quergelegt und abgerechnet – die Verzichtsfrage 2.0

„In today’s materialistic culture, many people believe material things can solve emotional problems. But […] retail therapy does not work. Instead, it is more likely to make your problems worse […] In today’s culture, material goods have become substitutes for deep and genuinely meaningful human desires and questions. […] Instead of trying to understand who we really are, […] instead of giving up on material goods, we just keep buying more.” (James Wallman, “Stuffocation”)

Wenn man so wie ich irgendwo in der Mitte des Lebens steht, dann ist es ganz normal, sich mit dem bis dahin geführten Leben auseinander zu setzen. Früher oder später taucht dann die Frage auf: Das kann doch einfach nicht alles gewesen sein, oder? Mid-Life Crisis, Wechseljahre, Burn Out, nennt es wir Ihr wollt, davon wird es jedenfalls nicht besser, kann ich aus Erfahrung sagen. Nun, in Bezug auf die Gesellschaft lässt sich diese Frage eins zu eins übernehmen: Unsere Konsumwirtschaft kann doch einfach noch nicht alles gewesen sein, wozu die Menschen in der Lage sind, oder? Dazu die ganze Evolution? Das soll der Höhepunkt der menschlichen Entwicklung sein?

Es lohnt durchaus, einmal oder auch mehrmals, sich diese Frage zu stellen. Die Antworten werden auch nicht immer die gleichen sein. Und genauso ist es mit dem nachhaltigen Leben. Es gibt kein ultimatives Modell, da sich die Lebensumstände immer wieder ändern und es bringt nichts, wenn man sich einen Weg auferlegt, der einen unglücklich macht. Das musste selbst Thoreau feststellen, der in der Einsamkeit der Natur sein Heil gesucht hat, dann aber innerlich einsam war.

Manchmal muss man auch mehrere Wege ausprobieren. In seinem Buch „Stuffocation“ beschreibt James Wallman verschiedene Modelle. Vom mittelmäßig entschleunigten, zum einfacheren bis hin zum erlebnisreichen Lebensmodell. Oder auch Robert Wringham, der in seinem Ratgeber „Ich bin raus“ sich seiner Fesseln von Arbeit, Konsum und Verzweiflung entledigt und ein freies Leben führt. „Nichts, was man kaufen kann, hilft uns dabei, ein besserer oder ein freierer Mensch zu werden“, schreibt er.

Dafür ist es eben zum einen wichtig, Bilanz zu ziehen und zum anderen dann auch die Freiheit, die man anstrebt zu definieren. Schließlich sollte man ungefähr wissen, wohin die Reise geht, damit man in die richtige Richtung startet.

Und noch ein ganz wichtiger Punkt: Nur ein Gefangener hat die Möglichkeit, sich zu befreien. Wer also den Ausstieg aus dem Konsum, der Tretmühle oder anderen einengenden Lebenssituationen plant, kann dies nur von innen heraus tun. In dem Zusammenhang empfehle ich die Lektüre „Ich bin raus“ von Robert Wringham und „Stuffocation“ (leider nur auf Englisch) von James Wallman. Beide Bücher haben mich mit ihren Thesen und Ansichten wahrhaft ge- und entfesselt und jede Menge Stoff für das Projekt Verzicht 2.0 und noch viele andere Gedanken geliefert.

Was bleibt, ist die Frage: Weniger Ballast? Und die Antwort: Auf alle Fälle! Vor allem gedanklich bin ich freier. Und wenn man erst mal soweit ist, dann ist man der Konsumfalle – work-hard, play-hard, spend-a-lot – schon mal entkommen und hat die Kraft, auch alles andere voran zu bringen.

Koffer

Hin und wieder werde ich zukünftig auf meinem Blog hier weiter zum Thema Verzicht und Nachhaltigkeit berichten, es gibt ja auch immer noch den Tatort, aber ob ich in 2018 nochmals das Projekt in der Form aufgreife, kann ich derzeit noch nicht sagen.

Jetzt heißt es erst mal, Verzicht auf action!

Eure Kerstin

P.S.: Sogar mein Horoskop passt da perfekt. Na, dann ein schönes Wochenende und einen guten Start in die zweite Jahreshälfte.

Horoskop

 

Geschriebene Worte

In Mexiko wird den Verstorbenen mit einem farbenfrohen Fest am „Tag der Toten“ gedacht. Kerzen und Lichter vor den Türen sollen den Toten den Weg nach Hause weisen, wo ein extra Gedeck mit der Lieblingsspeise für sie mit auf dem Tisch steht. Im Gegensatz zu den eher besinnlichen Feiertagen rund um Allerheiligen im europäischen Raum, wird dort ausgelassen und fröhlich gefeiert. Denn in der Nacht zum 2. November kehren die Seelen der Verstorbenen zu den Lebenden zurück, um diese zu besuchen und mit Ihnen zu feiern.

