Tatort des Monats Februar

Manchmal fallen Weihnachten und Ostern zusammen, dann ist Fasching…oder so was in der Art. Jedenfalls sind wir um Fasching herum immer bei Skifahren so ergab sich folgendHandschuhe alter Tathergang.

Tatort: Kleiderschrank

Tatbestand: Handschuhe

 

Tatortsäuberung: Beim Ausrüstungscheck musste ich feststellen, dass nach dreißig Jahren auch nur einmal pro Jahr genutzte Handschuhe beginnen sich aufzulösen. Ob das aufgrund meines rasanten Fahrstils der Fall ist, oder Materialermüdungserscheinungen in dem Alter einfach normal sind, ist zweitranging, denn der jugendliche Mitbewohner wusste Weihnachten schon, dass seine Mutter Fasching neue Handschuhe benötigt.

Handschuhe neu 

Und das ist doch wirklich wie Weihnachten und Ostern zusammen.

 

aufgetankt und losgelassen – die Freizeitfrage

Neben Büchern mein Nummer eins Luxusgut. Denn die Zeit, die wir haben, kommt nicht mehr zurück. Es gibt immer nur das Hier und Jetzt. Doppeltes Glück, da ich einen Partner an meiner Seite habe, der dahingehend genauso tickt.

Dass Erlebnisse auf der Glücksskala ganz weit oben stehen, ist sicherlich jedem klar. Und das absolut Fantastische an ihnen ist, dass es ist im Rückblick auch völlig egal ist, ob diese im Moment des Geschehens positiv oder sogar so richtig mies negativ sind. Irgendwann wird aus dem Campingtrip, bei dem das Zelt erst von Krabbeltieren befallen und dann unter Wasser stand, eine Geschichte, über die man lacht und die man gerne weitererzählt. Mehrmals im Laufe seines Lebens. Mit ein paar Schuhen, die ein absoluter Fehlkauf waren, passiert so etwas nicht.

Jedes Erleben bereichert und prägt, während der Besitz materieller Dinge die Freiheit raubt, uns einengt und sogar zu vermehrtem Stress führen kann. Nachzulesen bei James Wallmann „Stuffocation“. Darin schreibt er so treffend: „Erinnerungen leben länger als Träume.“ Ganz besonders gilt das bei Träumen nach materiellen Dingen. Und Robert Wringham („Ich bin raus“) ergänzt diese Aussage noch: „Der Mensch ist nicht die Summe der Dinge, die er besitzt.“

2017 hat Freizeit im Sinne von draußen sein für mich einen ungleich höheren Stellenwert als die Jahre zuvor, denn in meinem Rauhnächteorakel war und ist genau das meine Aufgabe für dieses Jahr – die Natur draußen genießen. Wer meine Reihe „Was von den Rauhnächten übrigbleibt“ mitverfolgt, der mag den Eindruck haben, dass ich immerzu wie wild von einem Gipfel zum anderen stürme. Es gibt aber auch die wirklichen Naherholungsoasen. Wie ein Spaziergang durch die Stadt. Oder mit einer Decke zur nächsten Wiese ziehen und die Hasen am Waldrand beobachten. Oder eine Matratze in den Garten legen und den Wolken einen Namen geben. Wobei der Garten, gilt für Terrasse und Balkon gleichermaßen, an sich ja schon die Auszeit garantiert.

Es sind also meist die kleinen Dinge, die glücklich machen. Das spontane Kaffeetrinken mit der Freundin genauso wie Spieleabend mit dem Nachwuchs, wenn ich mal wieder eine Glückssträhne habe und der Gegenspieler es nicht glauben kann. Herrlich, natürlich auch, wenn das Blatt sich gegen mich wendet. Wie heißt es doch so schön: Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Gerade, wenn die Gedanken an morgen und die Zukunft von Verunsicherung geprägt sind, ist es wichtig, sich auf den Moment zu besinnen. Die Seele baumeln lassen, runterkommen und ankommen. Das klappt gegenüber letztem Jahr schon viel besser und viel öfter. Auch wenn ich mir das auf die Fahne beziehungsweise den Rauhnächtewunschzettel schreiben musste, damit es regelmäßig an die Gedankenoberfläche gespült wird.

