eingepackt und rundgegangen – was sonst noch angefallen ist

“Die goldene Regel lautet: Was Sie zu Hause an Besitz haben, sollte entweder nützlich sein oder etwas wirklich Schönes.“ Soweit die Aussage von William Morris. Die Steigerung wäre dann folgendes Statement von Robert Wringham: 
1. Kaufen Sie nichts oder schaffen Sie nichts an, was Sie nicht essen können.
2. Schaffen Sie alles ab, was Sie nicht regelmäßig benutzen oder das keinen besonderen ästhetischen Wert für Sie hat.“

Wo befinde ich mich da? Klar, mittendrin. Ich kaufe immer auch mal wieder Dinge, die ich nicht essen kann. Manche Sachen als Ersatz (z.B. Glühbirne), manche Dinge zum Vergnügen (z.B. Bücher), und hin und wieder auch einfach so (z.B. Kleid). Im Übrigen gehe ich stark davon aus, dass mit erstens auch alle Verbrauchsdinge wie Seife, Zahnpasta, Putzmittel usw. gemeint sind, auch wenn man die nicht essen kann. Auch bei zweitens befinde ich mich noch im Prozess des Evaluierens, Aussortierens und Loslassens. Aber zumindest in Gedanken sind diese Grundsätze bei mir angekommen.

Apropos Evaluieren: Gefühlt gibt ja so viele Ansätze wie Minimalisten und manche sagen dann von sich, sie besitzen hundert oder weniger Dinge. Ich bin bei solchen Äußerungen immer leicht demotiviert bis mittel deprimiert, weil ich ja schon allein mehr als zweihundert Besteckteile horte. Wie soll ich je auch nur annähernd auf so ein Ergebnis kommen? Für jeden Mitbewohner ein Besteckset und dann nach jedem Gebrauch abwaschen? Das mag bei einer Rucksackwanderung Sinn machen, aber im Alltag entspricht das eher nicht meiner Devise: „Life first.“ Vom Zeitfaktor mal ganz abgesehen.

Nun bin ich bei meiner Lektüre zum diesjährigen Nachhaltigkeitsprojekt auf die unterschiedlichen Varianten des Zählens gestoßen. Aha, es gibt also manche, die zählen jedes Teil, und manche, die zählen die Gattung (Gabeln, egal ob Kuchen-, Vorspeisen-, Fleischgabeln) sozusagen. Es gibt auch die Möglichkeit nach den Regeln von Beständigkeit, Abhängigkeit und Eigentum Gegenstände ganz auszuschließen. Also: Alles, was verbraucht wird (z.B. Lebensmittel), was zusammengehört (z.B. PC und Stromkabel) und was von mehreren genutzt wird (z.B. Möbel), wird nicht bzw. im Fall der Abhängigkeit nicht separat gezählt. So komme ich ganz schnell von meinen über zweihundert Besteckteilen auf Null. Von so was darf man sich also nicht verrückt machen lassen.

Und apropos verrückt machen lassen: Ich verzichte inzwischen ganz bewusst auf Dauerbeschallung und Nachrichtenflut. Die Medien bedienen unsere Ängste und Sensationslust und man hat den Eindruck, die Welt besteht nur aus schlimmen Dingen. Irgendwie befindet man sich im permanenten Schockzustand. Dabei ist das ein unrealistisches Schreckensbild. Daher findet der Radio- und Nachrichtenkonsum bei mir regelmäßig nur noch wochentags zwischen 6.00 Uhr und 7.15 Uhr statt und manchmal zur abendlichen Talkshow. Die Stille entwickelt ihre eigenen Geräusche und lässt viel Raum für die Gedanken.

Der Fernseher darf nun hin und wieder mal Fußball ausstrahlen, aber ansonsten hat sich da gegenüber letztem Jahr, dass er ca. ein bis dreimal in zwei Wochen die große, weite Welt ins heimische Wohnzimmer ausstrahlen darf, nicht viel geändert.

Der Mensch ist inzwischen fast ausnahmslos visuell unterwegs und hat verlernt, sich auf seine Sinnesorgane einzulassen. Wenn also Augen und Ohren nicht von außen reizüberflutet werden, dann eröffnen sich ganz neue Welten, wenn man es nur zulässt.