Woher ich das weiß? Aus dem Buch „Wo geht’s denn hier zum Glück?“ von Maike van den Boom. Auf den ersten Blick klingt das jetzt etwas paradox: Glück und Tod im selben Atemzug zu nennen. Beim zweiten Hinschauen allerdings vermag diese Tradition vielleicht beiden Seiten helfen. Den Lebenden, um nicht in Trübsinn zu verfallen und den Toten, um Gewissheit zu haben, dass es den Hinterbliebenden gut geht. Ganz ehrlich: Wäre ich eine umherwandernde Seele, wäre ich zutiefst unglücklich, wenn meine Hinterbliebenen meiner mit Trauermiene und stiller Andacht gedenken und könnte bis in alle Ewigkeit keine Ruhe finden. Erst recht wollte ich kein trostloses, farbloses, totes Gesteck auf meinem Grab. Nicht, dass ich überhaupt ein Grab wollen würde.

Hätte ich das damals gewusst, wer weiß, wie anders so mancher Weg verlaufen wäre. Damals, nachdem meine Mutter plötzlich nicht mehr in meinem Leben war, dafür aber den Großteil meines Lebens bestimmte. Stattdessen bin ich in Schwermut versunken und immer wieder an denselben Fragen verzweifelt. Daran konnten auch die sogenannten Erinnerungskärtchen nichts ändern. Diese sollen einen zum liebevollen Erinnern ermuntern. Da stehen dann Fragen wie „Was hast Du von … gelernt?“ und „Was sagte … oft zu Dir?“ oder „Was fand … schwierig?“. Ich konnte mit den Fragen irgendwie nicht so viel anfangen. Es sind ja auch nicht meine Fragen beziehungsweise die Fragen, auf die ich eine Antwort suche. Diese habe ich über all die Jahre hinweg in meinem Trauertagebuch verarbeitet.

Und noch immer erschüttern mich meine Gedanken und vor allem die Fragen. Nichts davon ist geklärt. Alles ist noch immer offen und unausgesprochen. Geschriebene Worte, die auf Antworten warten. Und mittendrin ein Brief von ihr. In ihrer unverkennbaren Art. „So wie Du Entscheidungen triffst, Dich ohne Scheu ins nächste Vorhaben stürzt, finde ich klasse. […] Ich denke zurück; ich war nicht so selbstbewusst und gefestigt. Ich brauchte vielmehr Mut, musste viel mehr an mir arbeiten, um mein „Ich“ zu behaupten. Ich bin ehrlich, ich beneide Dich darum, ich finde es herrlich und gut, dass Du das alles so gut im Griff hast, auch wenn Du manchmal daran zweifelst. […] Also mach Dir keine Sorgen um meine Sorgen. Ich weiß, Du schaffst es, auch wenn es im Augenblick nicht so läuft, wie Du Dir das wünscht.“

Tischplatz

Geschriebene Worte, die Antworten auf alle Fragen sind.

 

Eure Kerstin

Liebster Blog Award 3.0

Vielen Dank an Claudi von „Nur der erste Schritt macht Schwierigkeiten“ für die Nominierung. Perfektes Motto, perfektes Timing, da ich nach der Sommerpause auf meinen Blog genau so einen Tritt gebraucht habe, um wieder in Gang zu kommen.

blog-award

Was ist der “Liebster Award”? Der “Liebster Award” wurde ins Leben gerufen, um kleine Blogs mit bis zu 400 Followern etwas bekannter zu machen. Der Leser hat mithilfe eines Interviews die Möglichkeit, ein wenig mehr über den Autor des nominierten Blogs zu erfahren. Dies ist für Neulinge im Blogger-Universum eine nette Idee der Vernetzung. Für „alte Hasen“ im Übrigen auch.
Und hier die Antworten zu Claudi’s Fragen:

  1. Wann und warum hast du mit dem Bloggen angefangen?   – 2013 ging mein erster Beitrag online. Tja, und „Schuld“ war ein Mann und das ist eine lange Geschichte. Wie das eben in Beziehungen so ist und der Geist oftmals der Schwächere von Beiden, weil er gern alles Mögliche glaubt. Kurzform wie folgt: Es war einmal Brieffreund, den ich mit einem Glücks-Schreib-Projekt (beide schreiben einen Brief über das gleiche Thema) etwas aus seiner Reserve zu locken wollte. Eine der ersten Aufgaben lautete: Lerne etwas Neues. Tja, und so kam ich zum Bloggen. Wer noch die ganze Hintergrundgeschichte lesen will, kann das unter Theorie des Urknalls und Talentcasting gerne tun. Leider war der männliche Geist eine Fata Morgana und wurde letztendlich in die Wüste geschickt.
  2. Ist es dir wichtig, dass andere deinen Blog lesen oder schreibst du mehr für Dich?           – Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nur für mich schreibe.  Dann könnte ich ja einfach ein Tagebuch führen. Neben dem Gelesen-Werden finde ich aber die Kommentare – egal, ob positiv oder negativ – am wertvollsten, denn dadurch kommt man als Leser und Schreiber oft so schön ins Gespräch.
  3. Planst du deine Artikel für deinen Blog schon auf Wochen voraus oder schreibst du die Artikel spontan?          – Eigentlich eher spontan. Oder vielmehr kommt die Idee spontan und dann wälze ich diese in Gedanken hin und her und dann kommt irgendwann der zündende Funke. Danach geht es meist ziemlich schnell zu Papier und online. Ausnahme war mein Nachhaltigkeitsprojekt. Da habe ich nebenher noch Recherche betrieben und im Voraus gearbeitet.
  4. E-Book oder Papier-Buch?    – Ganz klar Papier. Ich liebe das Gefühl der Seiten, das unterschiedliche Aussehen und die Geräusche, die Bücher machen und man kann sagen: Schade, jetzt ist es bald zu Ende, wenn nur noch wenige Seiten vor einem liegen oder aber: Puh, zum Glück ist es bald zu Ende. Und man sieht seine Schätze dann im Regal und erinnert sich jedes Mal an die schöne Geschichte.
  5. Chips oder Schokolade?        – Schokolade. Und am liebsten ganz ordinäre Vollmilch. Ohne viel Gedöns und Schnickschnack.
  6. Welcher Song/Gedicht würde dich am besten beschreiben?             – Ok, jetzt wird es kitschig: „Looking for Space“ von John Denver.
  7. Was bedeutet wahre Freundschaft für dich?             – Bedingungsloses Vertrauen. Alles andere ist die Sahne.
  8. Für wen oder was hättest du gerne mehr Zeit?         – Klingt vielleicht egoistisch, aber im Grunde hätte ich gern mehr Zeit für mich. Dann wäre das „Was“ (siehe Frage 10) auch gleich mit eingeschlossen. Zu Beidem fehlt mir leider derzeit das Alter (Rente) und/oder der Lottogewinn. Also suche ich so oft als möglich nach kleinen Fluchten vom Alltag. Das hilft.
  9. Was sind 3 deiner besten und 3 deiner schlechtesten Eigenschaften?           – Nicht-Nein-Sager, perfektionistisch, introvertiert. Das gilt sowohl als auch.
  10. Wohin willst du unbedingt mal reisen?         – Manche meiner Leser werden es wahrscheinlich schon ahnen. Richtig. Es wird eine Wanderung. Und zwar, und das ist wahrhaft die einzige Reise, die ich unbedingt in meinem Leben noch machen will, möchte ich gern den Appalachian Trail laufen.
  11. Was ist eines deiner Lieblingszitate?            – „Jeder Tag ist ein neuer Anfang“ (unbekannt). Hängt schon seit Jahren an meinem Kühlschrank. Ein perfekter Platz, um es sich immer wieder vor Augen zu halten, dass man jeden Tag eine neue Chance bekommt.

Damit bin ich an der Reihe. Hier die Nominierungen:

Und hier meine Fragen:

  1. Was wünscht Du Dir für Deinen Blog?
  2. Was machst Du, wenn Dir nichts einfallen will?
  3. Gibt es etwas, dass Du durch Deinen Blog / beim Bloggen gelernt hast?
  4. Inspiriert Dich eher ein Bild/Foto zu einem Beitrag oder hast Du zuerst den Text und suchst dann nach einem passenden Motiv?
  5. Für wen oder was hättest Du gern mehr Zeit?
  6. Was möchtest Du in Deinem Leben auf alle Fälle noch tun?
  7. Wie hast Du den Sommer verbracht?
  8. Was liest Du zur Zeit bzw. was liest Du am liebsten?
  9. Was hast Du in letzter Zeit zum allerersten Mal getan?
  10. Welche lebende Person inspiriert Dich?
  11. Lebensmotto?

Wie lauten die Regeln? Danke der Person, die Dich für den “Liebster Award” nominiert hat und verlinke die Adresse dieses Bloggers in Deinem Beitrag. Beantworte die 11 Fragen, die Dir der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt. Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den “Liebster Award”. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen. Schreibe diese Regeln in Deinen “Liebster Award”-Beitrag. Informiere Deine nominierten Blogger über diesen Beitrag, z.B. über einen Kommentar.

