühle Luftzug, der sanft über einen streicht. Na ja, so in etwa ist es zumindest in meiner Einbildung, denn die frische Luft kommt erst sehr viel später als ich draußen den nebenschwangeren Sauerstoff tief einatme.

Samstag, Tag sieben
Das Beste war die Vorfreude. Auf morgen.

 Im wahrsten Sinne des Wortes. Fortsetzung folgt.

Eure Kerstin

Projektabschluss

Herzlich willkommen, neuer Erdenbürger! Schön, dass Du da bist, denn Deine Eltern habe sehr lange auf Dich gewartet.

projekt

Lass‘ Dir ein paar Worte mit auf den Weg geben:
Sage Deinen Eltern immer die Wahrheit! Glaub‘ mir, sie verkraften es.
Frag‘ Ihnen Löcher in den Bauch und hör‘ Dir ihre Geschichten an, denn nichts ist spannender als das Leben.
Lass‘ Dir die Welt von Deinen Eltern erklären und dann zieh‘ los und schau‘ sie Dir mit Deinen eigenen Augen an!
Mach‘ sie glücklich, indem Du Deinen Weg findest und gehst!

Ach ja, und treibe Sie ruhig zur Weißglut. Denn wer von Dir als Projekt „Franz-Josef V.“ spricht, während Du noch auf dem Ultraschallbild zu sehen bist, der unterschätzt Dich und Deine Wirkung!

Den Eltern lege ich den Spruch von Johann Wolfgang von Goethe ans Herz: „Kinder sollen von ihren Eltern zwei Dinge erhalten: Wurzeln und Flügel!“
Herzlichen Glückwunsch zum Projektabschluss. Und wie Ihr wisst, beginnt jetzt die Nachhaltigkeit. Kein Projekt ohne Review!

Eure Kerstin

Geschriebene Worte

In Mexiko wird den Verstorbenen mit einem farbenfrohen Fest am „Tag der Toten“ gedacht. Kerzen und Lichter vor den Türen sollen den Toten den Weg nach Hause weisen, wo ein extra Gedeck mit der Lieblingsspeise für sie mit auf dem Tisch steht. Im Gegensatz zu den eher besinnlichen Feiertagen rund um Allerheiligen im europäischen Raum, wird dort ausgelassen und fröhlich gefeiert. Denn in der Nacht zum 2. November kehren die Seelen der Verstorbenen zu den Lebenden zurück, um diese zu besuchen und mit Ihnen zu feiern.

Woher ich das weiß? Aus dem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ von Maike van den Boom. Auf den ersten Blick klingt das jetzt etwas paradox: Glück und Tod im selben Atemzug zu nennen. Beim zweiten Hinschauen allerdings vermag diese Tradition vielleicht beiden Seiten helfen. Den Lebenden, um nicht in Trübsinn zu verfallen und den Toten, um Gewissheit zu haben, dass es den Hinterbliebenden gut geht. Ganz ehrlich: Wäre ich eine umherwandernde Seele, wäre ich zutiefst unglücklich, wenn meine Hinterbliebenen meiner mit Trauermiene und stiller Andacht gedenken und könnte bis in alle Ewigkeit keine Ruhe finden. Erst recht wollte ich kein trostloses, farbloses, totes Gesteck auf meinem Grab. Nicht, dass ich überhaupt ein Grab wollen würde.

Hätte ich das damals gewusst, wer weiß, wie anders so mancher Weg verlaufen wäre. Damals, nachdem meine Mutter plötzlich nicht mehr in meinem Leben war, dafür aber den Großteil meines Lebens bestimmte. Stattdessen bin ich in Schwermut versunken und immer wieder an denselben Fragen verzweifelt. Daran konnten auch die sogenannten Erinnerungskärtchen nichts ändern. Diese sollen einen zum liebevollen Erinnern ermuntern. Da stehen dann Fragen wie „Was hast Du von … gelernt?“ und „Was sagte … oft zu Dir?“ oder „Was fand … schwierig?“. Ich konnte mit den Fragen irgendwie nicht so viel anfangen. Es sind ja auch nicht meine Fragen beziehungsweise die Fragen, auf die ich eine Antwort suche. Diese habe ich über all die Jahre hinweg in meinem Trauertagebuch verarbeitet.

