Zeitreisen

Es ist noch nicht ganz drei Monate her, dass ich meine Reihe „Das neue Reisen“ in schon fast weiser Voraussicht vorerst ad acta gelegt habe und, vielleicht war das sogar etwas naiv, physisch auf Reisen gegangen bin. Damals, ja ich möchte es wirklich so nennen, denn gefühlt ist es ein „Damals“, war das echte Reisen durchaus möglich. Sogar die Landesgrenzen waren wieder passierbar. Schöne, neue Welt, dachte ich, dachten wir. Doch mit dem einsetzenden Herbst und den verblassenden Erinnerungen an unbeschwerte, leichte Sommertage und -abende, ist neben dem Wetter auch die Stimmung im Keller und ich physisch wieder an die eigenen vier Wände gekettet, wobei es diesmal keine Ketten sind, sondern eher so etwas wie ein Expander. Die Zügel sind etwas lockerer, der Schock aber trotzdem unerwartet heftig.

Was also tun, wenn die Ferne nicht weiter als bis zum nächsten Supermarkt reicht und dichte Nebelschwaden einen zu trüben Grübeleien anstiften? Die Zeit verformt sich, das Leben zerfasert und franst an den Rändern aus. Lose Fäden, die zu Boden fallen. Einige Zeit und noch mehr Anstrengung hat es mich gekostet, aus dem Dickicht der Untergangsszenarien wieder ans Licht zu kommen.

Nun also eine Fortsetzung des Reisens im eigenen Kosmos in etwas abgewandelter Form. Diesmal geht es weniger um Orte als um die Zeit, denn diese ist objektiv betrachtet ja immer gleich, bekommt aber je nach Ereignis eine andere Gewichtung und Bedeutung. Und so lasse ich mich ein bisschen treiben auf der Gezeitenstraße.

Vergangenes, denn das Zurückschauen, so einfach es auch erscheint, konfrontiert einen mit dem eigenen Ich. Die Gegenwart, die sich nicht fassen lässt und doch jeden Augenblick bestimmt. Zukunft, Wunschdenken und Apokalypse, ein Kaleidoskop an Ungewissem.

Zeitreisen. Horizonte und Grenzen ungewiss.

Vier plus eins – eine Fortsetzung

Der eine oder andere, der meine Reihe „Bilder eines Sommers“ verfolgt hat, ist eventuell über die vier Elemente gestolpert und hat sich dann gefragt, was wohl mit dem fünften Element ist. Ich nehme mal an, jeder kennt den gleichnamigen Film.

Und irgendwie kam es auch mir so vor, als ob da noch das gewisse Extra fehlen würde. Ein Abschluss, etwas Wesentliches. Und irgendwie sind Bilder ohne Worte doch auch nicht ganz mein Ding. Also habe ich mir mal ein paar Gedanken gemacht.

Die Lehre der vier Elemente besagt, dass alles Sein aus einem Mischverhältnis zwischen Erde, Wasser, Luft und Feuer besteht. Es gibt Darstellungen mit Pfeilen, in Kreisform, sie werden Göttern und Geistern zugeordnet und nicht zuletzt den Aggregatszuständen. Während der Anfänge, die den Philosophen gebühren, gab es immer wieder andere Theorien, welches denn der Urstoff sei. Auf der Suche danach kamen die Philosophen auf den Äther und bezeichneten ihn als Quintessenz. Oder anders rum. Da komme ich an meine Grenzen, was die Philosophie betrifft und in Naturwissenschaften bin ich eh bereits beim kleinen Einmaleins ausgestiegen.

Quintessenz kommt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „fünftes Seiendes“ und ist so etwas wie eine ewige Substanz, die jenseits der irdischen Elemente existiert. Zeitlos und unveränderlich. Ein schöner Gedanken in einer Welt, die sich gefühlt im Sekundentakt neu erfindet und wandelt. Da kommt einem dann auch ganz von allein wieder der schon angesprochene Film und die Liebe als fünftes Element in den Sinn. Diese möchte man ja gern auch als etwas Außerirdisches, von immerwährender Dauer wissen. Und das, wissen wir alle, ist eine Wunschvorstellung.

Wenn es nun fünf Elemente sind, dann wird sich nie ein Gleichgewicht einstellen. Im Gegensteil, man ist ständig mit dem Ausbalancieren der Gewichte beschäftigt. Was eigentlich auch ganz gut so ist. Auf diese Weise ist man auch gezwungen, sich immer mal wieder seiner Grenzen bewusst zu werden, sich zu erden, nicht abzuheben, gegen den Strom zu schwimmen und gleichzeitig sich nicht verheizen zu lassen. Und so ganz nebenbei entdeckt man das Wesentliche, das fünfte Element.

Element

Wie heißt es in dem Roman „Mechanik des Herzens“ von Mathias Malzieu so schön: „Jedesmal gibt es diesen absurden und gleichzeitig wunderschönen Moment, in dem ich an das Unmögliche glaube.“

 

Eure Kerstin