Viel Spaß und Danke fürs Mitmachen, Kerstin

 

 

Liebster Blog Award (reloaded)

blog-awardVielen Dank an Seelenfunkeln für die Nominierung. Ist nach exakt zwei Jahren die zweite. Musste natürlich gleich nachschauen, was damals so gefragt wurde und wie meine Antworten so waren.

Lustigerweise wurde die Regel in Bezug auf die Follower verdoppelt. Aber sich dazu Gedanken zu machen, würde hier eindeutig den Rahmen sprengen und ich sitze schon eine ganze Weile hier mit meinen Gedanken zu den Fragen, die ich beantworten darf und jenen, die ich stelle. Vor allem, wen ich normiere. Gut, fangen wir an.

Was ist der “Liebster Award”? Der “Liebster Award” wurde ins Leben gerufen, um kleine Blogs mit bis zu 400 Followern etwas bekannter zu machen. Der Leser hat mithilfe eines Interviews die Möglichkeit, ein wenig mehr über den Autor des nominierten Blogs zu erfahren. Dies ist für Neulinge im Blogger-Universum eine nette Idee der Vernetzung. Für „alte Hasen“ im übrigen auch.

  1. Wie kamst du auf die Idee, zu Deinem Blog ?

Das ist echt ne lange Geschichte. Also: Es war einmal ein Brieffreund. Ein ziemlich schreibfauler Brieffreund. Den habe ich versucht, mit einem Projekt etwas aus seiner Reserve zu locken. Das waren die Glückskarten, die in einer Ausgabe der Cosmopolitan dabei waren. Die Idee war, dass ich eine Karte ziehe und wir dann beide einen Monat lang Zeit haben, einander dazu einen Brief zu schreiben. Eine der ersten Aufgaben lautete: Lerne etwas Neues. Tja, und so kam ich zum Bloggen. Wer noch die ganze Hintergrundgeschichte lesen will, kann das unter Theorie des Urknalls und Talentcasting nachlesen. Leider war das eine recht einseitige Angelegenheit und den Brieffreund gibt es nicht mehr. Man kann eben niemanden zu seinem Glück zwingen.

  1. Was inspiriert Dich zu Deinen Beiträgen ?

Meist ergibt sich das irgendwie so. Manchmal lese ich etwas, von dem ich denke: Ah, dazu habe ich auch ein paar Gedanken. Oder ich höre Radio und dann: Das ist ja guter Aufhänger. Am liebsten sind mir jedoch die Ideen, die sich aus Gesprächen entwickeln.

  1. Welcher Deiner Blogbeiträge ist Dein Lieblingsartikel und warum?

Ist wirklich nicht so einfach. Daher bin ich mal so an die Anfänge zurück gepilgert. Hier meine Favoriten: Tag der Abrechnung und oder Notwendigkeiten, weil ich seitdem viel bewusster über vieles und Konsum jeglicher Art im Besonderen denke und entsprechend handele. Und dann noch Duft des Lebens, weil es so schöne Erinnerungen sind.

  1. Für welchen Artikel hast Du besonders lange gebraucht und warum ?

Wenn ich noch länger über den Fragen drei und vier sitze, dann eindeutig dieser Artikel hier. Das hat jetzt echt Zeit gekostet, aber ansonsten, soweit ich mich erinnern kann Reise in die Vergangenheit. Damals habe ich da echt mit meinen Gefühlen gerungen. Und da kommen mir nach wie vor und immer wieder die Tränen.

  1. Welche Pläne hast Du für 2016 mit Deinem Blog ?

Die Frage muss eigentlich eher lauten: Welche Pläne hast Du noch..? Denn, dieses Jahr sind schon eine Menge Änderungen auf meinem Blog passiert. Zum Beispiel sind Layout und Anordnung neu. Eine Facebookseite gibt es jetzt auch. Beim Rest lasse ich mich einfach überraschen. Da habe ich ein gutes Gefühl.

  1. Was für einen Tipp würdest Du Blog-Neulingen geben ?

Nicht aufgeben. Nicht verbiegen lassen. Das klingt etwas abgedroschen, stimmt aber. Es gibt so viele, tolle Kollegen da draußen mit denen es unheimlich viel Spaß macht, sich auszutauschen. Ich bin immer wieder erstaunt, welche Geschichten sich hinter so manchem Blog verbergen.

Vielleicht noch Zusatztipp: Nicht so sehr auf die Meinung der Familie oder eigenen, realen Freunde bauen. Die meisten tun sich etwas schwer mit der Tatsache, dass man nun im öffentlichen Raum sein Privatleben ausbreitet. Das kann bisweilen auch ein Gratwanderung sein.

