Das Stromfresserchen

Vor ein paar Jahren waren meine Freundin und ich mit Familie zusammen im Urlaub. Das an sich ist jetzt nicht so bemerkenswert. Damals haben wir uns aber eine Ferienwohnung geteilt und wie es so meine Art ist, habe ich jedes Mal das Licht ausgemacht, wenn ich ein Zimmer verlassen habe. Das führte damals zu manch heiterer Bemerkung. Nun, zuhause verfahre ich auch nach dem Motto im-Dunkeln-ist-gut-Munkeln und schalte immer und überall alles aus, selbst der Standbybetrieb wird unterbunden und die Geräte soweit möglich immer vom Stromnachschub abgeschnitten. Der Fernseher ist eh nur ungefähr einmal die Woche an und die Zahnbürstenladestation hatte ich ja schon mal im Beitrag „Damit Sie morgen noch kraftvoll zubeißen können“ erwähnt.

Daneben gibt es so manche Angewohnheit, man könnte auch Marotte dazu sagen, die ich mittlerweile pflege: „Wie, Du schaltest die WLAN-Box ab?“, fragte mich neulich ein Bekannter. Ja klar, nach 22.30 Uhr ist bei uns keiner mehr surfen und vor 6 Uhr auch nicht, da wird eben kurzerhand der Saft abgedreht. Handy schalte ich meist noch früher aus. Feierabend für uns beide sozusagen. Und wenn ich mal nicht da bin, wird einfach alles ausgeschaltet bzw. komplett vom Strom genommen.

Der Hang zum Sparen scheint irgendwo in meiner Familie genetisch bedingt zu sein, allerdings in unterschiedlicher Ausprägung. Ist so mein Verdacht. Als ich mal zu Besuch bei meinem Cousin war und das benutze Geschirr in die Maschine einräumen wollte, meinte ich, ob ich diese mal anstelle solle, weil irgendwie kein Platz mehr war. „Da geht schon noch was rein“, war die Antwort. Leichte Verwunderung meinerseits, denn Platz sah in meinen Augen anders aus. Doch tatsächlich, da passte sogar noch eine weitere Mahlzeit rein. Ob ein übervoller Geschirrspüler nun letzten Endes wirtschaftlicher ist, kann ich allerdings nicht sagen. Bei mir bleibt, wenn ich wirklich bis Oberkante Unterlippe alles vollstopfe und stapele, so mancher Essensrest erhalten.

Neben einem Hang zum Ausreizen des maximalen Füllgrades der Geschirrspülmaschine führt die Verwandtschaft auch ein Waschmaschinentagebuch, in dem vermerkt wird, welche Art von Waschladung wie oft dran ist. Gut, ich warte einfach bis die Maschine voll ist, was schon mal drei Wochen dauern kann. Zum Leidwesen des Nachwuchses lassen dann leider Lieblingsteile manchmal auf sich warten. Mein Alternativvorschlag, es dann mal mit einer Handwäsche zu probieren, wird selbstverständlich verächtlich abgewunken. Tja, die Jugend von heute lässt machen. Dass der Verzicht aufgrund Umweltgedanken erfolgt, scheint mir fraglich.

Ich hingegen nehme die Sache gern mal in die Hand. Nicht bei der Wäsche, aber durchaus in der Küche. Anstatt Mixer greife ich ganz gern mal zum Rührbesen. Spart Energie und das Fitnessstudio. Im Übrigen gilt das auch für Treppen, den Handrasenmäher, den Rechen, den Kehrbesen und noch ganz viele andere moderne Technologien, die einem die Handarbeit im wahrsten Sinne des Wortes rauben, wobei diese doch ganz wunderbar und kostenlos auf das Konto der körperlichen Gesundheit einzahlen. Und wer sich mal so richtig verausgabt, wird feststellen, dass man plötzlich sogar noch mehr Energie hat. Ein toller Effekt.

Strom

 

Eine ganz andere Wirkung hat der sogenannte Rebound-Effekt, bei dem wir trotz energiesparender Gebrauchsgegenstände stetig immer mehr Energie verbrauchen. Denn obwohl die Geräte heutzutage immer weniger Energie benötigen, verschlingt unser Energiehaushalt immer mehr, weil wir immer größere Geräte in immer größere Anzahl und immer schneller ersetzen.