Insofern ist für mich jeder ausgegebene Cent bare Münze und es reut mich kein bisschen, dass die Kosten für meine freie Zeit, die mir gehört, seit Januar (inkl. Urlaub) um beinahe fünfzig Prozent gestiegen sind. Sie liegen damit in etwa auf einer Höhe mit den Lebenshaltungskosten an dritter Stelle meiner Ausgaben.

Schon mal von dem Buch/Film „Brewster’s Millions“ gehört? Darin muss der Held (das Buch stammt im Übrigen aus dem Jahre 1902!)) eine Millionen Dollar binnen eines Jahres ausgehen, um das ihm vermachte Vermögen zu erben. Und zwar so, dass er am Ende physisch nichts vorzuweisen hat. Na, klingelst? Yep, genau. Ich habe natürlich keine Millionen und das mit dem Erben habe ich gründlich vermasselt – anderes Thema. Aber, wenn mich das Leben genauso viel kostet wie das Erleben, dann würde ich sagen, alles richtig gemacht und der Jackpot gehört mir.

Was sich in dem einen Jahr noch so getan hat, darum geht es beim nächsten Mal. Also, dann action!

Eure Kerstin

P.S.: Noch ein Wort zu oben erwähnten Buch „Brewster’s Millions“: Interessanterweise wurden in den 1920ern in den USA wesentlich mehr Güter produziert als verkauft. Der Markt war gesättigt. Dies führte zu der Diskussion, weniger produzieren und dafür mehr Freizeit, oder den Verbrauch sprich Verkauf ankurbeln. Das Ergebnis kennen wir alle. Die Hand dafür ins Feuer legen, dass heute die Entscheidung eine andere wäre, würde ich allerdings nicht. 

Geschriebene Worte

In Mexiko wird den Verstorbenen mit einem farbenfrohen Fest am „Tag der Toten“ gedacht. Kerzen und Lichter vor den Türen sollen den Toten den Weg nach Hause weisen, wo ein extra Gedeck mit der Lieblingsspeise für sie mit auf dem Tisch steht. Im Gegensatz zu den eher besinnlichen Feiertagen rund um Allerheiligen im europäischen Raum, wird dort ausgelassen und fröhlich gefeiert. Denn in der Nacht zum 2. November kehren die Seelen der Verstorbenen zu den Lebenden zurück, um diese zu besuchen und mit Ihnen zu feiern.

Woher ich das weiß? Aus dem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ von Maike van den Boom. Auf den ersten Blick klingt das jetzt etwas paradox: Glück und Tod im selben Atemzug zu nennen. Beim zweiten Hinschauen allerdings vermag diese Tradition vielleicht beiden Seiten helfen. Den Lebenden, um nicht in Trübsinn zu verfallen und den Toten, um Gewissheit zu haben, dass es den Hinterbliebenden gut geht. Ganz ehrlich: Wäre ich eine umherwandernde Seele, wäre ich zutiefst unglücklich, wenn meine Hinterbliebenen meiner mit Trauermiene und stiller Andacht gedenken und könnte bis in alle Ewigkeit keine Ruhe finden. Erst recht wollte ich kein trostloses, farbloses, totes Gesteck auf meinem Grab. Nicht, dass ich überhaupt ein Grab wollen würde.