  1. Was hast Du in letzter Zeit zum allerersten Mal getan ?

„Nein“ gesagt. Gut, am Ende musste ich doch klein bei geben, aber es fühlt sich nach wie vor richtig gut an. Das mache ich jetzt öfter. Hoffentlich.

  1. Welche Schlagzeile würdest Du gern über Dich in der Zeitung sehen ?

„Glücklich, das Leben in vollen Zügen genossen zu haben und sich dabei immer treu geblieben zu sein, verstarb…..“

  1. Wie entspannst Du am liebsten ?

Lesen, Gärtnern, Wandern, Handarbeiten, Schreiben. Hört sich schon fast nach Freizeitstress an, wenn ich es recht bedenke.

  1. Wenn Du in Deinem Land eine Sache ändern könntest, was wäre das ?

Ich bin ein großer Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens für alle, denn ich glaube fest daran, dass Zufriedenheit und Produktivität gleichermaßen davon profitieren. Absolut sehenswert ist folgende Sendung des BR dazu: Nie wieder arbeiten?

  1. Welche technische Neuheit würdest Du gern unbedingt noch erleben, bevor Du stirbst ?

Selbstfahrende Autos vielleicht. Da habe ich irgendwie noch gar nicht so drüber nachgedacht. Aber ich bin auch nicht so der Technikfreak und kann ganz gut ohne. Wobei, Reisen in andere Galaxien fände ich ganz spannend.

∗∗∗

Und damit zu den Nominierungen.

Das Leben ist wild, weil Trix mit ihrem Leben schon jetzt achtsam umgeht

Trina’s Welt, weil sie mitten im Leben steht

Schmidchen, weil das Leben so schön sein kann

Zwischenraunen, weil jeder Monat mit einer Vorschau begrüßt und einem Rückblick verabschiedet wird.

Gedankensplitter, weil Melancholie oft viel zu sehr unterschätzt wird

Frau Zuckers Zeitvertreib, weil ich mir dort oft Ideen für neuen Lesestoff hole

Nur der Schritt macht Schwierigkeiten, weil Claudi eine wahnsinnig mutige Frau ist

My Daily Bad Luck, weil in der Kürze liegt die Würze

Traumradeln, weil Reisen bildet

Seelen-Snack, weil Claudia eine ganz besondere Art hat und ich mich hier so für ihre Nominierung revanchieren kann

Und hier die Fragen:

  1. Wie bist Du zum Bloggen gekommen?
  2. Was wünscht Du Dir für Deinen Blog?
  3. Liebstes Hobby neben dem Bloggen?
  4. Würdest Du gern oder hast Du schon mal jemanden von Deinen Blogger-Kollegen kennen gelernt?
  5. Schnittblumen oder Topfpflanze?
  6. Was möchtest Du in Deinem Leben auf alle Fälle noch tun?
  7. Würdest Du gern eine Deiner Entscheidungen ändern? Warum?
  8. Beschreibe Dich in drei Worten.
  9. Gibt es etwas, das Du beim/durchs Bloggen gelernt hast?
  10. Wie und wo siehst Du Dich in zwei Jahren?
  11. Wenn Du in Deinem Land eine Sache ändern könntest, was wäre das?

Wie lauten die Regeln?
Danke der Person, die Dich für den “Liebster Award” nominiert hat und verlinke die Adresse dieses Bloggers in Deinem Beitrag.
Beantworte die 11 Fragen, die Dir der Blogger, der Dich nominiert hat, stellt. Nominiere 5 bis 11 weitere Blogger für den “Liebster Award”. Stelle eine neue Liste mit 11 Fragen für Deine nominierten Blogger zusammen. Schreibe diese Regeln in Deinen “Liebster Award”-Beitrag.
Informiere Deine nominierten Blogger über diesen Beitrag, z.B. über einen Kommentar.

Viel Spaß beim Lesen und bei der Award-Dankesrede.

Eure Kerstin

 

Tag 22: Gleiche und selbe Fragen

Tag 22Habe ich schon mal erwähnt, dass mein jugendlicher Mitbewohner die Angewohnheit hat, mir gern fünf bis zehnmal oder noch öfter ein und dieselbe Frage stellt in der Hoffnung, meine Antwort würde sich irgendwann ändern?