Noch zwei Hinweise:
1.      Für alle, die sich gern Anregungen und Motivation holen, kann ich den Nachhaltigen Warenkorb www.nachhaltiger-warenkorb.de empfehlen. Da gibt es u.a. montags immer eine Challenge mit zahlreichen Hintergrundinfos und Tipps.
2.      Alle, die gern die Welt verbessern möchten und dies auch beruflich, werden vielleicht bei The Changer (https://www.tbd.community/de) fündig.

Zum Abschluss folgt wieder eine Zusammenfassung. Also, dann ein letztes Mal action!

Eure Kerstin 

Filmwissen für die ältere Generation und Nostalgiker

Karte Nr. 13: „Sie spazieren auf den Pfaden Ihrer Kindheit: Tauchen Sie ab in eine heile Welt und leihen Sie sich einen Film aus Kindertagen aus: ’Lassie’, ‚Pippi Langstrumpf’, ‚Cinderella’…“

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die letzte Kartenziehung, als ich sagte, dass ich im Lustloskeller feststecke. Also, Komfort war auch nicht die Lösung. Anstatt einfach alle Filme und Serien meiner Kindheit rauf und runter laufen zu lassen, habe ich die Zeit damit verbracht, zu überlegen, was ich gern sehen würde. Im Zuge dessen ist mir bewusst geworden, wie weit weg diese Art von bewegten Bildern ist und wie groß die Unterschiede zu heutigen Produktionen sind, bei denen auch Erwachsene in sogenannten Kinderfilmen auf ihre Kosten kommen.

Mein erster Kinofilm war „Bernhard & Bianca“. Ein echtes Erlebnis und das ohne Popcorn und Limo. Neulich bin ich beim Sendersurfen zufällig darauf gestoßen. Himmel, was für eine farblose und unscharfe Grafik. Gefühlt keine Action und keine scharfsinnigen oder witzigen Dialoge, wie man es inzwischen gewohnt ist.

Ich will gar nicht behaupten, dass früher alles besser war. War es bestimmt nicht. Vom pädagogischen Standpunkt aus, lassen sich damals wie heute gleichermaßen schlechte und gute Beispiele aufzählen.

Nehmen wir nur mal die Zeichentrickserie. „Biene Maja“. Maja ist eine junge Biene, die im Grunde nie auf das hört, was man ihr sagt. Sie hilft nicht beim Honig sammeln und drückt sich auch sonst vor der Arbeit. Und immer gerät sie wegen ihrer Neugier in Schwierigkeiten. An ihrer Seite ist Wille. Ein echt gutmütiger, etwas ängstlicher Tropf, der immer versucht, Maja zu überreden, keinen Unfug zu machen, aber sie trotzdem nicht verpetzt und auch weil er ziemlich faul ist, mit ihr zusammen alle Abenteuer erlebt, wobei das Gruseligste die Spinne Thekla ist, die ihrer Geige schmerzhafte Töne entlockt, um die Insekten in ihr Netz zu locken, was ihr aber nicht einmal gelingt. Maja ist also ein aufmüpfiger, frecher, erziehungsresistenter Trotzkopf. Nicht gerade Eigenschaften, die man beim eigenen Nachwuchs fördern möchte. Mag sein, dass ich die Serie so negativ in Erinnerung habe, da die Spinne Thekla mir Albträume bescherte und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Spinnenphobie aus der Zeit her rührt.

Noch so ein Beispiel ist „Wicki und die starken Männer“. Ich dachte ja immer, dass Wicki ein Mädchen ist. Schließlich hat sie/er ja lange Haare trägt so was wie ein Minikleid und die/der beste Freund/in ist Ilvy. Logisch, ganz klar ein Mädchen. Wicki ist jemand, der man als hochbegabt einstufen könnte und schon im Kindesalter mit den Wikingern in See sticht, wobei die Wikinger von Flaake gute Wikinger sind und so gut wie keine Raubzüge veranstalten. Na, jedenfalls ist Wicki dreimal klug und weiß immer die perfekte Lösung für jedes Problem. Ganz im Gegensatz zu den gestandenen Kriegern des Stammes und aller anderen. Zusammengefasst könnte man sagen, das ein geschlechtsneutrales Kind (vielleicht wäre Wicki in Folge 2058 der erste transsexuelle Wikinger geworden), dessen Intelligenz zum Betrügen der Zollbehörde missbraucht wird (Folge 6) und der von Gleichaltrigen auf Grund seine Furcht vor Wölfen und weil er als Sohn des Chefs schon im Kindesalter mitfahren darf gemobbt wird. Frühförderung sieht anders aus. Die Botschaft „Hirn statt Haue“ dagegen ist zeitlos und heute grundlegender denn je.