Hätte ich das damals gewusst, wer weiß, wie anders so mancher Weg verlaufen wäre. Damals, nachdem meine Mutter plötzlich nicht mehr in meinem Leben war, dafür aber den Großteil meines Lebens bestimmte. Stattdessen bin ich in Schwermut versunken und immer wieder an denselben Fragen verzweifelt. Daran konnten auch die sogenannten Erinnerungskärtchen nichts ändern. Diese sollen einen zum liebevollen Erinnern ermuntern. Da stehen dann Fragen wie „Was hast Du von … gelernt?“ und „Was sagte … oft zu Dir?“ oder „Was fand … schwierig?“. Ich konnte mit den Fragen irgendwie nicht so viel anfangen. Es sind ja auch nicht meine Fragen beziehungsweise die Fragen, auf die ich eine Antwort suche. Diese habe ich über all die Jahre hinweg in meinem Trauertagebuch verarbeitet.

Und noch immer erschüttern mich meine Gedanken und vor allem die Fragen. Nichts davon ist geklärt. Alles ist noch immer offen und unausgesprochen. Geschriebene Worte, die auf Antworten warten. Und mittendrin ein Brief von ihr. In ihrer unverkennbaren Art. „So wie Du Entscheidungen triffst, Dich ohne Scheu ins nächste Vorhaben stürzt, finde ich klasse. […] Ich denke zurück; ich war nicht so selbstbewusst und gefestigt. Ich brauchte vielmehr Mut, musste viel mehr an mir arbeiten, um mein „Ich“ zu behaupten. Ich bin ehrlich, ich beneide Dich darum, ich finde es herrlich und gut, dass Du das alles so gut im Griff hast, auch wenn Du manchmal daran zweifelst. […] Also mach Dir keine Sorgen um meine Sorgen. Ich weiß, Du schaffst es, auch wenn es im Augenblick nicht so läuft, wie Du Dir das wünscht.“

Tischplatz

Geschriebene Worte, die Antworten auf alle Fragen sind.

 

Eure Kerstin

Kindheit und Menschsein

Das Kind in uns geht zum Glück nie so ganz verloren. Und man kann nie wissen, wann einem dieses Kind begegnet. Plötzlich ist es da und wir werden mit Lichtgeschwindigkeit an Dinge erinnert, die wir vielleicht schon gar nicht mehr so genau in Erinnerung hatten.

Bei einer meiner Anfälle von Jetzt-wird-aber-aufgeräumt bin ich mal wieder über meine alten Tagebücher gestolpert, die bereits seit Jahren und Jahrzehnten mit mir umziehen. In meiner Kindheit und auch Jugend, ja sogar bis vor ein paar Jahren war ich leidenschaftliche Autorin von Tagebüchern. Nicht immer durchgängig, aber immer mal wieder und für lange Phasen – vor allem natürlich, wenn ich mich neu verliebt oder unglücklich getrennt habe. Herrje, wusste gar nicht, wie leidensfähig ich war und was für schräge Nummern ich angestellt habe.

TagebücherWozu ich die aufhebe, kann ich eigentlich gar nicht so richtig sagen. Wahrscheinlich aus reiner Sentimentalität. Literarisch jedenfalls sind die absolut unbrauchbar. Peinlich berührt wäre ich sicherlich auch nur noch wegen der kindlichen Sorgen und Gedanken, die sich dem Leser bieten und nicht auf Grund des „tiefen“ Einblicks in mein Seelen- und Gefühlsleben, sollten die Tagebücher jemandem in die Hände fallen. Und wenn ich so ein bisschen darin blättere, dann denke selbst ich, dass dies ein völlig anderer Mensch geschrieben haben muss, so fremd kommen mir meine eigenen Gedanken vor.

Trotzdem sollten sie nicht unbedingt in meine Erbmasse einfließen, wenn ich denn irgendwann mal das Zeitliche segne. Was also tun? In die Papiertonne schmeißen käme mir dann doch zu schäbig vor. Im Garten vergraben kommt sicherlich auch nicht in Frage. Ist wahrscheinlich sogar verboten. Tja, also bleibt nur ein schöner Scheiterhaufen. Gesagt. Getan. Kamin an und rein damit. Schön kuschelig warm war es.