Nun, hin und wieder antworte ich mit der Gegenfrage, ob hier vielleicht unter der Annahme gehandelt wird, dass ich bereits so verkalkt sei und unter Umständen mein ursprüngliches „Nein“ schlichtweg vergessen könnte, wenn man mich noch hundert weitere Male fragt, warum ich gegen den Erwerb eines total wichtigen und endcoolen Computerspiels bin. Weil – wohlgemerkt – alle haben das. „Klar, mein Augapfel, in dem Spiel herrscht zwar nur Mord und Totschlag und da steht eine dicke 18, aber wenn alle das haben, dann ist das natürlich kein Problem.“ So in etwa wäre wohl die Wunschantwort. Gut, vielleicht bis auf den „Augapfel“. Solche Bezeichnungen verbittet sich der jugendliche Mitbewohner von heute ausdrücklich.

Worauf ich eigentlich hinaus will? Ach ja, diese Frage habe ich doch schon beantwortet. Mehrmals, wenn ich mich nicht recht täusche. Nicht dieselbe, aber die gleiche. Der Autor der Fragen scheint also entweder auch anzunehmen, dass ich Probleme mit der Erinnerung habe, oder er ist selbst nicht mehr ganz bei sich.

Ich komme leider weder mit solchen, die mir nicht zuhören, noch mit solchen, die vergessen, was ich gesagt habe, wirklich gut klar. Von daher bin ich im Grunde als Mutter eine völlige Fehlbesetzung und der Wunsch, meinen aktuellen Lebensbereich gegen einen anderen zu tauschen, ist in solchen Momenten schon recht groß. Aber vielleicht mache ich das auch schon zu lange. Das Projekt hier natürlich. Oder dachte hier jemand an etwas anderes?

Dreißig Tage sind wirklich lang. Und heute ich erst Tag 22. Und wenn ich so die nächsten Fragen anschaue (konnte es mir leider nicht verkneifen, zu spicken, als ich so über die heutige Aufgabe sinniert habe und dachte, wie lange man denn wohl noch auf dem Thema herum reiten will) dann wiederholt sich dieselbe Frage noch ein paar Mal. Nur anders verpackt. Gleich eben. Schon bei dem Gedanken bin ich leicht genervt und versucht, ein „ach, mach’ doch, was Du willst“ auszusprechen und mir meine Energie für einen anderen Schauplatz aufzusparen.

Diesen Fragenkatalog könnte also auch mein jugendlicher Mitbewohner verfasst haben mit der Absicht, meine Aufmerksamkeit und Erziehungsmaßnahmen in andere Bahnen zu lenken. Oder als Strategie, wie koche ich meine Aufsichtsperson weich. Es ist wirklich erstaunlich, was in einem so manchem unreifem und überreifem Hirn alles für Ideen keimen.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Tag 2: Ungenau gewünscht!

Tag 2Auf den ersten Blick scheint die Frage ja recht eindeutig und einfach zu sein. Aber, um es mal mit den Worten des Sams (das mit den Wunschpunkten – wer es nicht kennt, frage seine Kinder oder Google) zu sagen: Ungenau gewünscht! Denn ich gehe stark davon aus, dass es dem Autor bei der Frage um sinnhafte Antworten geht und nicht nach dem Motto, was mir alles im Kopf rumschwirrt und weder Hand noch Fuß hat, wie etwa:

Kurz nach dem Aufstehen und den Morgennachrichten: Kann ich nicht einfach wie der Vogel Strauß bitte, den Kopf in den Sand stecken und dann ist all das Leid und jegliche Art von schlechter Nachricht einfach vorbei?

Als der Kopierer in der Arbeit mal wieder Papierstau meldet, obwohl ich dreimal nachgesehen habe und nicht den kleinsten Schnipsel entdecken konnte: Kann ich das Ding nicht einfach die Treppe runterschubsen und dann das Gepoltere und die verdutzten Gesichter auf Youtube posten?

Wie gesagt: Ungenau gewünscht! Derartige Phantastereien und Traumschlösser gehören wohl eher zu den geistigen Entgleisungen. Sicherlich sollte man sich mit den philosophischen Gesichtspunkten und etwaiger Folgen der Frage auseinandersetzen, wie etwa:

Im Supermarkt als ich Geschenke in Form von Alkohol für die Firma kaufen muss, weil man erst heute wusste, dass man die morgen braucht: Was der arme Tropf von der Kaufverhaltensanalyse bei meinen Einkäufen wohl zusammen bastelt? Gestern Chips, Banane, Lauchzwiebeln und Raclette Käse. Heute 5 Flaschen Wein. Ich sollte wirklich dazu übergehen und nur noch bar bezahlen. Das erspart der Marktforschung viel Arbeit und mir als Verbraucher am Ende den Ärger, wenn die Krankenversicherung mich an den Kosten der Behandlung beteiligt, weil, bei dem Lebenswandel usw.. Und ist es ethisch korrekt, beim Markendiscounter Wolle zu kaufen? Und welche Konsequenzen hat das?

