Ohne Befund

Von Zeit zu Zeit versuche ich es mit dem Glauben. Ja, genau. Dieses „richtige“ Christentum mit seinen Lehren und Weisheiten.

Heute zum Beispiel habe ich die Bibel gelesen. Also, die Kurzfassung. Sozusagen, um zu testen, ob da Buch der Bücher mir taugt und ich mich vielleicht einmal an die Originalausgabe wagen sollte.

BibelstundeIm Eilschritt durch mehrere Jahrtausende. Vieles kannte ich natürlich schon. Schließlich habe ich bereits eine recht lange Laufbahn als Heide hinter mir und da kann man sich nicht immer nur drauf ausruhen. Man muss auch hin und wieder über den Tellerrand hinaus schauen. Und ich schwöre, ich habe es wirklich versucht.

Das fing in der bayerischen Grundschule an. Da war ich erst evangelisch. Das fand ich so toll, dass ich diese Gesinnung beim Schulwechsel in der dritten Klasse steif und fest vertreten habe. Meine Mutter musste damals das Missverständnis aufklären und ihr bekenntnisloses Kind durfte bleiben.

Und da ich schon immer allem Neuen offen gegenüber war, war ich dann eben katholisch. Auch das fand ich super. Bis zu dem Zeitpunkt, als aus mir ein Exempel wurde und ich nicht mit der Klasse in die Kirche durfte und statt Note nur noch eine Teilnahmebemerkung im Zeugnis erhielt. Allerdings, die Arbeiten musste ich mitschreiben.

Später dann wurden die Nicht-Christen in den Ethikunterricht strafversetzt. Den Bekennern war es einfach nicht mehr zuzumuten, Gott mit uns zu teilen. Und damit die Strafe auch spürbar war, fand dieser in den Nachmittagsstunden statt. Solch geballtes, unchristliches Gedankengut durfte auf keinen Fall während der regulären Schulzeit sein Unwesen treiben. Wohlgemerkt wir waren sieben von etwa hundert und wir haben nicht nur über Gott, sondern auch über die Welt geredet.

Von da ab wollte ich eigentlich nur noch das glauben, was ich für richtig hielt. Fortan war also mein Status „ohne Bekenntnis“, den ich bei Wechsel des Wohnortes und/oder anderen Formularen im betreffenden Feld eingetragen habe.

Irgendwann wurde ich vom Bearbeiter eines Antrages gefragt, was denn „o.B.“ sei? Ob das für „ohne Befund“ stehen würde? Tja, Religionszugehörigkeit als Krankheit. So hatte ich das noch nie gesehen.

Vielleicht war es aber auch gerade andersherum gemeint. Bei mir ist einfach nichts zu finden. Meine Seele ist ein ruheloser Geist. Um das festzustellen, versuche ich also immer wieder mal mit dem Glauben. Ich gehe in Kirchen, setze mich auf einen Platz und lasse die ganze Atmosphäre auf mich wirken. Ich lese, was andere in ihrem Glauben bestärkt. Letztes Jahr war ich sogar zu Ostern in Rom. Okay, das war Zufall und fast schon eine Qual, weil es vor Menschen nur so gewimmelt hat und ich eigentlich nicht so auf Massen stehe.

Und heute eben die Bibel. Nach meinem Ausflug in die Welt der Horoskope, Wahrsagerei und Naturlehren in den letzten Tagen, empfand ich das nur als gerecht. Jeder hat eine Chance verdient.

Tja, leider scheint die Zeit bei mir dafür immer noch nicht gekommen. Vielleicht ist sie auch schon vorbei. Oder wird nie sein. Ich und Gott, wir werden nicht wirklich warm miteinander. Aber ein Leben ohne Befund hört sich irgendwie nach etwas Unvollständigem an. Von daher suche ich einfach weiter. Die Welt hat schließlich so viel zu bieten.

Eure Kerstin

Glaubensbekenntnis

Seelenfunkeln hat vor ein paar Tagen meinen Post Lebenslinien kommentiert. Ein recht kurioser Zufall, bin ich doch da bereits mit der Idee zu einem Beitrag in Bezug auf Horoskope schwanger gegangen. Ob man das schon als Zeichen deuten kann?

Ich glaube ja nicht so recht an Wahrsagerei und dieses ganze Zeug. Dies hindert mich allerdings in keinster Weise daran, mein Horoskop zu lesen. Meist Vergesse es dann aber aus obigem Grunde auch gleich wieder. Außerdem ist meine interne Festplatte eh schon am Limit, so dass ich dafür wahrhaftig keinen Speicherplatz opfern möchte.