TagebücherUnd da ich neben meinem erwachsenen Ich auch das Kind neben mir hatte, blieb ein Exemplar verschont. Das erste seiner Art, welches ich im Sommer 1979 geschrieben habe. Damals war ich während der Sommerferien bei einer Freundin im Ausland zu Besuch. Da stehen so schöne Sätze drin wie:

Der Flug dauerte unendlos lang.“ – da weiß man ja gleich, wo das Sprichwort ‚Die Zeit verging wie im Fluge’ herkommt.

Vom See ab ging ein Fluss, der hatte zwei Stufen hintereinander. Dann ging es normal weiter.“ – was heißt hier normal? Gibt es einen Treppenfluss? Und was ist bitte ein normaler Fluss?

Heute Nachmittag sind wir wieder zum Strand gefahren. Und jedesmal ist es das gleiche, immer kommt die Flut rein.“ – na, raus würde ja auch keinen Sinn machen. Kleiner Tipp fürs nächste Mal: Andere Uhrzeit anpeilen.

„…wir hatten eine mühsame Fahrt durch die Berge, bei der ich eingeschlafen bin.“ – gut, dass ich damals noch nicht fahren konnte, würde ich sagen.

„.. sind wir zu einer Lachszüchterei gefahren […[ wenn sie an der Stillen Stelle angelangt sind, liachen sie und dann sterben sie. Danach sind wir zu Mc Donald’s gefahren.“ – Kinder sind so herrlich direkt. Mahlzeit! Was ein Stille Stelle ist habe ich allerdings immer noch nicht begriffen. Gut, wer nicht weiß, wie man laichen schreibt bzw. was das ist, hat den anderen Teil unter Umständen auch nicht verstanden. Alle anderen Schreibfehler sind im Übrigen den Originalabschriften geschuldet.

„…haben wir leider keine Seehunde gesehen. Nämlich manchmal sieht man an einer bestimmten Stelle die Seehunde.“ – eine äußerst kluge Feststellung, wenn ich das mal so betonen darf. Liegt eventuell daran, dass wir nicht an der Stillen Stelle waren, sondern an einer bestimmten.

Am Schluss haben wir mit ungebrauchten Eisstielen, Ton, Wasserfarben und Kartoffeldruck Sachen gemacht.“ – ich hoffe mal ganz stark, ich habe dieses Erlebnis lediglich deswegen vergessen/verdrängt, weil die Sachen so grottenhässlich waren und nicht aus anderen Gründen, die vielleicht etwas mit Stillen Stellen zu tun haben.

Die Fähigkeit, das Kind in uns zu bewahren, macht uns aus. Menschsein ist einfach schön.

Eure Kerstin

Die Kunst des Gebens

Karte Nr. 20: „’ Auf Dauer befriedigender ist es jedoch, nicht nur von Herzen, sondern auch mit Hirn zu spenden’, Stefan Klein. Geben Sie etwas ab: Überlassen Sie Ihr Rad nicht einer Online-Auktion, sondern einem Asylbewerberheim. Oder verschenken Sie Ihre Zeit, etwa, um anderen zu helfen.“

Ja, ich muss zugeben, es ist nobler die Dinge, die wir nicht mehr brauchen, zu spenden. Man hilft anderen, man hilft, Rohstoffe zu sparen, Und ja, ich glaube, die meisten von uns besitzen mehr als sie wirklich brauchen. Seit über einem Jahr nun versuche ich meinen Haushalt zu minimieren und mich von Sachen zu trennen, die ich doppelt/dreifach habe und/oder aus irgendwelchen Gründen horte. Das fühlt sich gut an. Also das Trennen und Loslassen. Jedes mal, wenn ich etwas aussortiere, fühle ich mich ein bisschen besser – etwas leichter. Doch wenn ich so den ganzen Hausstand um mich herum betrachte, bin ich nach wie vor der Ansicht, dass ich locker noch 80% weggeben könnte und es würde trotzdem nicht zu irgendwelchen schwerwiegenden Einschränkungen führen. Vor Jahren passte mein Hab und Gut in zwei Koffer. Ist das zu glauben? Okay, das waren nur Kleider, Bücher und diverser Kleinkram. Aber nichts desto trotz. Heute bräuchte ich locker zwei von diesen Schrankkoffern allein für meine Kleider. Sind es am Ende all die Dinge, die ich mein Eigen nenne, der Grund, warum ich oft nicht so zufrieden und glücklich bin wie ich es sein sollte?