Und noch immer erschüttern mich meine Gedanken und vor allem die Fragen. Nichts davon ist geklärt. Alles ist noch immer offen und unausgesprochen. Geschriebene Worte, die auf Antworten warten. Und mittendrin ein Brief von ihr. In ihrer unverkennbaren Art. „So wie Du Entscheidungen triffst, Dich ohne Scheu ins nächste Vorhaben stürzt, finde ich klasse. […] Ich denke zurück; ich war nicht so selbstbewusst und gefestigt. Ich brauchte vielmehr Mut, musste viel mehr an mir arbeiten, um mein „Ich“ zu behaupten. Ich bin ehrlich, ich beneide Dich darum, ich finde es herrlich und gut, dass Du das alles so gut im Griff hast, auch wenn Du manchmal daran zweifelst. […] Also mach Dir keine Sorgen um meine Sorgen. Ich weiß, Du schaffst es, auch wenn es im Augenblick nicht so läuft, wie Du Dir das wünscht.“

Tischplatz

Geschriebene Worte, die Antworten auf alle Fragen sind.

 

Eure Kerstin

Geschenke für die Ewigkeit

Geschenke sind was Wunderbares. Findet Ihr nicht? Jedoch, und das mag nur eine Vermutung meinerseits sein, verlieren Sie mit zunehmendem Alter ein bisschen die Faszination, die sie als Kind auf mich ausgeübt haben. Sicherlich lässt sich das auf die Tatsache zurückführen, dass ich bereits eine ganze Weile nicht mehr an Elfen und dergleichen so wirklich glaube und ebenso darauf, dass meine Wünsche nicht mehr so drängend überlebensnotwendig und wichtig sind wie zu Zeiten, als Puppen, Lego und andere Spielsachen auf meiner Wunschliste ganz oben standen.

„Wünschen kann man sich alles“, war in solchen Momenten immer ein Spruch meines Vaters, den ich inzwischen auch gern mal dem jugendlichen Mitbewohner entgegne, wenn die Wünsche mal wieder das Budget zu sprengen drohen, bar jeder Grundlage und schlicht utopisch sind. Im Gegenzug dazu gibt es natürlich auch Leute, die es mit dem Schenken hin und wieder mal übertreiben. Großeltern zum Beispiel, die das auch gern auf die gestressten Eltern ausweiten.

Neulich wollte mir die Oma etwas Gutes tun und spendierte dem Nachwuchs, sich und mir eine Massage. Als wir also vor dem Tresen standen und unsere Termine vereinbart hatten, drängte sie mich, ob ich nicht noch eine Gesichtsbehandlung oder Pediküre oder, oder haben wolle. „Nein, danke, ich bin glücklich.“ „Ja, aber schau doch mal.“ „Ich möchte nicht, ich bin glücklich.“ Das hätte noch ewig so weitergehen können, wenn nicht die freundliche Dame hinter dem Tresen schließlich meinte: „Lassen Sie sie doch, wenn sie glücklich ist.“ So ist das, warum dem Glück noch eine Krone aufsetzten und es golden anmalen? Mehr führt nicht zwingend zu mehr Glück.