Obendrein bin ich ein Anhänger (hört, hört) der These der selbsterfüllenden Prophezeiung. Im übertragenen Sinne also ein Ödipuskomplex. Aus Angst vor dem Schicksal, versucht man dieses zu verhindern, unternimmt unzählige Irrfahrten – stopp, das war ja Odysseus – nur, damit es sich dann genau so zuträgt. Meine Schulzeit – insbesondere der Deutschunterricht – hat offensichtlich nachhaltig Spuren hinterlassen. Nun ja, vielleicht lässt sich das noch etwas anschaulicher darstellen.

Wir alle kennen aber das Phänomen: Mitmenschen, die steif und fest behaupten, bei Vollmond würden sie schlecht schlafen. Rein wissenschaftlich betrachtet, ist dies völliger Humbug und bar jeder Grundlage. Nun die Frage: Wenn diese Mondsüchtigen nicht wüssten, dass Vollmond ist, würden sie auch dann schlecht schlafen? Oder anders herum: Schlafen sie nur deswegen schlecht, weil sie Angst haben, schlecht zu schlafen? Allen Schlaflosen, zu denen ich mich, trotz Ungläubigkeit, auch zähle, rate ich, ein Schlaftagebuch zu führen. Daraus lassen sich dann schicke Excel-Tabellen basteln, mit denen man schlaflose Vollmondnächte mit schlaflosen Nicht-Vollmondnächten vergleichen kann. Unter Umständen erlebt da der eine oder andere ein echtes Wunder.

Nun ja, wie dem auch sei. Ich schweife mal wieder ab. Horoskope, da waren wir. Wie gesagt, vorausschauend kann ich diesen nicht viel abgewinnen. Ganz anders sieht dies im Rückblick aus. Wenn das Horoskop sozusagen schon fast abgelaufen ist und ich es dann lese. Dann lasse ich die Ereignisse ganz gern mal Revue passieren und lege Forecast und Actual (sehr schön, wie sich harte Geschäftstermini auf so etwas Diffuses wie astrologische Vorhersagen übertragen lassen) übereinander.

So geschehen letzte Woche.Horoskop

Und was soll ich sagen: Nahezu 100% Erfüllungsrate. Davon träumt so mancher Finanzer und/oder Prämienbevollmächtigter. Da spielt es dann auch schon fast eine untergeordnete Rolle, dass der Ausblick ja eher negativer Natur ist. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass ich wirklich und wahrhaftig so richtig schlechte Laune hatte. Die ganze, schier endlose Woche lang. So schlecht, dass ich grottenschlecht geschlafen haben. Trotz nicht vorhandenem Vollmond. Das soll mir erst mal jemand nachmachen.

Bisweilen bekenne ich mich also dann doch gläubig. Zumindest ansatzweise. Denn Teil zwei ist mir das Horoskop schuldig geblieben. Vor lauter Gemütsverstimmung war ich jedenfalls nicht in der Lage, eine Ablenkung zu finden. Lag aber vielleicht auch daran, dass ich es schlussendlich nicht verdient habe, denn wie gesagt, die Idee zu dem Post hatte ich bereits vor dem 14. März. Und meine Gedanken waren da schon recht fleißig auf Horoskope und deren Wahrheitsgehalt getrimmt. Da könnte ja dann jemand an höherer Stelle ganz bewusst gegengesteuert haben. Was im weitesten Sinne wieder für die selbsterfüllende Prophezeiung (Horoskope sind Mumpitz) sprechen würde. So von wegen: Auf die Ablenkung bin ich ja mal gespannt. Mal sehen, was noch so passiert. Und vor lauter Warten und Erwartung, passiert natürlich nichts. Vielleicht kam die Ablenkung sogar vorbei und hat Hallo gesagt und ich habe sie weitergeschickt, weil ich ja gewartet habe. So, wie der „Witz“ von dem Ertrinkenden, der zu Gott betet. Wieder so ein kurioser Zufall, dass ich dazu auf der Seite Jakobsweg-Begleiter fündig geworden bin. Die Gläubigen würden jetzt wieder von einem Zeichen sprechen.

Die Wahrheit liegt natürlich mal wieder ganz woanders. Manch einer ahnt es schon: Es kommt nicht nur auf die Hörner an, mit denen man sich dem Schicksal bockig in den Weg stellt, sondern vor allem auf das richtige Sternzeichen.

Eure Kerstin