Ich habe mir mal die Freiheit genommen und den Urheber der Aufgabe nachzuschlagen – Stefan Klein. Er ist ein recht bekannter Autor wissenschaftlicher Bücher. Unter anderem: „Der Sinn des Gebens. Warum Selbstlosigkeit in der Evolution siegt und uns Egoismus nicht weiter bringt“, in dem er darstellt, dass uns Selbstlosigkeit glücklicher und erfolgreicher macht. Sehr schön, dann scheine ich auf dem richtigen Weg zu sein, aber eben immer noch am Anfang.

Also habe ich meinem Keller einen Besuch abgestattet. Ja genau, der Raum, in dem alles gelagert wird, was man eines Tages eventuell brauchen könnte, irgendwo in der fernen Zukunft, die doch niemals zu kommen scheint. Ich beispielsweise hebe Kleider – eigene, die nicht mehr getragen werden und abgelegte Kindersachen, die ich aussortiert habe – auf. Daneben Bücher, welche ich nicht besonders mochte und nicht mehr benötigte Spielsachen. Nicht so sehr aus sentimentalen Gründen, für solche Dinge habe ich ein extra Abteil. Eher deshalb, weil das meiste irgendwann mehr oder weniger viel Geld gekostet hat und zum Wegwerfen zu schade ist. Daher schleppe ich es jedes Mal auf irgendwelche Flohmärkte und komme dann immer noch mit Massen wie es scheint wieder zurück. Wozu also aufheben, wenn ich anderen damit helfen kann? Bin mir nicht sicher, ob ich „glücklicherweise“ sagen sollte, aber seit geraumer Zeit kommen mehr und mehr Flüchtlinge in unserer Gemeinde an. Jeden Tag hört und liest man erschütternde Bericht. Und ich fühle mich richtiggehend hilflos. Wegen des ungerechten Schicksals, wegen der Greueltaten, zu der Menschen fähig sind.

Einen ganzen Tag habe ich dem Keller gewidmet und mich durch sämtliche Kisten gewühlt. Kleider, Schuhe, Sportsachen/-ausrüstung. Schulsachen, Bettwäsche, Handtücher, Bücher. Gut, keine Bücher, da ich immer noch von einen kleinen Buchcafé träume, in dem Leute sitzen, reden und lesen können. Am Ende waren es acht Umzugskisten. Große Umzugskisten. Und damit ich es mir nicht anders überlege, wurden diese direkt in die Garage vor mein Auto gestellt, dabei Gefahr laufend, einen Anruf der Hausverwaltung von wegen Sachen in der Tiefgarage lagern usw. zu erhalten. Aber ich dachte: Ist ja nur für einen Tag oder zwei bis ich weiß, wo ich die Sachen hinbringen kann. So weit der Plan. Noch am Abend schrieb ich ein Mail an die lokale Asylbehörde, nur um eine Antwort zu erhalten, dass man selbst nichts annehme. Dafür waren jede Menge Web-Adressen aufgeführt, an die ich mich wenden könne. Also gehe ich auf die Website der örtlichen Kleiderkammer. Nur um dort zu lesen, dass man derzeit nur Männerkleider für den Winter annehmen würde. Tja, das mag daran liegen, dass Männer von Haus aus nicht so viele Klamotten besitzen oder aber mehr an ihnen hängen. Wie auch immer, es schien, als ob ich kein einziges Teil loswerden würde. Kein Mann, keine Spende. Ein ähnliches Erlebnis hatte ich schon mal, als ich an die zwanzig Stofftiere in der Wertstoffbörse abgeben wollte, dort aber zurück gewiesen wurde, weil man nur Markenstofftiere – sprich Knopf im Ohr – nehmen würde. Mir war nicht klar, dass Bedürftige so wählerisch sind.