Gut, vielleicht liegt es an meinem Alter bzw. daran, dass es zu meiner Kindheit einfach nicht diese Mengen gab. Es gab kein Frühstücksfernsehen und keine Daily Soaps und keine 24-Stunden-Dauerbeschallung. Nach Programmschluss wurde die Eurovisionhymne gespielt und dann erschien dieses graphische Bild. Testbild heißt es technisch korrekt. Wusste ich bis dato auch nicht. Und es gab diesen schrillen, durchgehenden Ton. Messton genannt. Musste ich auch nachschauen. Dann kam der Schnee und ein diffuses Rauschen. Es gab schlicht und ergreifend ein Ende.

Tagsüber lief der Fernseher einfach nicht –außer zur Sportschau am Wochenende oder wenn es einen Familienfilm mit den Filmgrößen der damaligen Zeit gab. Ich erinnere mich da an Peter Alexander (Im weißen Rössl am Wolfgangsee), Cary Grant (Über den Dächern von Nizza), Doris Day (Spion in Spitzenhöschen), Liselotte Pulver (Das Wirtshaus im Spessart), Fred Astaire (Swing Time), Audrey Hepburn (Frühstück bei Tiffany), Heinz Rühmann (Die Feuerzangenbowle) Gene Kelly (Singing in the rain), David Niven (Der rosarote Panther), Romy Schneider (Sissi) und Edgar Wallace (Ok, vielleicht kein kindertaugliches Material).

Sicherlich mag der gemäßigte Fernsehkonsum auch an der Programmanzahl gelegen haben. Heute bleibt bei mir die Kiste oft ein, manchmal zwei, Wochen aus. Meist, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt bin. Oft aber erschlägt mich schon die Fernsehzeitung und ich gebe auf, weil ich bei 40 Programmen und mehr die Übersicht verliere. Das war früher einfacher. Da ich in Bayern aufgewachsen bin, konnten wir neben den deutschen Sendern ARD, ZDF und dem bayerischen Regionalsender BR auch die Österreichischen empfangen. Danke, liebes Nachbarland. Und das nicht nur dafür, weil seit Udo Jürgens im Jahre 1966 der Eurovision Song Contest, der damals noch Gran Prix Eurovision de la Chanson hieß und einen schon auf Grund des Titels zu aufrechter Sitzhaltung und angemessener Kleidung anhielt, wieder nach Österreich geht.

Auch so ein Teil Kindheitserinnerung: Die großen Samstagabendshows wie „Der große Preis“ (Wim Thoelke und Wum und Wendelin), „Am laufenden Band“ (Rudi Carell), „Zum blauen Bock“ (Heinz Schenk), „Dalli Dalli“ (Hans Rosenthal), „Einer wird gewinnen“ (Hans-Joachim Kuhlenkampff) „Musik ist Trumpf“ (Peter Frankenfeld) und später dann „Wetten, dass..?“ (Frank Elstner).

Im Rückblick ist da jede Menge heile Welt im Programm. Und irgendwie passt es nicht mehr in die heutige Zeit. Vielleicht passe auch ich nicht mehr in die heutige Zeit. Ein angestaubter Klassiker, der farblos und unscharf daherkommt.

Noch eine letzte Anmerkung, bevor es zur neuen Kartenwahl, diesmal eine Powerkarte, die mich hoffentlich wieder etwas aufmuntert: Mein Filmwissen für die ältere Generation und Nostalgiker ist natürlich nur ein Bruchteil dessen, was mir so alles dazu in den Sinn gekommen ist. Also, nicht böse sein, wenn hier der eine oder andere Kindheitsliebling keine Erwähnung gefunden hat. Freue mich aber auf entsprechende Ergänzungen in den Kommentaren.

So, nun aber auf zu neuen Taten. “Bewegen Sie sich: Schwingen Sie sich aufs Fahrrad, ziehen Sie ein paar Bahnen im Schwimmbad oder dehnen Sie Ihren Körper bei einer Yogastunde. Wetten, dass Sie sich danach auch seelisch viel fitter fühlen?“ Gut, nicht gerade <pointes>>, aber mal sehen, was sich daraus machen lässt. In diesem Sinne: Bis in einem Monat.

Eure Kerstin