Ich selbst habe mir Anfang des Jahres einen neuen Laptop geleistet – nach acht Jahren. Dabei wäre der alte Rechner es durchaus noch ausreichend gewesen. Der Akku war zwar schrottreif, die Lüftung hätte einer Harley Konkurrenz machen können und beim Thema Schnelligkeit, nun ja, dabei ließ sich so manche Tasse Kaffee oder Tee brühen. Aber so gesehen alles kein wirklich kritischer Grund, um eine Trennung anzustreben, wenn da nicht die fürsorgliche Programmmanufaktur wäre, die einfach kein update mehr für mein Gerät liefern kann/will und mich damit der Welt des Internets schutzlos auslieferte. „Sie gehen mit dem Ding wohl hoffentlich nicht mehr ins Internet!“, meinte der Verkäufer, als ich nach einer externen Festplatte zur Datensicherung gefragt habe. Manchmal wird man eben zu seinem Glück gezwungen, wobei Glück ja immer auch eine Betrachtungsweise von einem Standpunkt aus ist.

Damit die Energiesklaven mir am Ende nicht die Haare vom Kopf fressen, werden sie also an kurzer Leine gehalten und zum Beispiel nur geladen, wenn der Akku wirklich leer ist. Oder eben das Licht abgedreht. Festbeleuchtung herrscht nur zu Weihnachten. Kleinvieh macht auch Mist. In beide Richtungen. Das Ergebnis ist, dass meine Stromrechnung trotz zunehmendem Bedarf im Zimmer des jugendlichen Mitbewohners, nach wie vor unter dem eines Ein-Personen-Haushaltes liegt. Inzwischen beziehe ich auch Ökostrom aus der Region, das macht aufs Jahr gesehen gerade mal €20,00 mehr aus. Dafür sitze ich ganz gern mal bei Kerzenlicht am Küchentisch und schaue in die beleuchteten Wohnungen der Nachbarn.

Für mich definitiv kein Alibi, meinen Verbrauch zu steigern. Schließlich sind solche Verhaltensweisen kontraproduktiv, wenn ich beispielsweise dann einfach alles ständig laufen lassen oder am Ende noch zusätzliche Geräte anschaffe und mein Gewissen damit beruhige, dass ich ja ökologisch produzierten Strom beziehe. Ähnlich wäre es auch, wenn ich beispielsweise ein Elektroauto hätte, dafür aber dann keinen Schritt mehr zu Fuß gehe.

Und beim Thema Auto wären wir wohl auch schon im Bereich Luxus, oder was meint Ihr? Eine Zusammenfassung lasse ich jetzt mal ausfallen und es geht dann nahtlos weiter mit den schönen Dingen des Lebens.

 Also dann, action!
Eure Kerstin

Tag 25: Vorbereitung ist (fast) alles

Tag 25Um für das Projekt „Aussteigen“ gerüstet zu sein, bedarf es ja neben dem Ausrüstungsequipment eigentlich nur zwei weitere Voraussetzungen: Finanzielle Mittel und körperliche Fitness.

Punkt eins lässt sich durch konsequentes und rigoroses Sparen erreichen. Oder einen Lottogewinn. Beides gehört nicht zu meinen herausragenden Eigenschaften. Hier ist also noch etwas Disziplin gefragt. Vielleicht fange ich einfach mal damit an, mir einen Lottoschein zu besorgen. Ausfüllen und Abgeben nicht vergessen. Ich weiß. Das Glück ist mit den Mutigen. Einen Plan B kann ich mir dann immer noch überlegen. Zum Beispiel könnte ich ja meinen Chef auf Knien und unter Tränen um eine Gehaltserhöhung anflehen. Aber das wäre dann wohl eher schon Plan C oder D.