Einen kleinen Erfolg hatte ich mit zwei Brillen, die ich im Brillengeschäft abgeben konnte. Allerdings kann ich nur hoffen, dass diese auch wirklich dort ankommen, wo sie gebraucht werden. Sicherlich auch ein Grund, warum ich die aussortieren Sachen nicht einfach in einen der öffentlichen Container werfen wollte. Was weiß ich, was aus denen wird. Wird es verkauft, irgendwohin versandt und dort damit Profit gemacht, geschreddert, um Lappen daraus zu fertigen? Ich wollte doch vor Ort helfen, nicht noch mehr Abfall produzieren und irgendwelche windigen Firmen mit dubiosen Firmenpraktiken unterstützen. Also musste ein neuer Plan her.

Daher habe ich meine Zeit gespendet. Besser gesagt, werde ich meine Zeit meinen gerade gegründeten Buchclub – Die Buchgesellschaft – widmen. Ein kleiner Schritt in Richtung Buchcafé und wir haben sogar schon einen Blog gestartet: www.diebuchgesellschaft.wordpress.com. Am Rande unseres ersten Treffens kam auch das Thema „übervoller Kleiderschrank und Überfluss im Allgemeinen“ zur Sprache. Dass man eben nicht vier schwarze Hosen braucht und zig verschiedene, bunte Oberteile. Uni und schlicht lassen sich immer kombinieren und mit Accessoires aufpeppen. Mein Vorsatz, in 2015 nur Kleidungsstücke zu kaufen, die ich wirklich brauche, weil kaputt oder so, war geboren. Danke, liebe I., nochmals für das inspirierende Gespräch.

Und da musste ich wieder an die unseligen Kisten in der Garage denken. Also unternahm ich einen letzten Versuch und habe trotz Hinweis, dass nur Männerkleider angenommen werden, einfach gefragt. Und siehe da, die Damen in der Kleiderkammer haben sich so gefreut, dass ich am liebsten mich gleich erkundigt hätte, ob sie noch jemanden zum Helfen brauchen. Gut, das hebe ich mir dann doch noch für später auf. Tja, und nun fühle ich mich noch ein gutes Stück leichter. So einfach ist das, mit der Kunst des Gebens.

Damit wären nun noch zehn Karten übrig. Ich werden den Rest nach Kategorien „abarbeiten“. Komfort, Power und schließlich Sinn. Hier Karte Nr. 21.: „Sie sehen das Postive: Machen Sie einem Menschen ein Kompliment oder loben Sie jemanden, der es verdient hat. Sie werden erkennen, es tut Ihnen beiden gut.“ Puh, eine schwierige Aufgabe in einer Welt, in der Erfolg fast ausschließlich in Zahlen gemessen wird. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin

Tatort des Monats Juli

Die WM ist vorbei. Auf zu neuen Ufern. Und weg mit den WM-Fanartikeln und Werbematerialien.2014_07

Tatort: Wohnung

Tatbestand: WM-Spielplan (hier nur ein Ausschnitt). Werbeartikel, bei dem man Fußballtrikots der einzelnen Länder immer ja nach Weiterkommen neu stecken kann. Bis zum Finale.

Tatortsäuberung: Nachdem es wohl wieder 24 Jahren dauern wird, bis Deutschland wieder die WM gewinnt, sollte ich es eigentlich aufheben. Wer weiß, ob ich dann noch in der Lage bin, einer spannenden Partie zu folgen. Aber nachdem ich nun nicht zu den großen Fußballfans dieser Welt gehöre, ab zum Altpapier. Adios, Brazil! Schön war’s!