Ich bin ein großer Fan von sogenannten vergänglichen Geschenken. Der gute, alte Fresskorb feierte bei mir vor einiger Zeit eine Renaissance. Leicht aufgepeppt wohlgemerkt: Besondere Tees, exquisiter Kaffee, ungewöhnliche Öle, exotische Gewürze, duftende Seifen – so in etwa, je nach Anlass und Beschenktem. Da steht dann nichts rum, was Staub ansammelt und was man, wenn der Schenker mit Besuch droht, schnell platzieren muss. Man kennt das ja, wenn Schwiegermuttern auf der Matte steht: „Wo habt Ihr denn die Vase?“

Apropos Vasen. Davon kann man, so scheint es, tatsächlich nicht genug haben und trotzdem hat man nie die Passende. Blumen sind sowieso eine feine Sache – allerdings nur Schnittblumen, denn Topfpflanzen verlangen neben dem grünen Daumen auch – ähnlich den Schwiegermuttergeschenken – eine konstante Betreuung, um die Beziehung nicht zu gefährden.

Blumengeschenk

Von einem inzwischen verflossenen Liebhaber habe ich bei einem unserer ersten Treffen eine Zimmerpalme bekommen. Tja, Ihr ahnt es schon, der Liebhaber ist weg und ich darf mich nun noch immer um die Palme kümmern, weil ich es nicht übers Herz bringe, sie einfach dem Grünabfallcontainer zu überlassen. Meine Begeisterung kann man sich vorstellen.

Daneben stehen, wie könnte es anders sein, Bücher bei mir immer hoch im Kurs. Gern auch mal welche, die ich selbst gelesen und nicht mehr behalten möchte, wobei ich betonen muss, dass ich nicht wahllos irgendwelche Schundliteratur an Freunde und Verwandte verticke, um mich dieser elegant zu entledigen, sondern schon versuche, harmonische Paare zu bilden.

Und da kleine Geschenke die Freundschaft erhalten und zudem sich manchmal auch Glück gut teilen lässt, hier mein Beitrag: Wer meinen Post „Alle meine Leidenschaften“ gelesen hat, erinnert sich vielleicht, dass ich beziehungsweise mein Blog „alltagseinsichten“ kürzlich seinen dritten Geburtstag gefeiert hat. Aus dem Grunde können interessierte Leser die Lektüre, welche mich auf meinem Nachhaltigkeitsprojekt begleitet und inspiriert hat, ausleihen und sich so manches gern nochmals nachlesen. In dem Fall einfach im über das Kontaktformular bei mir melden. Und wer mehr Literatur und weniger Sachbuch affin ist, der kann bei der Buchgesellschaft stöbern. Da bieten wir auch gerade unsere Lesetitel an.

Bibliothek

Wie gesagt, Geschenke sind was Wunderbaren, doch wenn wir ehrlich sind, dann sind es nicht wirklich die materiellen Dinge, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vielleicht mal abgesehen vom einem Schmuckstück in einer kleinen, türkisenen Box. Vielmehr sind es die Erlebnisse, die wir in Erinnerung behalten und die uns über so manch verdrießliche Stunde hinwegtrösten. Ich erinnere mich beispielsweise nur an sehr wenige Geschenke aus meiner Kindheit und Jugend und sogar der vergangenen Jahre, dafür umso lebhafter an gemeinsame Stunden und insbesondere Urlaube und Reisen. So gesehen sind es also die geschenkten Erinnerungen, die uns ein Leben lang und darüber hinaus begleiten. Denn wie formuliert es Bonnie Ware in ihrem Buch „5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen“ so schön: „Es ist so ungeheuer wichtig, dass Sie über das Leben nachdenken, dass Sie jetzt führen, denn es kann sein, dass Ihnen bei Ihrem Tod nur wenig Zeit bleibt, um Ihren Frieden zu finden oder über sich nachzudenken. Stattdessen werden Sie in dem Wissen sterben, dass Sie fast Ihr ganzes Leben damit verbracht haben, das Glück auf den falschen Wegen zu suchen […], und dass Sie die Gelegenheit zum Richtungswechsel einfach verpasst haben.“

Wegweiser

Der wahre Luxus ist das Leben an sich. Auf alles andere kann man verzichten. Zum Abschluss meines Projektes werde ich noch ein bisschen über das eine oder andere philosophieren. Mal sehen, wohin es mich treibt.

 

Also dann, action!

Eure Kerstin