Punkt zwei bedeutet regelmäßige Bewegung. Ich fahre tagtäglich mit dem Rad zur Arbeit und jogge einmal die Woche. Alles andere gehört in die Kategorie Beschäftigung auf Teilzeitbasis. Das muss reichen. Einfluss auf die Gesundheit im Allgemeinen hat man eh nicht. Da kann ich dann nur hoffen, dass mein Genmix meinem Vorhaben zugute kommt. Insofern verfolge ich die Strategie „training on the job“. Frei nach dem Motto: Fit wird man automatisch, wenn man einen 15-20kg Rucksack zehn Stunden am Tag über Stock und Stein schleppt. Das hat auch ganz gut bei meiner Alpenüberquerung funktioniert. Der Rucksack war zwar deutlich leichter, dafür waren die Höhenmeter extremer bzw. der Weg anspruchsvoller.

Noch ein Nachtrag zur Equipment: Ich habe fest gestellt, dass man noch so viel Energie und Überlegungen in die Auswahl der richtigen Ausrüstung stecken kann, am Ende bzw. meist bereits nach 2 Tagen stellt man fest, dass manches Teil eine völlige Fehlplanung ist während man irgendeine Sache völlig übersehen hat. Von daher sollte ich Punkt eins definitiv nochmals genauerer Betrachtung unterziehen und ab sofort Rücklagen bilden. Ein Punkt für die guten Vorsätze im neuen Jahr. Denn wie so oft im Leben, heisst es auch hier: Vorbereitung ist schließlich (fast) alles.

 

Na, dann bis morgen, Kerstin

Seelenfitness

Karte Nr. 14: “Bewegen Sie sich: Schwingen Sie sich aufs Fahrrad, ziehen Sie ein paar Bahnen im Schwimmbad oder dehnen Sie Ihren Körper bei einer Yogastunde. Wetten, dass Sie sich danach auch seelisch viel fitter fühlen?“

Also, wenn es um Bewegung geht, gehöre ich eher zu den Abhängigen, würde ich sagen, weil ich nicht still sitzen kann. Von daher war dies hier mehr Kür denn Pflicht.

Ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit. Jeden Tag –außer es schüttet aus Kübeln. Einfach macht das 1,9km. Ist jetzt nicht so viel, summiert sich aber auf ungefähr 76km pro Monat, wenn man von einem 20-Tage-Arbeitspensum ausgeht. Für meine Seele habe ich also diesen Monat noch ein paar extra Kilometer erstrampelt: Erdbeerpflücken, Eisessen, Einkaufen, Gartenausstellung, Fahrt zum See. Alles mit dem Drahtesel. Wobei die Tour von der Gartenausstellung nach Hause mit Abstand die Schönste war. Die Sonne ging schon langsam unter und ich habe einen kleinen Abstecher am Fluss entlang gemacht und bin dabei an jeder Menge Kornfelder vorbei gekommen, die mit leuchtendroten Mohnblumen gesprenkelt waren. Einfach traumhaft, die roten Punkte in den sonnengelben Feldern.

Rad Zweimal in der Woche jogge ich auf dem örtlichen Trimm-Dich-Pfad. Die Übungen mache ich dabei nicht, aber dafür absolviere ich zwei Runden. 4452m insgesamt. Bergauf, bergab. Ach ja, und dabei lästere und quassele ich ausgiebig, was sicherlich als Zusatzübung gerechnet werden kann. Diesen Monat habe ich ein paar extra Runden im Wald gedreht (hauptsächlich, weil mein Laufpartner sich nach Italien verdrückt hat und mich hier bei 30°C Hitze hat sitzen lassen). Es geht doch nichts über einen frühen Start, wenn die Sonne gerade aufgeht und die Erde erwärmt, der Boden noch feucht ist und man die Sonnenstrahlen auf dem Rücken spüren kann.