Mein „Liebster“ Award

blog-award

Dass mir sowas mal passieren würde, damit habe ich so gar nicht gerechnet. Dementsprechend sprachlos war/bin ich auch, was diese Nominierung, die ich Claudia zu verdanken habe, angeht. Vielen Dank nochmals! Hat mich auch gleich dazu gebracht, eine neue Kategorie für meinen Blog zu erstellen, in der ich die „Katastrophen“ des Alltags veröffentlichen kann.

Die Regeln für diesen Award lauten:

  1. Verlinkt die Person, die Euch nominiert hat.
  2. Beantwortet die 11 Fragen, die die Person Euch gestellt hat.
  3. Sucht Euch 11 Blogger, die unter 200 Follower haben und nominiert sie.
  4. Überlegt Euch selbst 11 Fragen für Eure 11 Nominierten.

ooo

Was ist Dein Lebensmotto?

Von Natur aus bin ich wohl so was wie eine Kämpfernatur. Von wegen, nicht aufgeben und so. Mag ein Produkt meiner Erziehung gepaart mit damals noch recht klaren gesellschaftlichen Normen sein. Neuerdings zweifele ich bisweilen an diesem Motto. An meinem Kühlschrank hängt eine Postkarte, auf der steht: „Jeder Tag ist ein neuer Anfang.“ Ich denke, das ist ein durchweg positiver Ansatz. Klingt vielleicht nach „Täglich grüßt das Murmeltier“, ist es auch ein bisschen, aber so hat man auch jeden Tag die Chance auf einen Neuanfang. So zumindestens die Theorie.

Was wünscht Du Dir persönlich für 2014?

Ich glaube, etwas mehr Gelassenheit würde mir gut tun. Zur Ruhe kommen. Ankommen. Mehr das Hier und Jetzt genießen.

Welche lebende Person inspiriert Dich?

Nach einigem Nachdenken muss ich sagen: Ganz klar, mein Sohn, der mich immer wieder fordert, an meine Grenzen bringt und mich zwingt, meine Worte und Handlungen zu überdenken und in Frage zu stellen. Schließlich ist die Welt kein starres Gebilde, sondern bietet immer neue Inspiration für alle, die offen sind.

Welche Themen inspirieren Dich?

Ach, da bin ich gar nicht so wählerisch. Bei einem Einstellungstest mussten die Bewerber zur Auflockerung einen Aufsatz/Text mit dem Stichwort „Auto“ schreiben. Ich habe einfach drauf los geschrieben, was mir so in den Sinn kam, denn von Autos verstehe ich nicht wirklich etwas. Zwei Seiten in fünf Minuten. Der Prüfer hat sich köstlich amüsiert, habe ich gehört. Also, was ich sagen will: Solange mich irgendwas an etwas Erlebtes oder so erinnert, ist die Inspiration nicht weit.

Was machst Du, wenn Dir nichts einfallen will? Oder gibt es das gar nicht?

Na ja, eventuell bin ich noch nicht lange genug dabei, aber bis dato habe ich immer etwas gefunden, das mich animiert hat. Ich lese gern „fremd“ – also bei anderen Bloggern. Gut finde ich auch immer die Prompts/Challenges im „Daily Post“. Da werden oft Schreibübungen vorgeschlagen, die ich dann gern etwas abwandele und eine Geschichte daraus mache.

Warum bloggt Du?

Also angefangen hat es ja mit einer Fern-Freundschaft, wenn es so was gibt, die so ein bisschen ins Stocken geraten ist. Und dann habe ich diese „Glückskarten“ in einer Zeitschrift gefunden und dachte, das wäre ein lustiges Experiment, um der Freundschaft wieder mehr Energie zu verleihen. Tja, und bei einer der Karten war die Aufgabe: Lerne etwas Neues. Und was soll ich sagen: Hier bin ich. Wer es noch genauer wissen will, kann hier die ganze Geschichte nachlesen.