Tja: Ungenau gewünscht kann ich da nur sagen. Denn im Grunde sind es doch meist die ganz praktischen und alltäglichen Dinge, die einem im Hirn umher spuken und die ganze Bandbreite der Frage abdecken, wie:

Der jugendliche Mitbewohner durchwühlt (mal wieder) panisch seine 15 Quadratmeter, weil das Physikheft (mal wieder – wobei das auch auf alle anderen Schulsachen passen würde) nicht auffindbar ist. Am Samstag war es noch da. Klar. Und danach am Freitag in der Schule auch. Ist klar. Nur, dass der Freitag vor dem Samstag kommt, scheint nicht so klar zu sein. Ebenso hatte ich (wie immer) am Vorabend das Packen des Schulranzens vorgeschlagen. So, von wegen weniger Stress und so. Wurde auch gemacht. Total klar. Deswegen ist das Heft jetzt auch weg. Und überhaupt, wie kann man ein Heft mit rosa Einband nicht mehr finden? So was springt einen doch förmlich an? Was sind das denn für Lehrer, die für ihr Fach rosa Umschläge wollen? Gut, auch nachdem ich mich (mal wieder) ebenfalls auf die Suche gemacht habe, ließ sich das Schweinchenheft nicht blicken. Nun war der Kummer groß. Der jugendliche Mitbewohner ein Häuflein Elend, den Tränen nah und vom Coolsein weit entfernt. „Da werde ich gleich wieder (hört, hört) angeschrie’n und dann bekomme ich diesmal eine Nacharbeit“. Klar, wenn man öfter mal was vergisst, ist das durchaus akzeptabel, um hormonell bedingte Abwesenheit des Denkapparates wieder aus dem Standby auf Betrieb zu aktivieren.

Und nun die Aufgabe: Welche Gedanken, Gefühle, Sorgen, Fragen, Ideen hast Du heute? Auflaufen lassen? Oder helfen? Pädagogisch wäre sicherlich a) richtig und würde, so der Hintergedanke, langfristig zum Erfolg führen. Aber gutmütige Mütter lassen hin und wieder dem Nachwuchs eine Hintertür offen, die dann hoffentlich auch zum Erfolg führt. Also bekommt das Kind eine Entschuldigung geschrieben und ich bin bereits um 7.30 Uhr nervlich erschöpft. Was die Kollegen wohl sagen würden, wenn ich mich einfach mal im Büro auf den Boden lege und eine Runde schlafe?

Was sagt man da? Alles drin! Perfekt gewünscht! Na, dann bis morgen, Kerstin.

 

Der Anruf

Karte Nr. 12: „’Dass wir miteinander reden können, macht uns zu Menschen’, Karl Jaspers. Sie sind eine Tochter, Cousine, Nichte bzw. Sohn, Cousin, Neffe. Rufen Sie ein Familienmitglied an, bei dem Sie sich lange nicht gemeldet haben.“

Es klingelt. Einmal. Zweimal. Dreimal. Vielleicht habe ich Glück und er nimmt nicht ab, denke ich. Viermal. Was mache ich, wenn ich ihn nicht erreiche? Fünfmal. „Hallo?“ „Hallo. Papa.“ Kurz zögere ich. Soll ich sagen: Ich bin’s. Kerstin. Aber wer sollte sonst ‚Papa’ sagen? Ich bin das einzige Kind. „Alles Gute zum Geburtstag.“ „Ja. Danke.“

Und jetzt? Warum habe ich mir nichts zurecht gelegt? Stichpunkte gemacht? Jetzt bloß nicht den Faden verlieren. Welchen Faden? „Wie geht es Euch? Wie geht es Dir?“ Ja, eigentlich will ich wissen, wie es meinem Vater geht. Ihm ganz persönlich. Ganz ehrlich. Ist er glücklich? Lebt er so, dass es ihm gut geht? Aber all das frage ich natürlich nicht. „Uns geht es gut. Freunde aus Stuttgart sind da.“ Freunde aus Stuttgart? Nie von denen gehört. Aber im Grunde scheint es auch nicht verwunderlich. Warum auch? Wir telefonieren zweimal im Jahr und tauschen Belanglosigkeiten aus. „Noch einen Tag, dann sind wir am Unterrhein.“ „Ach, dann seid Ihr schon wieder in Deutschland?“ Blöde Frage. Seit Jahren fährt er im Oktober fort und kommt im April zurück. „Ja, dann waren wir ein halbes Jahr in Portugal. Das achte Jahr.“ Oh Gott, wie die Zeit vergeht. „Oh, Wahnsinn wie die Zeit vergeht.“