Jogging

Jede Stufe verlängert das Leben um ein paar Sekunden. So, oder so ähnlich habe ich das mal irgendwo gelesen. Und ich mag Treppen. Ich nutze sie auch, wenn es einen Fahrstuhl gibt und ich nicht gerade in den fünfte Stock oder höher hinauf muss. Zum Glück haben wir in der Arbeit keinen Fahrstuhl. Mein Zuhause verfügt über vier Etagen (ist etwas verwinkelt). Das und die zwei Etagen in der Arbeit sorgen für jede Menge Bewegung. Lustigerweise ist die Anzahl der Stufen der einzelnen Treppenabsätze bei mir unterschiedlich: Acht, sieben und neun. Erst dachte ich, es liegt an dem Hexenhaus, in dem ich wohne und daran, dass die Decken alle unterschiedlich hoch sind (war bestimmt die Abschlussarbeit beim Architekturstudium), aber dann habe ich die Stufen in der Arbeit gezählt und ta da, die waren ebenfalls unterschiedlich. Es gibt vier Treppenabsätze mit elf-neun-elf-neun Stufen. Ich bin echt total verwirrt, warum das so ist (scheint wohl doch eine allgemeine Architektenmasche zu sein und nicht nur Anwärter betreffend). Insofern muss ich unbedingt bei nächster Gelegenheit mal woanders die Stufen zählen, selbst wenn es bedeutet, fünf Stockwerke oder höher zu erklimmen. Spart Energie und sorgt auch für einen knackigen Hintern.

treppauftreppab

Yoga wird allgemein natürlich mehr als Seelensport denn als work-out angesehen, aber mein Yogakurs zählt eher zur Gattung Power-Yoga. Puh, nach eineinviertel Stunden spüre ich jede Faser und jeden Muskel. Wenn ich im Anschluss in der Sauna sitze, würde ich mich am liebsten zu einer Kugel zusammenrollen und einfach liegen bleiben – so fertig bin ich. Ich habe auch schon andere, ruhigere Yogakurse gemacht, musste aber feststellen, dass mein Geist sich dabei nicht so richtig entspannen konnte. Also ist das die bessere Alternative für mich, obwohl ich gern mehr mentale Entspannung machen würde.

Yoga

Das sind so meinen normalen Körper- und Geistbewegungsaktivitäten. Leider hatte ich letzten Monat keine Gelegenheit, meiner Lieblingsseelenfitness Wandern nachzugehen. Die Luft, das Licht, die Stimmung, die Geräusche, die Sicht, die Gerüche – alles erscheint einem wie ein Wunder und ich fühle mich zur richtigen Zeit am richtigen Platz. Wundervoll. Stattdessen bin ich zum Bouldern. Na, ist natürlich kein Vergleich, aber verlangt zumindest ein hohes Maß an Konzentration.

Bouldern

Ach ja, Schwimmen. Schwimmen stand auch auf der Karte. Also, ich habe es wirklich versucht. Ich bin sogar mit dem Fahrrad zum See gefahren. Aber das Wasser war so dermaßen kalt, dass ich es einfach nicht geschafft habe. Als Ausgleich hatte ich mir Ballett ausgesucht, aber dann fand ich die Vorstellung von einer alten Tante wie mir unter den jungen, biegsamen Dingern doch etwas befremdlich und bin statt dessen zum Zumba (lag aber evtl. auch daran, dass zufälligerweise ein entsprechender Flyer in meinem Briefkasten war). Gut, ich also hochmotiviert da hin. Schließlich gehöre ich zu der Aerobicgeneration und tanze auch gern – also, so für mich. Erster Eindruck: Lauter junge, biegsame Dinger. Zweiter Eindruck: Alte Tanten wie ich müssen nicht jeden Modetrend mitmachen. Und im Grunde ist Zumba nur Aerobic mit Popowackelmusik. Und da ich keinerlei südländisches Blut in meinen Adern habe, fehlt mir das sexy Hüftschwunggen.

swimmingZumba

Von daher bleibe ich bei meinen Leisten und quäle mich nicht mit Sachen, die zu Abzügen bei meiner Seelenfitness führen.

Da der Sommer gerade erst richtig in Fahrt kommt, kann eine Powerkarte nicht schaden würde ich sagen. Ja, die ist für mich: Karte Nr. 15: “Machen Sie etwas selbst: Stellen Sie etwas mit eigenen Händen her, das Sie sonst gekauft hätten – eine Glückwunschkarte oder einen Pareo. Und seien Sie hinterher stolz auf Ihr Werk!“ In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

 

Eure Kerstin