Was liebst Du am meisten daran?

Inzwischen ist der Blog so was wie eine Auszeit für mich. Und es macht tierischen Spaß zu sehen, wie sich die Geschichten während des Schreibens entwickeln. Meist habe ich eine grobe Vorstellung und nach und nach wird der Text dann zu einer Geschichte. Ich muss zugeben, das hätte ich am Anfang nicht vermutet. Leider fehlt mir im Moment etwas die Muße, um meiner neuen Liebe mehr Zeit zu widmen, aber vielleicht packe ich das noch in die persönlichen Wünsche für 2014 mit rein.

Was findest Du eher herausfordernd?

Wie man auch an diesem Beitrag ganz gut sehen kann: Mich kurz fassen. Sobald ich mal mein Gehirn auf „Senden“ gestellt habe, komme ich gern vom Hundersten zum Tausendsten. Immer wieder fallen mir neue Anekdoten und Wendungen ein. Für ambitioniere Schriftsteller von Wälzern mag das ein Vorteil sein, für einen Blog empfinde ich es bisweilen grenzwertig, da man dann dazu neigt abzuschweifen. Geht vielleicht aber auch nur mir so, da ich bekennender Papierleser bin und beim Bildschirmlesen schnell anfange, den Text zu überfliegen.

Ist das Dein erster Blog oder hast Du schon Erfahrung?

Alltagseinsichten ist mein erster Blog. Wird wohl auf lange Sicht auch mein einziger bleiben. Meiner oben beschriebenen Freundschaft zuliebe habe ich noch einen auf Englisch, in dem ich das Kartenexperiment nahezu analog aufarbeite. Danach werde ich diesen aber wohl nicht weiter führen. Mal sehen. Wen es interessiert, ist herzlich eingeladen, sich auf TheOtherSoulmate umzusehen.

Was ist das Lustigste, was Du beim Bloggen erlebt hast?

Diese Nominierung ist sicherlich das unerwartet Lustigstes, wobei lustig natürlich nicht so ganz passt. Ich bin auch nach einer guten Woche noch immer total geplättet. Besonders lustig finden würde ich es, wenn ich durch Zufall auf den Blog von jemandem stoßen würde, den ich kenne.

Beschreibe Dich in drei Worten?

Tolerant, nett, introvertiert. (kurz und knapp)

 ooo

Ich für meinen Teil nominiere für den Blog-Award (Mir ist klar, es sind nur 10, aber viele der Blogs, bei denen ich so lese, wurden erst vor kurzem nominiert bzw. haben über 200 Leser oder sind englische Blogs und fallen damit aus der Wertung):

Frau Koriander

Sandra schreibt

Follow the white blaze

Marblemoon

Let’s create our life

Frauenlieben

Die schlimme Helena

Gedankensplitter

Lena von Lessing

Auf der Suche nach sich selbst

ooo

Die Teilnahme ist natürlich freiwillig. Und hier meine Fragen:

  1. Worum geht es in Deinem Blog?
  2. Was war Dein Highlight in 2013?
  3. Gibt es (noch) einen Traum, den Du Dir unbedingt erfüllen möchtest? Welchen?
  4. Gibt es etwas, das Du beim Bloggen gelernt hast? Was?
  5. Läßt Du jemanden Deine Texte vor Veröffentlichung lesen? Wen? Warum?
  6. Hast Du Freunde/Familie, die auch bloggen?
  7. Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
  8. Bist Du aufgeregt, wenn Du einen Artikel veröffentlichst?
  9. Was wünscht Du Dir für Deinen Blog?
  10. Was magst Du an anderen Blogs?
  11. Gibt es etwas, das Dir an Deinem Blog nicht so gefällt? Was?

So, war gar nicht so einfach. Hat Spaß gemacht. Wünsche allen Lesern und Nominierten ebensolchen.

Eure Kerstin