Ja, das läuft doch ganz gut. Immer schön weiter reden. Aber was? Seit ich denken kann, habe ich nicht ein Gespräch geführt, das nicht irgendwie aufgesetzt und qualvoll war. Wir haben uns nichts zu sagen. „Wie ist das Wetter?“ Herrje, klischeehafter, langweiliger geht es wohl kaum. „Gut, natürlich nicht so warm wie in Portugal.“ „Also, hier hat es den ganzen Winter nicht geschneit.“ „Ach. Dann wird es ja jede Menge Plagegeiser geben.“

Ok. Das Wetter ist abgehakt. Ich brauche ein neues Thema. „Wart Ihr Ski fahren?“ Hat mich mein Vater gerade etwas gefragt? „Ja“, antworte ich perplex. „Wo wart Ihr denn?“ „In Saalbach.“ „Ach ja.“ „Ja, mit U. Da waren wir letztes Jahr auch schon. Schnee war nicht so viel. E. fährt Snowboard“, sprudelt es aus mir heraus. So viel Info wie möglich. „Snowboard? Ja, die jungen Leute fahren heute alle Snowboard.“ „Skifahren kann er auch, aber er wollte jetzt Snowboard lernen.“ Als ob ich mich rechtfertigen müsste, dass er nicht genauso gern und gut Ski fährt wie ich es getan habe.

„Und was macht die Schule?“ Noch eine unerwartete Frage. Wie kann es sein, dass er mich jahrelang immer nur angerufen hat, wenn er etwas gebraucht hat und nun auch einmal Interesse zeigt? Tief in mir zweifele ich, ob es wahres Interesse ist oder nur gesellschaftlicher Smalltalk. „Ja, ist gut.“ Und dann will ich gar nicht mehr aufhören. Erzähle von der Schule, den Fächern, Sport und allem, was dazu gehört. Am liebsten würde ich all die verpassten Chancen in diese paar Minuten packen. Ein Bild für ihn aufbauen, damit er eine Ahnung hat, wie es mir geht. „Gleich kommen unsere Freunde aus Stuttgart.“ Oh ja, das. „Mit denen gehen wir zum Essen.“

Ja, das ist wohl das Zeichen, dass das Gespräch lange genug gedauert hat. Bloß nicht zuviel Intimität aufkommen lassen. Am Ende könnte bei jedem der Eindruck entstehen, wir vermissen einander. „Ja, ist gut. Feiert schön.“ „Schick mir doch mal Deine neue Adresse.“ „Ja klar, mache ich.“ Innerlich sträube ich mich. Was für ein Blödsinn. Ist ja nicht so, dass er mich plötzlich ohne Ankündigung besuchen würde. Warum also? Will ich mir die Enttäuschung ersparen, die entsteht, wenn zu Geburtstagen oder anderen Feiertagen keine Karte oder Geschenk den Weg zu mir findet? „Mach’s gut. Viel Spaß.“ Ich liebe Dich Papa, füge ich in Gedanken hinzu.

– – –

Ich gebe zu, ich hatte Schützenhilfe in Form eines Geburtstages und ich bin mir nicht sicher, ob ich auch so geschafft hätte. Aber für ein paar Tage war ich glücklich. Glücklich, dass ich angerufen habe und nicht nur eine Karte oder ein E-Mail geschickt habe. Glücklich, weil er Interesse gezeigt hat. Glücklich, weil es sich so anfühlte, als ob unsere Beziehung doch noch eine Chance zum Besseren hätte. Es fühlte sich gut an. Ich fühlte mich gut. Dann kam mein eigener Geburtstag. Und er ging. Ohne Anruf. Ohne ein Wort von meinem Vater.

Die Last, die Familie bedeutet. Sie wiegt schwer und erdrückt einen. Saugt einen aus. Bis die Gedanken sich immer und immer wieder im Kreis um diese eine Frage drehen: Warum?

 – – –

Ganz ehrlich: Ich habe so gar keine Lust, eine neue Karte zu ziehen. Vielleicht hat M. recht. Seit ich dieses Experiment angefangen habe, bin ich deprimiert und stelle mir bei allem und jedem die Frage nach dem Sinn. Ok, keine Sinnkarte. So viel ist mal klar. Lieber Komfort. Bitte lass’ es eine gute Karte sein. Oh, nein, ich sehe Depressionen am Horizont aufziehen: “Sie spazieren auf den Pfaden Ihrer Kindheit: Tauchen Sie ab in eine heile Welt und leihen Sie sich einen Film aus Kindertagen aus: ’Lassie’, ‚Pippi Langstrumpf’, ‚Cinderella’…“ Ich besorge besser gleich auch eine Großpackung Taschentücher. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin